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Kalte Fusion ist tot, aber die Physik, die sie jagte, lebt in exotischen Atomen weiter

Quanta Magazine hat am 2. November bewertet, was von der Behauptung zur kalten Fusion aus dem Jahr 1989 übrig ist. Geblieben ist kein unbegrenzter Strom, sondern ein Forschungsprogramm zu exotischen Atomen.

WissenschaftErklärtHanna VogtVeröffentlicht: 3. November 20267 Min. LesezeitQuellen 12
Kalte Fusion ist tot, aber die Physik, die sie jagte, lebt in exotischen Atomen weiter

Die kalte Fusion kehrte am 2. November auf die Wissenschaftsseiten zurück, nicht als Energiequelle, sondern als Fallstudie. Quanta Magazine veröffentlichte eine lange Einschätzung von George Musser unter dem Titel "Is There Anything Left in the Dream of Cold Fusion?". Die Antwort ist laut dem Text ein Forschungsprogramm, das auf exotischen Atomen aufbaut. Die Energiekrise löst es nicht, aber es erweitert die Grenzen der Physik.

Das Datum zählt. Die ursprüngliche Behauptung brach innerhalb von Monaten zusammen. Jede spätere Wiederbelebung wurde an diesem Maßstab gemessen.

Was 1989 nach Aktenlage geschah

Laut Quanta beriefen zwei Chemiker im März 1989 eine Pressekonferenz ein. Sie kündigten ein Tischexperiment an, das mehr Energie freisetzte, als eine chemische Reaktion erklären konnte. Die einzige plausible Quelle sei nuklear, sagten sie: Wasserstoffkerne, die zu Helium verschmelzen. Versprochen wurde unbegrenzter, sauberer und billiger Strom, und Politiker verkündeten das Ende der Energieprobleme. Labore in aller Welt versuchten danach, das Ergebnis zu wiederholen, und scheiterten. Quanta berichtet, dass einige Experimente, die den Befund zunächst gestützt hatten, später zurückgezogen wurden. In einem Fall tauchten Hinweise auf eine gezielte Manipulation mit gefälschten Fusionsprodukten auf. Der ganze Vorfall dauerte wenige Monate.

Musser war ohne Stromanschluss beim Wandern, als die Geschichte bekannt wurde. Er schreibt, er habe zunächst mit den Außenseitern unter den Wissenschaftlern sympathisiert. Dann las er von ihren Anfängerfehlern, von einem geschönten Diagramm und von Klagedrohungen gegen Skeptiker.

"Unstable solutions in physics and science are considered not physical," sagte Blake Temple, emeritierter Professor für Mathematik an der UC Davis, in einer separaten Studie zur kosmischen Expansion, zitiert von ScienceDaily am 29. Oktober.

Das Zitat handelt von Kosmologie, nicht von Fusion. Es nennt trotzdem den Maßstab, der die Behauptung von 1989 zu Fall brachte und der für jedes Tischergebnis seither gilt: Ein Ergebnis, das sich nicht wiederholen lässt, ist kein Ergebnis. Quantas Text ist an diesem Punkt sorgfältig. Er behandelt die kalte Fusion als pathologischen Fall und trennt dann die Pathologie von der Physik, die später darum herum entstanden ist.

Die neuere, besser finanzierte Version des Traums

Die etablierte Fusion hat ihren eigenen Friedhof, und das Geld fließt weiter. Innovation News Network meldete am 3. November, die USA hätten 8.500.000 Dollar bereitgestellt, um die kommerzielle Entwicklung der Fusionsenergie zu beschleunigen. EnergyTech brachte dieselbe Förderung des DOE am 2. November. Die American Nuclear Society berichtete am 3. November, Fusionsfirmen hätten während eines Treffens zwischen Japan und Deutschland Vereinbarungen unterzeichnet. Keine dieser Summen ist für Energiemaßstäbe groß, und keine ist ein Ergebnis.

Die messbaren Zahlen stehen auf der Forschungsseite. arXiv führt eine am 30. Oktober eingereichte Arbeit von Jae-Hyun Baek, Byung-Sun Won und Jon-Lark Kim über die LLM-gesteuerte evolutionäre Entdeckung verschränkungsunterstützter Quantencode-Familien. Die Autoren berichten, ihre evolvierten Programme hätten 54 Lücken in archivierten EAQECC-Tabellen geschlossen. Sie veröffentlichten 115 geprüfte Codesätze sowie zehn Nichtexistenz-Ergebnisse mit geprüften DRAT-Beweisen. In einer kontrollierten Kohorte aus acht gepaarten Generierungsblöcken waren validierungsselektierte iterative Programme bei ungesehenen Längen n=13 und n=15 in 46,1% und 31,6% der zurückgehaltenen Ausführungen erfolgreich. Unabhängig erzeugte Programme erreichten 19,5% und 3,1%. Das ist ein Ergebnis zur Quantenfehlerkorrektur, nicht zur Fusion, aber es ist die Art überprüfbarer Belege, die die kalte Fusion nie geliefert hat.

Auch die Quantenhardware hatte ihre Woche. SemiEngineering meldete am 2. November, IBM Research habe "Meter-scale quantum interconnects between large quantum processors" veröffentlicht. Die Arbeit zeigte vier L-Koppler im Betrieb zwischen zwei supraleitenden 120-Qubit-Prozessoren IBM Nighthawk R1. Die Arbeit ist arXiv:2610.29986, datiert auf Oktober 2026. Der Blogbeitrag des Unternehmens ist aus demselben Beitrag verlinkt.

Warum die Frage nach der kalten Fusion immer wiederkommt

Quantas Artikel ist keine Rehabilitierung. Er hält fest, dass die Fusion insgesamt ein Friedhof der Träume war, ob die Reaktion nun bei Raumtemperatur oder bei Temperaturen im Zentrum der Sonne stattfinden soll. Die Anziehungskraft liegt im Brennstoff: kein Tagebau und keine Entsorgung von Uran, keine Öltanker durch die Straße von Hormus, im Idealfall nur Meerwasser. Musser beschreibt außerdem, wie er nach einem Artikel aus dem Make-Magazin einen Fusor im Keller baute. Fusoren seien real, schreibt er, die einzige legitime Fusionstechnik für den Tisch. Sein Gerät erzeugte jedoch keine Fusion und hätte, wenn doch, vernachlässigbare Leistung geliefert.

Diese Unterscheidung trennt zwei Dinge: ein Gerät, das einen physikalischen Prozess zeigt, und ein Gerät, das nutzbare Energie erzeugt. Die Pressekonferenz von 1989 hat sie eingeebnet. Es ist auch die Grenze zwischen der aktuellen Berichterstattung über Fusion und den aktuellen Fusionsergebnissen.

Die politische Ebene bewegt sich schneller als die Physik. Der Ausschuss für Energiesicherheit und Netto-Null des britischen Parlaments veröffentlichte am 3. November eine Stellungnahme, wonach eine Konsultation zur Planung von Fusionsenergie ihr Ziel verfehlt. NS Energy brachte am selben Tag einen Beitrag darüber, wie die Regeln für Fusionskraft der nächsten Dekade gesetzt werden sollen. Das sind Fragen der Governance, und sie werden jetzt entschieden, bevor irgendein Kraftwerk existiert.

Wie der Rest der Energieakte aussieht

Zum Vergleich, wie eine funktionierende Ausbaukurve aussieht. pv magazine meldete am 3. November, in Australien seien in den 15 Monaten seit dem Start des Bundesprogramms Cheaper Home Batteries mehr als 550.000 private Batteriespeicher installiert worden. Das Programm bezuschusst rund 30% der Kosten eines förderfähigen Systems. Derselbe Beitrag berichtete über All Energy Australia in Melbourne am 28. und 29. Oktober. Er nennt neun große Batterieprojekte mit zusammen 2,3 GW / 7,1 GWh, die im ersten Halbjahr ans Netz gingen, gegenüber 2 GW / 5,1 GWh, die 2025 hinzukamen. Weitere 13 Projekte mit zusammen 1,6 GW / 6,5 GWh erreichten im ersten Halbjahr 2026 die Finanzierungszusage. Der Veranstalter RX Global gab an, mehr als 22.000 Menschen hätten teilgenommen, rund 5.000 mehr als 2025.

Das sind in Betrieb genommene Megawattstunden, keine Laborbehauptungen. Sally Bogle, Vizepräsidentin für Erneuerbare und Strom bei Rystad Energy, sagte auf der Konferenz, Batteriespeicher seien "a silver bullet for the power market". Die Branche werde den Ausbau weiter skalieren, sagte sie laut pv magazine.

Nicht jeder Energieplan bewegt sich in diese Richtung. CleanTechnica meldete am 2. November, Tucson Electric Power und Arizona Public Service hätten am Freitag ihre Integrated Resource Plans für 2026 eingereicht. APS plant mehr als 4.000 MW Gas bis 2041. Das Unternehmen hat den Kohlebetrieb in Four Corners bis 2038 verlängert, statt 2031 auszusteigen. Vor der Arizona Corporation Commission liegt ein Verfahren, das eine Tariferhöhung von 14% vorschlägt, für einen durchschnittlichen Haushaltskunden rund 240 Dollar im Jahr. TEP plant 300 MW neues fossiles Gas und erklärt nun, es werde seine frühere Zusage nicht einhalten, die CO2-Emissionen bis 2035 um 80% zu senken. Sandy Bahr, Direktorin des Grand Canyon Chapter des Sierra Club, sagte, die Versorger schützten ihre eigenen Bilanzen, statt die wirtschaftlichsten Entscheidungen für die Stromkunden zu treffen.

Auch Forschungsgelder werden auf die Nachfrageseite umgelenkt. Canary Media meldete am 28. Oktober, mehr Wärmepumpen täten dem Netz gut. Am 22. Oktober berichtete das Medium, Google plane ein großes virtuelles Kraftwerk im PJM-Netz.

Die ehrliche Bilanz

Quantas Fazit ist eng und sollte genau benannt werden. Ein blühendes Programm zu exotischen Atomen existiert, es erweitert die Physik, und es wird die Energiekrise nicht lösen. Mussers eigener Besuch im Reaktor eines privaten Fusionsunternehmens hinterließ ihm eine Beobachtung. Die Maschine war komplex und teuer, und sie erzeugte intensive, tödliche Neutronen.

Diesem Test sollte sich jede Fusionsbehauptung stellen. Die 8.500.000 Dollar des DOE, die Vereinbarungen zwischen Japan und Deutschland und die Beschwerde des britischen Ausschusses sind alles Zulieferungen. Der Vorfall von 1989 ist der Kontrollfall dafür, was passiert, wenn Zulieferungen als Ergebnisse verkündet werden.

Das Nachleben der kalten Fusion ist real, aber es lebt in Aufsätzen, nicht in Kraftwerken. Der arXiv-Eintrag vom 26. Oktober über Magic State Cultivation auf einem supraleitenden Quantenprozessor zeigt, wo überprüfbare Tischphysik veröffentlicht wird. Dasselbe gilt für die fünf Ergebnisse von psi.inc zu offenen Quantenproblemen vom 27. Oktober. Nichts davon verspricht kostenlosen Strom. Alles davon lässt sich prüfen.

Vor diesem Hintergrund ist der Quanta-Text weniger eine Wiederbelebung als eine Prüfung. Der Traum ist vorbei. Die Instrumente, zu deren Bau er Menschen zwang, sind es nicht.

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Quellen

12
  1. 01Is There Anything Left in the Dream of Cold Fusion? (Quanta Magazine, 2 Nov 2026)EN
  2. 02Einstein's equations may explain the universe without dark energy (ScienceDaily, 29 Oct 2026)EN
  3. 03Researcher-in-the-Loop Evolutionary Discovery of Entanglement-Assisted Quantum Code Families (arXiv, 30 Oct 2026)EN
  4. 04Quantum Interconnects Link Two 120-Qubit Processors (IBM Research) (SemiEngineering, 2 Nov 2026)EN
  5. 05Key takeaways from All Energy Australia 2026 (pv magazine, 3 Nov 2026)EN
  6. 06More of the Same Expensive Dependence on Fossil Fuels in TEP and APS 2026 Energy Plans (CleanTechnica, 2 Nov 2026)EN
  7. 07More heat pumps would actually be good for the grid, researchers find (Canary Media, 28 Oct 2026)EN
  8. 08Google plans big virtual power plant in energy-strapped PJM grid (Canary Media, 22 Oct 2026)EN
  9. 09Five Results on Open Quantum Problems (PsiQuantum, 27 Oct 2026)EN
  10. 10Magic state cultivation on a superconducting quantum processor (arXiv, 26 Oct 2026)EN
  11. 11Electric Hydrofoils Save Energy, But Do They Earn Their Price? (CleanTechnica, 30 Oct 2026)EN
  12. 125 ballot proposals that could drive or derail clean energy (Canary Media, 30 Oct 2026)EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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