Taiwan-Ausschuss hört Gesetzentwurf zu Strafbarkeit unerlaubter KI-Chip-Exporte nach China
Der Wirtschaftsausschuss des taiwanesischen Legislativ-Yuan hat am 2. November einen Gesetzentwurf der DPP angehört. Er soll unerlaubte KI-Chip-Exporte nach China unter Strafe stellen, mit bis zu 10 Jahren Haft. Damit würde eine Lücke geschlossen, die Staatsanwälte bisher mit Fälschungsvorwürfen überbrückten.

Anhörung zu einem neuen Straftatbestand
Der Entwurf ist eine Änderung des Außenhandelsgesetzes der Demokratischen Fortschrittspartei, eingebracht von Abgeordneter Chung Chia-pin. Er soll Ausfuhren bestimmter integrierter Schaltkreise, zentraler Wafermaterialien, Bauteile und Chipfertigungsanlagen nach Festlandchina ohne Genehmigung der Regierung verbieten. Auch kontrollierte Güter, die über ein Drittland geleitet werden, sollen erfasst und unrechtmäßige Gewinne eingezogen werden. Taiwanesische Beamte und Kommentatoren sagten, die Änderung schließe eine Lücke, weil der unerlaubte Export gelisteter Chips, Materialien und Anlagen damit eigenständig strafbar werde. Verabschiedet ist der Entwurf noch nicht, und die Regierung hat keinen Termin für den Beginn genannt.
Wer gegen das Gesetz verstößt, dem drohen bis zu 10 Jahre Haft und Geldstrafen von 5.000.000 bis 10.000.000 NT-Dollar, umgerechnet etwa 155.000 bis 310.000 US-Dollar. Das Höchstmaß von 10 Jahren ist doppelt so hoch wie das derzeitige Höchstmaß von fünf Jahren nach den bestehenden Regeln für strategische Hochtechnologiegüter. William Liu, Generaldirektor der Handelsbehörde im Wirtschaftsministerium, sagte in der Anhörung, der Zweck von Exportkontrollen habe sich verändert.
"Exportkontrollen haben sich davon verschoben, die Verbreitung von Waffen zu verhindern, hin zu einem strategischen Werkzeug, mit dem Länder ihren technologischen Vorsprung und ihre nationale Sicherheit schützen."
Die Lücke, auf die Staatsanwälte stießen
Nach geltendem Recht ist eine unerlaubte Lieferung von KI-Chips nach China in Taiwan keine Straftat. Staatsanwälte weichen auf andere innerstaatliche Vorschriften aus.
Im August klagten Staatsanwälte in Keelung neun Personen an, darunter den Generaldirektor von Flying Tiger Technology und Mitarbeiter lokaler Einheiten von Nvidia und Super Micro Computer. Die Gruppe soll 74 Nvidia-B300-Server an chinesische Käufer umgeleitet und dabei mehr als 600.000.000 NT-Dollar Gewinn gemacht haben, umgerechnet 18.500.000 US-Dollar. Die Behörden fingen nach einem Bericht von Yahoo News 56 der 130 Server in dem Fall ab. Keiner der neun sah sich einem Exportvorwurf gegenüber; die Staatsanwaltschaft stützte ihre Anklage auf Untreue und Urkundenfälschung.
Kritik und Grenzen
Tseng Chih-chao, stellvertretender Generalsekretär der Association for Chinese Economic and Financial Research, sagte, die Änderung reiche womöglich nicht aus, weil sie nur Chips und zugehörige Anlagen und Materialien erfasse. Er fragte, warum sie allein Festlandchina herausgreife, obwohl das Handelsabkommen mit den USA auch Nordkorea, Iran und Russland abdecke. Die Regierung solle den allgemeinen Kontrollmechanismus reparieren, statt ein Gesetz zu verabschieden, das bloß eine politische Erklärung sei.
Wang Guo-chen, außerordentlicher Forschungsbeauftragter der Chung-Hua Institution for Economic Research, sagte, die Änderung entspreche dem gegenseitigen Handelsabkommen zwischen den USA und Taiwan und den Sicherheitsinteressen Taiwans. Er warnte, taiwanesische Firmen in China könnten zwischen die Fronten geraten: Sie müssten chinesische Geldstrafen fürchten, wenn sie US-Recht befolgen und dort keine Chips mehr verkaufen, oder US-Exportkontrollen, wenn sie auf Peking hören.
Liu nannte außerdem vier Methoden, mit denen Schmuggler arbeiten:
- die Herkunft von Waren über Drittländer verschleiern;
- Briefkastenfirmen in Südostasien und im Nahen Osten gründen;
- Hochleistungs-KI-Chips als gewöhnliche Verbraucherchips deklarieren;
- Chipfertigungsanlagen zerlegen und im Ausland wieder zusammenbauen.
Noch kein Starttermin
Der Entwurf muss noch das Parlament passieren. Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin wollte nicht sagen, wann die Regierung separate Maßnahmen umsetzt, um KI-Server und fortgeschrittene Halbleiter in die Liste der kontrollierten Güter aufzunehmen. Das Ministerium prüft ein Gesamtpaket für Hochleistungschips. Ein Strafenkatalog und eine endgültige Produktliste sind nicht veröffentlicht.
Quellen
33- 01Taiwan to criminalize Nvidia AI chip smuggling to ChinaEN
- 02Taiwan to curb AI chip exports to China as part of US trade dealEN
- 03Taiwan to Curb AI Chip Exports to China as Part of US Trade DealEN
- 04Taiwan Moves to Criminalize AI Chip Smuggling to China Under Foreign Trade ActEN
- 05Smuggling Nvidia Chips Into China Is About to Become a Crime in TaiwanEN
- 06Taiwan to Join US China Chip Curbs, Seek Criminal Penalties for AI Chip SmugglingEN
- 07China’s AI chipmakers report first profits, but will the trend continue?EN
- 08Chinese AI lab Moonshot turned to Europe for Nvidia Blackwell access amid U.S. China curbs, sources tell CNBCEN
- 09Chip Industry Week In ReviewEN
- 10 Nvidia tightens tracking of AI GPUs in Southeast Asia as Chinese chip smuggling draws scrutiny, report claims EN
- 11 Nvidia can only fulfill 1% of China’s massive $70 billion GPU order for AI chips, report claims EN
- 12TSMC is weighing a move into AI memory chips at Nvidia’s requestEN
- 13 Intel’s next-gen Nova Lake needs new motherboards — what we expect from Nova Point and Z990, Z970, and B960 chipsets EN
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