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Für HRV- und Readiness-Werte von Wearables fehlen Belege, schreibt Kardiologe Eric Topol

Wearables, die Herzratenvariabilität und Readiness-Werte verkaufen, bewerben Messgrößen, deren Zusammenhang mit Gesundheitsergebnissen nicht belegt ist. Das argumentiert der Kardiologe Eric Topol in einem Substack-Beitrag vom 5. Oktober.

GesundheitNachrichtHanna VogtVeröffentlicht: 5. Oktober 20266 Min. LesezeitQuellen 10
Für HRV- und Readiness-Werte von Wearables fehlen Belege, schreibt Kardiologe Eric Topol

Die Kritik fällt in eine Zeit, in der Apple genau diese Funktionen ausbaut. Am 9. September kündigte das Unternehmen an, die Gesundheitsmessung der Apple Watch zu überarbeiten. Hinzu kam ein Readiness-Wert von 0 bis 10, und die Herzratenvariabilität wird 24-mal häufiger ausgegeben als bisher, schreibt Topol in seinem Beitrag Ground Truths. Dieselbe Ankündigung brachte laut Topol einen Longevity-Tab und ein "Health Age".

Sein Argument ist eng und technisch. Die Zahlen sind echt. Die Bedeutung, die man ihnen gibt, ist es noch nicht.

Die Herzratenvariabilität ist die Schwankung der Zeit zwischen zwei Herzschlägen im Millisekundenbereich. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von sympathischen und parasympathischen Nervensignalen. Topol schreibt, seit mehr als drei Jahrzehnten verbinde die Forschung eine niedrige HRV mit höherer Gesamtsterblichkeit und höherer kardiovaskulärer Sterblichkeit. Bei frühen kognitiven Störungen, Demenz, psychischen Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Substanzmissbrauch ist der Zusammenhang lockerer. Bei der Grenze wird er deutlich: HRV ist ein Surrogatmarker, ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist nicht belegt. Eine höhere HRV, so schreibt er, bedeutet nicht, dass sich die Gesundheitsergebnisse verbessern. "Tatsächlich gibt es dafür keine harten Belege."

Das ist wichtig, weil das Marketing schneller war als die Evidenz.

Die meisten Ergebnisstudien, die Topol zitiert, arbeiteten mit HRV aus einem Elektrokardiogramm. Consumer-Wearables messen etwas anderes: die Pulsratenvariabilität aus optischer Plethysmografie, also über die grünen Lichter auf der Rückseite der Uhr. Beides sei nicht dasselbe, schreibt er. Sie stimmen nur überein, wenn die Verzögerung zwischen elektrischem Signal und Puls konstant bleibt, was praktisch nur in Ruhe gilt. Matratzensensoren, die HRV aus Bewegung ableiten, sind noch weiter davon entfernt.

Auch innerhalb der HRV gibt es keine einheitliche Messung. Verschiedene Geräte verwenden verschiedene Metriken. Apple stützt sich auf SDNN, die Standardabweichung der Normal-zu-Normal-Intervalle, während fast alle anderen RMSSD nutzen, das Topol als allgemein genauere Metrik beschreibt. Auch die Aufzeichnungsfenster unterscheiden sich, von wenigen Minuten bis zu einer ganzen Nacht Schlaf.

Die Studien sind klein und kurz

Der Beitrag stellt auch die Forschung hinter den zusammengesetzten Scores infrage. Die Studien, auf denen Readiness-Metriken beruhen, seien meist klein und kurz, schreibt Topol. Eine zusammengesetzte Zahl aus mehreren Eingaben verberge, welche davon die Arbeit leistet. Er verweist Leser auf die zugrunde liegenden Arbeiten statt auf die Produktseiten.

Der Wearable-Markt bewegt sich seit einer Weile in diese Richtung. Die Versprechen sind breiter geworden. Apple ist nicht allein damit, der Erholung, der Belastung oder dem biologischen Alter eine einzelne Zahl anzuhängen.

Unabhängige Arbeiten dazu, was Wearables tatsächlich erfassen, sind dünn. Einiges davon widerspricht der Darstellung. Eine Scoping-Review zu Wearable-Daten, die in klinischen Studien ausgewertet wurden, gehört zu den jüngeren Preprints zu diesem Thema. Eine andere Studie, die in diesem Herbst kursierte, fand, dass Schrittzahlen bei der Gesundheitsphänotypisierung die Intensitätsalgorithmen von Smartwatches übertrafen. Keine von beiden klärt die HRV-Frage. Beide legen nahe, dass die abgeleiteten Metriken weniger leisten als das Rohsignal.

Topols Beitrag ist seit einiger Zeit die direkteste öffentliche Herausforderung der Kategorie durch einen prominenten Kardiologen. Es ist auch eine vertraute Argumentationsfigur im Bereich Digital Health. Eine Messung, die tatsächlich physiologisch ist, wird zu einem Versprechen über die Lebensspanne befördert.

Wo die Evidenz stärker ist

Andere Teile des Feldes zeigen, wie besser belegte Digital-Health-Aussagen aussehen. Sie sind weit von einem Wert am Handgelenk entfernt.

Forscher der Northwestern University berichteten im Januar über eine weiche, flexible Robotersonde, etwa dreimal so breit wie ein menschliches Haar. Sie lässt sich durch den Zugang einführen, der in der Fetalschirurgie bereits verwendet wird. Sie verfolgt kontinuierlich die Herzfrequenz eines Fetus, die Herzratenvariabilität, den Blutsauerstoff und die Temperatur. Die Studie erschien am 26. Januar in Nature Biomedical Engineering. "Unsere Fähigkeit, den Fetus zu überwachen, hat sich in 40 Jahren nicht verändert", sagte der Fetalschirurg Dr. Aimen Shaaban in der Ankündigung der Universität. Das Gerät wurde in einem großen Tiermodell getestet, nicht am Menschen.

Auf der Seite der öffentlichen Gesundheit ist die Evidenz epidemiologisch und unspektakulär. Eine Studie mit mehr als 2.500.000 Kindern erschien im Pediatric Infectious Disease Journal und wurde am 4. Oktober von PsyPost aufgegriffen. Sie fand keinen Zusammenhang zwischen einer MMR-Impfung vor dem zweiten Lebensjahr und Autismus und keinen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Impfung und der Diagnose. Der leitende Forscher Todd Burstain, Arzt an der UW Medicine, sagte PsyPost, frühere europäische Studien ohne Altersanker "könnten möglicherweise einen Immortal-Bias in die Daten bringen".

Und in Kanada berichtete eine bundesstaatliche Konsultation über Daten zu jungen Männern. Selbst berichtete Stimmungsstörungen bei Männern im Alter von 15 bis 24 Jahren stiegen zwischen 2012 und 2022 von 11 Prozent auf 16 Prozent, meldete CBC News am 5. Oktober. Generalisierte Angst stieg von vier Prozent auf 10 Prozent. Der Anteil derer, die ihre psychische Gesundheit als sehr gut oder ausgezeichnet beschrieben, fiel von 70 Prozent auf 52 Prozent. "Es gibt überall ein gemeinsames Problem, und es ist, wie sich Männer und Jungen fühlen", sagte Bundesgesundheitsministerin Marjorie Michel zu CBC.

Nichts davon kommt als Wert von 10.

Andernorts im Stack

Der Rest des Wochenmaterials erinnert daran, wie viel von Digital Health auf Infrastruktur beruht, die niemand vermarktet.

DigitalOcean hat sein Open Source Credits-Programm still beendet. Es handelt sich um die Cloud-Guthaben, mit denen Projekte Build-Server, Dokumentationsseiten und Release-Spiegel betrieben. Laut It's FOSS erhielten die Maintainer von Node.js eine E-Mail. Darin hieß es, das Unternehmen nehme keine neuen Anträge mehr an und genehmige keine Verlängerungen, Erweiterungen oder zusätzlichen Guthabenanfragen mehr. Außerdem werde das Postfach [email protected] nicht mehr überwacht. Es gab keinen Blogbeitrag und keine Ankündigung in sozialen Medien. Die Publikation berichtete, der leitende Entwickler von Pidgin habe die E-Mail auf Mastodon bestätigt.

Auf der Regulierungsseite veröffentlichte die Datenschutzgruppe noyb ein durchgesickertes Dokument der irischen Präsidentschaft. Noyb zufolge würde es die Nutzung personenbezogener Daten "im Kontext von KI" in der gesamten EU automatisch rechtmäßig machen. Unternehmen würde ein überwiegendes berechtigtes Interesse unterstellt, statt dass sie eine Einwilligung brauchen. "Nach diesen Vorschlägen würden die Gewinne von KI-Unternehmen das Grundrecht der Europäer auf Privatsphäre übertrumpfen", sagte noyb-Gründer Max Schrems in der Erklärung der Gruppe. Das Dokument ist auf den 21. September datiert und liegt beim Rat.

Forscher der UC Riverside berichteten unterdessen im September über große Sprachmodelle. Selbstvertrauen und Korrektheit entstehen laut ihren Befunden aus verschiedenen internen Merkmalen, nach Untersuchungen von Metas Llama-3.1-8B und Googles Gemma-2-9B. "Ein Modell kann mit Sicherheit antworten und trotzdem falsch liegen", sagte der Erstautor Het Patel in der Mitteilung der Universität. Wurden Merkmale unterdrückt, die rein mit Unsicherheit zusammenhingen, sank die Genauigkeit stark.

Google wiederum nahm am 5. Oktober Ausweise des Staates Oklahoma in Google Wallet auf Android auf, berichtet 9to5Google. Es ist die dreizehnte Option in der Liste. Der digitale Ausweis funktioniert an einigen TSA-Kontrollpunkten, doch der Staat verlangt weiterhin, dass Nutzer die physische Karte mitführen.

Zwei kleinere Einträge weisen in dieselbe Richtung wie Topol. Ein kenianischer Gesundheitsassistent namens Tabibu beantwortet Fragen aus veröffentlichten Dokumenten des Gesundheitsministeriums, der Social Health Authority sowie des Pharmacy and Poisons Board. Er zeigt seine Quellen und erklärt ausdrücklich, dass er nicht diagnostiziert. Ein Text zur persönlichen Sicherheit, Triple Sec, schlägt eine Passphrase aus 3 bis 4 Wörtern plus eine 6-stellige PIN vor, zusammen etwa 60 Bit Entropie. Beide versuchen, die Grenzen eines Systems lesbar zu machen, bevor sich jemand darauf verlässt.

Das ist die Lücke, auf die Topol zeigt. Eine Uhr kann den Abstand zwischen zwei Schlägen mit echter Präzision messen. Was sie nach seiner Lesart der Literatur noch nicht kann, ist zu sagen, was dieser Abstand für die eigene Lebenserwartung bedeutet. Die Zahl 9.000.000.000 und die Zahl 8.000.000.000 spielen in dieser Debatte keine Rolle, ebenso wenig wie die 2.500.000 aus der Kinderstudie.

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Quellen

10
  1. 01The Big Holes in Wearable Heart Rate Variability and Readiness ScoresEN
  2. 02First-of-its-kind probe monitors fetal health in utero during surgeryEN
  3. 03Study of 2.5 million children finds no link between MMR vaccine and autismEN
  4. 04The mental health of young men is declining. Experts warn it could get worseEN
  5. 05DigitalOcean Ends Open Source Credits ProgramEN
  6. 06AI: EU Member States plan "digital expropriation" of EuropeansEN
  7. 07Study: Path discovered to make AI models red-flag their doubtful answersEN
  8. 08Google Wallet for Android adds 12th digital U.S. state IDEN
  9. 09A health assistant that answers from Kenyan guidelines and cites themEN
  10. 10Triple Sec - Simple Digital Security SchemeEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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