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Nördliche Eisschilde könnten Eiszeiten mitverursacht haben, indem sie den Südlichen Ozean abkühlen, so ein Modell

Kühlte ein Klimamodell nur die nördlichsten Breiten ab, ergab sich 74 % des atmosphärischen CO2-Abbaus, den eine Abkühlung des gesamten Planeten erzeugte. Das zeigt eine Studie der University of St Andrews im Journal of Climate. ScienceDaily berichtete am 28. Oktober über die Arbeit.

WissenschaftErklärtHanna VogtVeröffentlicht: 3. November 20265 Min. LesezeitQuellen 9
Nördliche Eisschilde könnten Eiszeiten mitverursacht haben, indem sie den Südlichen Ozean abkühlen, so ein Modell

Diese eine Zahl ist der Kern eines Vorschlags dazu, wie Eiszeiten beginnen. Die Forscher vermuten, dass ausgedehnte Eisschilde der Nordhalbkugel das Wasser im Nordatlantik abkühlen. Dieses Wasser wandert nach Süden und verändert die Zirkulation rund um die Antarktis. Der Südliche Ozean nimmt daraufhin mehr Kohlendioxid auf und speichert es.

ScienceDaily berichtete am 28. Oktober über die Arbeit und beruft sich dabei auf die University of St Andrews. Der Aufsatz erschien im Journal of Climate. Die Frage, um die es geht, ist alt und unbequem. Bekannt ist, dass der Südliche Ozean während der Kaltzeiten atmosphärisches CO2 aus der Luft gezogen hat. Doch der Auslöser dafür ließ sich bisher kaum mit dem Norden verbinden. Die Zusammenfassung von ScienceDaily nennt das eine mögliche Erklärung. Die Studie liefert einen Kandidaten für einen Mechanismus, den Forscher lange nicht erklären konnten: wie Vorgänge an entgegengesetzten Enden des Planeten so eng zusammenhängen können.

Was die Simulation tatsächlich tat

Das Team senkte nicht überall die Temperaturen. Es kühlte nur die nördlichsten Breiten ab, als Nachbildung eines großen Eisschilds, und beobachtete dann, wie der Südliche Ozean reagierte. Laut dem Bericht von ScienceDaily ergab sich 74 % des CO2-Abbaus, den ein separater Lauf mit Abkühlung des gesamten Planeten zeigte.

Das ist ein Modellergebnis, keine Messung aus Eisbohrkernen oder Sedimenten. Die Studie nutzte Computersimulationen der Ozeanzirkulation. Der vorgeschlagene Mechanismus läuft über die Wasserbewegung zwischen den Hemisphären, nicht über etwas, das im heutigen Ozean direkt gemessen wurde.

Die Kette, die die Autoren beschreiben, hat mehrere Glieder. Nördliche Eisschilde wachsen als Reaktion auf natürliche Schwankungen der Erdbahn. Sie kühlen das nahe Wasser im Nordatlantik ab. Dieses kältere Wasser zirkuliert mit der Zeit nach Süden und erreicht schließlich den Südlichen Ozean. Ist die Abkühlung stark genug, verändert sie die Zirkulation rund um die Antarktis und lässt mehr CO2 unter der Oberfläche gespeichert werden. Das niedrigere atmosphärische CO2 kühlt den Planeten weiter ab, was eine Eiszeit verstärken könnte.

Warum der Südliche Ozean das Argument trägt

Der Südliche Ozean leistet in dieser Geschichte den größten Teil der Arbeit. Ihm wird zugeschrieben, einen großen Anteil der CO2-Aufnahme des Ozeans zu steuern. ScienceDaily schreibt, dass Veränderungen im Südlichen Ozean rund um die Antarktis einen Großteil des Prozesses hinter früheren CO2-Rückgängen kontrollierten. Der ungeklärte Teil war die Verbindung zum Norden.

Die Forscher vermuten, dass der Norden ein Kältesignal über den Ozean nach Süden schickt und nicht über die Atmosphäre. Dieser Unterschied ist wichtig, um das Ergebnis richtig zu lesen. Es ist eine Aussage über die Ozeanzirkulation in einem Modell, und die Stärke des Effekts hängt davon ab, wie getreu diese Zirkulation abgebildet ist. Die Studie ist zudem nicht die einzige neuere Arbeit, die auf Kohlenstoff in den Polarmeeren zeigt. Andere Schlagzeilen betreffen den Verlust von antarktischem Meereis und den Salzgehalt der Ozeane, Tsunamis durch Gletscher und die Durchmischung des Antarktischen Ozeans sowie die Frage, ob der Südliche Ozean ein sicherer Ort für die CO2-Entnahme ist. Der Aufsatz aus St Andrews gehört zu diesem größeren Bemühen, genau zu bestimmen, wie die Polarmeere Kohlenstoff bewegen.

Was die Zahl sagt und was nicht

Vierundsiebzig Prozent sind ein Vergleich zwischen zwei Modellläufen. Es ist kein gemessener Anteil eines realen Kaltzeitzyklus. Die Zahl sagt, dass in diesem Modell allein die Abkühlung im Norden den größten Teil des CO2-Abbaus erreicht, den eine globale Abkühlung erzeugt. Sie sagt nicht, dass nördliche Eisschilde eine bestimmte Eiszeit verursacht haben. Sie nennt auch keinen Zeitrahmen für den Weg des kalten Wassers nach Süden.

ScienceDaily gibt die Einordnung der Autoren wieder: Die Simulationen stützten die vorgeschlagene Verbindung stark. Das ist eine Aussage über das Verhalten des Modells. Eine Bestätigung müsste von anderer Seite kommen, und der Bericht legt keine vor.

Ein Kontrast hilft Lesern einzuschätzen, wie solche Ergebnisse präsentiert werden. Eine separate Studie zur Vorhersage von Lungenkrebs, über die HPCwire am 2. November berichtete, nennt Genauigkeiten von 94,31 % in der Simulation und 91,90 % auf Quantenhardware. Sie sagt klar, dass ihre zusätzlichen Proben synthetisch waren und keine neu rekrutierten Patienten abbildeten. Modell- und Simulationsergebnisse haben Einschränkungen, und die stärkste Berichterstattung nennt sie.

Wo das in die weitere Forschung passt

Die neuesten Meldungen anderswo haben damit meist nichts zu tun: Googles Modell Gemini 4 Carbon, die Quantenverbindungen von IBM Research im Metersmaßstab zwischen zwei Prozessoren mit 120 Qubits und ein arXiv-Aufsatz über verschränkungsunterstützte Quantencodes. Nichts davon betrifft Kohlenstoff im Ozean.

Das lässt sich ruhig sagen. Die Studie aus St Andrews ist keine Eilmeldung im Sinne einer Produktvorstellung. Sie ist ein Aufsatz im Journal of Climate, dessen öffentliche Zusammenfassung am 28. Oktober erschien. Wie wichtig sie ist, hängt davon ab, ob andere Gruppen den Mechanismus in ihren eigenen Modellen nachbilden können. Zum Maßstab des Problems berichtete der Guardian am 27. Oktober über internationale Krebsforschung, ein Hinweis darauf, wie weit die Themen der Nachrichten auseinanderliegen. Beim Klima ist der relevante Hintergrund das langjährige Bemühen, die Kaltzeitzyklen über die CO2-Speicherung im Südlichen Ozean zu erklären. Die Arbeit aus St Andrews versucht, das mit dem Wachstum des nördlichen Eises zu verbinden.

Worauf zu achten ist

Die naheliegenden nächsten Schritte sind Nachbildungen und Prüfungen an paläoklimatischen Daten. Wenn der Mechanismus stimmt, müsste er Spuren in den Indikatoren für die Zirkulation des Südlichen Ozeans und das Meereis hinterlassen, als sich die nördlichen Eisschilde ausdehnten. Der Bericht von ScienceDaily beschreibt einen solchen Test nicht, also stützt sich die Aussage derzeit auf die Simulationen.

Leser sollten auch beachten, was die Studie nicht behauptet. Sie nennt keine Zahl dafür, wie viel CO2 der Südliche Ozean während einer vergangenen Eiszeit gespeichert hat. Sie sagt nichts über das künftige Klima voraus. Ihr Thema ist die Vergangenheit.

Die Simulationen stützen die vorgeschlagene Verbindung zwischen wachsenden nördlichen Eisschilden und Veränderungen im Südlichen Ozean stark, so die Darstellung der Studie durch ScienceDaily.

Für ein Feld, das jahrelang zu erklären versucht hat, warum die beiden Pole während der Kaltzeitzyklen gemeinsam zu wirken scheinen, ist ein Modellergebnis, das sie über die Ozeanzirkulation verbindet, eine Hypothese, die es zu prüfen lohnt. Eine gesicherte Antwort ist es noch nicht. Die Zahl von 74 % ist als Eigenschaft der Simulation zu lesen, nicht der Erde.

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Quellen

9
  1. 01Earth's ice ages may have been driven by a hidden ocean chain reactionEN
  2. 02Cancer rates rising more quickly among younger people, international research findsEN
  3. 03FAU Researchers Explore Quantum Computing to Predict Lung Cancer with Limited DataEN
  4. 04Google reveals new Gemini 4 Carbon AI model, narrowly beating Claude Opus 5.5EN
  5. 05Quantum Interconnects Link Two 120-Qubit Processors (IBM Research)EN
  6. 06Researcher-in-the-Loop Evolutionary Discovery of Entanglement-Assisted Quantum Code FamiliesEN
  7. 07On this day in space! Oct. 30, 1964: NASA's weird Lunar Landing Research Vehicle takes 1st test flight to help Apollo astronauts land on the moonEN
  8. 08Claude helped plan risky bird flu research. What did the AI add?EN
  9. 09Magic state cultivation on a superconducting quantum processorEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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