Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Googles Test im Orbit und drei weitere Geschichten über Strom und Kühlung, die den Engpass erklären

Vier Berichte zwischen dem 24. und 26. September 2026, aus New Jersey und New Mexico, aus Kyiv und aus dem erdnahen Orbit, kreisen um dasselbe Problem: KI-Hardware braucht Strom und Wärmeabfuhr, die die vorhandene Infrastruktur kaum liefern kann.

TechnologieErklärtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 28. September 20266 Min. LesezeitQuellen 6
Googles Test im Orbit und drei weitere Geschichten über Strom und Kühlung, die den Engpass erklären

Google startet am 1. Oktober einen Versuchssatelliten namens MVP an Bord einer SpaceX Falcon 9, die im Rahmen des Transporter-18-Rideshares fliegt, wie Ars Technica berichtet. Der Satellit ist etwa so groß wie ein Kühlschrank und trägt vier der eigenen TPU-KI-Beschleuniger von Google. Es ist der erste Schritt in Project Suncatcher, dem Versuch des Unternehmens, KI-Rechenzentren im Orbit zu entwerfen. Tom's Hardware nannte am 26. September das Startfenster, Ars Technica beschrieb am 24. September die Nutzlast.

Die Zahlen sind bewusst klein. Vier Chips. Etwa ein Kilowatt Solarleistung, genug für eine Mikrowelle oder einen Haartrockner, wie Ars Technica anmerkt. Google will als Test Gemini-Modelle auf den TPUs laufen lassen, doch die Chips können nicht durchgehend arbeiten. Das Kühlsystem arbeitet in Schüben von rund 15 Minuten, danach müssen die TPUs abschalten, damit die Radiatoren hinterherkommen.

Warum ein Radiator im All schwieriger ist, als es klingt

Die Kühlung ist die Grenze, auf die jedes Konzept für ein Rechenzentrum im Orbit zurückkommt, und Googles Entwurf zeigt, warum. Im All gibt es keine Luft, Lüfter nützen also nichts. Die Wärme muss von den Chips weggeleitet und in die Leere abgestrahlt werden. Googles Antwort ist laut Ars Technica eine Schicht aus formbarem "thermal interface material", das die Chips mit Wärmerohren aus Aluminium und Kupfer verbindet; diese führen die Wärme in einen Radiator, der sie ins All abstrahlt. Tom's Hardware beschreibt dasselbe System als direkte Abgabe der Wärme ins All.

Die Strahlung ist das zweite Problem. Nach Angaben von Ars Technica kann Strahlung Chips beschädigen oder Berechnungen stören, indem sie Bits umkippt. Googles vorläufige Lösung: die Chips regelmäßig neu starten und so zurücksetzen.

"Wir erwarten, um ganz offen zu sein, nicht, dass wir in den nächsten Jahren etwas haben werden, das sich sinnvoll betreiben lässt", sagte James Manyika, Senior Vice President of Research bei Google, der New York Times, zitiert von Tom's Hardware.

Manyika verglich das Vorhaben mit den fahrerlosen Autos von Google und sagte, das Unternehmen habe sie "etwa 15 Jahre lang getestet, bevor irgendetwas auf den Markt kam". Als Nächstes will Google zwei Satelliten starten, langfristig ist ein vernetztes Rudel von mehr als 80 Satelliten geplant, wie Tom's Hardware berichtet. Der Satellit MVP soll bis zu ein Jahr lang KI-Anfragen bearbeiten und bis zu sechs Jahre im Orbit bleiben, bevor er beim Wiedereintritt verglüht.

New Jersey: 62 Generatoren, keine Genehmigungen, 1.100.000 Dollar

Auf dem Boden wird das Stromproblem weniger elegant gelöst. New Jersey verhängte diese Woche gegen DataOne, den Betreiber eines der größten geplanten Rechenzentren an der Ostküste, eine Strafe von 1.100.000 Dollar, weil das Unternehmen heimlich Gasgeneratoren installiert und betrieben hatte, gegen das Air Pollution Control Act des Staates, wie Ars Technica am 24. September meldete.

Die Beschwerde kam von einem Landwirt, der einen benachbarten Golfplatz fotografierte und auf Satellitenbildern zuerst "irgendein Gerät" entdeckte, wie die New York Times laut Ars Technica berichtete. Eine anschließende Untersuchung von The Guardian und Floodlight News nutzte Drohnenaufnahmen mit Wärmebild, auf denen 45 der 62 Generatoren liefen. Keiner hatte eine Genehmigung, die für Generatoren ab 37 Kilowatt Leistung vorgeschrieben ist. Die Aggregate liefen mit 1.982 kW, mehr als das 50-Fache des im Staat erlaubten Werts.

Das Umweltministerium von New Jersey erklärt, solche Generatoren stießen Kohlendioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und andere Verbrennungsrückstände aus, die Asthma verschlimmern, Herzinfarkte auslösen und frühe Todesfälle verursachen können. DEP-Kommissar Ed Potosnak nannte die Maßnahme "bei Weitem die größte, die je gegen ein Rechenzentrum in New Jersey ergriffen wurde", und sagte, Rechenzentren würden in diesem Staat nicht "straffrei gebaut oder betrieben".

Die Abhilfe hat eine Lücke. DataOne hat 45 Tage Zeit, Genehmigungen zu beantragen oder den Betrieb einzustellen, darf die Motoren aber weiterlaufen lassen, während es sie beantragt. Nichole Gardner von der örtlichen Organisation Sustain SJ sagte Ars Technica, die Strafe sei "unzureichend, sowohl was den Betrag als auch was die Durchsetzung angeht". DataOne erklärte der New York Times, man sei mit der Strafe "nicht einverstanden" und werde die Luftgenehmigungen beantragen. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben auf emissionsarme Brennstoffzellen umstellen.

Oracles Force-majeure-Mitteilung in New Mexico

Auch Verträge werden vom Risiko der Stromversorgung umgeformt. Oracle schickte dem Entwickler seines Rechenzentrumsprojekts in New Mexico eine Mitteilung über höhere Gewalt, wie CNBC am 24. September unter Berufung auf Bloomberg meldete. Das Unternehmen will die Zahlung aufschieben, falls der als Project Jupiter bezeichnete Standort nicht wie erwartet 2028 ans Netz geht. Die Oracle-Aktie fiel nach der Nachricht um mehr als 3%. Die Mitteilung ging an eine Einheit von Blue Owl Capital, deren Aktie ebenfalls fiel.

Project Jupiter gehört zum Ausbau der KI-Infrastruktur Stargate und sah sich regulatorischen Hürden, lokalem Widerstand vor den Zwischenwahlen, Umweltbedenken und Verzögerungen bei einer Erdgaspipeline ausgesetzt, die den Standort versorgen soll. Bloom Energy, das die Anlage mit mehr als 2,4 Gigawatt Leistung mit Brennstoffzellen versorgen soll, fiel um 3%. Oracle erklärte gegenüber CNBC, "Project Jupiter bleibt in unserem geplanten Zeitplan", und man sei "voll und ganz New Mexico verpflichtet".

CNBC verwies außerdem auf die Financial Times und Sorgen wegen 18.000.000.000 Dollar Oracle-Schulden, die an das Rechenzentrum gebunden sind und bereits auf angespannten Niveaus gehandelt werden. Oracles Co-CEO Clay Magouyrk sagte am 10. September zu Analysten, Project Jupiter werde die zuvor genannten Umsatz- und Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr 2027 nicht beeinflussen.

Crusoe storniert eine Turbinenbestellung über 1.250.000.000 Dollar

Auch das Angebot an Turbinen ist in Bewegung. Crusoe, ein KI-Rechenzentrums-Startup aus Denver, das kürzlich 3.900.000.000 Dollar eingesammelt hat, hat die Pläne aufgegeben, stationäre Kraftwerke des ebenfalls in Denver ansässigen Unternehmens Boom Supersonic zu nutzen, wie TechCrunch am 25. September meldete. Crusoe hatte zugesagt, 1.250.000.000 Dollar für 29 von Booms Superpower-Turbinen mit 42 Megawatt auszugeben, erste Lieferungen waren für 2027 vorgesehen.

Boom-CEO Blake Scholl schrieb in einem Beitrag auf X, die Unternehmen führten die Startpartnerschaft nicht weiter und "Boom wird nächstes Jahr etwa 250 MW Superpower an andere Standorte liefern, und wir peilen 1 GW in 2028 an". Crusoe-Sprecher Andrew Schmitt sagte TechCrunch, die Energiepläne des Unternehmens hätten sich "nicht geändert", man wolle weiterhin Turbinen nutzen, "nur nicht die von Boom". Crusoes erster Standort in Abilene mit 1,2 Gigawatt, gebaut für Oracle und OpenAI, läuft am Netz, mit einem Gasturbinenwerk als Reserve. Ein Standort in Abilene mit 900 Megawatt für Microsoft soll mit Gasturbinen vor Ort versorgt werden.

Was diese Geschichten verbindet

Jede Geschichte ist eine andere Antwort auf dieselbe Grenze. Wenn Netzstrom und genehmigte Kühlung nicht termingerecht verfügbar sind, improvisieren die Betreiber: nicht genehmigte Generatoren in Vineland, eine Klausel über höhere Gewalt in New Mexico, eine stornierte Turbinenbestellung zwischen zwei Firmen aus Denver und bei Google der Versuch, das ganze Problem vom Planeten zu schaffen.

Das All beseitigt die Grenze nicht. Es verlagert sie. Ars Technica merkt an, dass Radiatorsysteme im Weltraum für verhältnismäßig kleine Wärmemengen ausgelegt sind, während KI-Beschleuniger weit mehr erzeugen. Googles Test mit vier Chips läuft in 15-Minuten-Schüben. Das ist der ehrliche Maßstab des Experiments. Manyika selbst schätzt laut Tom's Hardware, dass Google 15 Jahre braucht, um von einem Server mit vier Chips zu einem vollwertigen Rechenzentrum zu kommen.

Unterdessen setzen Regulierungsbehörden, Gerichte und Gemeinderäte vor Ort die Bedingungen. Die sechs Monate zwischen den ersten Beschwerden von Anwohnern im Februar und der Durchsetzung im Juli in New Jersey erinnern daran, dass die Aufsicht hinter dem Ausbau herläuft. Die Anwohner von DataOne fragen noch immer, was sie eingeatmet haben.

Kommentare 0

Quellen

6
  1. 01Zelensky says Russia has widened attacks to hit Ukraine's data centresEN
  2. 02Google's orbital AI data center test packs four TPUs and 1,000W of solar powerEN
  3. 03New Jersey fines data center $1.1M after drone pics expose 62 gas generatorsEN
  4. 04Google's first Suncatcher orbital data center test launches October 1EN
  5. 05Oracle sent 'force majeure' notice about data center projectEN
  6. 06Crusoe abandons $1.25B plan to use Boom turbines at AI data centersEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.