LVMH: Modeumsatz sinkt um 5 Prozent, chinesische Nachfrage schwächelt
LVMH hat am 12. Oktober mitgeteilt, dass der organische Umsatz der Sparte Mode und Lederwaren im dritten Quartal um 5 Prozent gesunken ist und die Prognosen verfehlt hat, weil die Nachfrage in China nachließ. Der organische Konzernumsatz stieg um 1 Prozent und blieb unter den erwarteten 1,3 Prozent.

LVMH meldete am 12. Oktober für die Sparte Mode und Lederwaren, zu der Louis Vuitton und Dior gehören, einen Rückgang des organischen Umsatzes um 5 Prozent im dritten Quartal. Analysten hatten im Konsens von Visible Alpha mit einem Minus von 1,8 Prozent gerechnet. Die Sparte erwirtschaftet fast die Hälfte des Konzernumsatzes und kam auf 8,25 Milliarden Euro nach 8,50 Milliarden Euro im Vorjahr.
Der organische Konzernumsatz stieg um 1 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro und blieb damit unter dem erwarteten Wachstum von 1,3 Prozent. Caixin Global berichtete am 23. Oktober, dass Hermès, LVMH und Kering im dritten Quartal in China alle an Schwung verloren. Als Gründe nannte der Bericht die schwache Konjunktur und neue Steuerregeln für Offshore-Trusts, die den finanziellen Druck auf vermögende Verbraucher erhöhten. Für Hermès und Kering nannte er keine Umsatzzahlen.
Asien ohne Japan ging um 5 Prozent zurück und war die einzige Region mit einem Minus, während die Vereinigten Staaten um 5 Prozent zulegten. Uhren und Schmuck verlangsamten sich auf 6 Prozent Wachstum nach 9 Prozent im ersten Halbjahr, der selektive Einzelhandel mit Sephora beschleunigte sich auf 8 Prozent. In den ersten neun Monaten erreichte der Umsatz 57,1 Milliarden Euro bei einem organischen Wachstum von 2 Prozent, der ausgewiesene Umsatz sank um 2 Prozent. Währungseffekte minderten den ausgewiesenen Neunmonatsumsatz um 3 Prozent, Änderungen im Konsolidierungskreis um weitere 1 Prozent.
Dior verzeichnet nach Angaben von LVMH eine starke Nachfrage nach Konfektionskleidung und Lederwaren von Jonathan Anderson, der Absatz blieb im bisherigen Jahresverlauf positiv. Louis Vuitton brachte ein eigenes Problem ins Quartal mit: Ein Markenrechtsstreit mit der chinesischen Teekette Molly Tea um ein vierblättriges Blumenmotiv löste online einen Shitstorm aus. Finanzchefin Cécile Cabanis sagte, der Gegenwind habe Louis Vuitton zumindest zu Beginn des Quartals belastet, der Effekt sei aber schwer zu beziffern.
Auf die Frage nach der Erholung der Marke in der Analystenkonferenz sagte Cabanis: „Es dauert ein wenig, aber ich denke nicht, dass es hier viele Abkürzungen gibt.“ Sie widersprach auch der Annahme, die chinesische Nachfrage sei eingebrochen. Die Veränderung des Umfelds „verzögert die Erholung ein wenig, aber es gibt nichts Strukturelles oder Spezifisches, das die Erholung beeinträchtigen würde“. LVMH beschrieb das Geschäft in China als weniger „lebhaft“, in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan sei weiterhin „gutes Wachstum“ zu verzeichnen.
Steuerdruck
Chinas neue Richtlinien verlangen von vermögenden Steuerzahlern mit Offshore-Trusts, nicht offengelegte Vermögenswerte zu erklären und alle offenen Verbindlichkeiten bis zum 22. Oktober zu begleichen, wie Reuters berichtete. Chinesische Kunden stehen für etwa ein Fünftel der weltweiten Luxuskäufe. Eine Abgabe von 20 Prozent auf die betroffenen Vermögenden setzt die Ausgaben von Kunden mit sehr hohem Vermögen unter Druck, sagte Alexis Bonhomme, Leiter der in Shanghai ansässigen Luxusberatung Trinity Asia.
Die Kampagne reicht über eine einzelne Steuerlinie hinaus. Sie umfasst strengere Kontrollen des grenzüberschreitenden Aktienhandels und die Aufforderung an Bürger, Milliarden von Dollar an Abgaben auf Offshore-Vermögen und Anlagegewinne zu zahlen. Die Umsätze der 25 größten Luxusmarken in China sanken im Juli um mehr als 10 Prozent, wie drei von Bloomberg befragte Researchhäuser ermittelten, ein stärkerer Rückgang als im Juni. Louis Vuitton, Dior, Gucci, Bottega Veneta und Balenciaga verzeichneten in jenem Monat allesamt zweistellige Rückgänge, Hermès drehte von Zuwächsen in Rückgänge, wie Bloomberg im August berichtete.
China war einst der Motor jahrzehntelangen Wachstums im Luxusgeschäft, bevor der Einbruch am Immobilienmarkt und das schwächere Verbrauchervertrauen die Ausgaben dämpften. Vermögende Chinesen haben zudem Geld in Aktien und andere Finanzanlagen verschoben und reagieren dadurch empfindlicher auf Marktschwankungen, sagte Robert Wu, Vorstandschef des Shanghaier Researchhauses Baiguan.
Marktreaktion
Vier Analysten aus dem Sell-Side-Research senkten nach den Zahlen ihr Kursziel für LVMH um durchschnittlich 9 Prozent, wie Reuters berichtete. Die LVMH-Aktie lag um 7.30 Uhr GMT 1,5 Prozent im Minus, Hermès, Kering und Richemont verloren ähnlich stark. Bloomberg meldete, die Aktie habe sich im frühen Pariser Handel kaum verändert, nachdem sie in diesem Jahr rund 40 Prozent verloren habe. Die Analysten von JPMorgan erklärten gegenüber Kunden, sie erwarteten weiteren Druck auf die Branche, und verwiesen auf die „Bestätigung, dass das chinesische Segment offenbar einen deutlichen und stärker als befürchteten Schritt nach unten gemacht hat“.
Europas Luxuskonzerne haben seit Anfang 2026 rund 330 Milliarden Euro an Börsenwert verloren, allein LVMH rund 40 Prozent. „Alle haben eine schwere Zeit“, sagte Jacques Roizen, Mitgründer der in Shanghai ansässigen Beratung Foresight Performance Partners. „LVMH ist als Konzern von dieser Größe geradezu ein Branchenindex, und die anderen börsennotierten Luxusunternehmen werden sich davon kaum deutlich abheben.“
Weil LVMH als erster großer Branchenvertreter berichtete, wurde die verfehlte Prognose als Signal für die Wettbewerber gelesen. Die Branche steckte bereits seit drei Jahren in einer Abschwächung, bevor diese Zahlen kamen. Die LVMH-Ergebnisse trennten den Steuereffekt nicht von der allgemeinen Konjunkturabschwächung.
Quellen
36- 01China's Luxury Slowdown Weighs on Global BrandsEN
- 02LVMH Shares: Is China's Luxury Slowdown Becoming a Structural Problem?EN
- 03Market turns cold on luxury after LVMH's China letdownEN
- 04LVMH third-quarter sales dragged down by weak Chinese demand for flagship brandsEN
- 05LVMH's fashion sales fall again as luxury demand remains unevenEN
- 06LVMH's China Slump Threatens Hopes for Wider Luxury RecoveryEN
- 07LVMH Shares: Is China's Luxury Slowdown Becoming a Structural Problem?EN
- 08Luxury sales plunge ChinaEN
- 09China Truck Sales Now Majority Electric. What’s Next?EN
- 10China October NEV retail sales fall 10% to 1.148 million, preliminary CPCA data showsEN
- 11BYD’s flagship luxury EV with 1,000+ km of range hits 4,000 sales in just 19 daysEN
- 12Tesla China October wholesale sales total 67,829, lowest since FebruaryEN
- 13Electric trucks hit 50% of China's heavy truck sales, diesel demand fallsEN
- 14Industry experts discuss China blocking SoftBank acquisition of ABB RoboticsEN
- 15BYD is launching this 5-seat luxury electric SUV next week with over 1,000 km of rangeEN
- 16World’s largest liquid-air storage facility comes online in ChinaEN
- 17Chery recalls over 50,000 Omoda, Tiggo 5x cars in China following Malaysia recallEN
- 18Chinese AI lab Moonshot turned to Europe for Nvidia Blackwell access amid U.S. China curbs, sources tell CNBCEN
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