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Shopify öffnet KI-Store-Builder, während DIVD Zammad-Zero-Days für den eigenen Einbruch verantwortlich macht

Shopify hat am Donnerstag Canvas gestartet, ein Werkzeug, das einen Onlineshop im Gespräch mit dem KI-Agenten Sidekick baut. Das Dutch Institute for Vulnerability Disclosure erklärte unterdessen, zwei Zero-Days in Zammad hätten einem autonomen KI-Agenten den Weg in sein Netz geebnet.

Medien & InternetAnalyseKatrin HoffmannVeröffentlicht: 1. Oktober 20265 Min. LesezeitQuellen 8
Shopify öffnet KI-Store-Builder, während DIVD Zammad-Zero-Days für den eigenen Einbruch verantwortlich macht

Shopify stellte Canvas am 1. Oktober vor, ein Werkzeug, mit dem Händler eine Storefront im Dialog mit dem firmeneigenen KI-Agenten Sidekick zusammenstellen. TechCrunch berichtete am selben Tag. Das Produkt zeigt den tatsächlichen Code des Shops in Echtzeit statt einer statischen Vorschau. Händler können Interaktivität, Animationen und verschiedene Bildschirmgrößen prüfen, während sich die Seite verändert.

Sidekick ist nicht neu. Laut TechCrunch wurde er bereits genutzt, um Code zu schreiben, Apps zu bauen und Themes anzupassen.

Neu ist, dass Shopify dem Agenten direkten Zugriff auf die Dateien des Themes gegeben hat. Außerdem hat das Unternehmen die Theme-Architektur vereinfacht, damit der Agent Aufbau, Logik und Design des Shops versteht. Der Start bleibt eng: Themes von Drittanbietern, App-Blocks und Erweiterungen, Märkte, Übersetzungen, Rollouts und Theme-Updates fehlen in der ersten Version, meldet TechCrunch, und Canvas läuft nur am Desktop. Shopify kündigte gegenüber dem Portal an, diese Funktionen nach und nach zu ergänzen. Damit tritt Shopify neben Wix, Squarespace, Webflow und Framer an, die bereits KI-gestütztes Bauen von Websites verkaufen, sowie neben den Vibe-Coding-Plattformen Lovable und Replit. Der Unterschied, den Shopify verkauft, ist ein bestehender großer Händlerstamm und ein Agent, der produktive Dateien bearbeitet statt eines Wegwerf-Mockups.

"We started the year at 80 sites, hit the 100th site right on our second-year anniversary as a company, and now we're nine months into the year and we've over doubled in size," Ionna CEO Seth Cutler told InsideEVs.

Sicherheitsmeldungen waren diese Woche schneller unterwegs als Produktmeldungen. Das Dutch Institute for Vulnerability Disclosure teilte mit, der Einbruch in sein eigenes Netz sei über zwei Zero-Day-Lücken in Zammad erfolgt, einer Open-Source-Plattform für Helpdesk und Tickets. BleepingComputer berichtete am 30. September. Die Lücken laufen unter CVE-2026-102489 und CVE-2026-102490 und erlaubten Session-Hijacking, Remote Code Execution und die Eskalation bis root.

DIVD hatte den Angriff zuvor als laut und unordentlich beschrieben, gesteuert von einem KI-Agenten, der seine nächsten Schritte selbst wählte. Weil der Agent Erklärungen für seine Entscheidungen hinterließ, konnten die Ermittler den Vorfall rekonstruieren. Die Organisation rät Zammad-Nutzern, auf Version 7 zu wechseln oder die Instanz vom Netz zu nehmen.

Vertrauen, und wo es bricht

Unternehmenskäufer sind bereits nervös. Der am 28. September veröffentlichte Bericht von Arelion ergab, dass 58% der leitenden Führungskräfte in den vergangenen zwei Jahren strategische Vorhaben verschoben, zurückgestutzt oder mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen versehen haben, weil sie ihrem Netzbetreiber misstrauten. KI- und datengetriebene Projekte traf es am härtesten, genannt von 49% derjenigen, die Störungen erlebten. Es folgten Sicherheits- und Compliance-Programme mit 44%, die digitale Transformation mit 42% und Cloud-Migrationen mit 38%.

Derselbe Bericht fand eine Lücke zwischen bekundetem und geprüftem Vertrauen: 93% der Befragten gaben an, ihrem aktuellen Anbieter weitgehend oder vollständig zu vertrauen. Nur 15% sagten, sie seien völlig sicher, dass dieser Anbieter ein ernstes Netzproblem schnell erkennt und löst. Auf die Frage, was Vertrauen schafft, setzten die Führungskräfte Schutz vor Sicherheitsbedrohungen auf Platz eins mit 48%, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit auf Platz zwei mit 44% und Leistung und Latenz auf Platz drei mit 37%.

Anbieter verkaufen genau in diese Lücke hinein. GTT Communications startete am 29. September GTT Defense Halo, eine KI-native Plattform zur Netzverteidigung. Sie läuft laut Unternehmen als dedizierte Instanz pro Kunde und basiert auf einer eigenen KI-Fabrik, die in den USA, Großbritannien und der Europäischen Union gehostet wird. Light Reading berichtete über den Start. GTT zufolge erkennt die Plattform Schwachstellen und Richtlinienlücken, erstellt Pläne zur Behebung und baut ein zustandsbehaftetes Modell der Verbindungen von Host zu Host bei einem Kunden.

Das Verkaufsargument trifft auf eine Lage, in der Angriffe mit KI geführt werden. Die Ankündigung von GTT verweist auf einen offenen Brief von Ende August, den mehr als 100 Unternehmen aus Technologie, Cybersicherheit und Finanzdienstleistungen unterzeichnet haben. Darin warnen sie, KI-gestützte Cyberangriffe würden weiter zunehmen und Verteidiger hätten nur ein schmales Zeitfenster zur Vorbereitung.

Die Forschung von Microsoft weist in dieselbe Richtung. Eine Malware-Familie namens NeedyMantis diente laut The Hacker News dazu, langfristigen Zugang zu bereits kompromittierten Netzen zu halten, in einer kleinen Zahl gezielter Eindringversuche bei Telekommunikationsunternehmen, Universitäten, medizinischen Nonprofits, zwischenstaatlichen Organisationen und Regierungsauftragnehmern. Der Einsatz reicht mindestens bis Oktober 2025 zurück. Microsoft ordnete Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Supply-Chain-Angriff auf DAEMON Tools dem Cluster Storm-3069 zu und erklärte, womöglich nutze mehr als eine Gruppe die Malware.

Agentische Angriffe treffen agentische Verteidigung

Schulungen laufen demselben Problem hinterher. InfoQ bietet im Oktober 2026 zwei fünfwöchige Online-Kohorten an: AI Security and Privacy Engineering ab 26. Oktober und AI-Assisted Engineering ab 19. Oktober. Katharine Jarmul, die die Sicherheits-Kohorte leitet, sagte, eine KI-Sicherheitsprüfung müsse den Daten und Entscheidungen im gesamten System folgen. Zichuan Xiong von Thoughtworks, Co-Leiter der Engineering-Kohorte, sagte, die schwierigere Frage für einen Coding-Agenten sei, was er tun durfte und woran man erkennt, dass die Änderung tragfähig ist.

Auf der Forschungsseite stellte arXiv am 29. September SimTrace vor, ein Framework, das synthetische multimodale Clickstreams aus echten Nutzerverläufen und einem simulierten Zwilling einer Webumgebung erzeugt. Die Autoren berichten, es schlage konkurrierende Baselines bei 7 von 8 Fidelitätsmetriken, und die Anreicherung echter Daten mit synthetischen Daten habe die Genauigkeit der Vorhersage der nächsten Aktion um 11,0% gegenüber dem Training allein auf echten Daten verbessert. Die Arbeit zielt auf virtuelle Clients für A/B-Tests, die Entwicklung von Recommenders und die Bewertung von Oberflächen, also auf dieselbe Infrastruktur, die man bräuchte, um das Verhalten eines KI-Agenten in einer live geschalteten Storefront zu testen.

Zusammengenommen liest sich die Nachrichtenlage der Woche weniger wie eine Reihe getrennter Produktstarts und mehr wie ein Argument, das aus mehreren Richtungen kommt: Agenten bekommen mehr Kontrolle über produktive Systeme, und die Sicherheits- und Messwerkzeuge drumherum werden noch geschrieben.

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Quellen

8
  1. 01Shopify debuts Canvas, a way to build online stores by chatting with AIEN
  2. 02DIVD says Zammad zero-days enabled AI-driven network breachEN
  3. 03Trust in network providers is holding back AI and digital transformation initiatives - ArelionEN
  4. 04GTT launches AI-native network defense platformEN
  5. 05Hackers Use NeedyMantis to Maintain Long-Term Access in Breached NetworksEN
  6. 06InfoQ Online Cohorts Address AI Security and Coding Agent VerificationEN
  7. 07SimTrace: Grounded Multimodal User Trajectories Generation for Online User ModelingEN
  8. 08Ionna Has Doubled Its Charging Network This Year. It's Not Slowing DownEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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