Urheberrechtsstreitigkeiten 2026: Eiskunstlauf, Gitarren, juristische Daten und eine Musikrechte-Agentur aus den 1930er Jahren
Eine spanische Eiskunstläuferin bekam die Rechte zurück, bei den Olympischen Winterspielen zu Minions-Musik zu laufen. Ein deutscher Händler zog gegen Fender vor Gericht, und eine kanadische Rechtsdatenbank einigte sich mit einem KI-Start-up.

In den Urheberrechtsstreitigkeiten der vergangenen zwei Jahre geht es selten um jemanden, der Raubkopien verkauft. Es geht um die Kür einer Eiskunstläuferin, die Korpusform einer Gitarre, eine durchsuchbare Datenbank mit Gerichtsurteilen und eine PDF-Datei mit 44.267 Seiten voller Songtitel. Die digitale Verbreitung hat das Kopieren billig und das Klären von Rechten teuer gemacht.
Beginnen wir mit dem sichtbarsten Fall. Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté, sechsmaliger spanischer Meister, erfuhr Ende der vergangenen Woche, dass seine Kür für die Olympischen Spiele nicht freigegeben würde. Der Guardian berichtete am 3. Februar 2026 darüber. Das Programm baut auf Musik aus den Minions-Filmen auf. Er hatte es Monate zuvor über das von der Internationalen Eislaufunion empfohlene Verfahren zur Rechteklärung eingereicht. Bei den Europameisterschaften im vergangenen Monat in Sheffield lief er ohne Probleme damit. Dann, wenige Tage vor seinem Olympiadebüt, war die Freigabe weg.
Am Dienstag gab Universal die Erlaubnis für die Spiele in Milano Cortina. "Because of you Universal Studios reconsidered and officially granted the rights for this one special occasion," schrieb Guarino Sabaté auf Instagram und dankte den Fans, die seinen Fall geteilt und weiterverbreitet hatten.
Eine Klärungsplattform, viele Rechtepakete
Der Generaldirektor der ISU, Colin Smith, beschrieb das zugrunde liegende Problem beim Guardian während der Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Boston. "It's a complex issue, frankly, because the music industry has no common clearance platform," sagte er. "There are multiple buckets of rights, and within those buckets the clearance process isn't done on a single platform. Tracking tools have improved, but the facilitated process just isn't there."
Smith sagte, er habe direkte Gespräche mit großen Rechteinhabern geführt. Zudem arbeitete er mit dem IOC an einer sportübergreifenden Lösung, die auch Gymnastik und Synchronschwimmen abdecken könnte. Die Kosten sind nicht theoretisch. Die kanadischen Eistänzer Marie-Jade Lauriault und Romain Le Gac verloren zwei Prince-Songs aus ihrem Rhythm Dance im Stil der 1990er. Die kanadischen Paarläufer Deanna Stellato-Dudek und Maxime Deschamps gaben eine Phil-Collins-Coverversion auf, nachdem man ihnen eine Gebühr in Zehntausenden von Dollar genannt hatte. In Peking 2022 wurden die US-Paarmeister Alexa Knierim und Brandon Frazier wegen einer Coverversion von House of the Rising Sun verklagt. Der Fall wurde privat mit einer Summe beigelegt, die der Guardian nach eigenen Angaben auf rund $1.4m schätzte.
Auch mit den Musikrechteorganisationen selbst ist der Umgang nicht einfach. YouTube nahm an einem Samstag Ende September 2024 Songs von Adele, Kendrick Lamar, Britney Spears, Green Day, Kanye West und Burna Boy von YouTube und YouTube Music, wie The Verge berichtete. Besucher sahen eine Meldung, das Video enthalte Inhalte von SESAC und sei in ihrem Land nicht verfügbar.
We have held good faith negotiations with SESAC to renew our existing deal. Unfortunately, despite our best efforts, we were unable to reach an equitable agreement before its expiration.
Das sagte YouTube-Sprecherin Mariana de Felice in einer Erklärung gegenüber The Verge. SESAC, die Society of European Stage Authors and Composers, besteht seit 1930. Sie lizenziert die öffentliche Aufführung von mehr als 1.500.000 Songs für über 15.000 angeschlossene Songwriter, Komponisten und Verlage, wie es auf ihrer Website heißt. Sie ist kleiner als BMI und ASCAP und wurde 2017 von Blackstone übernommen. Variety deutete unter Berufung auf eine ungenannte Quelle an, die Sperrung könnte ein Verhandlungstrick gewesen sein, weil der alte Vertrag erst in der folgenden Woche auslief. Eine neue Vereinbarung wurde am folgenden Montag angekündigt, die Musik sollte binnen ein bis zwei Tagen wieder verfügbar sein.
Gitarrenformen und Massendownloads
Auch die Hardware hat ihre eigene Front. Der deutsche Händler Thomann, der größte Musikfachhändler der Welt, verklagt Fender wegen der Abmahnwelle, die auf ein Versäumnisurteil vom März beim Landgericht Düsseldorf folgte. Dieses Urteil sprach Fender "enforceable rights against any guitars using the Stratocaster body shape" in der EU zu. Guitar World berichtete am 22. Juni 2026, dass Thomann, dessen Marke Harley Benton selbst eine Abmahnung erhielt, das erste Unternehmen ist, das Fender vor Gericht bringt. Thomann erklärt, es handle für andere Hersteller, und nennt Tyler, Tom Anderson, Suhr, LsL, Maybach, Pensa, FGN und PRS als gefährdet.
"We used to be a small music store ourselves and know exactly where we have come from," sagte Thomann-CEO Hans Thomann. "Many of those affected do not have the financial and legal means to conduct such a legal dispute." Das Argument des Händlers, das der Branchenanwalt Ronald Bienstock teilt, lautet, die Stratocaster sei kein urheberrechtlich schützbares Kunstwerk. Ihr Erfolg komme aus der Ergonomie.
Daten sind die dritte Front. Das Canadian Legal Information Institute verklagte das in Vancouver ansässige Unternehmen Caseway AI im November 2024 vor dem Supreme Court von British Columbia. Es warf dem Start-up vor, ein Geschäft aufgebaut zu haben, indem es die Datenbank von CanLII ohne Erlaubnis und ohne Zahlung massenhaft herunterlud. BetaKit berichtete am 26. März 2026, dass sich beide mit vertraulichen Bedingungen einigten. CanLII erklärte, weiterhin breiten öffentlichen Zugang zu primären Rechtsinformationen zu bieten. Caseway erklärte, weiter Technologie für dokumentenlastige Organisationen zu entwickeln. Caseway nannte das Ergebnis eine Abkehr davon, technologischen Fortschritt durch Rechtsstreitigkeiten zu bremsen. Die Einigung fiel in eine Zeit, in der kanadische Verlage gegen OpenAI und Cohere wegen Trainingsdaten vorgehen.
Nicht jeder Streit endet vor Gericht. Die kanadische Glasgestalterin Victoria Balva schrieb im Januar 2025, sie sei gegen das japanische Designbüro Nikken wegen eines geplanten Glasdachs aus Buntglas für Huaweis Zentrale in Shenzhen vorgegangen, das nach ihren Angaben ihre Kuppeln und Decken kopierte. Nikken untersuchte den Fall, räumte ein, dass ein Mitarbeiter ihre Entwürfe angesehen hatte, und beauftragte einen Anwalt in Toronto. Balva bestätigte später, dass ein überarbeiteter Entwurf nicht mehr ähnlich aussah. Sie sagte, der Fall sei nicht vollständig gelöst und habe sie vier Monate Arbeit gekostet.
Dieses Muster wiederholt sich in all diesen Fällen: Das Kopieren ist einfach, das Klären nicht, und diejenigen mit der geringsten Macht verlieren meist die meiste Zeit.
Quellen
5- 01Figure skater saved from scrapping Olympic routine after Minions music copyright disputeEN
- 02YouTube pulls songs from Adele, Nirvana, and others due to SESAC disputeEN
- 03Music retailer sues Fender over C&Ds in Stratocaster copyright disputeEN
- 04Online legal database CanLII and AI startup Caseway settle copyright disputeEN
- 05New Huawei Headquarters. Copyright infringement disputeEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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