Kraftstoffmangel im Sudan verteuert die Nothilfe gegen den Hunger
Benzin und Diesel sind im Sudan knapp. Das verteuert die Hilfslieferungen in einem Land, in dem nach Angaben der Rio Times vom 6. November fast 19.500.000 Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, mehr als 40 Prozent der Bevölkerung.

Kraftstoffmangel bremst Lieferungen von Nahrung und Medizin
Mitte September 2026 schlossen Tankstellen in Khartum, weil Benzin und Diesel fehlten. Kein Bericht seither zeigt, dass der Mangel behoben ist. Lastwagen bringen Nahrung und Medizin zu vertriebenen Familien, Dieselpumpen fördern Wasser auf die Felder. Ohne Kraftstoff steht beides still.
Das Land ist zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) geteilt. Die schwache Währung macht importierten Kraftstoff teuer, der Mangel verzögert Lieferungen an Menschen, die ohnehin wenig haben. Die Hilfe hängt von internationalen Gebern ab. Jeder Engpass verteuert deshalb jede Hilfsmaßnahme.
Knapper Kraftstoff erhöht die Kosten jeder Lieferung und kann bedeuten, dass weniger Menschen versorgt werden. Unbekannt ist weiterhin, wie viel Kraftstoff der Sudan noch vorrätig hat, wann neue Lieferungen Port Sudan erreichen und welchen Anteil der Hilfslieferungen der Mangel gestoppt hat.
Zwei vom Welternährungsprogramm (WFP) gemietete Lastwagen gerieten am 2. und 3. Oktober 2026 unter Beschuss, mindestens ein Mensch starb. Bis zum 8. Oktober war weniger als die Hälfte des humanitären Hilfsaufrufs für den Sudan finanziert, berichtete die Rio Times.
Hungerwächter nennt Darfur und Kordofan
Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC), ein von den Vereinten Nationen unterstützter Hungerwächter, warnte am Montag, dem 12. Oktober 2026, das Hungersnotrisiko wachse in Greater Darfur und Greater Kordofan. Eine schwere Dürre im Zusammenhang mit El Niño erfasse inzwischen mehr als die Hälfte des Landes. In Nord-Darfur zeigen 64 Prozent der Anbauflächen schlechten Pflanzenwuchs.
Von Februar bis Mai 2026 zählte die IPC fast 19.500.000 Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit, mehr als 40 Prozent der Bevölkerung des Sudan, darunter 135.000 in Phase 5, der schwersten Stufe. In einer gemeinsamen Erklärung nannten 32 Länder, darunter die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland, die IPC-Einschätzungen und bezifferten den Anteil auf rund 41 Prozent der Bevölkerung. Fast 5.000.000 Menschen lebten auf Notfallniveau. Die Unterzeichner warnten, ohne rasches Eingreifen könne die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung 2026 auf über 825.000 steigen.
Die IPC hatte bereits gewarnt, dass sich Hungersnotbedingungen in Teilen von Nord-Darfur, Süd-Darfur und Süd-Kordofan bilden oder verschärfen könnten, wenn der humanitäre Zugang begrenzt bleibt und die Kämpfe andauern. Bauern in vielen Landesteilen konnten wegen der Kämpfe weder bestellen noch ernten. Eine anhaltende Dürre senkte die Erträge weiter, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Konvois angegriffen, Zugang behindert
Am 3. September 2026 erklärte das Sudan Doctors Network, die RSF hätten einen humanitären Konvoi der UN auf dem Weg nach Kadugli, der Hauptstadt von Süd-Kordofan, in Dilling angegriffen. Ein Mensch wurde getötet, zwei Lastwagenfahrer verletzt. Der Konvoi brachte Hilfe für mehr als 5.000 Zivilisten, denen Nahrung und Medizin fehlen.
Die Organisation nannte den Angriff Teil eines wiederkehrenden Musters von RSF-Angriffen auf Hilfskonvois und der Behinderung von Hilfe. Solche Angriffe verstießen gegen das humanitäre Völkerrecht, erklärte sie. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten warnte vor extrem gefährlichen Bedingungen in Kadugli und Dilling und verwies auf unterbrochene Hilfslieferungen und Angriffe auf Konvois.
Der UN-Sicherheitsrat verurteilte der RSF zugeschriebene Angriffe und Übergriffe gegen Zivilisten und forderte Rechenschaft sowie eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten. Die UN meldeten außerdem, zwischen Januar und Juni 2026 seien im Sudan 1.100 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet worden, berichtete die Anadolu Agency.
Auch die SAF behindert die Hilfe. Brookings beschreibt die Humanitarian Aid Commission des Sudan als eine "hidden wall", die bürokratische Hürden aufbaut. Die Armee verweigerte den Zugang unter Verweis auf Souveränität, versuchte die Forschung zur Hungersnot zu behindern und erteilte humanitären Helfern keine Visa. In einigen Gebieten versuchte die Kommission, die Emergency Relief Rooms zu kontrollieren, ein Basisnetzwerk, das Suppenküchen betreibt. Zellen, die dem SAF-Geheimdienst und SAF-nahen islamistischen Milizen zugerechnet werden, bedrohten, verhafteten und töteten deren Aktivisten. Die SAF wurde wegen des Einsatzes chemischer Waffen sanktioniert und greift zivile Marktplätze an, heißt es in der Analyse.
In Nord-Darfur nahm die RSF im Oktober 2025 el-Fasher ein. Brookings berichtete, Kämpfer hätten danach 460 Beschäftigte des Gesundheitswesens, Patienten und andere im letzten funktionierenden Krankenhaus der Stadt getötet oder verschleppt. Die RSF blockiert weiterhin die humanitäre Hilfe für die verbliebenen Einwohner. Zwei Tage nach dem Fall der Stadt ordneten die Behörden in Port Sudan die Ausweisung zweier hochrangiger WFP-Vertreter an.
Khartum weist Hungerwarnungen zurück
Das Außenministerium des Sudan weist die internationalen Einschätzungen zurück. Es erklärt, strategische Lebensmittelreserven und laufende landwirtschaftliche Produktion reichten aus, um den Bedarf im Land zu decken.
Das Ministerium räumte ein, der Krieg habe zur Plünderung strategischer Lebensmittelbestände und zu Schäden an der Infrastruktur geführt. Es vertrat aber die Auffassung, das Land habe trotz dieser Probleme eine Hungersnot vermieden. Es versprach, Hilfslieferungen im ganzen Sudan weiter zu erleichtern, auch in von der RSF kontrollierten Gebieten. Zugleich erklärte es, Hilfe dürfe nicht genutzt werden, um die bewaffnete Gruppe zu finanzieren oder zu stärken. Vorschläge für eine humanitäre Waffenruhe könnten der RSF außerdem ermöglichen, sich neu zu sammeln und ihre Stellungen zu verstärken.
Die 32 Länder forderten uneingeschränkten humanitären Zugang über Frontlinien und Grenzübergänge hinweg sowie mehr Mittel für die Hilfsoperationen.
Quellen
15- 01Sudan Fuel Shortage Deepens Hunger RiskEN
- 0232 countries warn of famine risk as 19.5 million face hunger in SudanEN
- 03RSF targets UN aid convoy in Sudan's South Kordofan, killing 1, injuring 2: ReportEN
- 04UN warns of famine risk and war crimes as Sudan conflict intensifiesEN
- 05Sudan's deadly divide: The RSF and SAF's reign of terrorEN
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- 15Sudan lodges UN, AU complaints against Ethiopia over drone attacks - Yeni Şafak EnglishEN
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