Humanoiden-Fabriken: was wirklich läuft und was noch Demo ist
Industrieroboter erreichten 2025 einen Rekord von 5 Millionen Einheiten, teilte die IFR am 27. September mit. Das jüngste Humanoiden-Experiment im Dossier, HomeBody von Stanford und Caltech, erschien am 28. September und ließ ein GPT-Astra-Modell direkt in einem Roboterkörper laufen.

Zwei Zahlen rahmen die Geschichte der Humanoiden-Fabriken derzeit ein. Keine von beiden stammt von einem Humanoiden-Hersteller.
Die erste ist 5 Millionen: der weltweite Bestand an betriebenen Industrierobotern im Jahr 2025, ein Plus von 9 Prozent zum Vorjahr, laut der International Federation of Robotics. Die IFR veröffentlichte diese Zahl am 27. September. Mehr als 600.000 neue Einheiten wurden im Jahresverlauf weltweit installiert, ein Sprung von 11 Prozent. Die zweite ist 20.000 RMB, rund 2.900 Dollar. So viel Schadensersatz sprach ein Gericht in Wuhan in einem Urheberrechtsfall über ein KI-generiertes Kurzdrama zu, wie The Decoder am 28. September berichtete. Die eine Zahl beschreibt eine Branche, die bereits in großem Maßstab liefert. Die andere beschreibt, wie jung das rechtliche und technische Gerüst rund um KI-getriebene Maschinen noch ist.
Humanoide sitzen unbequem zwischen diesen beiden Welten.
Was heute tatsächlich läuft
Der klarste Humanoiden-Einsatz im Dossier steht nicht in einem Autowerk. Er ist in einem Lager der GXO Logistics im Raum Atlanta, wo das in Oregon ansässige Unternehmen Agility Robotics seine Digit-Roboter erstmals einsetzte, laut Ars Technica. Das ist ein kommerzieller Einsatz, kein Pilotvideo. Agility geht außerdem über eine SPAC mit Churchill Capital Corp. XI an die Börse. Der Deal bewertet das Unternehmen mit 2.500.000.000 Dollar und soll voraussichtlich mehr als 620.000.000 Dollar Bruttoerlös einbringen, wie The Robot Report am 25. September meldete.
Die in der S-4-Anmeldung veröffentlichten Finanzzahlen sind weniger schmeichelhaft als die Bewertung: 1.800.000 Dollar Umsatz im Jahr 2025 bei einem operativen Verlust von 140.000.000 Dollar. Agility gibt an, mehr als 300.000.000 Dollar an mehrjährigen Digit-v5-Bestellungen von einem einzigen Kunden zu halten, die in den kommenden Jahren abgewickelt werden sollen. Dieser Auftragsbestand zeigt, dass Nachfrage existiert. Der winzige erfasste Umsatz zeigt, wie früh die Skalierung noch ist. Es ist die konkreteste Finanzoffenlegung, die ein Humanoiden-Entwickler in diesem Dossier gemacht hat.
Agility sichert sich auch gegen die eigene Bauform ab. CEO Jonathan Hurst sagte dem Robot Report, das Unternehmen "prüfe eine Reihe von Roboterkonstruktionen und Bauformen, einschließlich Rädern", nachdem in einem Startvideo zum Digit 5 ein Radroboter aufgetaucht war. Gefragt, ob das einen Digit auf Rädern oder eine neue Maschine bedeute, sagte Hurst: "Zu früh, um das zu sagen!" Einen Zeitplan für ein Radprodukt gibt es nicht.
Teslas Linie und seine Hände
Die lauteste Humanoiden-Fabrik-Behauptung kommt von Tesla, und die Berichterstattung darüber ist die umstrittenste. Ars Technica beschreibt unter Berufung auf eine am 26. September veröffentlichte Untersuchung von The Information ein Werk in Fremont, das im Mai 2026 die Produktion der Model-S-Limousine und des Model-X-SUV einstellte und Bandarbeiter und Ingenieure auf Optimus umsetzte. Die Produktion sei Berichten zufolge auf Hunderte Roboter pro Woche gestiegen, gegen ein Ziel von mehr als 1.000 pro Woche bis Ende 2026.
Die Engpässe sind physischer Natur. Optimus-Hände und -Unterarme enthalten zusammen mehr als 100 kleine Bauteile, darunter Schrauben, und Arbeiter montieren sie laut The Information von Hand. Neu gebaute Roboter brauchen sofortige Korrekturen. Berührungssensoren erwiesen sich als so unzuverlässig, dass Tesla eine austauschbare handschuhartige Sensorschicht entwickelte, statt ganze Hände zu wechseln. Eine Quelle beschrieb die Roboter als programmierbedürftig für bestimmte Aufgaben in kontrollierten Umgebungen. Tesla widersprach dieser Darstellung im Dossier nicht.
"Wir prüfen eine Reihe von Roboterkonstruktionen und Bauformen, einschließlich Rädern, um unterschiedliche Betriebsumgebungen und Kundenbedürfnisse abzudecken." Jonathan Hurst, CEO, Agility Robotics, gegenüber The Robot Report
Teslas eigene Methode der Datenerfassung schuf einen arbeitsrechtlichen Aspekt. Arbeiter in Texas und Kalifornien trugen Anzüge, die ihre Bewegungen aufzeichneten, um Imitationslernmodelle zu füttern. The Information berichtete, einige hätten sich beschwert, weil sie wussten, dass die Roboter sie irgendwann ersetzen sollten. Tesla verlagerte diese Arbeit auf eigene Teams und richtete Trainingszentren ein. Toyota geht mit einem ganz anderen Drehbuch vor: Arbeiter bringen seinen Rad-Humanoiden ELEY mit fingerförmigen Vorrichtungen bei, und Executive Vice President Hiroki Nakajima sagte Nikkei Asia, das Ziel sei "eine Welt, in der Roboter mit Menschen zusammenleben, statt sie zu ersetzen."
Toyotas Plan ist groß und datiert: Ab 2028 will die Gruppe jährlich 6.420.000.000 Dollar in Fabrikmodernisierungen investieren, mit 150.000 Robotern in den eigenen Werken und weiteren 250.000 in Konzernanlagen, laut Nikkei Asia über Ars Technica. Hyundai plant, in den nächsten Jahren bis zu 25.000 Atlas-Roboter von Boston Dynamics einzusetzen, mit Beginn 2028. Boston Dynamics eröffnete am 21. September ein Trainingszentrum im Georgia-Metaplant von Hyundai.
Auch die Forschungsebene bewegt sich
Der neueste Eintrag im Dossier ist eine Forschungsdemo, kein Produkt. Forscher von Stanford und Caltech bauten HomeBody, ein System, das einen Unitree G1 Humanoiden GPT Astra direkt laufen lässt, ohne die übliche trainierte Vision-Language-Action-Schicht dazwischen, laut The Decoder und heise online, beide am 28. beziehungsweise 27. September erschienen. Der Roboter erkundet eine unbekannte Küche, baut einen digitalen Zwilling in Nvidias Isaac Sim auf, behält räumliche Erinnerung an Objekte, die er nicht mehr sieht, und räumt dann auf: Kaffee auf die Kücheninsel, Milch und Orangensaftkartons in den Müll.
Er holte auch Medikamente aus einer Schublade. Das Team sagt, es seien keine umgebungsspezifischen Trainingsdaten und kein zusätzliches Policy-Lernen nötig gewesen. Die Grenzen sind der interessante Teil: Latenz, überhitzende Fingerservos und hohe Rechenkosten, laut The Decoder. Der heise-Beitrag merkt an, dass das Demovideo teilweise mit 50-facher Geschwindigkeit läuft und der Prozess noch schmerzhaft langsam ist. Der Code steht auf GitHub.
Auf der Industrieseite zeigen die IFR-Zahlen, wo das Volumen tatsächlich liegt. China installierte 2025 354.000 Industrieroboter, ein Plus von 20 Prozent zum Vorjahr, und stellt 59 Prozent der weltweiten Installationen. Chinesische Anbieter erreichten einen Inlandsanteil von 55 Prozent, nach 57 Prozent im Jahr 2024. Die Vereinigten Staaten überholten Japan als zweitgrößten Markt und installierten fast 38.500 Einheiten, ein Plus von 12 Prozent. Japan fiel um 19 Prozent auf 36.219 Einheiten. Indien wuchs um 15 Prozent auf fast 10.500 Einheiten, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 27 Prozent zwischen 2020 und 2025.
Europa ist die langsame Seite der Bilanz. Deutschland, der größte europäische Markt mit einem Anteil von 41 Prozent an den EU-Installationen, fiel um 8 Prozent auf weniger als 25.000 Einheiten. Italien sank um 11 Prozent auf etwa 7.800, Frankreich um 8 Prozent auf fast 4.500, Spanien um 15 Prozent auf etwa 4.300. Die IFR prognostiziert, dass die weltweiten Installationen 2026 um 9 Prozent auf 655.000 Einheiten steigen und bis 2029 806.000 erreichen.
Kleinere Wetten bilden sich um dieselbe These. Das in Tokio ansässige O-ID, 2025 vom norwegischen CEO Stian Jakobsen und dem niederländischen CTO Simon Gormuzov gegründet, sammelte 1.200.000 Dollar in einer Pre-Seed-Finanzierung unter Führung von TAWANI Ventures aus Chicago ein, mit Beteiligung von Hustle Fund, Techstars und Angel-Investoren, wie Tech.eu am 24. September berichtete. O-ID baut einen modularen Humanoiden für Fertigung und Logistik, mit Fabrikpiloten ab 2027. Der Ansatz ist Reparierbarkeit: Bordsensoren überwachen den Verschleiß von Bauteilen, damit ein Teil verschickt werden kann, bevor ein Roboter ausfällt. Hintergrund ist, dass eine Stunde Ausfallzeit in einem großen Automobilwerk 2.300.000 Dollar kostet.
Wo die Sicherheitsdebatte steht
Die regulatorische und sicherheitsbezogene Diskussion ist keinem dieser Punkte hinterhergekommen. Rinaldo Brutoco merkt in einem Beitrag für The Robot Report vom 27. September an, dass nur ein Unternehmen, Advanced Robotic Technologies Inc., Asimovs erstes Gesetz als zentrales Softwareprinzip übernommen hat. Er zitiert Dario Amodeis Beitrag "We Must Pace the Frontier" vom 12. September, der eine langsamere Entwicklung von Frontier- und agentischer KI fordert, sowie eine Erklärung, die mehr als 2.500 Ökonomen und Technologen unterzeichneten und die sofortiges Handeln bei der Übergangsplanung verlangt. Jensen Huang von Nvidia wird mit der Aussage zitiert, die Gefahrensorgen seien übertrieben. Das Dossier bietet keine Auflösung, nur den Dissens.
Dieser Dissens ist der ehrliche Stand der Humanoiden-Fabrik-Geschichte. Industrieroboter überschritten 5 Millionen Einheiten, weil sie jahrelang zuverlässig eine Sache tun. Humanoide werden mit Händen aus hundert Teilen, unveröffentlichten Produktionszielen und Umsätzen im einstelligen Millionenbereich in dieselben Gebäude gedrängt. Die Lücke zwischen beidem ist das eigentliche Berichterstattungsfeld.
Quellen
9- 01Five Million Robots now Operate in Factories Globally - International Federation of RoboticsEN
- 02Agility Robotics, maker of Digit humanoid, exploring wheeled robotsEN
- 03Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacementsEN
- 04Toyota orders workers to train humanoid robots but says humans won't be replacedEN
- 05Researchers plug GPT-6 Astra directly into a robot and let it clean up an unfamiliar kitchenEN
- 06GPT Astra mit Roboterkörper räumt selbstständig Küche aufDE
- 07Europeans in Japan raise $1.2M to put modular humanoid robots to workEN
- 08A Wuhan court just made AI production costs a legal factor in copyright infringement casesEN
- 09Asimov's laws are not enough to keep robotics and AI safeEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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