Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Frankreich prüfte Blockade sozialer Netzwerke und des Mobilfunks während der Proteste im Oktober

Vor den Protesten am 24. Oktober hat Frankreich erwogen, den Zugang zu sozialen Netzwerken zu kappen, in manchen Gebieten sogar das Mobilfunknetz. Das berichten zwei mit dem Plan vertraute Personen gegenüber POLITICO.

Medien & InternetErklärtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 3. November 20267 Min. LesezeitQuellen 8
Frankreich prüfte Blockade sozialer Netzwerke und des Mobilfunks während der Proteste im Oktober

POLITICO meldete am 27. Oktober, das Innenministerium habe sich an die Telekommunikationsbetreiber gewandt. Behördenvertreter suchten nach Wegen, den Zugang zu sozialen Netzwerken oder das Mobilfunknetz in bestimmten Gebieten zu kappen, damit Randalierer sich nicht koordinieren können. Die Planungen liefen über die Woche vor den Demonstrationen am 24. Oktober.

Am Ende stand ein Brief von Premierminister Sébastien Lecornu an die Betreiber. Darin forderte er sie direkt auf, bereit zu sein, TikTok, Instagram, Snapchat und X zu blockieren. Das französische Digitalportal Blast hatte das Schreiben zuerst gemeldet. Vertreter aus Lecornus Büro, des Technologieministeriums und des Innenministeriums dementierten den Schritt und das Schreiben auf Anfrage von POLITICO nicht.

Die erklärte Sorge galt einer Wiederholung des 17. Oktober, als es zu Gewalt kam. Sie trat nicht ein: Am 24. Oktober wurden deutlich weniger Vorfälle registriert. Ein Mitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens, der anonym sprechen durfte, beschrieb das Ziel als Blockade der „Kommunikationskanäle, über die sich Banden treffen und organisieren“. Grundlage des POLITICO-Berichts sind zwei mit dem Plan vertraute Personen. Blast veröffentlichte zuerst das Schreiben selbst.

Was eine Blockade tatsächlich träfe

Technisch ist die Lage unordentlicher als politisch. Soziale Netzwerke in einem gezielten Gebiet zu blockieren, etwa in einem einzelnen Viertel, ist laut POLITICO nicht möglich. Das Mobilfunknetz in einem Gebiet abzuschalten würde funktionieren. Es würde aber auch mobile Zahlungen, Sicherheitsüberwachungsgeräte und Notfallkommunikation ausfallen lassen.

Eine sanftere Option lag auf dem Tisch: die Anzeige von Standortfunktionen abzuschalten. Ein Vertreter des Premierministerbüros beschrieb das Ziel als Versuch, „Ansammlungen von Menschen zu verhindern, die einander nicht kennen“. Das ist ein engerer Eingriff als das Abschalten eines Netzes. Er zielt auf das Entdecken, nicht auf das Verschicken von Nachrichten.

Dieselbe Spannung zeigt sich daran, wie Plattformen mit Inhalten umgehen sollen. Ein im Parlament debattierter Gesetzentwurf mit dem Namen „wer zerstört, zahlt“ würde Menschen finanziell haftbar machen, die „wissentlich teilgenommen“ an einem Aufruhr haben. Das gilt unabhängig davon, ob sie selbst Sachschaden verursacht haben. Derselbe Text würde Plattformen verpflichten, Inhalte, die zu Körperverletzung, Diebstahl oder Zerstörung aufrufen, innerhalb von 24 Stunden zu löschen, wenn sie geeignet sind, die öffentliche Ordnung ernsthaft zu stören. Inhalte, die zum Aufstand aufrufen, müssten binnen einer Stunde entfernt werden.

Andere Abgeordnete schlugen vor, Unruhestifter über algorithmische Videoüberwachung zu verfolgen. Wieder andere wollen Online-Marktplätze bestrafen, die den Verkauf gestohlener Waren nicht stoppen, wie POLITICO berichtete. Keiner dieser Vorschläge ist Gesetz. Der Blockadeplan ist es ebenfalls nicht, und der Bericht belegt nicht, dass ein Betreiber die Aufforderung umgesetzt hat.

Warum das Netz die eigentliche Geschichte ist

Der französische Fall reicht über Frankreich hinaus. Er stellt eine Frage an die Kommunikationsinfrastruktur, die die Branche auf anderem Weg beantwortet. Dieselben Mobilfunknetze, die Regierungen abschalten könnten, werden als Sensoren angeboten.

Am 2. November berichtete The Register, Ericsson erkläre, seine Integrated Sensing and Communication genannte Technik könne tieffliegende Drohnen erkennen und verfolgen. Sie nutzt bestehende Mobilfunknetze und wertet Funkreflexionen aus, die an mehreren Funkzellen empfangen werden. Ericssons Zeitplan ist gestaffelt. Laut The Register beginnen kleine Pilotversuche zur reinen Erkennung mit ausgewählten Kunden 2027, breitere Einsätze folgen ab 2028. Ian Fogg, Research Director bei CCS Insight, sagte dem Portal, Mobilfunkantennen deckten bereits niedrige Höhen nahe dem Boden ab, in denen Drohnen oft fliegen, anders als klassisches Radar. Standardisierte 6G-Verfahren könnten die Genauigkeit verbessern, weil Basisstationen verschiedener Hersteller dann zusammenarbeiten.

„Das neue Spektrum, das mit 6G kommen soll, wird es außerdem leichter machen, Erkennung auf breiten Kanälen einzusetzen, was die Treffergenauigkeit weiter verbessert“, sagte Fogg.

The Register merkte an, dass kleine Drohnen Flughäfen gesperrt haben, zuletzt am Flughafen Jersey über das Halloween-Wochenende. Das Portal merkte auch an, dass britisches Militärpersonal die Befugnis erhalten hat, unerwünschte fliegende Eindringlinge unschädlich zu machen. Die Erkennung über große Flächen bleibt der schwierige Teil, räumt Ericsson ein.

Lettland, Texas und der Mast mit doppeltem Nutzen

Das militärische Interesse an derselben Infrastruktur wird bereits getestet. Tom's Hardware berichtete am 2. November, die NATO habe zwischen dem 19. und 30. Oktober eine Übung namens DiBaX 2026 abgehalten. Untersucht wurde, ob 5G-Türme fliegende Objekte passiv erkennen und verfolgen können, konkret Drohnen. Das Portal merkte zudem an, AT&T und Ericsson hätten Drohnenerkennung über fortschrittliche Netzsensorik in einem 5G-Netz nahe einer großen Sportstätte in den USA demonstriert.

Tom's Hardware brachte den naheliegenden Einwand vor: Wenn Masten zu Sensoren werden, werden sie auch zu Zielen. Das ist in einem Monat, in dem Satellitenverbindungen bereits umkämpft waren, keine hypothetische Sorge.

Space.com berichtete am 2. November, ukrainische Drohnenoperatoren hätten im Oktober mehr als eine Woche lang ihre schnellen Satellitenverbindungen verloren. Terminals für SpaceX' Starshield-Netz fielen ab dem 14. Oktober oberhalb von 160 Kilometern pro Stunde aus. Die volle Verbindung wurde am 24. Oktober wiederhergestellt, nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Starshield ist SpaceX' Netz für Kunden aus der nationalen Sicherheit, getrennt vom kommerziellen Dienst Starlink. Das Unternehmen gibt an, Starlink habe mehr als 11.000 Breitband- und Mobilsatelliten in etwa 550 Kilometern Höhe im Orbit. Der Streit darüber, was mit den ukrainischen Terminals geschah, ist ungelöst, und Space.com klärt ihn nicht.

Das Volumen hinter dem Druck

Desinformation und Störungen sind nicht nur ein Inhaltsproblem, sondern auch ein Lastproblem. Der vierteljährliche DDoS-Bericht von Cloudflare wurde mit The Hacker News geteilt und am 31. Oktober veröffentlicht. Er zählte 18.200.000 abgewehrte Angriffe auf der Netzwerkschicht im dritten Quartal 2026, nach 13.200.000 im zweiten Quartal und 10.000.000 im ersten. Das sind etwa 8.226 Angriffe pro Stunde oder einer alle 0,44 Sekunden.

Die Form der Angriffe hat sich verschoben. Das Cloudforce-One-Team von Cloudflare teilte mit, kurzlebige Angriffe mit geringer Bandbreite unter 10 Minuten und 1 Gbps seien um 208% gestiegen. Hypervolumetrische Angriffe über 1 Tbps fielen um 69%, von 805 im zweiten Quartal auf 251 im dritten. Dieser Rückgang geht wahrscheinlich auf Maßnahmen der Strafverfolgung gegen AISURU, KimWolf, JackSkid und Mossad Anfang des Jahres zurück. DNS-Amplification stieg um 215%. Medien, Produktion und Verlagswesen gehörten zu den am stärksten angegriffenen Branchen, neben IT-Diensten, Glücksspiel, Software und Telekommunikation.

Es gibt einen zweiten, leiseren Druck auf dieselben Netze. Light Reading berichtete am 29. Oktober, Ericsson ConsumerLab erwarte, dass die tägliche multimodale KI-Nutzung in Indien von derzeit 22% auf 43% bis 2030 steigt, gegenüber einer globalen Prognose von 30%. Das verschiebt den Mobilfunkverkehr in Richtung Uploads. Arun Menon von MTN Consulting sagte dem Portal, Indiens 5G-Netze seien für Downlink-Verkehr auf Mid-Band-Spektrum ausgelegt, besonders auf 3,5 GHz. Er sagte, der Uplink sei in Gebäuden und an Zellenrändern schwächer.

Wo die Leitungen gezogen werden

Regulierer zeichnen das physische Netz zur selben Zeit neu. Light Reading berichtete am 30. Oktober, FCC-Chef Brendan Carr lasse einen Vorschlag zirkulieren. Er würde kalifornische Regeln zum „carrier of last resort“ aushebeln, die laut AT&T den Ausstieg aus dem Kupfernetz bremsen. AT&T betreibt 615 Vermittlungsstellen in Kalifornien und hat beantragt, etwa 360 davon stillzulegen, was rund 184.000 Kunden betrifft. Nach Angaben der FCC kann das Verfahren am oder nach dem 1. Juni 2027 beginnen.

Die Rural County Representatives of California, die Communications Workers of America und The Utility Reform Network haben laut Light Reading argumentiert, der Communications Act begrenze die Möglichkeit der FCC, Landesregeln auszuhebeln. AT&T sagte dem Portal, kein Kunde werde ohne Zugang zu Sprach- oder 911-Dienst bleiben.

Anbieter verkaufen Resilienz auch als Produkt. Light Reading berichtete am 29. Oktober, Lumen habe drei Initiativen angekündigt. Das Unternehmen will mit Emerald AI KI-Workloads je nach Stromverfügbarkeit zwischen Standorten verschieben. Es will Forschung an der Ohio State University zu Quantenkonnektivität über Glasfaser finanzieren. Und es will quantenresistente Sicherheit über ein SASE-Angebot auf Basis von Fortinet anbieten. Der Beitrag ist eine Unternehmensmitteilung, und der Pilot mit Emerald AI wird als etwas beschrieben, was die Unternehmen prüfen.

Nichts davon macht eine französische Blockade sozialer Netzwerke praktikabler. Es erklärt aber, warum die Frage immer wiederkehrt. Das Netz ist inzwischen der Ort, an dem Protest, Drohnen, Angriffe und KI-Verkehr aufeinandertreffen, und einen Teil davon abzuschalten ist keine lokale Entscheidung mehr.

Kommentare 0

Quellen

8
  1. 01French government mulled blocking social networks and mobile internet amid protestsEN
  2. 02Ericsson says it can detect, track drones using only mobile networksEN
  3. 03Military explores commercial 5G networks for enemy drone defenseEN
  4. 04What is Starshield? A look at SpaceX's military satellite networkEN
  5. 05Cloudflare Reports 18.2 Million Network-Layer DDoS Attacks in Q3, Up 38%EN
  6. 06AI traffic growth could strain India's networks as telcos face monetization challengeEN
  7. 07FCC moves to knock down copper network retirement roadblocks in CaliforniaEN
  8. 08Lumen redefining networking for AI and quantum eras with three new initiativesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.