DraftKings sieht sich nach KI-Vorwürfen in Maine unter Beobachtung, ProPublica fordert Wettdaten
Die Glücksspielaufsicht von Maine teilte am 2. Oktober mit, sie beobachte, wie Sportwetten-Apps künstliche Intelligenz einsetzen. Zuvor hatte eine Klage DraftKings beschuldigt, gezielt auf verlierende Kunden zu zielen. In derselben Woche bat ProPublica US-Wetter, ihre Daten bei FanDuel und DraftKings herauszugeben, damit die Redaktion die Angaben der Unternehmen selbst überprüfen kann.

Die Aufsichtsbehörden in Maine beobachten, wie Sportwetten-Apps künstliche Intelligenz einsetzen. Eine Klage wirft DraftKings vor, mit KI gezielt auf verlierende Spieler zu zielen. Fox23 Maine berichtete am Donnerstag, dem 2. Oktober, über die Haltung des Bundesstaates. Der Bericht ließ offen, worin die Beobachtung bestehen soll und welche Befugnisse der Staat hat, Auskünfte zu erzwingen.
Die zugrunde liegende Behauptung stammt aus einer in Massachusetts eingereichten Klage. Darin heißt es, DraftKings habe KI „bewaffnet“, um Kunden zu finden und zu bearbeiten, die wahrscheinlich weiter Geld verlieren. MassLive berichtete am Mittwoch, dem 1. Oktober, über die Klage. DraftKings hat sich öffentlich nicht zu dem Vorwurf geäußert. Der Vorwurf ist eine Behauptung in einem Schriftsatz, keine Feststellung eines Gerichts.
ProPublica will die Rohdaten
ProPublica baut seine eigene Beweisbasis auf und spricht Wetter direkt an. Am 26. September veröffentlichte die gemeinnützige Investigativredaktion einen Aufruf. Sie bat alle, die online bei FanDuel oder DraftKings gewettet haben, ihre Transaktionshistorie hochzuladen. Nutzer reichen die Datei über eine Browsererweiterung ein, die ProPublica für Chrome und Firefox gebaut hat. Das erklärte Ziel ist zu verstehen, „wie diese Apps auf das Wettverhalten ihrer Nutzer reagieren“ und wann sie Hinweise auf verantwortungsvolles Spielen einblenden.
Das Projekt zielt auf mindestens 250 Uploads. Diese Zahl war bei Veröffentlichung des Aufrufs noch nicht erreicht, heißt es in ProPublicas eigenem Text. Als Reporter genannt werden Ken Schwencke, Beatrix Lockwood, Maya Miller und Ellis Simani. ProPublica versichert, die Erweiterung sammle keine personenbezogenen Daten. Außerdem liege es bei den Nutzern, ob sie die Datei einreichen.
Für alle, die nichts installieren wollen, gibt es einen zweiten Weg. FanDuel und DraftKings betreiben beide Formulare für Datenanfragen. ProPublica weist jedoch darauf hin, dass diese nur Einwohnern von Bundesstaaten mit bestimmten Datenschutzgesetzen offenstehen. Zudem hätten Nutzer berichtet, mehr als 30 Tage auf ihre Unterlagen gewartet zu haben. Eine dritte Möglichkeit ist der Export einer CSV-Datei aus einem Tracker von Drittanbietern wie Pikkit.
Der Zeitpunkt ist wichtig. ProPublicas Aufruf erschien vier Tage vor der Berichterstattung aus Maine. Er lag fünf Tage vor der breiten Berichterstattung über die Klage in Massachusetts. Sollte sich der Datensatz der Redaktion füllen, könnte er genau das Verhalten beschreiben, über das nun ein Gericht entscheiden soll.
Aufsichtsbehörden werden an mehreren Fronten tätig
Maine ist kein Einzelfall. Das Vorgehen des Bundesstaates folgt einem Muster. US-Aufsichtsbehörden testen aus, wie weit sie in algorithmische Wettprodukte hineinreichen können. Sie prüfen zugleich, wie viel davon einer gerichtlichen Überprüfung standhält.
Das klarste rechtliche Signal kam vom sechsten Gerichtsbezirk. Das Gericht entschied, dass Bundesstaaten Kalshis Sportverträge als Glücksspiel regulieren dürfen. Ars Technica berichtete am 28. September über das Ergebnis, Law.com brachte dieselbe Entscheidung am selben Tag. CNBC hatte die Entscheidung des Berufungsgerichts bereits am 25. September gemeldet. Mashable folgte am 26. September mit dem Detail, dass sowohl Ohio als auch Tennessee ihre Glücksspielgesetze auf die Plattform anwenden dürfen. Yahoo Finance berichtete am 28. September, ein Bundesgericht sei speziell für Tennessee zum selben Ergebnis gekommen.
Kalshi hat inzwischen mehr als einmal auf Berufungsebene verloren. Praktisch bedeutet das: Betreiber von Prognosemärkten können nicht davon ausgehen, dass die Bundesaufsicht über Derivatemärkte sie vor einzelstaatlichen Glücksspielgesetzen schützt. Genau mit diesem Argument sind die Plattformen bisher aufgetreten.
Unabhängig davon hat die Commodity Futures Trading Commission zwei neue Regeln vorgeschlagen, die Prognosemärkte betreffen. GamesHub berichtete am Donnerstag, dem 1. Oktober, über die Vorschläge. Tribuna meldete am selben Tag, der Plan der CFTC könne Plattformen wie Kalshi und Polymarket außerhalb der Reichweite staatlicher Glücksspielgesetze stellen. Das ist nahezu das Gegenteil dessen, was der sechste Gerichtsbezirk entschieden hat. Irgendwo müssen diese beiden Positionen in Einklang gebracht werden.
„Indem wir mit Comcast und Fastly zusammenarbeiten, um stark nachgefragte Inhalte näher an die Zuschauer zu bringen, können wir Kapazität dort schaffen, wo sie am meisten gebraucht wird“, sagte David Bohunek, Senior Vice President, Global Video Engineering bei NBCUniversal Media Group.
Die Infrastruktur hinter den Wetten
Während der Rechtsstreit läuft, wird die Technik umgebaut, die Live-Wetten und Streaming-Produkte trägt. Am 28. September berichtete Light Reading, Comcast und Fastly arbeiteten mit NBCUniversal zusammen. Die Unternehmen wollen Fastlys Software für Inhalts- und Anwendungsauslieferung direkt im Netz von Comcast betreiben. So werden die Live-Sport-Streams von Peacock näher am Zuschauer ausgeliefert. Comcast betreibt laut demselben Bericht mehr als 200 KI-gestützte Edge-Compute-Zentren in den USA.
Fastly-Chef Kip Compton beschrieb es als gemeinsames Umdenken von Inhalteanbietern, Edge-Plattformen und Netzbetreibern bei der Auslieferung. NBCUniversals David Bohunek sagte, Live-Sport stelle „außergewöhnliche Anforderungen an die Streaming-Infrastruktur, da oft Millionen Zuschauer im selben Moment eintreffen“. Die Architektur zielt auf die NFL-, NBA- und MLB-Fenster bei Peacock, nicht speziell auf Wett-Apps. Doch das Latenz- und Kapazitätsproblem ist dasselbe, mit dem Sportwettenanbieter konfrontiert sind, wenn ein einziger Touchdown Tausende Live-Märkte auf einmal bewegt.
Ein zweiter Deal aus der Sporttechnologie kam einen Tag später zustande, zielt aber eher auf die Arena als auf den Bildschirm. Alibaba wurde offizieller Technologie- und Cloud-Partner der Brooklyn Nets im Rahmen einer mehrjährigen Vereinbarung mit Brooklyn Sports & Entertainment. Das Unternehmen übernimmt zudem den Trikot-Patch des Teams vor dessen 60. Saison. Die South China Morning Post berichtete am Montag, dem 29. September, über die Ankündigung. Alibabas Cloud-Infrastruktur soll ab der NBA-Saison 2026-27 ein neues Echtzeit-System für 360-Grad-Wiederholungen im Barclays Centre betreiben.
Beide Deals gehören zu der Art von Vertrag, die früher völlig außerhalb der Glücksspielregulierung lag. Diese Grenze lässt sich immer schwerer ziehen. Dieselben Edge-Compute- und Wiederholungssysteme speisen heute Broadcast, Bildschirme in der Arena und Wettprodukte aus einer einzigen Pipeline.
Prognosemärkte versuchen Selbstregulierung
Polymarket hat Werkzeuge für verantwortungsvolles Handeln eingeführt, ohne dass eine Aufsichtsbehörde dies verlangt hätte. The Event Horizon, ein Newsletter des Branchenanalysten Dustin Gouker, berichtete am Donnerstag, dem 1. Oktober, über die Neuerungen. Tech Times griff den Schritt am selben Tag auf. Der Artikel stellte darauf ab, dass kein Gesetz ihn verlangte und der Supreme Court noch entscheiden könnte, ob es je eines geben wird.
European Lotteries hat den anderen Weg gewählt und fordert eine klarere Regulierung von Prognosemärkten. iGaming Business berichtete am Freitag, dem 2. Oktober, über diese Position. Lottery Daily meldete am Donnerstag, dem 1. Oktober, der Rat an die Betreiber laute, beim Marketing für Prognosemärkte vorsichtig zu sein. Das deutet darauf hin, dass die Sorge ebenso der Verwechslung von Wette und Vertrag beim Verbraucher gilt wie den Produkten selbst.
The Conversation veröffentlichte am Donnerstag, dem 1. Oktober, eine Analyse. Sie fragte, was die Verbreitung von Prognosemärkten für öffentliche Gesundheit und Demokratie bedeutet. Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag, nicht um einen Aufsichtsvorgang. Er zeigt aber, warum der Streit zwischen Bundesstaaten und Bund so hart geführt wird: Die Antwort entscheidet, welches Regelwerk für ein Produkt gilt, das für die meisten seiner Nutzer wie Glücksspiel aussieht.
Zahlungen und das leisere Regelwerk
Abseits der Gerichte baut die Federal Reserve die Compliance-Schicht auf, die unter jedem auf Dollar lautenden Wettprodukt liegt. Am 24. September bat der Vorstand um öffentliche Stellungnahmen zu zwei Vorschlägen. Laut der eigenen Pressemitteilung der Fed würden die Vorschläge einen Regulierungsrahmen für Emittenten von Zahlungs-Stablecoins nach dem GENIUS Act schaffen.
Der erste Vorschlag würde von der Fed beaufsichtigte Emittenten verpflichten, ihre Stablecoins vollständig mit zulässigen Reserveanlagen zu hinterlegen. Dazu zählen kurzfristige Treasury-Bills und andere hochliquide Vermögenswerte. Er würde außerdem standardisierte Kapitalanforderungen und Standards für das Risikomanagement festlegen. Er erfasst auch Unternehmen, die die Vermögenswerte hinter Stablecoins verwahren. Und er klärt, welche Stablecoin-Aktivitäten von der Fed beaufsichtigte Banken ausüben dürfen. Der zweite Vorschlag legt ein maßgeschneidertes Antragsverfahren für Banken fest, die Stablecoins ausgeben wollen. Es umfasst einen Geschäftsplan und Finanzinformationen sowie Regeln für Einsprüche und Anhörungen.
Die Stellungnahmefrist endet 60 Tage nach Veröffentlichung im Federal Register. Stablecoins sind kein Wettprodukt. Doch sie werden zunehmend zur Abwicklungsstrecke, die Offshore-Sportwettenanbieter und Prognoseplattformen nutzen. Damit sind die Reserve- und Kapitalregeln für jeden relevant, der diesen Zahlungsstrom absichert.
Zwei weitere Datenpunkte von außerhalb der USA zeigen die Richtung. Chinas Sektor für quantitatives Investieren hat in diesem Jahr 18 neue Fonds mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 10.000.000.000 Yuan (1.500.000.000 US-Dollar) hinzugewonnen. Das geht aus 159 chinesischen Hedgefonds oberhalb dieser Schwelle hervor, berichtete die Finanznachrichtenagentur Cailian Press, wie die South China Morning Post am Freitag, dem 2. Oktober, meldete. Zu den Neuzugängen zählten AXQ Capital, Hopeseek Fund und Huanian Fund, so der Datenanbieter Wind. Dieselbe algorithmische Handelskapazität kaufen auch die Risikoabteilungen von Sportwettenanbietern ein.
Und im Gesundheitswesen stimmte ein FDA-Gremium für Grails Bluttest Galleri, der mehrere Krebsarten erkennt. Das Gremium empfahl ihn zur Marktzulassung, berichtete die South China Morning Post am 24. September. Ärzte in Hongkong bleiben trotz der Abstimmung beim klinischen Nutzen vorsichtig. Der Zusammenhang ist indirekt, aber real. Ein Test, der asymptomatische Erwachsene screenen soll, gehört in dieselbe Produktkategorie, für die sich Werkzeuge für verantwortungsvolles Spielen ausgeben. Er muss einen Evidenzstandard erfüllen, den man an Wettanbieter bislang nicht anlegt.
Was noch unklar ist
Drei Punkte sind offen. Erstens, ob die Klage gegen DraftKings in Massachusetts einen frühen Antrag übersteht. Der Schriftsatz enthält die Behauptung, keine Entscheidung. Zweitens, worin die Beobachtung in Maine tatsächlich besteht, da kein Dokument öffentlich verfügbar ist, das ihren Umfang festlegt. Drittens, ob ProPublica sein Ziel von 250 Uploads erreicht, denn der Wert seines Datensatzes hängt ganz von der Stichprobengröße ab.
Klar ist, dass der regulatorische Druck auf die Sportwettentechnologie nicht mehr aus einer Richtung kommt. Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten, ein Bundesberufungsgericht, die CFTC, die Federal Reserve und eine gemeinnützige Redaktion mit einer Browsererweiterung ziehen alle an derselben Frage: Wer darf sehen, was der Algorithmus tut.
Quellen
9- 01Federal Reserve Board requests public comment on two proposals related to establishing a regulatory framework for Board-supervised payment stablecoin issuers unEN
- 02Comcast and Fastly connect to support Peacock's live sports streamsEN
- 03Four forces set to reshape technology in 2027 – OmdiaEN
- 04Alibaba deepens sports tech push with new Brooklyn Nets partnershipEN
- 05DeepSeek effect? How China's quant funds thrive amid tight regulatory scrutinyEN
- 06US regulators back multi-cancer blood test – but Hong Kong doctors remain cautiousEN
- 07What Does Your Data Reveal About Sports Betting Apps? Help ProPublica Find OutEN
- 08Duke Energy wants to build a new gas plant. Regulators said not so fast.EN
- 09AutoSens 2026: Regulation Drives Automotive Sensing ArchitecturesEN
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