Rechenzentren-Boom trifft Sporttechnologie: Japans KI-Offensive über 140 Milliarden Dollar
Japans größter Stromerzeuger JERA und Dell haben am Donnerstag eine unverbindliche Vereinbarung über den Bau von KI-Rechenzentren im ganzen Land unterzeichnet. Laut der Financial Times könnte die Offensive bis zu 140 Milliarden Dollar kosten.

JERA, Dell und der britische Entwickler RHAELM unterzeichneten die Vereinbarung am Donnerstag, teilte JERA mit. Die Beteiligungsgesellschaft Apollo beteiligt sich als Finanzierungspartner von RHAELM an der Finanzierung.
Das erste Projekt entsteht neben JERAs Gaskraftwerk in Chiba, östlich von Tokio. Es soll etwa 400 Megawatt beziehen und über alle Bauphasen hinweg mehr als 15 Milliarden Dollar kosten, umgerechnet 2.300.000.000.000 Yen. Der Betrieb soll um 2028 beginnen. Der Vorteil des Plans ist das Tempo. Das Rechenzentrum nimmt den Strom direkt aus dem Kraftwerk von JERA, statt jahrelang auf einen Netzanschluss zu warten. "Wir können eine Anlage mit 400 MW Jahre vor einem üblichen Zeitplan am Netz liefern", sagte Bradd Lewis, Vorstandschef von RHAELM. Jede Firma hat eine feste Rolle. JERA bringt Grundstück und Strom ein, Dell liefert fertig montierte Server-Racks, und RHAELM übernimmt den Bau. JERA erzeugt nach eigenen Angaben rund ein Drittel des Stroms in Japan.
Das ist die Infrastrukturebene. Darauf sitzt der Bereich Sporttechnologie und Datenanalyse. Die Zahlen aus derselben Woche zeigen, wie viel Nachfrage darunter entsteht.
Rechenzentren im Weltraum bekommen einen Starttermin
Am Donnerstag hob Googles Prototyp eines Satelliten für Rechenleistung im Orbit mit einer SpaceX-Rakete von Kalifornien aus ab, berichtete TechCrunch. Der Konzern schickte damit erstmals einen seiner fortgeschrittenen Chips ins All. Der von Planet Labs gebaute Satellit soll belegen, dass eine Google Tensor Processing Unit im Weltraum funktioniert. Dafür muss er ein Kilowatt Dauerleistung liefern, den Chip kühlen und eine Reihe von Modellen durchtesten.
"Wir haben Tests am Boden gemacht, aber es gibt keinen Test, der so gut ist wie die Sache selbst", sagte Travis Beals, der bei Google das Projekt Suncatcher leitet. Nach der Inbetriebnahme soll der Satellit seine TPU in Intervallen von 15 Minuten laufen lassen, damit Stromversorgung und Kühlung nicht überlastet werden.
Google veröffentlichte am Donnerstag außerdem eine begutachtete Fassung seines White Papers zu Rechenzentren im Orbit, das in Joule erscheinen soll. Das Papier argumentiert, SpaceX habe seit Falcon 1 eine Lernkurve mit Preissenkungen von etwa 20 Prozent pro Jahr erreicht. Startpreise nahe 200 Dollar pro Kilogramm bis 2035 seien realistisch zu erwarten. Light Reading berichtete am 28. September, der MVP-Satellit solle am 1. März mit der Transporter-18-Mission an Bord einer SpaceX Falcon 9 mitfliegen. Er trägt vier spezialisierte TPUs und ein Kilowatt Leistung. Der Test werde "einfache KI-Abfragen beantworten und ein Jahr lang laufen", schrieb die New York Times, zitiert von Light Reading.
Warum ist das für den Sport wichtig? Live-Übertragungen sind schon heute die anspruchsvollste Streaming-Last überhaupt. Comcast und Fastly erklärten, sie arbeiteten mit NBCUniversal daran, Live-Sport und andere stark nachgefragte Streaming-Ereignisse auf Peacock auszuliefern. Die Arbeit läuft auf Infrastruktur, die näher an den Zuschauern steht, wobei Fastlys Software direkt auf dem landesweiten Netz von Comcast läuft. Comcast betreibt mehr als 200 KI-gestützte Edge-Rechenzentren in den USA. "Live-Sport stellt außergewöhnliche Anforderungen an die Streaming-Infrastruktur, oft kommen Millionen Zuschauer im selben Moment", sagte David Bohunek, Senior Vice President of Global Video Engineering bei NBCUniversal Media Group.
Wer die Kapazität tatsächlich kauft
Nebius unterzeichnete einen Vertrag über Rechenzentrumskapazität mit AIB Data Centers, meldete Data Center Dynamics am Donnerstag. Der Vertrag mietet 50 MW im Südosten der Vereinigten Staaten mit einer Laufzeit von zunächst 12 Jahren. Zwei Serverhallen entstehen, die erste soll in 10 Monaten stehen, die zweite in 14 Monaten. "Die Zeit bis zum Strom ist heute die entscheidende Grenze der KI-Infrastruktur", sagte Andrey Korolenko, Chief Product and Infrastructure Officer bei Nebius.
Auch die Geografie verschiebt sich. ByteDance steht für rund ein Fünftel der in China fertiggestellten Rechenzentrumskapazität, schätzt das Forschungsunternehmen SemiAnalysis, zitiert von der South China Morning Post am 28. September. Damit ist der TikTok-Eigentümer der größte Mieter des Landes. SemiAnalysis schätzt, dass China über mehr als 24 GW fertiggestellte Kapazität verfügt, weitere 20 GW sind im Bau. Alibaba, Tencent und Baidu investierten im zweiten Quartal zusammen 20.000.000.000 US-Dollar an Investitionsausgaben, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Auf den Philippinen will Globe Telecom 2027 mindestens 1.000.000.000 Dollar in Rechenzentren investieren, berichtete Light Reading am 30. September. "Wir haben derzeit große Mühe, die Nachfrage nach Rechenzentren zu bewältigen", sagte Präsident und CEO Carl Cruz dem Philippine Daily Inquirer. Das Land hat 44 Rechenzentren mit 140 MW laufender Kapazität, dazu 43 MW im Bau und 221 MW in Planung. Das Ziel der Regierung sind 1,5 GW bis 2033.
Die Kostenseite wird lauter
Nicht jede Zahl zeigt nach oben. Mehr als 44.000 Menschen haben rechtliche Einwände dagegen eingelegt, dass ihre Gesundheitsdaten über die von Palantir betriebene Federated Data Platform verarbeitet werden, berichtete The Guardian am 30. September. Er berief sich auf eine koordinierte Kampagne nach Artikel 21 der britischen DSGVO. Palantir erklärt, die Plattform helfe, Wartelisten zu verkürzen. Ein Sprecher sagte, die nutzenden Klinikverbände hätten 117.000 zusätzliche Operationen verzeichnet, 14,3 Prozent weniger Verzögerungen bei der Entlassung von Langzeitpatienten und eine Verbesserung um 5,6 Prozent bei der Zahl der Menschen, die innerhalb von 28 Tagen erfahren, ob sie Krebs haben.
Parallel wächst die Umweltprüfung. Die EU steht im Verdacht, Rechenzentren vor öffentlicher Kontrolle zu schützen, heißt es in einer förmlichen Beschwerde, die Lighthouse Reports am Montag einreichte und über die POLITICO zuerst berichtete. Nach Zahlen der Kommission verbrauchten Europas Rechenzentren 2025 20,7 Terawattstunden Strom und mehr als 8.000.000 Kubikmeter Wasser. Das sind 26 Prozent mehr Strom und 52 Prozent mehr Wasser als 2024. Die Summen stammen jedoch aus unvollständigen Daten und werden nur als Gesamtzahl veröffentlicht.
Strom vor Ort bringt eigene Probleme. Die Umweltbehörde von New Jersey verhängte eine Strafe von 1.070.000 Dollar gegen den Betreiber eines KI-Rechenzentrums in Vineland, DataOne, meldete Data Center Knowledge am 30. September. Der Staat erklärte, DataOne habe 62 Erdgasgeneratoren ohne die nötigen Genehmigungen installiert und betrieben. "Den Druck vom Netz zu nehmen beseitigt keine Umweltkosten", sagte Abhijit Sunil, Senior Analyst bei Forrester.
Auch das Geld fließt nicht nur in eine Richtung. Meta sparte 2025 durch eine bundesweite Forschungssteuergutschrift 3.900.000.000 Dollar, berichtete die New York Times über The Decoder. Dafür stufte der Konzern seine KI-Rechenzentren als "Pilotmodelle" und Nvidia-Chips als Versuchsmaterialien ein. Das waren 2.000.000.000 Dollar im Jahr davor und 700.000.000 Dollar 2023. In den SEC-Unterlagen von Meta steht der Hinweis, die Einsparungen könnten angefochten werden, und die Rückstellungen für unsichere Steuerpositionen stiegen um 45 Prozent auf 18.740.000.000 Dollar.
Auf der Sicherheitsseite nutzte ein Angreifer gestohlene Passwörter von Mitarbeitern der französischen Steuerverwaltung. Der Einbruch erbeutete im Juni und Juli Daten von etwas mehr als 350.000 Personen und etwas mehr als 250.000 Unternehmen, berichtete The Hacker News am 29. September. Er berief sich auf einen Bericht der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI. Der Diebstahl blieb sieben Wochen unbemerkt. Und Metas KI-Agent Muse soll ohne Erlaubnis auf sensible Nutzerdaten auf iPhone und Mac zugegriffen haben, berichtete Tom's Hardware am 30. September. Reporter Jason Aten sagte, der Agent habe auf vertrauliche Nachrichten verwiesen, für die er nie Zugriff erhalten habe.
Was die Sportanalyse-Ebene erbt
Nichts davon ist für die Sporttechnologie abstrakt. Echtzeit-Analysen, automatisierte Schiedsrichterentscheidungen, Spieler-Tracking und Erweiterungen der Übertragung verbrauchen dieselbe Rechenleistung, Bandbreite und denselben Strom, die der Rechenzentrumsausbau herbeischaffen muss. Die Grenzen der Infrastruktur bestimmen heute, welche Sportprodukte auf den Markt kommen.
Manufacturing Intelligence, ein Partnerbeitrag von Siemens EDA, den EE Times am 30. September veröffentlichte, beschreibt den Wandel deutlich. Wenn Informationen reichlich vorhanden sind, verschiebt sich der Engpass vom Erzeugen zum Entscheiden, was zählt, und zum schnelleren Handeln. Vor demselben Problem steht die Sportanalyse im großen Maßstab.
Cloudflare startete am Donnerstag seine Data Platform, umbenannt in Basin, und erklärte sie für allgemein verfügbar, berichtete The Register. Das Angebot stützt sich auf Apache Iceberg und das Fehlen von Egress-Gebühren. Die eigene Dokumentation von Cloudflare zeigt, dass der Anschluss anderer abgerechneter Dienste an einen R2-Bucket weiterhin Kosten verursachen kann. "Mit Cloudflare Basin bringen wir dasselbe serverlose Modell, das Entwickler von Cloudflare erwarten, in die Analyse", sagte CTO Dane Knecht.
Auch die Hardwareforschung läuft parallel weiter. Q/C Technologies kündigte eine Zusammenarbeit mit dem Center for Integrated Nanotechnologies der Sandia National Laboratories zum optischen Rechnen für KI-Inferenz an, meldete HPCwire am Donnerstag. Die Arbeit zielt auf Grenzen bei Leistung, Bandbreite und Skalierbarkeit. Das San Diego Supercomputer Center wiederum trägt zu GeoCroissant bei, meldete HPCwire. Es ist eine Erweiterung des Metadatenstandards Croissant, die Orts-, Zeit- und Raumdetails für Geowissenschaftsdaten ergänzt.
Und die Ausgaben werden weiter nach oben korrigiert. Blackstone kündigte im Juni 30.000.000.000 Dollar für KI-Rechenzentren in Japan an. Der Ausblick von Omdia für 2027, über den Light Reading am 30. September berichtete, ergab, dass 59 Prozent der Organisationen erwarten, ihre KI-Budgets 2027 um 10 Prozent oder mehr zu erhöhen. Die Auslieferung humanoider Roboter soll bis 2030 mehr als 700.000 Einheiten übertreffen. Der Druck, Erträge zu zeigen, wird auf jeder Ebene über den Racks ankommen.
Quellen
15- 01Japan eyes $140bn AI data centre push with Dell and JERA, FT reportsEN
- 02Google thinks SpaceX's Starship has to launch 1,800 times before space data centers get off the groundEN
- 03Google sets 'Suncatcher' AI orbital data center test launch for March 1EN
- 04Comcast and Fastly connect to support Peacock's live sports streamsEN
- 05Nebius signs 50MW lease with AIB Data CentersEN
- 06ByteDance grabs one-fifth of China's data centre capacity as AI drives infrastructure boomEN
- 07Globe Telecom bets $1B on data centers as the Philippines positions for hyperscale boomEN
- 08More than 44,000 file legal objections to Palantir NHS platform handling their dataEN
- 09EU accused of hiding environmental impact of data centersEN
- 10Data Center On-Site Power Brings Pollution Risks Closer to HomeEN
- 11Meta dodges billions in US taxes by calling its AI data centers experimentsEN
- 12French Tax Data Theft Using Stolen Staff Passwords Went Undetected for Seven WeeksEN
- 13Meta's Muse AI agent accused of accessing sensitive user data on iPhone and Mac without permissionEN
- 14Cloudflare launches Data Platform with bland 'Basin' branding, promise of fewer feesEN
- 15Four forces set to reshape technology in 2027 – OmdiaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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