Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

NASAs Swift-Teleskop stürzt am Mittwoch ab, die Exoplanetenforschung schaut derweil woanders hin

Das Swift-Observatorium der NASA, ein vor fast 22 Jahren gestartetes Weltraumteleskop mit 3.200 Pfund Masse, soll am Mittwoch gegen 3:30 Uhr ET in die Erdatmosphäre eintreten, mit einer Unsicherheit von etwa 11 Stunden. Eine Rettungsmission war Anfang dieses Jahres gescheitert.

WissenschaftErklärtHanna VogtVeröffentlicht: 3. November 20266 Min. LesezeitQuellen 7
NASAs Swift-Teleskop stürzt am Mittwoch ab, die Exoplanetenforschung schaut derweil woanders hin

Die NASA schaltete das Teleskop am 20. Oktober ab, wie ABC News berichtet. Seine Umlaufbahn war auf 275 Kilometer abgesunken. Den atmosphärischen Widerstand konnte es nicht mehr ausgleichen.

Jetzt fliegt es mit rund 8 Kilometern pro Sekunde, und es hat keinen Antrieb mehr, um zu steuern. Nach Angaben der NASA wird der größte Teil der Sonde verglühen, einige Bauteile werden den Wiedereintritt aber überstehen. Die Behörde beziffert das Risiko einer Schädigung von Menschen am Boden auf etwa 1 zu 2.100. Wegen der geringen Bahnneigung können Überreste nur zwischen 20,6 Grad südlicher und 20,6 Grad nördlicher Breite niedergehen.

The Verge meldete das Wiedereintrittsfenster am 3. November. Die Schätzungen innerhalb dieses Fensters stimmen nicht überein. ABC News berichtete, das von der NASA finanzierte Programm Space Weather Operational Readiness Development habe einen Absturz für etwa 4:37 Uhr AEDT am 4. November vorhergesagt, mit einigen Stunden Unsicherheit. Die Aerospace Corporation nannte 20:11 Uhr AEDT am 4. November, mit 12 Stunden Unsicherheit. Beide gehen von derselben verfallenden Umlaufbahn aus. Keine von beiden kann bisher einen Landeort nennen.

Wofür Swift gedacht war

Swift startete im November 2004 zu einer zunächst auf zwei Jahre angelegten Hauptmission. Das Teleskop sollte den Ursprung von Gammastrahlenausbrüchen untersuchen, den energiereichsten Explosionen im Universum. An Bord waren drei Instrumente: ein Burst Alert Telescope, ein X-Ray Telescope und ein Ultraviolet/Optical Telescope. Danach arbeitete es weit über seine geplante Lebensdauer hinaus als Mehrwellenlängen-Observatorium für allgemeine Aufgaben, wie Space.com am 1. November berichtete.

Brad Tucker, Astrophysiker an der Australian National University, sprach mit ABC News. Das Observatorium sei ein Arbeitstier für kosmische Explosionen gewesen, für Supernovae, Sternkollisionen und Sterne, die von Schwarzen Löchern zerrissen werden.

"Es ist vielleicht nicht so groß oder so beliebt wie das Hubble- oder das James-Webb-Weltraumteleskop, aber wir haben es lange genutzt", sagte er.

Das Ende kam langsam und dann plötzlich. Der Widerstand der Atmosphäre zog Swift seit Jahren nach unten. Die verstärkte Sonnenaktivität der vergangenen zwei Jahre beschleunigte den Abstieg, so ABC News. Dieselbe Aktivität steckt hinter den jüngsten Polarlichtern. Im Juli unterstützte die NASA einen Plan, das Teleskop mit einem privaten Raumfahrzeug auf eine höhere Umlaufbahn zu bringen. Der Versuch scheiterte an Problemen mit der Lageregelung des Rettungsfahrzeugs, wie The Verge berichtete.

Swift ist kein Einzelfall. Darren McKnight ist Senior Technical Fellow beim Bahnverfolgungsunternehmen LeoLabs. Er sagte Space.com, es träten jedes Jahr zehnmal so viele Objekte wieder ein wie noch vor fünf Jahren. Den Anstieg führte er auf das Wachstum der Konstellationen im niedrigen Erdorbit und auf Technologie-Erneuerungszyklen zurück.

"Es ist bedauerlich, dass Swift nicht ‚reorbited' wurde, aber aus Sicht der Wiedereintrittsgefahr ist es ein kleiner", sagte er in einem Zitat, das Space.com gekürzt veröffentlichte.

Die Exoplanetenjagd lief ohne es weiter

Swifts Absturz fällt in eine Woche, in der es in den Teleskopnachrichten darum ging, was andere Observatorien finden, nicht darum, was Swift verliert. Am 2. November berichtete Space.com, das James-Webb-Weltraumteleskop habe den interstellaren Kometen 3I/ATLAS auf winzige Eiskörner zurückgeführt, die mit Staub vermischt sind. Diese Mischung unterscheidet sich von den Kometen unseres eigenen Sonnensystems, ähnelt aber den eisigen Körpern jenseits des Neptun. Der Komet war erst das dritte Objekt, das nachweislich aus einer anderen Region der Milchstraße in unser Sonnensystem eintrat, nach 1I/'Oumuamua im Jahr 2017 und 2I/Borisov im Jahr 2019. Die Forschung legt nahe, dass 3I/ATLAS sich in einer planetenbildenden Scheibe um einen jungen Stern gebildet hat, möglicherweise vor 10 bis 12 Milliarden Jahren. Das ist mehr als doppelt so alt wie unser Sonnensystem.

"Wir haben [JWST] so entworfen, dass es bereit ist, sobald ein aktiver interstellarer Komet gefunden wird, und ihn über die Zeit verfolgt", sagte Martin Cordiner vom Goddard Space Flight Center der NASA und der Catholic University of America in einer Erklärung, die Space.com zitierte.

Cordiner leitet das JWST-Programm für solche Objekte und ist Mitautor der neuen Arbeit. Näher an der Erde meldete die NASA am 1. November, Hubble und Webb hätten gemeinsam 27 bislang unbekannte transneptunische Objekte gefunden. Das sind die kleinen eisigen Körper jenseits des Neptun, die nie zu Planeten herangewachsen sind. Die beiden Teleskope beobachteten gleichzeitig dasselbe Himmelsareal, Hubble im sichtbaren Licht und Webb im Infraroten. Die Behörde nannte es die tiefste Durchmusterung ihrer Art. Die Objekte leuchten mehr als 100.000.000 Mal schwächer als Dinge, die das bloße Auge sieht. Zwei zugehörige Arbeiten erschienen im The Astronomical Journal.

Das Rätsel steckt in den Zahlen. Es gab weniger kleine Objekte, als manche Theorien der Planetenentstehung vorhersagten. Ihre Farben glichen stark denen viel größerer Objekte in denselben Regionen. Doktoranden leiteten die Teams. Das eine Team war an der University of Victoria in Kanada und arbeitete mit dem National Research Council of Canada. Das andere war an der Northern Arizona University in Flagstaff.

Näher an der Erde, andere Instrumente

Am selben Tag berichtete ScienceDaily über eine Studie japanischer Wissenschaftler in Nature Astronomy. Sie fanden alle fünf Nukleobasen, die in DNA und RNA vorkommen, in unberührten Proben vom Asteroiden Ryugu, die die Hayabusa2-Mission der JAXA im Jahr 2020 zurückgebracht hatte. Das Team analysierte 5,4 Gramm Material. Es fand die fünf Moleküle in zwei Proben in ungefähr ähnlichen Mengen. Die Bennu-Proben der NASA hatten im Jahr 2025 bereits alle fünf geliefert. Die Meteoriten von Murchison und Orgueil haben schon früher Nukleobasen hervorgebracht, doch Meteoriten können auf dem Weg nach unten verunreinigt werden.

Nichts davon brauchte Swift. Auch die nächste Generation von Instrumenten nicht. NVIDIA veröffentlichte am 2. November eine Beschreibung eines agentengesteuerten Teleskop-Arbeitsablaufs. Das ist ein Zeichen dafür, dass automatisierte Planung in den Betrieb von Observatorien Einzug hält. Der Beitrag des Unternehmens ist eine Herstellerdarstellung, keine unabhängige Bewertung.

Für alle, die hoffen, Swift beim Absturz zu sehen, ist der praktische Rat dünn. ABC News berichtete, die endgültige Umlaufbahn könne bei Tageslicht oder über dem Ozean liegen. Dann sieht es niemand. Sie könne aber auch nachts über einer bewohnten Gegend liegen, und dann wird es Aufnahmen geben. Tuckers Rechnung ist schlicht:

"Wenn 70 Prozent der Erde Ozean sind, sind 30 Prozent Land. Also ist es drei von zehn Malen über Land, nicht über dem Ozean."

Die NASA und die US Space Force werden den Wiedereintritt weiter verfolgen und die Vorhersagen aktualisieren, erklärte die Behörde. Das Fenster verengt sich über die letzten Umläufe, und die Bahnkarten schrumpfen zu einer einzigen Linie. Bis dahin sind die einzigen festen Fakten die Masse von etwa 1.500 Kilogramm, das Abschaltdatum 20. Oktober und die Zahl 1 zu 2.100.

Swifts wissenschaftliches Erbe liegt in zwei Jahrzehnten von Gammastrahlenausbruch-Warnungen, die andere Observatorien weiterverfolgten. Sein Nachfolger ist kein einzelnes Raumfahrzeug, sondern eine ganze Reihe. Webbs Infrarotarbeit an interstellaren Besuchern ist eine davon. Hubbles gemeinsame Durchmusterung des Randes des Sonnensystems ist eine andere. Das Teleskop, das 22 Jahre lang die gewalttätigsten Ereignisse im Universum beobachtete, beendet seine eigene Mission am Mittwoch still. Es wird irgendwo zwischen 20,6 Grad nördlicher und südlicher Breite niedergehen.

Kommentare 0

Quellen

7
  1. 01A truck-sized NASA space telescope is about to crash to EarthEN
  2. 02NASA's Swift space telescope predicted to crash back to Earth tomorrowEN
  3. 03NASA's Swift space telescope is about to crash to Earth. Where will it fall?EN
  4. 04James Webb Space Telescope uncovers new clues about the origins of 'interstellar invader' comet 3I/ATLASEN
  5. 05NASA's Hubble and Webb discover ancient worlds that remember their pastEN
  6. 06All 5 genetic "letters" of DNA and RNA discovered in a 4.5-billion-year-old asteroidEN
  7. 07NVIDIA Describes Agent-Controlled Telescope WorkflowEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.