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OpenAIs Grid-Protectors-Pilot macht aus dem Stromhunger der Rechenzentren eine Netzressource

OpenAI hat am 2. November ein Programm gestartet, mit dem seine Rechenzentren den Stromverbrauch drosseln, wenn das Netz unter Druck steht. Den Anfang macht ein Campus in Georgia, gestützt auf 1.000 Megawatt flexible Demand-Response-Leistung.

TechnologieNachrichtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 3. November 20265 Min. LesezeitQuellen 28
OpenAIs Grid-Protectors-Pilot macht aus dem Stromhunger der Rechenzentren eine Netzressource

Für die Menschen in der Nähe eines geplanten Campus klingt das Angebot einfach: An den heißesten Tagen senkt das Rechenzentrum seine Last, statt auf neue Stromleitungen zu warten. Für Netzbetreiber und Regulierer wird damit aus einem riesigen Kunden so etwas wie eine steuerbare Ressource. Der Haken: Diese Flexibilität zählt nur, wenn die Verträge halten und die Software mitspielt. OpenAI hat bislang einen Vertrag veröffentlicht, in Georgia. Regelungen an anderen Standorten sind nicht abgeschlossen.

OpenAIs Pilotprojekt in Georgia

OpenAI stellte das Grid Protectors Program am 2. November in einem Blogbeitrag vor. Tom's Hardware berichtete einen Tag später, dass das Unternehmen die Idee auf seinem geplanten Campus im Effingham County in Georgia testet.

Die Zahlen hinter diesem Pilot sind groß. OpenAI gibt an, eine Vereinbarung über 3,2 Gigawatt mit Georgia Power unterzeichnet zu haben, darunter 1.000 Megawatt flexible Demand-Response-Leistung. Diesen Puffer beschreibt das Unternehmen als so viel wie der durchschnittliche Strombedarf von rund 700.000 Haushalten, mehr als Washington, D.C. und Boston zusammen. Tom's Hardware rechnet dieselben 1.000 Megawatt rund 800.000 Haushalten zu, fast 20% der Haushalte Georgias. Die beiden Angaben weichen voneinander ab, und keine von beiden sagt, wie viel der Campus tatsächlich drosseln wird. OpenAI erklärt außerdem, die vollen Infrastruktur- und Netzentgelte zu tragen, die für die Versorgung von Effingham nötig sind.

Warum der Netzanschluss zum Flaschenhals wird

Die Warteschlangen im Netz sind der Grund, warum dieses Argument verfängt. PJM Interconnection ist der größte Netzbetreiber der USA. Die Kosten, um Leistung für die Spitzenlast zu sichern, sind dort in den vergangenen Jahren um mehr als das Achtfache gestiegen, berichtet Canary Media. PJM erwartet, dass große Verbraucher bis Anfang der 2030er Jahre 30 bis 34 Gigawatt zusätzliche Nachfrage bringen, in einem System, das zuletzt eine Spitze von 162,6 GW erreichte.

Europa zeigt dieselbe Enge deutlicher. In Irland entfallen auf Rechenzentren bereits etwa 19% der Spitzenlast. Das sind 1,1 GW von 6 GW Spitze im Januar 2025, laut einer Ember-Analyse, die im Oktober 2026 veröffentlicht und von pv magazine aufgegriffen wurde. Ember rechnet damit, dass dieser Anteil bis 2030 auf 24% steigen könnte, mit 1,6 GW Nachfrage bei einer Systemspitze von 6,5 GW. Der zeitliche Versatz tut ein Übriges. Ein großes Rechenzentrum kann 200 MW bis 500 MW brauchen und in 18 bis 24 Monaten stehen. Der herkömmliche Netzausbau dauert vier bis 10 Jahre.

Lastverschiebung bringt wenig, eigene Kapazität bringt mehr

Embers Studie umfasst neun Märkte in den Vereinigten Staaten, Europa und Südostasien. Ihr zentraler Befund: Die Flexibilität, die am häufigsten versprochen wird, ist die am wenigsten verfügbare.

Cloud-Dienste, Unternehmensanwendungen und KI-Inferenz brauchen niedrige Latenz. Sie lassen sich nicht einfach verschieben. Ember schätzt, dass sie bis 2030 etwa 87% der weltweiten Rechenzentrumskapazität ausmachen werden. Unter den Annahmen der Studie, 35% Flexibilität beim KI-Training, 5% bei der Inferenz und keine bei klassischen Rechenzentren, ließen sich theoretisch rund 6,5% der globalen Kapazität verschieben. Nach einer durchschnittlichen Auslastung von etwa 48% sinkt die tatsächlich für Reaktionen verfügbare Kapazität auf rund 3%.

Der Effekt auf die Spitzenlast ist entsprechend klein. In Irland könnte die Lastverschiebung die Spitzenlast bis 2030 um etwa 100 MW senken, also um 1,5% der prognostizierten Spitze. In den anderen von Ember untersuchten Märkten liegen die geschätzten Einsparungen zwischen 0,1% und 0,6%.

Eigene Erzeugung und Speicher vor Ort schneiden besser ab. Bei zwei großen Rechenzentren in Texas mit einer gemeinsamen prognostizierten Last von 5,6 GW könnte die Lastverschiebung in Engpassphasen etwa 0,55 GW wegnehmen. Eigene Erzeugung könnte bis zu 2,7 GW wegnehmen. Ember kommt zu dem Ergebnis, dass der Ansatz, eigene Kapazität mitzubringen, fast fünfmal so viel Netzentlastung bringen könnte wie die Lastverschiebung.

Googles Gigawatt-Wette und PJMs Regelwerk

Google und Voltus teilten am Donnerstag, dem 22. Oktober, mit, dass sie in PJM ein Gigawatt Kapazität für virtuelle Kraftwerke anstreben. Das ist mehr als das ursprüngliche Ziel von 100 MW, das die Unternehmen im Juni gesetzt hatten. Voltus holt Zusagen von Kunden ein. Sie decken Lastsenkungen oder Batteriestrom bis 2040 ab. Das reicht weit über PJMs jährliche Kapazitätsauktion hinaus, die Ressourcen drei Jahre im Voraus sichert.

Voltus verwaltet bereits mehr als 9 GW Demand-Response- und Virtuelle-Kraftwerk-Kapazität in den USA. Bis 2030 sollen es 20 GW werden. Anfang Oktober sammelte das Unternehmen 225.000.000 Dollar ein, meldete Canary Media.

Das Regelwerk zählt so viel wie der Ehrgeiz. Der Market Implementation Committee von PJM soll in seiner Sitzung am 4. November über die nächsten Schritte beim Surplus Interconnection Service beraten. Ein Antrag bei der FERC ist frühestens im April 2027 möglich. Surplus Interconnection hat bis Mitte 2026 44 GW historischer Projektanfragen angezogen, etwa 80% davon Vorschläge, Batterien an bestehende Projekte anzuhängen. Auf MISO entfallen 14,8 GW in 138 aktiven Anfragen, auf SPP 14,3 GW in 89.

Die Softwareebene und wo die Flexibilität sitzen muss

Software macht aus einem Versprechen eine abrufbare Ressource. Arenko gibt an, seine Plattform Nimbus habe die Auslastung des Netzanschlusses an einem britischen Solar-plus-Speicher-Standort von 8% auf 29% gehoben, bei einer Exportverfügbarkeit von rund 83%. Mehr als 98% des an diesem Standort gehandelten Volumens liefen im März 2026 automatisch, berichtet Enlit World.

Nimbus wurde außerdem für Ørsteds 300MW/600MWh-Batterie Iceni ausgewählt. Dort übernimmt die Plattform Handel, Optimierung und Anlagenverwaltung. Die Batterie teilt sich die Netzinfrastruktur mit dem Offshore-Windpark Hornsea 3 mit 2,9GW.

Der Standort schränkt all das ein. Irlands Commission for Regulation of Utilities hat für 2028 einen potenziellen Bedarf an nach oben gerichteter Flexibilität von etwa 234 MW und 58 GWh in den Verteilnetzen ermittelt. Am Umspannwerk Naas 38 kV/10 kV ergab die Prüfung für 2028 einen Bedarf von 0,6 MW und 3 MWh, konzentriert im Januar, mit geplanter Verstärkung bis 2030. Eine Batterie anderswo in Irland kann Geld verdienen und für Naas trotzdem nichts tun.

UK Power Networks lieferte im März 2026 einen Realitätscheck. Das Versorgungsunternehmen stellte die Suche nach Flexibilitätsausschreibungen für bestimmte Umspannwerke mit einem einzigen Transformator ein, deren Engpässe typischerweise 24 Stunden dauerten. Der Markt konnte sie aus technischen und kommerziellen Gründen nicht bedienen.

Das Office of Electricity im US-Energieministerium argumentiert, Microgrids könnten den Bau von Rechenzentren schneller und billiger ermöglichen als der Ausbau von Verteil- und Übertragungsnetzen. Die Anbieter stocken ihr Personal entsprechend auf. Amazon Web Services stellte Robert Fourqurean als Manager für Energiepolitik ein, meldete DataCenterDynamics am 3. November. Zuvor war er Politikberater für Energie und Klima an der britischen Botschaft in Washington. AWS hat mit Constellation Energy einen Stromabnahmevertrag über 20 Jahre für 690MW aus Calvert Cliffs geschlossen. Hinzu kommt eine Kooperation mit American Electric Power über fast 960MW Kapazität kleiner modularer Reaktoren in Indiana.

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Quellen

28
  1. 01OpenAI introduces program to reduce AI data center energy demand during peak hoursEN
  2. 02Introducing the Grid Protectors ProgramEN
  3. 03Google plans big virtual power plant in energy-strapped PJM gridEN
  4. 04Behind-the-meter generation could deliver five times more grid relief than data center load shiftingEN
  5. 05PJM desperately needs grid batteries. Here's a way it could get some.EN
  6. 06Trading places: smarter management of hybrid assetsEN
  7. 07Ireland's Grid Flexibility Assessment Shows Why Location MattersEN
  8. 08Microgrids, Large Electric Loads & Grid SupportEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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