Litauen halbiert Netzgarantien, Europas Gasschock erzwingt Umbau des Marktes
Das litauische Parlament hat ein Paket von Änderungen am Strommarkt beschlossen. Die Ausfallgarantie, die Projektentwickler an Netzbetreiber zahlen, sinkt von 50 Euro/kW auf 25 Euro/kW. Pv magazine berichtete am 4. November über den Schritt.

Litauen geht bei Genehmigungen und Garantien voran
Der Seimas verabschiedete Änderungen am Energiegesetz, am Stromgesetz und am Gesetz über Energie aus erneuerbaren Quellen, wie das Energieministerium mitteilte. Entwickler mit gültigen Genehmigungen können ihre Projektfristen um bis zu 48 Monate verlängern. Sie können auch die Art ihrer Investition ändern und zwischen Erzeugungs-, Speicher- und Verbrauchsprojekten wechseln. Die Ausfallgarantie sinkt von 50 Euro/kW auf 25 Euro/kW.
Das ist eine glatte Halbierung des Bargelds, das ein Entwickler vorab hinterlegen muss.
Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, die Anlagen bis 100 kW bauen, brauchen ab dem 1. November 2026 keine Genehmigung mehr, um Erzeugungskapazität zu entwickeln oder Strom zu produzieren. Betreiber von Strom- und Gasfernleitungen sowie von Verteilnetzen müssen Reserven an kritischer Ausrüstung halten. Diese Reserven sind nötig, um die Versorgung nach Unfällen, technischen Störungen oder vorsätzlicher physischer Einwirkung wiederherzustellen. Das Paket reagiert auf eine deutliche Verlangsamung neuer Erneuerbaren-Projekte.
Die Flexibilität ist befristet. Entwickler haben ein Jahr Zeit für ihre Entscheidung. Wer ein Projekt verschiebt oder ändert, muss eine zusätzliche Bankgarantie stellen.
Gasschock belastet die EU-Fiskalregeln
Die Gasspeicher der EU waren am 27. Oktober zu 75 Prozent gefüllt, nach Angaben des Centre for European Reform. Ein Jahr zuvor waren es 83 Prozent, im Oktober 2022 dann 91 Prozent. Die EU geht mit weniger Gasreserve als üblich in den Winter. Es ist der zweite große Preisschock binnen vier Jahren.
ACER beziffert das Nachfüllen. Die EU-Agentur für die Energieregulierer schätzt, dass eine Füllung der Speicher auf 80 Prozent vor dem Winter 2026-27 die Kosten des Nachfüllens um 10 bis 15 Milliarden Euro erhöhen könnte. Diese Kosten können auf den Gasrechnungen der Verbraucher landen. Entschädigungen und strategische Käufe belasten zugleich die öffentlichen Haushalte. Die Europäische Kommission sieht kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit. Sie sagt aber, die Diversifizierung habe die EU nicht vor den globalen Gaspreisen geschützt.
Brüssel hat zusätzlichen fiskalischen Spielraum eröffnet. Mitgliedstaaten können beantragen, die vereinbarten Ausgabengrenzen um bis zu 0,3 Prozent des BIP pro Jahr zu überschreiten, begrenzt auf 0,6 Prozent über 2026-28. Diese Flexibilität gilt ausdrücklich für Maßnahmen, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern, nicht für kurzfristige Entlastung bei hohen Preisen. Seit 2022 verlangen die EU-Regeln von den Mitgliedstaaten, die Speicher vor dem Winter zu 90 Prozent zu füllen, mit etwas Spielraum bei ungünstigen Marktbedingungen. Regierungen können Versorger zum Speichern von Gas verpflichten, sie entschädigen oder selbst strategische Reserven kaufen.
UK Steel beziffert die industrielle Lücke
Britische Hersteller zahlen 49 Prozent mehr für Strom als französische Wettbewerber. Das kostet in diesem Jahr 66 Millionen Pfund zusätzlich, nach Angaben von UK Steel. Der Verband erklärte, der jüngste Haushalt der Regierung enthalte keine Maßnahmen gegen die hohen Stromkosten der Stahlhersteller.
UK Steel schlägt einen Mechanismus zur Neuverteilung des Großhandelsstrompreises vor. Baringa hat ihn unabhängig modelliert, mit geschätzten durchschnittlichen Nettokosten von 50 Millionen Pfund pro Jahr im Zeitraum 2026-2030.
Der Verband warnte zudem, die anhaltende Instabilität im Nahen Osten habe die Großhandelspreise für Energie auf etwa das Dreifache ihres Februarstands getrieben. Die Stahlherstellung wird zunehmend elektrisch. Die Rechnung kommt, während die Branche auf Lichtbogenöfen umstellt, die mehr Strom brauchen als die Anlagen, die sie ersetzen. UK Steel sagt, das Geld könnte sonst in neue Ausrüstung, Fachkräfte und Dekarbonisierung fließen.
ETS-Überprüfung: Investitionsmotor oder verpasste Chance?
Der Vorschlag zur Überprüfung des EU-Emissionshandelssystems wurde im Juli 2026 veröffentlicht. Er hat den erklärten Anspruch, das ETS zu einem Motor für Innovation und Investitionen zu machen. Luftfahrt und Seeschifffahrt tragen erheblich zu den ETS-Einnahmen bei. Transport & Environment hält den vorgeschlagenen Rahmen für ungeeignet, Investitionen in saubere Kraftstoffe in diesen Sektoren zu stützen.
Die Organisation will 50 Prozent der nationalen ETS-Einnahmen für die Dekarbonisierung in vorrangigen Sektoren zweckbinden, darunter Produktion und Einsatz von Luftfahrt- und Schiffskraftstoffen auf E-Basis. Sie schlägt außerdem einen Fördertopf für E-Fuels bis 2028 vor sowie zweiseitige Auktionen, um ausstehende endgültige Investitionsentscheidungen zu ermöglichen. Luftfahrt und Seeschifffahrt sollen in den ETS Investment Booster, die Industrial Decarbonisation Bank und den Modernisierungsfonds eingebunden werden.
Der Streit dreht sich darum, wo diese Einnahmen landen.
Der Wasserstoffmarkt braucht noch zahlende Kunden
Das genehmigte Wasserstoff-Kernnetz in Deutschland umfasst 9.040 Kilometer, mit erwarteten Investitionskosten von 18,9 Milliarden Euro. Eine Genehmigung ist nicht dasselbe wie Nachfrage.
Die Planungszahlen werden weicher. Der Entwurf von ENTSOG zur Bewertung vom Oktober 2026 senkte die Annahme zur Wasserstoffnachfrage 2030 von 620 TWh auf 335 TWh, eine Verringerung um 46 Prozent gegenüber der Bewertung von 2024. Die Annahme für 2040 fiel um 33 Prozent, von 1.929 TWh auf 1.296 TWh.
RWE hat einen 15-Jahres-Vertrag, um ab 2030 jährlich etwa 30.000 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff an die TotalEnergies-Raffinerie Leuna zu liefern. Der Preis ist nicht bekannt. Wasserstoff aus Lingen erreichte im August 2026 den Chemiepark Marl. Die Mitteilung nannte weder die erhaltene Menge noch den gezahlten Preis oder welche bestehende Produktion verdrängt wurde. Marl nutzt seit Jahrzehnten Wasserstoff, bestehende Nachfrage wird also nicht automatisch zur Nachfrage nach einem teureren Rohstoff.
Wie es weitergeht
Litauische Entwickler haben ein Jahr Zeit zu entscheiden, ob sie ihre Projekte unter den neuen Regeln verschieben oder ändern. Wer das tut, muss eine zusätzliche Bankgarantie stellen.
Quellen
28- 01Lithuania moves to revive renewables growth with sweeping reformsEN
- 02The EU must make the Hormuz crisis a turning pointEN
- 03UK Steel calls for electricity price reform as energy costs disadvantage UK producers against European competitorsEN
- 04The ETS Investment Engine: Scaling Europe's Strategic E-fuel Market for Shipping & AviationEN
- 05Germany's Hydrogen Pipeline Reached Marl. Its Market Still Needs to Add Up.EN
- 06Armenia’s energy market reforms: EU support and international experienceEN
- 07China Truck Sales Now Majority Electric. What’s Next?EN
- 08Buick Electra GS appears in China regulatory filing, expanding NEV lineupEN
- 09How Markets Reacted to Democrat Win: Bitcoin Swings, Gold JumpsEN
- 10Mercedes-Benz Is Giving Up On Its EV Charging Network In EuropeEN
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- 28Lexus is taking a page from China for its next electric SUV launching in 2027EN
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