Sanae Takaichi wird Japans Regierungschefin: Koalitionsdeal von LDP und Ishin
Japans Liberaldemokratische Partei und die Japan Innovation Party haben am Montag, 20. Oktober 2025, einen Koalitionsvertrag unterzeichnet. Damit hat Sanae Takaichi die Stimmen, um die erste Regierungschefin des Landes zu werden. Beide Parteien kommen im Unterhaus auf 231 Sitze, zwei weniger als eine Mehrheit.

Die 231 Sitze sagen mehr als die Schlagzeile. Die nächste Regierung Japans startet mit zwei Stimmen zu wenig für eine Mehrheit im Unterhaus. Jedes Gesetz hängt damit von Parteien außerhalb des Deals von LDP und Ishin ab. Takaichis Konjunkturprogramm und ihre ersten diplomatischen Prüfungen sind damit unsicherer, als die Abstimmung am Dienstag vermuten lässt.
Koalitionsvertrag bringt Takaichi auf Kurs ins Amt der Regierungschefin
Sanae Takaichi und Hirofumi Yoshimura unterzeichneten den Koalitionsvertrag am Montag, 20. Oktober 2025, um 18 Uhr Ortszeit (09:00 GMT) vor Journalisten. Yoshimura führt die Japan Innovation Party, kurz Ishin, gemeinsam mit einem zweiten Vorsitzenden.
Der Vertrag ebnet der 64-jährigen Takaichi den Weg, die Parlamentsabstimmung am Dienstag zu gewinnen und Ministerpräsident Shigeru Ishiba, 68, abzulösen. Yoshimura hatte zuvor angekündigt, seine Partei sei bereit, eine Regierung unter Takaichi zu stützen. Damit hatte die LDP die Unterstützung, die sie zum Verbleib an der Macht brauchte. „Ich habe Takaichi gesagt, dass wir gemeinsam vorangehen sollten“, sagte er.
Takaichi steht dem rechten Flügel der LDP nahe und gilt als harte Kritikerin Chinas. Parteivorsitzende wurde sie Anfang Oktober 2025. Ein Jahr zuvor hatte sie die Stichwahl um den Vorsitz gegen Ishiba verloren.
Komeito löste den Umbruch aus. Die buddhistisch geprägte Partei beendete ihre 26 Jahre alte Allianz mit der LDP wenige Tage nach Takaichis Wahl zur Vorsitzenden. Zur Begründung hieß es, die LDP habe nach dem Skandal um schwarze Kassen die Regeln für Parteispenden nicht verschärft. Takaichis Positionen seien der Partei nicht geheuer.
Eine Minderheitsregierung braucht weiter Stimmen der Opposition
Eine Verfahrensregel hilft. Geht die Wahl der Regierungschefin in eine zweite Runde, braucht Takaichi nur mehr Stimmen als die Gegenkandidatin oder der Gegenkandidat, keine absolute Mehrheit.
Dem Vertrag war das Scheitern der drei größten Oppositionsparteien vorausgegangen, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen.
Ishiba hatte das Amt 2024 übernommen, nachdem Fumio Kishida zurückgetreten war. Er trat am 7. September 2025 zurück, nachdem die Koalition in beiden Kammern ihre Mehrheiten verloren hatte. Wählerinnen und Wähler waren wegen der steigenden Lebenskosten verärgert. Die Niederlage bei der Parlamentswahl im Juli hinterließ jenes dreimonatige politische Vakuum, das der Deal vom Montag beenden soll.
Erste Regierungschefin, aber keine Integrationsfigur
Takaichi verehrt die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. Als erste Frau würde sie Japan regieren.
„Die Aussicht auf eine erste Regierungschefin macht mich nicht glücklich“, schrieb die Soziologin Chizuko Ueno auf X. Takaichis Führung bedeute nicht, „dass die japanische Politik freundlicher zu Frauen wird“. Chiyako Sato, politische Kommentatorin und leitende Autorin der Zeitung Mainichi, sagte, Takaichis Politik sei „extrem hawkish, und ich bezweifle, dass sie Politik zum Anerkennen von Vielfalt erwägen würde“.
Sie befürwortet die ausschließlich männliche Thronfolge im Kaiserhaus, lehnt die Ehe für alle ab und lehnt eine Änderung des Zivilrechts ab, die verheirateten Paaren getrennte Nachnamen erlauben würde, damit Frauen nicht unter Druck geraten, ihren Namen aufzugeben.
Diplomatische und wirtschaftliche Prüfungen stehen an
Gespräche mit US-Präsident Donald Trump und regionale Gipfel stehen wenige Tage nach der Abstimmung an.
Sie hat die Zinserhöhungen der Bank of Japan kritisiert. Kazutaka Maeda, Ökonom am Meiji Yasuda Research Institute, sagte, ihre Unterstützung für eine expansive Fiskalpolitik und ihre Zurückhaltung bei Zinserhöhungen „könnten die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte auf sich ziehen“.
Sie übernimmt eine Handelsakte, die Ishiba in seinen letzten Tagen abgeschlossen hat. Japan sagte 550.000.000.000 US-Dollar an Investitionen zu, um niedrigere US-Zölle zu erhalten.
Im Inland muss Takaichi die steigenden Preise angehen und Konjunkturmaßnahmen vorlegen, um eine verärgerte Öffentlichkeit zu besänftigen. Die Sorge über die politische Unsicherheit löste einen Ausverkauf beim Yen und bei Staatsanleihen aus. Die Rendite der 30-jährigen Anleihe erreichte laut der Asahi Shimbun einen Rekordwert.
Wie es weitergeht
Das Parlament stimmt am Dienstag, 21. Oktober 2025, ab. Gewinnt Takaichi, tritt sie sofort ihr Amt an.
Die Koalition braucht andere Parteien, um Gesetze durchzubringen. Der Vertrag mit Ishin deckt gemeinsame politische Ziele ab, keine garantierte Stimmenmehrheit.
Quellen
9- 01Ultraconservative Sanae Takaichi set to become Japan's first female prime ministerEN
- 02Coalition deal set to make Takaichi Japan's first female PMEN
- 03Japan PM Ishiba resigns after series of bruising election lossesEN
- 04Japan's Kishida steps down as PM, paving way for likely successor IshibaEN
- 05In Memory of Fukuda Diplomacy: Peace, History, and Japan’s Foreign PolicyEN
- 06Prabowo’s Rainbow Coalition Has Achieved Stability at the Cost of EfficacyEN
- 07On a Remote Island, Japan Puts Its Deep-Sea Mining Ambitions on DisplayEN
- 08 Rocket Lab launches Japanese Earth-observing satellite on 99th mission to date (video) EN
- 09Waymo picks Toyota bZ4X as its next robotaxi, starting in Japan in 2027EN
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