H5N1 tötet einen bedrohten australischen Seelöwen auf Kangaroo Island
Am 13. September bestätigten die australischen Behörden, dass ein bedrohter australischer Seelöwe in der Seal Bay auf Kangaroo Island an H5N1 gestorben ist. Es ist der erste Tod dieser Art durch das Virus in Australien [8][5]. Das Tier hatte sich gerade von einem Haiangriff erholt. Sein Tod kam drei Wochen, nachdem das Virus erstmals bei einem australischen Säugetier nachgewiesen worden war [4][3].

Fünf Säugetierarten in wenigen Wochen
Der Seelöwe war nicht das erste Säugetier. Eine Langnasen-Seebärin, die tot bei Beachport gefunden wurde, etwa 310 km südlich von Adelaide, wurde am 23. August positiv bestätigt. Es war der erste Fall bei einem Säugetier in Australien [3][8]. Das Tier hatte keine sichtbaren Verletzungen. Die Behörden erklärten, sein Tod scheine nicht mit anderen kranken oder toten Meeressäugern zusammenzuhängen [2][3].
Dann folgte ein Gemeiner Delfin bei Goolwa, der erste Delfinfall des Landes, und ein Rotfuchs im Großraum Adelaide [5][8]. Ein zweiter Fuchs wurde in Normanville bestätigt [8].
Füchse sind Aasfresser. Der amtierende leitende Veterinärbeamte Cameron Bell sagte, sie verbreiteten das Virus zwar meist nicht direkt, könnten aber infizierte Kadaver durch verschiedene Lebensräume tragen, berichtete Mongabay [4]. Die Populationszahlen machen den Seelöwenfall schlimmer, als er aussieht: Die Art ist bedroht, es gibt weniger als 12.000 Tiere, und der Bestand geht um etwa 2 % pro Jahr zurück [5][4]. Das Tier auf Kangaroo Island hatte sich gerade von einem Haiangriff erholt, als das Virus es tötete, sagte die Umweltministerin von South Australia, Emily Bourke, laut Mongabay [4]. Die Seebärin von Beachport gehörte zum Vergleich einer Population, die in den Gewässern von South Australia auf 100.000 geschätzt wird [3].
Die Frage, die Forschende beantwortet haben wollen
Die australischen Behörden melden keine Hinweise auf eine Übertragung des Virus von Säugetier zu Säugetier im Land [8]. Dieser Unterschied wiegt schwerer als die Zahl der Fälle.
Michelle Wille, Forscherin für Vogelgrippe an der University of Melbourne, sagte, vorrangig sei jetzt eine detaillierte Genomanalyse dieses und jedes künftigen Nachweises [8]. Die Forschenden müssen klären, ob es sich um getrennte Übertragungen von Vögeln handelt oder um Belege für eine Übertragung zwischen Robben. "Dieser Unterschied wird entscheidend sein, um das Risiko zu verstehen, das vom Virus ausgeht, während es im Wildtierbestand weiter zirkuliert", sagte Wille in einer vom Global Virus Network verbreiteten Erklärung [8].
Für Menschen hat sich die offizielle Einschätzung nicht verändert. Das Australian Centre for Disease Control stuft das Risiko für Menschen weiterhin als gering ein und meldet keine Hinweise darauf, dass das in Australien zirkulierende Virus sich so verändert hat, dass es Menschen leichter infiziert [8]. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet von keiner anhaltenden Übertragung von Mensch zu Mensch [8]. Infektionen von Menschen mit H5N1 hat es gegeben, meist nach Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Umgebungen [8].
Weltweit hat H5N1 ein wachsendes Spektrum an Säugetieren infiziert, darunter Robben und andere Meeressäuger, Milchvieh, Katzen und wilde Fleischfresser [8].
Den Ausbruch zählen
Australien wies H5N1 im Juni 2026 erstmals bei wildlebenden Seevögeln nach [8]. Die Bundesregierung bezifferte die landesweite Gesamtzahl am 21. August auf 297 bestätigte Fälle [3]. Bis zum 26. August erreichte die Zahl der positiven Wildtierüberwachungsereignisse 341 [7]. Am 17. September lag sie bei 576 bestätigten Ereignissen, wobei ein Ereignis ein oder mehrere Tiere umfassen kann [8].
Die Verluste konzentrieren sich auf Vögel. In South Australia sind mehr als 1.000 Rüppellseeschwalben gestorben, in Tasmanien mehr als zwei Dutzend Zwergpinguine [1]. Rüppellseeschwalben brüten in Kolonien von bis zu mehreren Tausend Vögeln, was die Ausbreitung leicht macht, berichtete die ABC [9]. In australischem Geflügel oder im landwirtschaftlichen Produktionssystem gab es keine Nachweise [8].
Eine Silbermöwe, die Anfang August in Robe positiv bestätigt wurde, war wichtig, weil die Art weit ins Landesinnere fliegt und das Virus in landwirtschaftliche Zonen und Städte trägt, die ihm bisher entgangen waren [1]. Weltweit liegen die Zahlen in einer anderen Größenordnung: Nahid Bhadelia, Leiterin des Biothreats Emergence, Analysis and Communications Network der Boston University, bezifferte die Verluste auf mehr als 633.000.000 Tiere, die gestorben oder gekeult wurden [10]. Australien zählt Ereignisse und nicht Tiere, deshalb sind die beiden Zahlen nicht Zeile für Zeile vergleichbar [8].
Wie das Virus Robben und Delfine erreicht
Robben liegen geografisch im Weg des Virus. Die leitende Veterinärbeamte von South Australia, Skye Fruean, sagte, sie lebten ganz in der Nähe von wildlebenden Vögeln auf felsigen Küstenvorsprüngen [3].
Diese Vorsprünge teilen sie mit Vögeln, die das Virus bereits in hoher Konzentration tragen. Fruean sagte, die Robben würden in ihrer Umgebung auf hohe Werte davon stoßen [1][3]. Bill Bateman, außerordentlicher Professor für Verhaltensökologie an der Curtin University, schrieb in The Conversation, Meeressäuger nähmen das Virus wahrscheinlich von kranken oder toten Seevögeln auf, indem sie sie fressen oder über Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder kontaminiertem Wasser und Untergrund [4]. Der aktuelle Stamm kann in Gehirn und Nervensystem eines Säugetiers eindringen, und bei Seelöwen wurde vor dem Tod eine Enzephalitis festgestellt [5].
Beispiele aus dem Ausland sind der Grund, warum Forschende aufmerksam sind. Mehr als 13.000 Elefantenrobbenjunge starben auf Heard Island, nachdem das Virus dort angekommen war, und in Argentinien starben mehr als 17.000 Junge der Südlichen Elefantenrobbe [3][5]. Bei Todesfällen unter wildlebenden Meeressäugern wird eine direkte Übertragung von Säugetier zu Säugetier vermutet, bewiesen ist sie aber nicht [5]. Flossenfüßer niesen und husten, was dem Virus zugutekommt [5].
Wie es weitergeht
Wille setzt auf die Genomanalyse aktueller und künftiger Nachweise und will Mutationen im Blick behalten, die mit einer besseren Anpassung an Säugetiere zusammenhängen [8]. Bateman argumentierte, es gebe keine wirkliche Möglichkeit, die Ausbreitung noch zu stoppen, nachdem H5N1 in Australien angekommen sei. Kadaver sicher zu entfernen begrenze aber die Exposition, weil es virale Reservoire aus der Umwelt nimmt [4]. Die australische Reaktion setzt eher auf Überwachung als auf Eindämmung. Zwei internationale Fachleute sagten der ABC im Juli, das sei die beste Chance des Landes [10].
Ein Teil der Überwachung ist Freiwilligenarbeit. Auf der Fleurieu-Halbinsel suchen Freiwillige der Victor Harbor Dolphin Watch Group nach Delfinen, die auffällig schwimmen oder neurologische Symptome zeigen [4]. Wer kranke oder tote Vögel findet, sollte sie nach offizieller Empfehlung nicht anfassen und Kinder und Haustiere fernhalten [7].
Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julie Collins sagte im August, sobald sich die Vogelgrippe H5 in der natürlichen Umwelt ausbreite, ließen sich erhebliche Verluste nicht vermeiden [2][3]. Offen bleibt die Frage, die Wille formuliert hat: getrennte Übertragungen von Vögeln oder eine Übertragung zwischen Säugetieren [8].
Quellen
12- 01Global Virus Network monitors spreading avian influenza in Australian mammalsEN
- 02How does bird flu transmit to mammals?EN
- 03H5N1 bird flu jumps to marine mammals and wildlife in AustraliaEN
- 04Australia confirms first H5N1 bird flu case in local mammalEN
- 05Australia confirms first H5N1 bird flu case in mammalEN
- 06Backyard Bird Feeders Drive H5N1 Spread After First Australian Mainland Mammal DeathEN
- 07Could your backyard bird feeder be helping spread deadly bird flu?EN
- 08Which animals have been infected by H5N1 bird flu in Australia so far?EN
- 09International experts say surveilling local birds, marine mammals a 'priority' in bird flu responseEN
- 10H5 Bird Flu Spreads to Australian Mammals: Human Risk?EN
- 11Bird flu detected in a wild goose near Germany’s border with Poland — RMF24EN
- 12Bird flu outbreak strikes Lincolnshire duck farm, triggering poultry cullEN
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