EU-Backbone-Vertrag, EVgos Verzögerung bei 750 kW und Manilas Ladebudget
Orange Business wurde am 29. September als vertrauenswürdiger Netzwerkpartner für TESTA-EIRIS benannt und gibt der EU damit ein einziges privates Rückgrat für öffentliche Verwaltungen, während EVgo seinen 750-kW-Lader auf 2027 verschob und die Philippinen eine siebenfache Budgeterhöhung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorschlugen.

Der Plan der Europäischen Union, ihre öffentlichen Verwaltungen miteinander zu verbinden, hat jetzt einen Betreiber. Am 29. September wurde Orange Business als vertrauenswürdiger Netzwerkpartner für TESTA-EIRIS ausgewählt, das private Kommunikationsrückgrat, das EU-Institutionen, -Einrichtungen, -Agenturen und Mitgliedstaaten verbinden soll. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, über die Light Reading berichtete. TESTA-EIRIS steht für Enhanced Infrastructure for Reliable Interconnectivity and Security.
Der Vertrag umfasst ein Layer-2-/Layer-3-Backbone mit mindestens 12 Points of Presence in fünf europäischen Regionen. Orange Business gibt an, die Architektur ziele auf 99,999 % Verfügbarkeit. Orange arbeitet mit der Generaldirektion für digitale Dienste (DG DIGIT) der Europäischen Kommission zusammen, jener Abteilung, die das Ökosystem entwirft und verwaltet. Die Evolution Platform des Unternehmens, beschrieben als KI-zentrierte Konnektivitätsplattform, soll dedizierte Hardware durch softwarebasierte virtuelle Dienste ersetzen.
Warum der Zeitpunkt zählt
In derselben Woche startete GTT Communications GTT Defense Halo, eine KI-native Netzwerkverteidigungsplattform. Laut Unternehmen läuft sie als dedizierte Instanz pro Kunde und wird in den USA, Großbritannien und der EU gehostet, um Souveränitätsanforderungen zu erfüllen. Das berichtete Light Reading am 29. September. GTT zufolge erzeugt die Plattform ein zustandsbehaftetes Echtzeitmodell des Kundennetzes und liefert KI-generierte Behebungspläne. Das Unternehmen verweist auf einen Ende August veröffentlichten offenen Brief, den mehr als 100 Technologie-, Cybersicherheits- und Finanzdienstleistungsunternehmen unterzeichnet haben. Darin warnen sie, dass KI-gestützte Cyberangriffe zunehmen. Beide Ankündigungen folgen derselben Beschaffungslogik: Europäische Institutionen und große Unternehmen kaufen souveräne, private Infrastruktur statt öffentlicher Cloud-Kapazität. Für Ladenetze ist das relevant, weil sie zunehmend auf denselben Backbone- und Sicherheitsannahmen laufen.
Die Ladeinfrastruktur in Europa tritt unterdessen in eine andere Phase ein. Das öffentliche Ladenetz der EU erreichte bis Ende 2025 1.100.000 Ladepunkte. Das teilte Transport & Environment mit, die am 28. September ihre Position zur Revision der Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) veröffentlichte. T&E, Urheber des von CleanTechnica nachgedruckten Beitrags, argumentiert, AFIR solle nun von der Zählung der Ladepunkte zur Kontrolle ihrer Qualität, ihres Preises und ihrer Vergleichbarkeit übergehen.
Die Organisation will öffentliche Ladepreise in drei Bestandteile standardisiert sehen: den Ladepreis in Euro pro kWh, eine standardisierte Stand- oder Überbelegungsgebühr, die greift, sobald der Ladevorgang endet, und alle Roaming- oder sonstigen kommerziellen Gebühren von Mobilitätsdienstanbietern. Außerdem sollen alle Preisbestandteile vor Beginn des Ladevorgangs angezeigt werden, Ad-hoc-Preise klar ausgewiesen sein, abofreie Zahlungen mit Standardkarte an allen physischen öffentlichen Ladepunkten möglich sein und öffentliche Ladedaten über den Common European Access Point (CEAP) zentralisiert werden.
Das öffentliche Ladenetz der EU erreichte Rekordwerte mit 1.100.000 bis Ende 2025 installierten Ladepunkten, und die EU-Länder sind auf dem Weg, die AFIR-Ziele zu erreichen oder zu übertreffen, schrieb T&E unter Verweis auf das eigene EV-Lade-Dashboard.
Das ist ein politischer Streit um Margen. Betreiber von Ladepunkten und Roaming-Vermittler verdienen an der Spanne zwischen dem Ad-hoc-Basispreis und dem, was ein Fahrer tatsächlich zahlt. T&E will diese Spanne am Anschluss sichtbar machen. Nationale Regulierer sollen EU-weite Indikatoren und eine regelmäßige Beobachtung der öffentlichen Ladepreise erhalten, um normale Marktschwankungen von Preisunterschieden zu trennen, die genauer geprüft werden müssen.
Hardware verspätet sich, Budgets steigen
Auf der Geräteseite wurde die Wartezeit länger. EVgo stellte ein DC-Schnellladesystem in Aussicht, das bis zu 750 kW liefern kann, die Leistung unter den Ladesäulen aufteilt und die Abgabe anpasst, wenn sich der Batteriebedarf des jeweiligen Fahrzeugs ändert. Electrek berichtete am 29. September, EVgo entwickle und teste die Lader in seinem Innovation Lab in El Segundo, Kalifornien, mit Unterstützung von Delta Electronics. Jede Station solle einen NACS-Anschluss mit leichter zu handhabenden Kabeln und berührungsloser Zahlung erhalten. EVgo behauptet, das System könne die derzeit in den USA verkauften schnellladefähigsten E-Autos in rund 10 Minuten laden. Der Batterieprozentbereich hinter dieser Schätzung wird nicht genannt. Electrek weist darauf hin, dass die tatsächliche Ladegeschwindigkeit vom Fahrzeug, der Batterietemperatur und dem Ladezustand abhängt. Der Einsatz wird nun 2027 erwartet, später als die für H2 2026 geplante Einführung, die EVgo bei der Ankündigung der Zusammenarbeit mit Delta im Jahr 2024 projizierte.
Die Verzögerung erinnert daran, dass Kilowatt auf dem Typenschild nicht Kilowatt in der Praxis sind. Der echte Test kommt, wie Electrek betont, wenn mehrere E-Autos gleichzeitig einstecken und das System entscheiden muss, wie viel Leistung jedes bekommt.
In Asien finanzieren Regierungen den Ausbau weiterhin direkt. Das philippinische Ministerium für Haushalt und Management hat 228.920.000 P (3.710.000 $) für das Electric Vehicle Industry Development Program im National Expenditure Program 2027 vorgeschlagen. 2026 waren es 32.460.000 P (526.000 $). Das berichtete CleanTechnica am 29. September. Daten des Department of Energy, die CleanTechnica zitiert, zeigen 66.685 verkaufte elektrifizierte Fahrzeuge von Januar bis August, 24,7 % eines geschätzten Gesamtabsatzes von 270.124 Fahrzeugen. Diese Zahl umfasst Hybride, Plug-in-Hybride und batterieelektrische Fahrzeuge: 16.320 batterieelektrische, 29.649 Plug-in-Hybride und 20.716 Hybride.
Das neue Geld ist für zwei Dinge gedacht: Ladefazilitäten an ausgewählten Regierungsbüros im Rahmen des EVision Project und eine Prüfeinrichtung für EV-Ladesysteme für das DOE. Die Prüffähigkeit ist wichtig, weil der Markt fragmentiert ist: Das DOE hatte bis zum 31. August 2026 422 Anbieter von EV-Ladestationen akkreditiert, während die landesweit registrierten Ladestationen 1.876 erreichten.
Die Comprehensive Roadmap for the Electric Vehicle Industry der Regierung sieht mindestens 7.300 Ladestationen zwischen 2023 und 2028 im Business-as-usual-Szenario vor, in einem aggressiveren Szenario 66.500. Bei 1.876 registrierten Stationen hat das Land rund ein Viertel des niedrigeren Ziels erreicht. Das DOE erarbeitet Regeln zu Installation, Betrieb und Akkreditierung nach dem Electric Vehicle Industry Development Act sowie Leitlinien dazu, welche öffentlichen und privaten Einrichtungen Lader installieren müssen.
Das ist der Teil, den europäische Betreiber wiedererkennen werden. Ein Lader ist keine Steckdose an der Wand: Er ist ein Netzanschluss, eine Konformitätsakte und ein Betriebsvertrag. T&Es Vorstoß für Preistransparenz und die philippinische Prüfeinrichtung sind zwei Antworten auf dasselbe Problem, eine regulatorische und eine technische.
Sicherheit steht unter beidem. Niederländische Behörden bestätigten die Festnahme eines 24-jährigen Mannes aus Amsterdam im Zusammenhang mit der Gruppe ShinyHunters. Grundlage ist eine Erklärung der Politie Landelijke Opsporing en Interventies, aus der The Hacker News am 29. September zitierte. Die Polizei erklärte, er solle am 29. September 2026 vor dem Bezirksgericht Rotterdam erscheinen. Der unabhängige Journalist Brian Krebs und DataBreaches.Net identifizierten den Mann als Pepijn van der Stap. Er war bereits 2023 festgenommen worden und wird auf LinkedIn als Offensive Security Lead bei Neo Security geführt.
ShinyHunters bestritt jede Verbindung. "That individual has no association with us. Frankly, we are laughing", sagte die Gruppe zu The Hacker News und fügte hinzu, die niederländische Polizei suche nach dem Odido-Hack Aufmerksamkeit. Gegenüber 404 Media erklärte die Gruppe zudem, der behauptete Einbruch in die Bewerbungsseite des FBI sei eine Marketingkampagne gewesen, keine Erpressung. Diese Behauptungen sind umstritten und sollten als Darstellung der Gruppe selbst behandelt werden.
Für alle, die Ladeinfrastruktur aufbauen, ist die Lehre wenig glamourös. Zahlungsterminals, Roaming-APIs und Backoffice-Systeme sind Netzwerkendpunkte, und ein kompromittierter Endpunkt in einem Ladenetz hat physische Folgen. Der neue Backbone-Vertrag der EU, die AFIR-Preisregeln, EVgos sich verzögernde Hardware und Manilas Prüflabor sind Varianten derselben Frage: Wer überprüft, dass die Sache funktioniert, und wer haftet, wenn nicht.
Quellen
6- 01Orange Business to provide European Union's backbone network for trusted data exchangeEN
- 02GTT launches AI-native network defense platformEN
- 03Unlock Public EV Charging Price Transparency & CompetitionEN
- 04EVgo's 750 kW charging system is coming in 2027EN
- 05Philippines Boosts EV Infrastructure Budget as Charging Network Faces Expansion TestEN
- 06Dutch Police Arrest 24-Year-Old Amsterdam Man in ShinyHunters InvestigationEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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