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Draxs 20-Milliarden-Pfund-Plan für ein KI-Rechenzentrum und die offene Atomfrage

Drax und seine Partner wollen am umweltschädlichsten Kraftwerk Großbritanniens ein Rechenzentrum mit mehr als 1 Gigawatt Leistung bauen, wie sie am 3. November mitteilten. Das Projekt für 20 Milliarden Pfund startet mit Netzstrom, bevor ein direkter Liefervertrag genehmigt ist.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20268 Min. LesezeitQuellen 8
Draxs 20-Milliarden-Pfund-Plan für ein KI-Rechenzentrum und die offene Atomfrage

Drax betreibt das Biomassekraftwerk in North Yorkshire und gehört zum FTSE 250. Am 3. November teilte das Unternehmen mit, es habe eine Vereinbarung mit dem Infrastrukturinvestor Brookfield und der KI-Infrastrukturplattform Radiant geschlossen, wie The Guardian berichtet. Die Partner wollen das größte Rechenzentrum des Landes entwickeln, mit einer Endkapazität von über 1 Gigawatt.

Die erste Phase fällt im Vergleich bescheiden aus: bis zu 100 MW Rechenleistung, betriebsbereit ab dem ersten Quartal 2028. Drax stellt das Grundstück und den Zugang zum nationalen Netz über bestehende Anschlüsse auf dem Gelände. Strom direkt aus dem Kraftwerk ist ein späteres Ziel, angepeilt für Anfang der 2030er Jahre. Es hängt von einer regulatorischen Genehmigung ab, die das Unternehmen vor 2031 erhalten will.

Das Geld ist die Schlagzeile. Drax zufolge könnte das Projekt mehr als 20 Milliarden Pfund (26,8 Milliarden Dollar) an Investitionen anziehen. Der Börsenwert stieg am selben Tag an der London Stock Exchange um fast 9 Prozent auf knapp 3 Milliarden Pfund, berichtete The Guardian. Vorstandschef Will Gardiner beschrieb es als Weg, „die langfristige Zukunft des Standorts zu sichern und Hunderte Arbeitsplätze zu erhalten“ und „die Reindustrialisierung des Nordens und die souveräne KI-Kompetenz zu stärken“.

Warum ein Biomassekraftwerk in einer Energiegeschichte auftaucht

Der Kontext zählt für jeden, der den Atomausbau verfolgt, denn es geht um dasselbe Netz und dasselbe politische Kapital. Drax verbrennt Holz-Pellets und erzeugt fast 5 Prozent des britischen Stroms. Damit ist der Standort der größte einzelne CO2-Emittent, berichtet The Guardian unter Berufung auf Analysten. Die Regierung rechnet diese Emissionen nicht mit, weil Drax geltend macht, nachwachsende Bäume würden die gleiche Menge Kohlenstoff aufnehmen. Minister haben dem Kraftwerk nach Zweifeln an den Nachhaltigkeitsversprechen eine „deutlich begrenztere Rolle“ zugesagt. Von 2027 bis 2031 erhält es nur noch die Hälfte seiner derzeitigen Subventionen.

Diese Subventionsklippe ist die geschäftliche Logik des Rechenzentrumsdeals. Ein Kraftwerk, das die Hälfte seiner Förderung verliert, braucht eine neue Einnahmequelle. Grundstück plus Netzanschluss ist genau das, was ein Hyperscale-Campus braucht. Der Deal kam eine Woche, nachdem die Regierung einen Entwurf für eine nationale Grundsatzerklärung zu Rechenzentren veröffentlicht hatte. Das Dokument nannte sie „so grundlegend für unsere Wirtschaft wie die Eisenbahnen und Stromnetze, auf die wir uns lange verlassen haben“.

Offen bleibt die Versorgung. Das britische Netz ist überlastet, und die rechtlich bindenden Klimaziele begrenzen, wie viel neue fossile Erzeugung dazukommen darf. The Guardian merkt an, dass dies Fragen aufwirft, wie ein Wettlauf um Rechenzentren mit Strom versorgt werden kann, ohne auf teures und schmutziges Gas außerhalb des Netzes zu setzen. Atomkraft ist in dieser Lesart die langsame Antwort auf eine schnelle Frage.

Das Batterieargument und der Gas-Standard

Jenseits des Atlantiks läuft dieselbe Debatte mit mehr Zahlen. Am 3. November berichtete Canary Media über eine neue Studie von Forschern aus Georgetown und Duke. Die Studie argumentiert, Batterien und nicht Gaskraftwerke sollten erste Wahl für den Bedarf von Rechenzentren sein. US-Versorger planen laut dem Bericht mehr als 60 Gigawatt neue Gaskraftwerke für Rechenzentren. Landesweit wurden rund 90 GW Gasgeneratoren hinter dem Zähler vorgeschlagen.

Ian Hitchcock, Mitautor des Berichts von der Duke Initiative for Science and Society, sagte zu Canary Media, es gebe „viel Trägheit und Beharrungskraft zugunsten von Erdgas bei einem Großteil der Ressourcen hinter dem Zähler“. Das Risiko gestrandeter Anlagen ist das Argument, das trägt: Scheitern Rechenzentrumsprojekte, zahlen andere Versorgungskunden die Rechnung für überbaute Gaskapazität. Batterien lassen sich den Forschern zufolge modular zurückfahren. Jackson Ewing vom Duke Nicholas Institute sagte, Batterien zeigten „beim Ausbautempo bereits ernsthafte Dynamik“, anders als fortgeschrittene Geothermie oder Atomkraft der nächsten Generation.

Genau dieser Punkt ist der unbequeme für Atom-Befürworter. Eine von Canary Media zitierte Prognose von BloombergNEF sieht den US-Energiespeicherausbau bis 2036 auf über 11.000 Gigawattstunden steigen. Das sind 30 Prozent mehr als in der Prognose sechs Monate zuvor, wobei die Nachfrage der Rechenzentren einen Großteil des Wachstums treibt. Speicher werden jetzt bestellt. Reaktoren nicht.

Wohin das Atomgeld tatsächlich fließt

Öffentliche Atomausgaben zielen auf Brennstoff, nicht auf neue Kraftwerke. Am 2. November berichtete HPCwire, dass die Sandia National Laboratories 3,38 Millionen Dollar aus Mitteln des Energieministeriums erhalten. Mit dem Geld werden Analysewerkzeuge für Brennstoffe der nächsten Reaktorgeneration gebaut.

Das Geld liegt in HORNIG, einem Programm von bis zu 50 Millionen Dollar, das ARPA-E führt und das auf Brennstoffe aus wiedergewonnenen Materialien abgebrannten Kernbrennstoffs zielt. Sandias Projekt TRU-PATH soll Sicherheit, Safeguards und die Wirtschaftlichkeit einer skalierten Produktion bewerten. Bei der Ankündigung am Freitag sagte Brandon Williams, Unterstaatssekretär für nukleare Sicherheit im Energieministerium, die Investition baue „auf Sandias Fähigkeiten auf, damit Brennstoffentwickler die Hürden zur Produktion im kommerziellen Maßstab überwinden“. Deborah Frincke, stellvertretende Laborleiterin für integrierte Sicherheitsmissionen bei Sandia, sagte, das Projekt sei „zweckgerichtet darauf ausgerichtet, was dem Land die sichersten Energielösungen bringt“.

Liest man die Zahlen zusammen, ist das Bild klar. Ein einzelner Rechenzentrumsdeal in Yorkshire ist 20 Milliarden Pfund wert. Das neueste Analyseprogramm der US-Regierung für Kernbrennstoff ist auf 50 Millionen Dollar gedeckelt, Sandias Anteil beträgt 3,38 Millionen Dollar. Forschung zum Brennstoffkreislauf ist notwendige Vorarbeit, aber kein Bauplan.

Wer tatsächlich Erzeugung baut

Die schnellste hinzukommende Kapazität ist erneuerbar. Ebenfalls am 3. November berichtete pv magazine über eine Ember-Analyse, der zufolge hybride Wind-, Solar- und Batterieanlagen bis zu 90 Prozent des typischen Lastprofils von Kasachstan decken könnten. Die Lieferkosten lägen unter 60 Dollar/MWh. Über 15 Standorte und 1.875 stündliche Simulationen hinweg kommt Ember auf durchschnittliche Lieferkosten von 56 Dollar/MWh gegenüber 70 bis 170 Dollar/MWh für neue Kohle.

Kasachstans Kohleblöcke sind im Schnitt über 50 Jahre alt, und Ember zählte von Januar bis Juli dieses Jahres 891 Störfälle unterschiedlicher Schwere. Die Nachfrage stieg in fünf Jahren um 16 Prozent. Kostantsa Rangelova, leitende Batterieanalystin bei Ember, sagte zu pv magazine, Solar sei „hier wirklich billig und sehr schnell zu bauen“. Der Wind des Landes ist in den Wintermonaten am stärksten, wenn die Nachfrage ihren Höhepunkt erreicht. So sieht der Wettbewerb aus, dem sich Atomkraft in schnell wachsenden Märkten stellen muss: kein weiteres Grundlastkraftwerk, sondern ein Hybrid, der sich in Scheiben bauen lässt.

Die Fertigung bewegt sich in dieselbe Richtung. Am 3. November berichtete pv magazine, dass der chinesische Zellenhersteller Yingfa Ruineng in Indonesien ein Werk für n-Typ-TOPCon mit 7,5 GW vorgestellt hat, seine erste Basis im Ausland. Das Unternehmen gibt für seine vier Standorte zusammen 51,5 GW effektive Kapazität an, darunter 45,5 GW TOPCon. InfoLink führte es im ersten Halbjahr 2026 bei den weltweiten Zellenlieferungen auf Platz zwei hinter Tongwei.

Die Nachfrageseite ist nicht garantiert

Jede Prognose oben setzt voraus, dass die Nachfrage der Rechenzentren weiter steigt. Boom Supersonic ist ein nützlicher Stresstest für diese Annahme in einem anderen Sektor. Ars Technica berichtete am 30. Oktober, dass Scott Kirby, Vorstandschef von United Airlines, am Ziel von Boom zweifelt, den Overture-Airliner 2029 auszuliefern. „2029 ist ihr offizieller Zeitplan“, sagte Kirby am 28. Oktober im Podcast Office Hours: Business Edition. „2029 wird es nicht passieren, es wird länger dauern.“

Booms Richtungswechsel ist der relevante Teil. Am 22. Oktober stellte das Unternehmen in Centennial, Colorado, eine Fabrik für eine Gasturbine mit 42 Megawatt vor, die auf KI-Rechenzentren zielt. Ein Überschall-Hoffnungsträger verkauft jetzt Gasturbinen an Rechenzentren. Dorthin fließt das Geld, und es ist Gas, nicht Kernspaltung.

Kleinere Beispiele für denselben Energiedruck tauchen immer wieder auf. Die NASA meldete am 30. Oktober, die Astronauten Anil Menon und Joshua Kutryk hätten einen Außeneinsatz von 7 Stunden und 11 Minuten abgeschlossen. Sie montierten das siebte ausrollbare Solararray an der Internationalen Raumstation. Der Ausbau hebt die verfügbare Leistung von 160 Kilowatt auf rund 215 Kilowatt, ein Plus von bis zu 30 Prozent, das achte Array soll am 5. November folgen, berichtete ScienceDaily. Selbst im Orbit heißt die Antwort auf einen Strommangel: mehr Paneele.

Die Genehmigungsschlange ist die eigentliche Hürde

Nichts davon macht Atomkraft überflüssig. Es macht sie langsam. Das Drax-Projekt braucht vor 2031 regulatorische Genehmigungen, um das Rechenzentrum direkt zu versorgen, und der Grundsatzerklärung-Entwurf der Regierung zu Rechenzentren ist noch ein Entwurf. Zwischen einem Netzanschluss heute und einem Reaktor am Netz in den 2030er Jahren entstehen die Gaskraftwerke, Batterien und Hybridparks.

In der Mischung steckt auch ein breiteres Governance-Argument. In einem Beitrag für die South China Morning Post vom 2. November argumentierte der frühere Chefredakteur Wang Xiangwei, China und die Vereinigten Staaten sollten den böswilligen Einsatz von KI und das langfristige Risiko autonomer Systeme als gemeinsamen Gegner behandeln. Er schrieb, wenn sich beide nicht auf Regeln einigen könnten, solle ein globales Gremium angesehener Fachleute eingerichtet werden. Die Energieversorgung ist das physische Substrat dieses Arguments.

Vorerst ist die Bilanz schief. Ein Biomasse-Standort in North Yorkshire wird als KI-Infrastruktur mit 20 Milliarden Pfund versprochener Investition neu verpackt. Für den US-Speichermarkt wird bis 2036 eine Prognose über 11.000 GWh erwartet. Das neueste föderale Atomgeld ist ein Analysezuschuss von 3,38 Millionen Dollar. Wenn vom Bau von Atomkraftwerken die Rede ist, lautet die ehrliche Antwort aus diesen Quellen: Gebaut wird woanders.

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Quellen

8
  1. 01UK's most polluting power plant could power country's largest AI datacentreEN
  2. 02Why batteries, not gas plants, should be data centers' first choiceEN
  3. 03Sandia Selected for $3.38M to Develop Advanced Nuclear Fuel Analysis ToolsEN
  4. 04Hybrid wind-solar-battery plants can power Kazakhstan's demand growthEN
  5. 05Yingfa Ruineng establishes 7.5 GW PV manufacturing plant in IndonesiaEN
  6. 06Supersonic airliner in doubt as company shifts to powering AI data centersEN
  7. 07Astronauts just gave the International Space Station a powerful upgradeEN
  8. 08China and US need to join hands against another powerful adversary: AIEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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