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Schweiz übergibt 18 Benin-Bronzen in Lagos an Nigeria

Die Schweizer Behörden haben am Montag, 29. Juni 2026, bei einer Zeremonie im Nationalmuseum in Lagos 18 Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben [3][4][5]. Vierzehn der 18 Objekte stammen aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich [1].

KulturNachrichtIngrid BauerVeröffentlicht: 5. November 20265 Min. LesezeitQuellen 10
Schweiz übergibt 18 Benin-Bronzen in Lagos an Nigeria

Die Übergabe am Montag, 29. Juni 2026, bringt 18 Objekte in eine nationale Sammlung, die noch immer keinen festen Ort hat [2][3][4][5]. Ein Streit zwischen dem Oba von Benin und dem Museum of West African Art führt dazu, dass keine der zurückgegebenen Bronzen dort öffentlich zu sehen ist [2][3]. Für die nigerianischen Museen bedeutet das zunächst nur einen größeren Bestand ohne klaren Ausstellungsplan. Offen bleibt, wo die Objekte am Ende gezeigt werden.

Die Übergabe in Lagos

Bei der Zeremonie im Nationalmuseum in Lagos unterzeichneten die Schweiz und Nigeria außerdem ein internationales Abkommen über Einfuhr, Ausfuhr und Rückführung von Kulturgut [1]. Alle 18 Objekte sind Benin-Bronzen [1]. Daneben übergab die Schweiz einen Bronzearmreif und vier Ikom-Monolithen aus dem Nigerdelta [3][4]. Das Eidgenössische Departement des Innern teilte mit, die Stücke seien in Schweizer Strafverfahren beschlagnahmt und anschließend dem Staat übertragen worden [1][3]. Hannatu Musa Musawa, Nigerias Kulturministerin, nannte die Rückgabe einen Beleg für eine Zivilisation, die den Bronzeguss schon vor der Kolonialzeit beherrschte [3][4][5]. Die Arbeiten erreichten einen technisch, künstlerisch und äußerst filigranen Standard, sagte sie [3][4][5]. Die Schweiz sollte damit ein Vorbild für jede Nation sein, die afrikanisches Erbe besitzt [3][4].

Britische Truppen griffen Benin City 1897 an [3]. Die 18 Stücke sind ein Bruchteil der geschätzt 5.000 Objekte, die damals fortgeschafft wurden und über Museen und Privatsammlungen in Europa und Nordamerika verstreut sind [7][3]. Mehr als 150 Originalbronzen waren in den fünf Jahren zuvor zurückgekehrt [2]. Der Guardian nannte diese Zahl im November 2025 [2].

Was zurückkam und wer es schickte

Vierzehn der 18 Objekte stammen aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich, das Museum Rietberg und das Musée d'Ethnographie de Genève gaben je zwei zurück [1]. Vorausgegangen war die Benin-Initiative Schweiz, 2021 gestartet und vom Museum Rietberg mit Mitteln des Bundesamts für Kultur geleitet [1]. Acht Schweizer Museen beteiligen sich [1]. Die Initiative will die Herkunft jedes Benin-Objekts in ihren Beständen mit voller Transparenz klären [1]. Unter den zurückgegebenen Stücken war ein Behälter für Kräuter und Medizin, der Ofoe zeigt, den göttlichen Boten des Todes, als dreigliedrige Figur ohne Rumpf [1]. Auch eine Ẹroro-Glocke kam zurück; Benin-Krieger trugen solche Glocken als Zeichen ihres Rangs [1].

Alice Hertzog, Direktorin des Völkerkundemuseums der Universität Zürich, sagte, die Bronzen hätten nie in die Schweiz gehört [3][4][5]. "They were never ours to keep", sagte Hertzog [3][4][5]. Elisabeth Baume-Schneider, Schweizer Bundesrätin, sagte bei der Zeremonie, die Artefakte trügen eine schmerzhafte Geschichte [3][4][5]. Viele hätten das Königreich Benin infolge von Gewalt, Plünderung und zutiefst ungleichen Machtverhältnissen verlassen [3][4][5].

Die größere Restitutionsbilanz

Deutschland gilt als Maßstab [1]. Es unterzeichnete 2022 eine Erklärung mit Nigeria und versprach, alle 1.130 Benin-Bronzen in deutschen Museen zurückzugeben [1]. Das Auswärtige Amt bezifferte die Bestände des Landes auf rund 1.100 der geschätzt 5.000 fortgeschafften Objekte [7]. Im Dezember 2022 übergab es bei einer Zeremonie in Abuja 22 Artefakte an Nigeria [7]. Die damalige Außenministerin Annalena Baerbock sagte, Beamte ihres Landes hätten die Bronzen einst gekauft und dabei gewusst, dass sie geraubt und gestohlen worden waren [7]. "It was wrong to take them and it was wrong to keep them", sagte sie [7]. Die Niederlande gaben im vergangenen Jahr 119 Benin-Bronzen zurück [1]. Cambridge gab Anfang dieses Jahres 116 Artefakte zurück [1][6]. Das Museum of Archaeology and Anthropology übertrug im Februar das Eigentum an mehr als 100 Werken an Nigerias National Commission for Museums and Monuments [6].

Das British Museum besitzt rund 900 Objekte, die größte Einzelsammlung [7]. Ein Parlamentsgesetz hindert es an einer Rückgabe [7]. Diese rechtliche Schranke erklärt, warum der größte Bestand nicht bewegt wurde, nicht ein Mangel an Anfragen. Nigerias National Commission for Museums and Monuments hat formelle Rückführungsersuchen an Museen in aller Welt geschickt [7]. Der größte Teil des afrikanischen Kulturerbes liegt weiterhin außerhalb des Kontinents, schätzungsweise 90 bis 95 Prozent, nach Angaben von Anadolu [6].

Wohin die Bronzen gehen

Das Museum of West African Art (Mowaa) in Benin City sollte mehrere der Bronzen beherbergen [2][3]. Dazu ist es nicht gekommen. Eine Rivalität zwischen dem früheren und dem amtierenden Gouverneur des Bundesstaats Edo, die verschiedenen Parteien angehören, führt dazu, dass keine der Bronzen dort öffentlich gezeigt wird [2]. Im November 2025 störten Demonstranten eine Vorschauveranstaltung bei Mowaa [2]. Sie argumentierten, die Eröffnung verletze das kulturelle Erbe von Benin City, das sie der Autorität des Oba von Benin, Ewuare II., zuordnen [2]. Phillip Ihenacho, Direktor von Mowaa, sagte der Agence France-Presse, die Demonstranten seien eingedrungen und hätten einen Teil des Empfangspavillons verwüstet, bevor sie den Ausstellungsbereich stürmten [2].

Im März 2023 stellte sich Nigerias Bundesregierung auf die Seite von Ewuare II. [2]. Er argumentiert, die Artefakte gehörten in den Palast von Benin, weil sie dort geraubt worden seien [2]. Die Restitution ist damit auf Hindernisse im eigenen Land gestoßen; nigerianische Behörden und die traditionellen Herrscher von Benin lagen zeitweise im Streit darüber, wer die Bronzen halten soll [3][4][5].

Der Streit ist ungelöst. Vorerst kommen die 18 Objekte zu einer nationalen Sammlung, deren Ausstellungsplanung umstritten bleibt [2][3].

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Quellen

10
  1. 01Swiss Museums Return 18 Benin Bronzes to Nigeria - ArtforumEN
  2. 02Protesters target major new Nigerian museum embroiled in looted artefacts row - The GuardianEN
  3. 03'A painful history': Nigeria welcomes home Benin Bronzes looted as colonial spoils of warEN
  4. 04Nigeria: Switzerland Returns Famed Benin Bronzes to NigeriaEN
  5. 05Switzerland returns famed Benin Bronzes to NigeriaEN
  6. 06Benin Bronzes restitution debate spotlights Africa's looted heritageEN
  7. 07Benin Bronzes: Germany returns looted artefacts to NigeriaEN
  8. 08Germany’s EV share hits record 37% as BEVs beat gas and diesel combinedEN
  9. 09Volkswagen’s affordable ID. Polo wins German Car of the Year 2027 as EVs dominateEN
  10. 10Germany’s Hydrogen Pipeline Reached Marl. Its Market Still Needs to Add Up.EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Ingrid Bauer

Ingrid Bauer

Kultur, Küche und Lebensstil

Ingrid Bauer schreibt für FLASH24 über Kultur, Küche, Mode und Design, Alltagsleben und Geschichte und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Archivdokumente, historische Kochbücher und Gespräche mit Zeitzeugen. Bei Rezepten und Ernährungsratgebern prüft sie Zutatenlisten, Nährwertangaben und Herkunftsbezeichnungen gegen offizielle Register. Für ihre Kulturbeiträge vergleicht sie Spielpläne, Ausstellungskataloge und Marktpreise und wartet auf die Saisonberichte der Landwirtschaftskammern. Ihr eigenes Brot backt sie im Holzofen, kauft auf Wochenmärkten und sammelt alte Kochbücher, was ihre Geschichten über regionale Küche und Handwerk prägt. Sie veröffentlicht keine unbelegten Zahlen und keine Rezepte ohne getestete Mengenangaben.

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