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Übersicht über 489 Experimente: Omega-3 in Fisch könnte bei Erwärmung über 10°C um 50% sinken

Eine in Global Change Biology veröffentlichte Übersicht wertet 489 Experimente an 132 Meeresarten aus. Ihr Ergebnis: Bei einer Erwärmung über 10°C könnte Omega-3 in Fisch um 50% sinken. Damit wäre ein wichtiger Nährstoff in Meeresfrüchten bedroht.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 7. November 20263 Min. LesezeitQuellen 6
Übersicht über 489 Experimente: Omega-3 in Fisch könnte bei Erwärmung über 10°C um 50% sinken

Was die Übersicht ergab

Das Team trug Daten aus 489 Experimenten mit 132 Meeresarten zusammen, darunter Algen, Wirbellose und Fische. Die Erwärmung teilte es in drei Stufen ein: niedrig (0 bis 6°C), mittel (6 bis 10°C) und hoch (mehr als 10°C).

Bei einer Erwärmung von 0 bis 6°C, wie sie schon während mariner Hitzewellen auftreten kann, sanken die Omega-3-Fettsäuren in Fisch um 19%. Die Experimente dauerten zwischen 24 Stunden und sechs Monaten. Darin ist der zusätzliche Effekt der Erwärmung auf die Nahrungsqualität der Fische nicht enthalten. Laut der Studie wäre er im Freiland zu erwarten.

Bei starker Erwärmung über 10°C fiel Omega-3 in Fisch um 50%, in Algen um 34% und in Wirbellosen um 51%. Der Anteil gesättigter Fette stieg um bis zu 22%. Die Übersicht merkt außerdem an, dass die Meerestemperaturen bis 2100 um 4,1°C steigen könnten. Seit 1980 sind sie bereits um 0,6°C gestiegen, und die Zahl der Hitzewellen hat sich verdoppelt, schreiben die Autoren.

Die Übersicht erklärt den Mechanismus: Wärmeres Wasser macht Zellmembranen flüssiger. Deshalb ersetzen die Organismen Omega-3-Fettsäuren durch starrere gesättigte Fette, um die Membranen zu stabilisieren. Diesen Vorgang nennt man homeoviskose Adaptation. Die Übersicht ergab zudem, dass die Ozeanversauerung die Fettsäuren weniger beeinflusste als die Erwärmung. Die steigende Temperatur ist demnach der bestimmende Faktor.

Warum der Verlust zählt

Meeresfrüchte sind für die meisten Menschen die wichtigste Quelle von EPA und DHA, schreiben die Autoren in The Conversation. Der Körper kann sie auch aus ALA herstellen, einer Omega-3-Fettsäure in Pflanzen wie Leinsamen und Walnüssen. EPA und DHA unterstützen die Entwicklung von Gehirn, Augen und Herz, dämpfen chronische Entzündungen und können das Risiko von Frühgeburten senken. Diese Fettsäuren seien grundlegend für biologische Prozesse in Meeresorganismen und Landwirbeltieren und entscheidend für die menschliche Gesundheit, schreiben die Autoren.

Meeresalgen, darunter Seetang und Kieselalgen, gehören zu den einzigen Lebewesen, die EPA und DHA produzieren. Algen bilden die Basis der marinen Nahrungsnetze und liefern allen Tieren Mikronährstoffe. Wirbellose wie Krabben und Seesterne nehmen EPA und DHA auf, wenn sie Meeresalgen fressen. Die Fette gelangen dann zu den Fischen und schließlich zu den Menschen. Wird die Kette an irgendeiner Stelle unterbrochen, erreicht weniger davon die höher stehenden Tiere, auch den Menschen.

Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass Menschen in tropischen Regionen oft eine schlechtere Ernährung haben und nicht genug dieser Omega-3-Fette zu sich nehmen. Auch in Industrieländern wird zu wenig davon gegessen. Das Problem wird schwerer zu lösen sein, wenn der Klimawandel den Omega-3-Gehalt in Meeresfrüchten senkt. Das gilt umso mehr, als die Fischbestände schon durch Überfischung und andere menschliche Einflüsse unter Druck stehen.

Was sich nach Ansicht der Autoren ändern sollte

Die Autoren schreiben, Fachleute hätten dringende Kürzungen der Treibhausgasemissionen gefordert, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Die Ergebnisse könnten in die Fischereiwirtschaft, die Aquakultur und die Gesundheitspolitik einfließen, um die künftige Versorgung mit diesen Mikronährstoffen zu sichern. Zur Verschwendung merken sie an, dass bei der Verarbeitung von Fisch bis zu 80% der Fischteile weggeworfen werden. Aus diesem Material könnten stattdessen Omega-3-Fischöl oder Futter für die Aquakultur werden.

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Quellen

6
  1. 01Climate change may halve omega-3 fatty acids in fish and the organisms they eatEN
  2. 02Warming oceans could halve the omega-3s that make seafood so healthy, study findsEN
  3. 03The 4 Best Fish for Protein and Omega-3s, According to a DietitianEN
  4. 04Sharks and tuna are overheating and running out of options - Science DailyEN
  5. 05Gene Variant Linked to Omega-3 Building Blocks Fails to Explain Variable EPA Response - Bioengineer.orgEN
  6. 06Skip Expensive Sea Bass: The Cheaper Fish Alternative With More Omega-3 - www.foodrepublic.comEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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