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Humanoide Roboter in Autofabriken: was wir über Atlas, Optimus und den Streik in Ulsan wissen

Tausende Hyundai-Arbeiter in Ulsan legten im Juli 2026 die Arbeit nieder, weil das Unternehmen humanoide Roboter einsetzen will. Es ist der erste Fabrikstillstand, der sich gegen Maschinen richtet und nicht gegen Löhne. Hier steht, was die verfügbaren Berichte tatsächlich über Roboter in Autowerken sagen.

TechnologieErklärtLena BrandtVeröffentlicht: 28. September 20267 Min. LesezeitQuellen 5
Humanoide Roboter in Autofabriken: was wir über Atlas, Optimus und den Streik in Ulsan wissen

Der Arbeitskonflikt im Hyundai-Komplex in Ulsan zeigt, dass humanoide Roboter von der Messebühne in die Fabrikhallen gewandert sind. Laut Ars Technica legten Tausende gewerkschaftlich organisierte Arbeiter die Arbeit nieder, nachdem die Verhandlungen über den Einsatz humanoider Roboter gescheitert waren. Das Wall Street Journal, zitiert von Ars Technica, nannte es "the car industry's first factory stoppage addressing humanoid robots". Das Werk ist Hyundais Produktionskomplex in Ulsan, den Ars Technica als größtes Automobilwerk der Welt beschreibt.

Die Korea Times, ebenfalls von Ars Technica zitiert, berichtete, die Beschäftigten hätten vom 13. bis 15. Juli Tag- und Nachtschichten zwei Stunden früher beendet. Vom 20. bis 22. Juli waren vierstündige Streiks geplant, nachdem 15 Verhandlungsrunden gescheitert waren.

Die Hyundai-Motor-Gewerkschaft vertritt mehr als 39.000 südkoreanische Beschäftigte. Nach Angaben des Wall Street Journal fordert sie, den Stundenlohn der Produktionsarbeiter in ein Festgehalt umzuwandeln. So sollen die Beschäftigten vor automatisch bedingten Kürzungen der Arbeitszeit geschützt werden. Außerdem will die Gewerkschaft das Rentenalter von 60 auf 65 Jahre anheben und höhere Boni durchsetzen.

Was Hyundai tatsächlich einsetzen will

Im Mittelpunkt steht Atlas von Boston Dynamics. Ars Technica beschreibt ihn als zweibeinigen Roboter, der mehr als 6 Fuß groß ist und mehr als 100 Pfund heben kann. Hyundai Motor Group stellte die neueste Version Anfang dieses Jahres vor, und Boston Dynamics steht kurz davor, eine hundertprozentige Tochter von Hyundai zu werden. Laut The Korea Herald will Hyundai mehr als 25.000 Atlas-Roboter in verschiedenen Fertigungswerken von Hyundai und Kia einsetzen. Beginnen will das Unternehmen 2028 mit US-Werken, einen Zeitplan für andere Standorte hat es nicht genannt.

Die Kostenschätzungen stammen von Analysten.

Esther Yim von Samsung Securities Co. sagte Bloomberg, ein Atlas koste schätzungsweise 130.000 US-Dollar, könne sich aber nach etwa zwei Betriebsjahren amortisieren. James Hong von Macquarie Securities Korea Ltd. legte Bloomberg gegenüber dar: Sinke der Preis des Roboters irgendwann auf 100.000 US-Dollar, könnten seine Betriebskosten unter den US-Bundesmindestlohn von 7,25 US-Dollar fallen und das Gehalt eines typischen Autoarbeiters deutlich unterbieten. Das ist eine Analystenprognose, keine Zahl von Hyundai, und sie hängt von einem Preis ab, den der Roboter noch nicht erreicht hat.

Der erste Atlas-Einsatz ist für Metaplant America geplant, ein Elektroauto-Werk bei Savannah in Georgia, und soll 2028 beginnen. Ars Technica merkt an, dass Hyundai dort auf weniger organisierten Widerstand treffen dürfte, weil die US-Arbeiter im Georgia-Werk nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die United Auto Workers, die rund 400.000 Autobauer in den USA, Kanada und Puerto Rico vertritt, versucht allerdings, den Standort zu organisieren.

Das Werk in Georgia ist bereits stark automatisiert

Metaplant America gilt laut Ars Technica als das am stärksten automatisierte Automobilwerk in den Vereinigten Staaten. Für die Zahl von mehr als 850 Robotern, die Autoteile entladen, Stahlbauteile stanzen, Fahrzeugrahmen montieren und Autotüren einbauen, wird IEEE Spectrum zitiert. Das Werk setzt außerdem 300 fahrerlose Transportfahrzeuge ein, die Teile zu den Arbeitsstationen bringen und dabei menschlichen Arbeitern ausweichen.

Boston Dynamics' vierbeiniger Roboter Spot ist bereits vor Ort und führt in der Schweißerei des Werks eine "exterior quality inspection" durch. Ein Reporter der Atlanta Journal-Constitution beschrieb im Juli 2026 bei einem Besuch, wie die Spot-Roboter ihre sensorbestückten Nasen ausfahren, um Defekte aufzuspüren.

Atlas soll 2028 zunächst damit beginnen, Autoteile zu sortieren und zu ordnen. Jerald Roach, ein leitender Angestellter der Endmontage bei Metaplant, sagte der AJC, humanoide Roboter seien keine Gefahr für die menschliche Belegschaft. Menschliche Hände mit ihrem Gefühl und Tastsinn seien nötig, um weiche Autoteile wie Schläuche, Kabel, Teppiche und Verkleidungen zu handhaben. Im Rahmen seiner Wirtschaftsförderungsvereinbarung mit Georgia hat sich Hyundai verpflichtet, bis 2031 8.100 Vollzeitkräfte in Metaplant America zu beschäftigen. Landes- und Kommunalpolitiker schnürten ein Anreizpaket im geschätzten Wert von 2.100.000.000 US-Dollar. Die AJC stellte fest, dass das Werk Ende 2025 bereits mehr als 3.800 Menschen beschäftigte.

Die KI-Ebene: Gemini auf Atlas

Die Hardware ist nur ein Teil. Im Januar 2026 kündigten Google DeepMind und Boston Dynamics auf der CES in Las Vegas an, das Gemini-Robotics-Modell von Google auf Boston-Dynamics-Robotern wie Atlas und Spot einzusetzen, berichtete WIRED. Die Unternehmen wollen Gemini-gesteuerte Atlas-Roboter in den kommenden Monaten in Hyundai-Autofabriken testen.

WIRED zitierte Robert Playter, CEO von Boston Dynamics: Der eigentliche Wert liege künftig darin, dass Roboter ihre Umgebung im Kontext wahrnehmen und mit ihren Händen beliebige Objekte manipulieren können. Fertigungsumgebungen wie die Hyundai-Werke seien heute ein perfekter Ort dafür. Playter sagte außerdem, die Sicherheit von Menschen garantieren zu können, werde entscheidend sein, und fügte hinzu, selbst die kleinen Roboter könnten gefährlich sein.

Carolina Parada, Senior Director of Robotics bei Google DeepMind, sagte WIRED, Gemini sei multimodal angelegt und eigne sich deshalb gut dafür, die physische Welt zu verstehen. Die Autoindustrie sei ein guter Anfang, das Ziel sei aber, auf weitere Anwendungen auszuweiten. WIRED merkt an, dass rund 200 chinesische Firmen humanoide Systeme entwickeln, nach Angaben von CMRA, einem chinesischen Branchenverband.

Andere Hersteller und was die Roboter heute können

Hyundai ist nicht allein. Ars Technica berichtet, Tesla entwickle mit Optimus einen eigenen Roboter für seine Elektroauto-Werke, und BMW habe bei seinem Werk in Spartanburg in South Carolina Pilotversuche mit humanoiden Robotern von Figure AI durchgeführt. Mehrere chinesische Hersteller, darunter BYD, testen ebenfalls humanoide Roboter und entwickeln teils eigene.

Der Trend zur Automatisierung ist selbst Jahrzehnte alt. Bereits 2021 standen weltweit mehr als 1.000.000 Roboter in Autofabriken, ein Drittel aller Roboter in sämtlichen Branchen, nach Angaben der International Federation of Robotics. Bis 2025 hatten die Vereinigten Staaten 38.000 Industrieroboter im Einsatz, allein die Autoindustrie installierte 13.500 Einheiten.

Humanoide unterscheiden sich von diesen Maschinen durch ihren Anspruch. Robotikfirmen versprechen, sie würden irgendwann eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen und dabei in Arbeitsplätze passen, die für Menschen gebaut sind. Laut Ars Technica müssen dafür mehrere Hürden beim KI-Training und in der Hardwareentwicklung überwunden werden, bevor sie als universell einsetzbare Roboter autonom arbeiten.

Die World Humanoid Robot Games in Peking vom 22. bis 26. August 2026 boten einen nützlichen Realitätscheck. Ars Technica berichtete, viral gegangene Videos zeigten sprintende Roboter, die Usain Bolts menschlichen 100-Meter-Rekord schlugen. Sie zeigten aber auch Roboter, die in Absperrungen krachten und stürzten, weil sie nicht rechtzeitig anhalten konnten. Einige brachen in der Taille unter Funkenflug auseinander oder fingen Feuer.

Dipam Patel, Doktorand der Informatik an der Purdue University, sagte Ars Technica, die Fortschritte bei der Ganzkörpersteuerung seien real, die Roboter aber jeweils für eine einzige Aufgabe konstruiert. Beim Outdoor-Wettbewerb für Feuerwehr- und Rettungseinsätze hätten nur drei von 12 angetretenen Roboterteams die gesamte Aufgabe bewältigt, berichtete die Global Times. Viele Teilnehmer wurden noch von Menschen ferngesteuert.

Woher die Trainingsdaten kommen

China geht das Datenproblem mit Staatsgeld an. Rest of World berichtete, lokale Regierungen hätten 40 Trainingszentren finanziert, um den Datenmangel in der Robotikforschung zu beheben. Etwa zwei Dutzend davon waren im Dezember bereits in Betrieb. In diesen Einrichtungen ahmen menschliche Trainer mit VR-Brillen und Armexoskeletten Bewegungen wie Kleidung falten oder Tische abwischen nach, damit Roboter sie lernen.

Eines der größten, im Vorortgürtel Pekings, hat die lokale Regierung von Shijingshan mit dem Humanoid-Unternehmen Leju gestartet. Es umfasst mehr als 10.000 Quadratmeter und bietet 16 Trainingsszenarien, darunter eine nachgebaute Auto-Montagelinie, heißt es in einer von Rest of World zitierten Regierungserklärung. Ein in dieser Erklärung zitierter Projektsprecher verglich es damit, Kindern das Laufen mit viel Übung beizubringen.

Marco Wang, Analyst bei Interact Analysis, sagte Rest of World, der Ausbau der Infrastruktur berge das Risiko von Überkapazitäten: "There are some potential bubbles", sagte er. Goldman Sachs schätzt laut Rest of World den weltweiten Markt für humanoide Roboter bis 2035 auf 38.000.000.000 US-Dollar, mit etwa 250.000 Auslieferungen schon 2030.

Die BBC berichtete im August 2026, in Chinas Fabriken arbeiteten bereits mehr als zwei Millionen Roboter, mehr als irgendwo sonst, und mehr als die Hälfte aller Industrieroboter der Welt werde inzwischen in China hergestellt. Beim E-Auto-Hersteller Leapmotor sagte Vizepräsident Cao Li der BBC, in Werkstätten für Stanzen, Schweißen und Lackieren habe das Unternehmen im Grunde 100 Prozent Automatisierung erreicht. Auf die Frage, ob die Menschen an der Endkontrolle eines Tages überflüssig sein könnten, sagte Cao, das sei durchaus möglich und könne relativ schnell kommen.

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Quellen

5
  1. 01Fear of humanoid robots spurs human workers to strike at Hyundai auto factoryEN
  2. 02Google Gemini Is Taking Control of Humanoid Robots on Auto Factory FloorsEN
  3. 03In Chinese data factories, workers teach humanoid robots boring tasksEN
  4. 04Beyond China's humanoid robots, a quieter machine revolution is unfoldingEN
  5. 05World humanoid robot games show runners breaking records, bursting into flamesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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