Ofcom-Regeln zur Krisenmoderation gelten ab 2. November für große Plattformen in Großbritannien
Die Krisenmoderationsregeln von Ofcom gelten seit dem 2. November für mittelrisikoreiche Plattformen in Großbritannien mit mehr als 7.000.000 monatlichen Nutzern und für jeden Dienst mit hohem Risiko. Sie verlangen schriftliche Protokolle, ein erfahrenes Reaktionsteam und einen Kanal für Strafverfolgungsbehörden. Wann diese Regeln ausgelöst werden, entscheiden die Plattformen selbst.

Was am 2. November in Kraft trat
Die geänderten Codes für illegale Inhalte und der Code zum Schutz von Kindern wurden am 12. Oktober veröffentlicht, drei Wochen vor ihrem Inkrafttreten, wie Reclaim The Net berichtet. Seit Montag, dem 2. November, müssen große Plattformen in Großbritannien einen Krisenplan bereithalten, den sie kurzfristig starten können. Das gilt auch dann, wenn eine Krise erst noch bevorsteht und nur als „wahrscheinlich“ gilt.
Betroffene Dienste müssen ein schriftliches Krisenprotokoll führen. Darin halten sie fest, wie sie Warnsignale beobachten und beurteilen, ob eine Krise im Gange ist. Sobald sie entscheiden, dass eine Krise eintritt oder wahrscheinlich eintritt, müssen sie „so bald wie vernünftigerweise möglich“ ein erfahrenes Reaktionsteam entsenden, so die Darstellung von Reclaim The Net. Große Dienste müssen außerdem einen eigenen Kanal für Strafverfolgungsbehörden öffnen, und dafür ist keine gerichtliche Anordnung nötig. Das Protokoll muss nicht veröffentlicht werden, und auch die Nachbereitung nach einer Krise soll geheim bleiben, berichtet Reclaim The Net.
Ofcom definiert eine Krise als „eine außergewöhnliche Situation, in der eine ernste Gefahr für die öffentliche Sicherheit im Vereinigten Königreich besteht“. Diese Situation muss mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Anstieg bestimmter Inhalte verursacht haben oder daraus hervorgegangen sein. Auch lokale oder regionale Krisen können die Definition erfüllen, ebenso ein Ereignis im Ausland. In ihrer Begründung verweist Ofcom auf die Morde von Southport im Jahr 2.024 und erklärt, Online-Inhalte hätten danach landesweite Unruhen angeheizt.
Wer betroffen ist
Das Regime gilt für große Dienste mit mehr als 7.000.000 monatlichen Nutzern in Großbritannien, die als mittelrisikoreich eingestuft werden, sowie für jeden Dienst mit hohem Risiko. Die Regeln erfassen Inhalte von Nutzer zu Nutzer in sozialen Medien, Messaging-Apps, Foren, Dating-Apps, Spielen, Marktplätzen und einigen KI-Werkzeugen. Kleinere Dienste fallen nicht unter die Stufe mit mittlerem Risiko, es sei denn, Ofcom bewertet sie als hochriskant.
Zum erfassten Inhalt gehören Terrorismus, Hass, Belästigung, Stalking, Drohungen und Missbrauch sowie der Straftatbestand der ausländischen Einflussnahme. Reclaim The Net berichtet, Ofcom beschreibe die gefährdeten Beiträge als „die am stärksten geschützten Formen der Meinungsäußerung“, darunter „politische Rede“.
Warum der Auslösepunkt Kritiker beunruhigt
Plattformen können die Protokolle einschalten, bevor eine Krise bestätigt ist. Die Schwelle lautet „wahrscheinlich eintreten“, daher können schon Warnsignale und nicht erst ein beobachtbares Ereignis den Mechanismus in Gang setzen. Ofcom akzeptiert, dass „ein höheres Risiko falscher Treffer wahrscheinlich verhältnismäßig ist“, so die Lesart von Reclaim The Net. Die Antwort von Ofcom: Krisen seien selten, deshalb werde es wohl nur selten zu Eingriffen kommen.
Die Regierung hat erklärt, die Schritte seien für sich genommen nicht verpflichtend. Eine Plattform, die sie befolgt, gilt als rechtmäßig handelnd. Wer einen anderen Weg wählt, muss Ofcom gegenüber nachweisen, dass seine Methode ebenso wirksam ist. Ofcom betont außerdem, die Maßnahmen erlaubten es der Behörde nicht, eine Krise auszurufen, und führten keine Notstandsbefugnisse ein. Der Secretary of State kann Ofcom anweisen, den Plattformen eine öffentliche Erklärung zu übermitteln. Diese sollten sie berücksichtigen, wenn sie entscheiden, ob eine Krise vorliegt, berichtet Reclaim The Net.
Ofcom schloss das Krisenprotokoll am 9. Juni ab, am selben Tag, an dem sich nach einer Messerattacke auf der Shankill Road Ausschreitungen durch Belfast ausbreiteten, wie Reclaim The Net berichtet.
Wie oft Plattformen die Protokolle tatsächlich auslösen werden, ist unbekannt. Sie müssen sie nicht veröffentlichen, und Ofcom kann selbst keine Krise ausrufen.
Quellen
18- 01Britain's Online Censorship Law Now Comes With a Crisis Plan for Your PostsEN
- 02Big Tech Must Now Deploy Emergency Response Teams During UK Public Safety CrisesEN
- 03Big Tech Must Now Deploy Emergency Response Teams During UK Public Safety Crises - YahooEN
- 04Meta, TikTok and X Take Ofcom to Court Over Online Safety Data DemandsEN
- 05'Underwhelmed': Ofcom admits online safety impact falling short as full roll-out slips to 2027EN
- 06Big tech platforms will have to ban scam ads under UK plans to tackle fraudEN
- 07Meta Faces First Ofcom Probe Under Online Safety Act Over Instagram InstantsEN
- 08Ofcom's £15 Billion Online Safety Weapon Goes on Trial at London High CourtEN
- 09Online Safety Act Cannot Block Suicide Forum Linked to 164 UK Deaths, Ofcom AdmitsEN
- 10Meta faces UK probe over Instagram Instants, Ofcom questions safety checks before launchEN
- 11 Nintendo’s latest Zelda remake already circulating online as a Switch 2 ROM EN
- 12GitLab 19.5 Makes Agentic Development a Governed Part of the DevOps PlatformEN
- 13SAVeR$^2$: Reasoning-based Safety Alignment for Large Reasoning Models via Verifiable RewardsEN
- 14Meta-Frieren: Beyond Single Level Online LearningEN
- 15Compositional Unalignment: Auditing Safety in Large Vision-Language ModelsEN
- 16OpenAI’s GPT-6 Astra silently obstructed safety research tasksEN
- 17How digital membership platforms help sports NGBs leave the spreadsheets behindEN
- 18Community safety report and new protections for teensEN
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