Urheberrechtsstreitigkeiten: von verschwundenen YouTube-Hits bis zur Minions-Kür bei Olympia
Ein Urheberrechtsstreit kann Songs von YouTube nehmen, das Olympiaprogramm einer Eiskunstläuferin blockieren oder eine Glasdesignerin in einen Konflikt mit Huawei ziehen. Was die jüngsten Fälle zeigen.

Urheberrechtsstreitigkeiten erreichen die Öffentlichkeit meist als Fehlermeldung. An einem Samstag Ende September 2024 erschien diese Meldung unter einigen der meistgestreamten Songs auf YouTube und YouTube Music: „This video contains content from SESAC. It is not available in your country.“ The Verge berichtete, die Sperrungen hätten Titel von Adele, Kendrick Lamar, Britney Spears, Green Day, Kanye West und Burna Boy getroffen.
SESAC ist die Society of European Stage Authors and Composers, gegründet 1930. Laut ihrer Website lizenziert sie die öffentliche Aufführung von mehr als 1.500.000 Songs für über 15.000 angeschlossene Songwriter, Komponisten und Verlage. Sie ist kleiner als BMI und ASCAP, doch ihr Katalog enthält große Namen. 2017 übernahm die Beteiligungsgesellschaft Blackstone das Unternehmen.
Die Sperrung war eine Verhandlungsposition, keine endgültige Entscheidung. YouTube erklärte gegenüber The Verge, man habe „in gutem Glauben mit SESAC über die Erneuerung unserer bestehenden Vereinbarung verhandelt“. Man habe vor dem Auslaufen keine faire Einigung erzielen können und sei weiterhin in aktiven Gesprächen mit SESAC. Variety zitierte eine nicht genannte Quelle, wonach der alte Vertrag erst in der folgenden Woche auslief. Bis Montagnachmittag kündigte YouTube eine neue Vereinbarung an. Die fehlende Musik solle im Laufe des folgenden oder übernächsten Tages wieder verfügbar sein.
Zwei Merkmale dieser Episode kehren in Urheberrechtskämpfen wieder. Erstens kann dasselbe Werk in einer Form gesperrt und in einer anderen verfügbar sein. The Verge bemerkte, dass ein Eintrag für Kanye Wests „Power“ blockiert war, während das Musikvideo weiterlief. Zweitens wurde der Streit privat und schnell beigelegt, sobald der kommerzielle Druck wuchs.
Wenn die Klärung scheitert, passen sich Athleten an
Eiskunstlauf zeigt, was passiert, wenn kein Plattformvertrag als Rückhalt existiert. Der spanische Läufer Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté, sechsmaliger Landesmeister, erfuhr Ende der vergangenen Woche, dass sein Kurzprogramm für die Winterspiele in Mailand und Cortina nicht freigegeben würde. Das Programm baut auf Musik aus den Minions-Filmen auf. The Guardian berichtete, er habe die Musik Monate zuvor über das von der Internationalen Eislaufunion empfohlene Verfahren zur Rechteklärung eingereicht. Er war es die ganze Saison gelaufen, auch bei den Europameisterschaften in Sheffield.
Am Dienstag gab Universal die Erlaubnis für das, was Guarino Sabaté „diesen einen besonderen Anlass“ nannte. In einem Instagram-Beitrag dankte er den Fans: „Huge THANK YOU to everyone who reposted, shared and supported. Because of you Universal Studios reconsidered and officially granted the rights for this one special occasion.“ Er fügte hinzu, zwei weitere Musikstücke im Programm müssten noch geklärt werden.
„Es ist ein komplexes Problem, ehrlich gesagt, weil die Musikindustrie keine gemeinsame Plattform zur Rechteklärung hat“, sagte ISU-Generaldirektor Colin Smith dem Guardian.
Smith beschrieb mehrere Kategorien von Rechten ohne ein einheitliches Klärungsverfahren. Die ISU arbeite mit dem IOC und der Musikindustrie an einem „mehrgleisigen Ansatz“, sagte er. Man habe zudem direkte Gespräche mit einem großen Verlag und Musikunternehmen geführt. Das Problem betrifft nicht nur den Eislauf. Die kanadischen Eistänzer Marie-Jade Lauriault und Romain Le Gac verloren zwei Prince-Songs, die für ihren Rhythmustanz geplant waren. Die kanadischen Paarläufer Deanna Stellato-Dudek und Maxime Deschamps strichen eine Phil-Collins-Coverversion, nachdem eine Lizenzforderung im fünfstelligen Dollarbereich lag. In Peking 2022 sahen sich die amerikanischen Paarlauf-Meister Alexa Knierim und Brandon Frazier einer Klage wegen einer Coverversion von House of the Rising Sun gegenüber. Dem Guardian zufolge wurde der Fall später privat beigelegt.
Architektur, Datenbanken, Gitarren
Urheberrechtsansprüche bewegen sich auch durch Design und Daten. Die kanadische Glasdesignerin Victoria Balva schrieb, eine Person in Asien habe sie wegen eines großen Oberlichts aus farbigem und bleiverglastem Glas kontaktiert. Das Oberlicht entstand für Huaweis Hauptsitz in Shenzhen, und die Visualisierung ähnelte ihren Kuppeln und Decken. Sie schrieb an das japanische Architektur- und Innenarchitekturbüro Nikken. Nikken habe untersucht und eingeräumt, dass ein Mitarbeiter ihre Entwürfe angesehen habe, schreibt sie. Später sei ein neuer Entwurf zur Freigabe vorgelegt worden. Balva sagte, der Fall sei nicht vollständig gelöst worden und vier Monate ihrer beruflichen Arbeit seien verloren.
In Kanada verklagte die gemeinnützige Organisation CanLII das Vancouverer KI-Start-up Caseway im November 2024 vor dem Supreme Court von British Columbia. Sie warf dem Unternehmen einen massenhaften und systematischen Download seiner Rechtsdatenbank ohne Erlaubnis oder Vergütung vor. BetaKit berichtete, die beiden hätten an einem Freitag im März 2026 eine Einigung angekündigt. Die Bedingungen blieben vertraulich, und eine gemeinsame Erklärung besagte, beide würden unabhängig voneinander weiterarbeiten.
Und auf dem Gitarrenmarkt erklärte der deutsche Händler Thomann, er verklage Fender. Er sei das erste Unternehmen, das die Firma wegen ihrer Abmahnkampagne zur Stratocaster vor Gericht bringe. Fenders Vorgehen folgte auf ein Versäumnisurteil vom März am Landgericht Düsseldorf und auf Briefe im Mai an Firmen wie LsL Instruments und PRS Guitars. Thomann-Chef Hans Thomann sagte, vielen betroffenen Unternehmen fehlten die Mittel für einen Prozess. Der Händler werde die Sache „für alle Beteiligten“ weiterverfolgen.
Quellen
5- 01YouTube pulls songs from Adele, Nirvana, and others due to SESAC disputeEN
- 02Figure skater saved from scrapping Olympic routine after Minions music copyright disputeEN
- 03New Huawei Headquarters. Copyright infringement disputeEN
- 04Online legal database CanLII and AI startup Caseway settle copyright disputeEN
- 05Thomann suing Fender over cease-and-desistsEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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