Snap einigt sich im Suchtfall Jugendlicher, während der KI-Urheberrechtsstreit weiter wächst
Snap hat am 2. November einen Rechtsstreit zweier Jugendlicher beigelegt, die erklärten, die App habe ihre psychische Gesundheit verschlechtert. Die Einigung verhinderte eine Verhandlung, in der CEO Evan Spiegel aussagen sollte.
Am 2. November einigte sich Snap in einem Verfahren, das zwei Jugendliche angestrengt hatten. In den Gerichtsunterlagen werden sie als K.D.B. und S.J. geführt. Sie machten geltend, die Plattform sei süchtig machend gestaltet und habe zu Depressionen, Angstzuständen und Essstörungen beigetragen. Die Bedingungen wurden nicht bekannt gegeben. Die Auswahl der Geschworenen hatte in der Vorwoche begonnen, die Verhandlung sollte diesen Monat stattfinden, berichtet Engadget.
Es stand einiges auf dem Spiel. Spiegel sollte in den Zeugenstand treten. Es wäre der erste Auftritt des Snapchat-Erfinders vor Gericht in einem Verfahren über Sucht durch soziale Medien gewesen. Snap war der letzte verbliebene Beklagte, nachdem Meta sich in der Vorwoche verglichen hatte. Die Kläger hatten sich bereits mit Meta, YouTube und TikTok geeinigt.
„Die Parteien freuen sich, dass sie diese Angelegenheit gütlich beilegen konnten“, sagte ein Snap-Sprecher in einer Erklärung gegenüber TechCrunch. Das Unternehmen erklärte zudem, es habe „Schutzmechanismen eingerichtet, Sicherheitstutorials gestartet und mit Fachleuten zusammengearbeitet“. Es bleibe dem Ziel verpflichtet, „die Sicherheit, die Privatsphäre und das Wohlbefinden unserer Community“ zu stärken.
Ein Muster von Vergleichen und ein Jury-Urteil
Die Einigung passt in ein Muster. Anfang des Jahres standen Meta, YouTube, Snap und TikTok in einem weiteren Fall vor Gericht. Eine 20 Jahre alte Frau erklärte, die Apps hätten ihr als Kind geschadet. Snap und TikTok einigten sich vor der Verhandlung. Eine Jury entschied anschließend gegen Meta und YouTube und verpflichtete beide Unternehmen zu 6 Millionen Dollar Schadenersatz, berichtet Engadget.
Emily Jeffcott, Anwältin von K.D.B., sagte in einer Erklärung: „Wir sind stolz darauf, für unsere Bellwether-Mandanten bisher Gerechtigkeit erreicht zu haben, darunter K.D.B. und S.J. Unser letztliches Ziel ist es, diese Unternehmen der sozialen Medien dafür zur Verantwortung zu ziehen, wie ihr Handeln Millionen Kinder im ganzen Land betroffen hat. Diese Vergleiche erlauben es uns, weiter auf dieses Ziel hinzuarbeiten.“
Meta und Snap sehen sich weiterhin zahlreichen weiteren Klagen wegen Sucht und anderer behaupteter Sicherheitsprobleme gegenüber. Die Kläger erklärten, sie hätten YouTube bereits im Alter von drei Jahren genutzt und andere Plattformen mit etwa neun Jahren. Funktionen wie Autoplay und endloses Scrollen machten sie für zwanghafte Gewohnheiten verantwortlich, berichtet TechCrunch.
Dieselbe rechtliche Maschinerie, jetzt auf KI gerichtet
Was diese Einigung mit der Urheberrechtswelle rund um KI verbindet, ist die Methode. Sie setzt auf Massenklagen, Bellwether-Fälle und Beklagte, die sich vergleichen, statt eine Rechtstheorie vor einer Jury auszufechten. Die Klage register gegen KI-Unternehmen füllen sich nach ähnlicher Logik. Verlage und Musiker argumentieren, Training und Ausgabe liefen auf eine Rechtsverletzung hinaus.
Jüngste Schlagzeilen zeigen das Ausmaß. US-Zeitungen verklagten Brave Software, kanadische Verlage verklagten Anthropic, berichtet Press Gazette. Der Orlando Sentinel meldete, Brave habe seine Inhalte „geplündert“ und an KI-Unternehmen weiterverkauft. Ein Rechtsberater der EU erklärte, ein KI-Chatbot von Google könne gegen Presseurheberrechtsregeln verstoßen, berichtet ETLegalWorld.com am 3. November.
Die Musik bewegt sich parallel. Anthropic steht wegen 274 Songs von Elvis Presley, die zum Training von KI-Modellen genutzt wurden, einer Urheberrechtsklage über 41 Millionen Dollar gegenüber, laut einem Bericht vom 26. Oktober. Anthropic und Suno wurden zudem verklagt, weil sie angeblich mit Aufnahmen von Madonna, Johnny Cash und Joni Mitchell trainiert haben. Berichte vom 28. Oktober beziffern Urheberrechtsklagen in der Musik auf 338 Millionen Dollar. Sony Music Entertainment reichte im Juli eine neue Klage gegen das KI-Start-up Udio ein.
Keine dieser Zahlen stammt aus Gerichtsunterlagen. Sie stammen aus Medienberichten und sind als berichtete Werte zu lesen, nicht als gerichtlich festgestellte.
Was die Infrastrukturgeschichte über den Maßstab sagt
Warum die rechtliche Welle weiter wächst, zeigt sich am Ausbau. Google Cloud und NVIDIA kündigten am 21. Oktober die allgemeine Verfügbarkeit der NVIDIA-Vera-Rubin-Infrastruktur an. A5X-Instanzen folgen im nächsten Monat, mit geplanter Erweiterung nach Europa. Google Cloud will seine auf Vera Rubin basierende Infrastruktur auf bis zu 960.000 Rubin-GPUs an mehreren Standorten ausbauen, laut dem NVIDIA-Blog.
Ineffable Intelligence, ein Londoner Unternehmen des AlphaGo-Erfinders David Silver, war der erste Kunde mit Zugang zu A5X. „Wir bauen Superlerner, die sich durch ihre eigene Erfahrung ständig verbessern“, sagte Silver in der Ankündigung. „Das verlangt sowohl erhebliche Rechenleistung als auch eine enge Verbindung zwischen dem Erzeugen von Erfahrung und dem Training darauf.“
WPP zeigte auf A5X-Instanzen eine Architektur für kreative Agenten mit NVIDIA-Nemotron-Modellen und OpenShell. In ersten Tests liefen Arbeitslasten, die üblicherweise einen Cluster aus mehreren Knoten brauchten, auf einer einzigen A5X-Instanz, heißt es im selben Beitrag. Je mehr Leistung in einzelne Instanzen gepackt wird, desto mehr Inhalte entstehen. Und desto mehr Angriffsfläche sehen Rechteinhaber.
Chinas Meilenstein bei der Inferenz
Die Nutzungsdaten weisen in dieselbe Richtung. Ein am Samstag veröffentlichter Bericht des China Centre for Information Industry Development beziffert die durchschnittlichen täglichen Token-Aufrufe in China auf mehr als 175.000.000.000.000. Das ist mehr als das 1.000-Fache des Niveaus Anfang 2024, berichtet die South China Morning Post am 2. November. Das Zentrum untersteht dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie.
Erstmals, so heißt es in dem Bericht, übertreffen die Inferenzdaten, die KI-Systeme in China erzeugen, die Daten, mit denen diese Systeme trainiert wurden. Inferenz bedeutet, trainierte Modelle laufen zu lassen, um Anfragen zu beantworten. Mehr Inferenz bedeutet mehr Ausgabe, und auf die Ausgabe zielen Urheberrechtsansprüche.
Keiner der beiden Berichte sagt, ob der CCID-Bericht Lizenzierung oder Rechtsverletzung behandelt. Er führt die Token-Zahl als Maß für die Verbreitung an.
Strom, Fläche und die physische Rechnung
Hinter der Rechenleistung steht Strom, und der Abstand zwischen den Zeitplänen für Rechenzentren und denen der Netze wächst. Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Analyse von Ember ergab, dass Rechenzentren in Irland bereits etwa 19 Prozent der Spitzenlast ausmachen. Das sind 1,1 GW von 6 GW Spitzenlast im Januar 2025. Ember prognostiziert, dass dieser Anteil bis 2030 auf 24 Prozent steigen könnte, mit einem Bedarf der Rechenzentren von 1,6 GW bei einer Systemspitzenlast von 6,5 GW, berichtet pv magazine am 3. November.
Ein großes Rechenzentrum kann 200 MW bis 500 MW benötigen und in 18 bis 24 Monaten gebaut werden. Der Ausbau der Netze kann vier bis zehn Jahre dauern. Lastverschiebung könnte Irlands Spitzenlast bis 2030 um etwa 100 MW senken, also um 1,5 Prozent. Eigenerzeugung hinter dem Zähler und Speicher könnten fast fünfmal mehr Entlastung bringen, mit möglichen Reduktionen von bis zu 2,7 GW in Texas, laut derselben Analyse.
Speicher wird direkt an der Quelle zugebaut. Bis September 2026 sind über 16 Prozent der in diesem Jahr neu hinzugekommenen Solarleistung im Versorgungsmaßstab mit betriebsbereitem Batteriespeicher am selben Standort verbunden. 2017 lag dieser Anteil bei 2 Prozent, nach EIA-Daten, über die CleanTechnica berichtet. Pläne für die letzten drei Monate des Jahres nennen 19 Prozent, in den Plänen für 2027 und 2028 steigt der Anteil über 30 Prozent.
Diese Zahlen beschreiben die physischen Kosten des KI-Ausbaus, nicht seine rechtlichen Kosten. Beide steigen gleichzeitig.
Einzelhandel, Rechte und das Geld rund um den Streit
Am 3. November genehmigte die Europäische Kommission die Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com mit Auflagen, berichtet heise online. Das Angebot bewertet Ceconomy, die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn, mit rund 2.200.000.000 Euro. Brüssel stellte fest, dass JD.com chinesische Subventionen über Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen und Zuschüsse erhalten hatte. Es verlangte, dass konzerninterne Geschäfte zu Marktbedingungen ablaufen. Zudem muss JD.com anderen Einzelhändlern Lager-, Logistik- und Technologiedienstleistungen zu denselben Bedingungen anbieten wie Ceconomy. Die Verpflichtungen binden die Unternehmen zehn Jahre.
Dieser Deal hängt nicht mit KI-Urheberrecht zusammen und sollte nicht als Teil davon gelesen werden. Er steht hier, weil er der jüngste datierte Vorgang ist und die regulatorische Stimmung gegenüber großen Plattformen zeigt.
Sportrechte zeigen, wohin das Geld der Medien fließt. Inter und AC Mailand stellten einen Namensrechtsvertrag mit Generali für ein neues Stadion mit 71.500 Plätzen vor. SportsPro berichtete am 30. Oktober, der Vertrag sei 650.000.000 Euro (725.000.000 US-Dollar) über 20 Jahre wert. Die neue Spielstätte soll zur Saison 2031/32 eröffnen, die Bauarbeiten sollen 2028 beginnen.
Beim Sportel in Monaco sagte Hillary Mandel von IMG, Rechteinhaber könnten sich nicht allein auf ihren Medienvertrag verlassen: „Die Dollars sind ungeheuer wichtig, aber das Ökosystem drumherum muss man selbst besitzen“, berichtet SportsPro am 26. Oktober. Mediapro, das sich in Imagina umbenennt, erklärte, traditionelle Rechtemodelle „funktionieren nicht mehr“, laut SportsPro vom 20. Oktober.
Was zu beobachten ist
Zwei Dinge sind offen. Erstens sind die Bedingungen der Snap-Einigung nicht bekannt, es gibt also keine Zahl zum Vergleich mit den 6 Millionen Dollar, die die Jury gegen Meta und YouTube zugesprochen hat. Zweitens befinden sich die hier genannten KI-Urheberrechtsfälle im Stadium der Klageerhebung oder der Stellungnahme. Keiner hat ein abschließendes Urteil hervorgebracht.
Das Muster aus dem Suchtstreit lautet, dass Beklagte sich vergleichen, bevor ein Bellwether-Fall zu einem Urteil kommt. Folgen KI-Unternehmen demselben Weg, werden die berichteten Zahlen weiter über Vergleiche eintreffen statt über Urteile. Die öffentliche Akte bleibt dünn.
Quellen
12- 01Snap settles social media addiction lawsuit to avoid trialEN
- 02Snap settles lawsuit accusing platform of fueling teen depression and eating disordersEN
- 03JD.com darf MediaMarktSaturn übernehmen – mit BedingungenDE
- 04Behind-the-meter generation could deliver five times more grid relief than data center load shiftingEN
- 05China touts AI milestone: models generate more tokens than used in trainingEN
- 06The Share of Solar Generation with Co-located Battery Storage Is IncreasingEN
- 07Google Cloud and NVIDIA Announce General Availability of NVIDIA Vera Rubin InfrastructureEN
- 08AC Milan, Inter strike ‘€650m’ Generali naming rights deal for new stadiumEN
- 09Media rights squeeze, US investment and AI tech: The sports business trends from Sportel 2026EN
- 10Mediapro hopes ‘Imagina’ rebrand draws line under challenging period amid uncertain LaLiga futureEN
- 11Social media is full of weird video game mashups. Where are they all coming from?EN
- 12AI to the Edge: Generative Intelligence for Robotics and Autonomous SystemsEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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