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Kanadische Verlage verklagen Anthropic in Ontario wegen KI-Scrapings

Sechs kanadische Nachrichtenorganisationen, darunter Postmedia und The Canadian Press, haben am 6. Oktober vor dem Ontario Superior Court gegen Anthropic und dessen kanadische Tochtergesellschaft geklagt. Sie werfen dem Unternehmen vor, Millionen geschützter Werke ohne Lizenz zum Training von Claude abgegriffen zu haben, und fordern Schadensersatz in möglicher Milliardenhöhe.

KI & ModelleErklärtLena BrandtVeröffentlicht: 5. November 20264 Min. LesezeitQuellen 18
Kanadische Verlage verklagen Anthropic in Ontario wegen KI-Scrapings

Die Klage

Postmedia, der Toronto Star, The Globe and Mail, Metroland Media, PNI Maritimes und The Canadian Press reichten die Klage am 6. Oktober beim Ontario Superior Court gegen Anthropic und dessen kanadische Tochtergesellschaft ein. Zuerst berichtete CARTT.ca über die Einreichung. Die Verlage behaupten, Anthropic habe Millionen ihrer Werke ohne Erlaubnis, Lizenz oder Zahlung abgegriffen, um Claude zu trainieren und zu betreiben. Das Abgreifen dauere an.

Die Klage stützt sich auf Vertragsbruch, Urheberrechtsverletzung und ungerechtfertigte Bereicherung. Sie wirft Anthropic „systematisches Ernten und Unterschlagen“ der Werke der Verlage vor. Das Unternehmen habe automatisierte Crawler eingesetzt, darunter einen namens ClaudeBot, um Inhalte zu kommerziellen Zwecken zu sammeln. Laut Klage umging Anthropic Paywalls, Beschränkungen für den persönlichen Gebrauch, Schutzmaßnahmen auf Netzwerkebene und Login-Authentifizierungen, die das Kopieren verhindern sollten. Es verletzte die Nutzungsbedingungen der Websites und umging deren technische Schutzmaßnahmen. Anthropic habe ein umfangreiches Leistungsangebot aufgebaut und erhebliches Kapital beschafft, ohne eine gültige Lizenz von einem der Verlage zu besitzen, und sei dadurch „in erheblichem Maße und zu Unrecht bereichert“ worden.

Die Verlage erklären, das Abgreifen habe nicht mit dem Ende des Trainings aufgehört. Die Klage besagt, Anthropic sammle Inhalte fortlaufend als Reaktion auf Nutzeranfragen. Trotz anderer Klagen und öffentlicher Kritik habe das Unternehmen nichts unternommen, um das Verhalten zu beenden. Die Verlage erzeugten „einen erheblichen Teil der journalistischen Inhalte Kanadas“, von gedruckten Tageszeitungen bis zu digitaler Berichterstattung rund um die Uhr, und hätten zusammen Millionen Leser.

Umfang der Klage

Auf The Canadian Press entfällt der größte Anteil der angeblich abgegriffenen Werke, nämlich 4.200.000, wie Broadcast Dialogue berichtete. Postmedia und PNI Maritimes folgen mit jeweils 1.750.000.

Schadensersatz und Rechtsbehelfe

Die Verlage fordern allgemeinen Schadensersatz, Rechnungslegung und Herausgabe der Gewinne oder gesetzlichen Schadensersatz von bis zu 20.000 Dollar je verletztem Werk. Dazu kommen Straf- und Exemplarschadensersatz für das, was die Klage vorsätzliches Verhalten nennt. Broadcast Dialogue bezifferte die Gesamtforderung auf möglicherweise Milliarden. Die Summe von 20.000 Dollar ist eine gesetzliche Obergrenze pro Werk. Das Risiko wächst also mit der Zahl der Artikel, die das Gericht anerkennt.

Sie fordern außerdem dauerhafte Unterlassungsverfügungen. Diese sollen Anthropic untersagen, ihre aktuellen und künftigen Werke ohne schriftliche Zustimmung abzurufen, abzugreifen oder zu nutzen. Der Rechtsbehelf würde beeinflussen, wie Claude von nun an Anfragen beantwortet, nicht nur, wie es trainiert wurde.

Die Schadensbegründung der Klage ist kommerziell. Sie besagt, das Kopieren lenke Leser von den eigenen Websites der Verlage ab, verringere die Zahl zahlender Abonnenten und halte Werbetreibende davon ab, Anzeigenraum in ihren Zeitungen zu kaufen. Diesen Verlust verknüpft sie mit der Bilanz von Anthropic. Bis Mai habe das Unternehmen etwa 125.000.000.000 USD Kapital beschafft und sei mit über 965.000.000.000 USD bewertet worden, wobei sich täglich mehr als eine Million Nutzer für Claude anmelden. Sie verweist zudem auf eine Feststellung des US District Court for the Northern District of California. Danach habe Anthropic mehr als sieben Millionen raubkopierte Bücher heruntergeladen, gefolgt von einem Vergleich über 1.500.000.000 USD.

Zur Lizenzierung heißt es in der Klage, Anthropic habe im Gegensatz zu OpenAI und nahezu jedem anderen großen KI-Unternehmen keinen öffentlichen Inhaltsvertrag mit großen Verlagen geschlossen. Das Unternehmen betrachte Rechtsstreitigkeiten als Voraussetzung dafür, Kreative zu bezahlen.

Hintergrund

Dieselben Unternehmen hatten zusammen mit CBC/Radio-Canada 2024 gegen OpenAI geklagt; dieser Fall ist nicht beigelegt. The Canadian Press berichtete, die New York Times habe gegen OpenAI wegen der Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials geklagt. Das US-Justizministerium habe sich im September auf die Seite des Tech-Unternehmens gestellt. Die Verlage haben zudem Ottawa zu Regeln für den Umgang von KI-Unternehmen mit urheberrechtlich geschützten Inhalten gedrängt, nachdem die nationale KI-Strategie das Thema nicht behandelt hatte.

Wie es weitergeht

Das Verfahren läuft, und keine der Vorwürfe ist vor Gericht bewiesen. Anthropic reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.

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Quellen

18
  1. 01Canadian news publishers sue Anthropic over AI copyright infringementEN
  2. 02Anthropic sued by major Canadian news publishers for copyright claims in Ontario courtEN
  3. 03Ontario News Publishers Sue AI Firm Anthropic Over CopyrightEN
  4. 04AI company Anthropic sued in Ontario courtEN
  5. 05News publishers launch copyright suit against AI company Anthropic in OntarioEN
  6. 06News publishers launch copyright suit against AI company Anthropic in OntarioEN
  7. 07Anthropic's text watermark is easy to bypass on several older Claude modelsEN
  8. 08Anthropic's new prototype proves which model wrote an AI response without exposing its weightsEN
  9. 09Wer spricht da? Anthropic stellt Identitätsnachweis für KI-Modelle vorEN
  10. 10Anthropic is still grappling with the economics of computeEN
  11. 11US charges two Canadians accused of hacking US universitiesEN
  12. 12Anthropic pushes for opt-out model for Australian contentEN
  13. 13Anthropic VS code extension on Cursor backdoored for nearly 12 hoursEN
  14. 14With Copyright Complaints, Even Imposters Can Silence Karakalpak ActivistsEN
  15. 15Why Chinese AI stars like Z.ai, MiniMax struggle to match Anthropic’s profit marginEN
  16. 16DeepSeek unveils AI ‘super agent’ in coding race with OpenAI, AnthropicEN
  17. 17Anthropic IPO warns its AI could blackmail people, become sentient, end humanityEN
  18. 18How China ‘risk factors’ loom over Anthropic’s hotly anticipated IPO filingEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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