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Alibabas Joe Tsai wirbt in Wuzhen für Open-Source-KI, während Peking auf UN-Regeln setzt

Alibaba-Chef Joe Tsai hat auf dem Wuzhen-Gipfel am Dienstag gesagt, Open Source sei der einzige tragfähige Weg zu einer dauerhaften KI-Industrie. Peking drängt zugleich auf eine Regulierung der Technologie durch die Vereinten Nationen.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20263 Min. LesezeitQuellen 9
Alibabas Joe Tsai wirbt in Wuzhen für Open-Source-KI, während Peking auf UN-Regeln setzt

WUZHEN, China: Alibaba-Chef Joe Tsai eröffnete am Dienstag den Gipfel der Weltinternetkonferenz in Wuzhen. Open-Source-Modelle seien der einzige Weg zu einer KI-Industrie, die Bestand hat, sagte er. Tsai sprach in der Provinz Zhejiang bei einer Veranstaltung, die von der chinesischen Cyberspace-Administration und der Provinzregierung getragen wird, wie die South China Morning Post berichtete.

„Nur durch Open Source kann KI populär werden, und nur durch diese Verbreitung können wir ein nachhaltiges, inklusives Zeitalter der Intelligenz schaffen“, sagte Tsai laut SCMP. Der Bericht schreibt, er habe auf eine wachsende Annäherung an offene Ökosysteme unter den heimischen Technologiefirmen verwiesen. Die KI-Nachfrage steigt, während Rechenleistung knapp bleibt.

Das ist ein Strang eines breiteren Vorstoßes. Am 27. Oktober meldete die SCMP, Peking werbe auf einem globalen Forum für eine Regulierung der künstlichen Intelligenz unter Führung der Vereinten Nationen. Das Treffen in Wuzhen beginnt eine Woche nach diesem Vorstoß. Beides passt zusammen: China will gesehen werden, wie es die Regeln dafür setzt, wie Modelle geteilt werden, nicht nur dafür, wie sie gebaut werden.

Der kommerzielle Hintergrund zählt. Alibaba setzt verstärkt auf Veröffentlichungen mit offenen Gewichten. Tsais Äußerung fällt in eine Zeit, in der US-Labore Rekordsummen einsammeln und in der Regulierungsdebatte Stellung beziehen. Palantir legte am Montag Zahlen für das dritte Quartal vor, die über den Erwartungen lagen. Der Umsatz überschritt erstmals 2.000.000.000 Dollar, der Nettogewinn mehr als verdoppelte sich auf 1.130.000.000 Dollar. Der kommerzielle US-Umsatz sprang um 148 Prozent auf 984.000.000 Dollar und lag damit vor den Einnahmen aus US-Regierungsaufträgen von 953.000.000 Dollar, wie CNBC berichtete. CEO Alex Karp sagte CNBC, er unterstütze Modelle mit offenen Gewichten, und hat sich für die Verstaatlichung von KI-Laboren ausgesprochen.

Geld aus dem Golf fließt parallel weiter. OpenAI unterzeichnete Vereinbarungen zu Energie, Regierung und Investitionen mit Einrichtungen aus Abu Dhabi, wie CNBC am Montag berichtete. Dazu gehört ein Vertrag mit ADNOC und G42, um die eigene Spitzentechnologie in den Betrieben des Ölkonzerns einzusetzen. Das Medienbüro von Abu Dhabi bestätigte die Vereinbarungen. OpenAI sucht laut CNBC in einer neuen Runde bis zu 20.000.000.000 Dollar, die von Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit angeführt wird.

Auch die Arbeit an Governance läuft unterhalb der Gipfelebene weiter.

Ein am 29. Oktober auf arXiv veröffentlichtes Papier dokumentierte einen Pilot-Expertenworkshop zum „violet teaming“. Das ist eine Methode, um KI-Fähigkeiten mit Bezug zur Biodefense über die Stufen Entwicklung, Missbrauch und Umsetzung zu testen. Die Autoren Steph Batalis und vier Mitautoren schrieben, die Übung habe nicht offensichtliche Missbrauchswege zutage gebracht. Sie habe zudem mögliche Eingriffe über technische Schutzmaßnahmen hinaus erweitert. Die Studie ist klein, zeigt aber die praktische Testfrage, die Gespräche auf UN-Ebene irgendwann beantworten müssen.

Wer die Regeln schreibt

Die Bühne in Wuzhen ist nicht der einzige Ort. Die DPA meldete am 31. Oktober, die EU und Kanada hätten auf einem Gipfel in Montreal eine „Allianz für die Zukunft“ geschmiedet. Das ist ein Signal, dass mittlere Mächte eigene Kanäle neben den UN-Prozessen wollen. The Diplomat wiederum veröffentlichte am 31. Oktober eine Analyse dazu, wie Kasachstans Wirtschaftsagenda unter Präsident Tokajew seine internationalen Partnerschaften prägt. Keiner der beiden Beiträge beantwortet die KI-Frage, aber beide zeigen Regierungen auf Forumsuche.

Sicherheitsforscher dokumentieren ihrerseits weiter, was passiert, wenn Governance hinterherhinkt. The Hacker News berichtete am 2. November, Palo Alto Networks Unit 42 habe eine Kampagne verfolgt, CL-UNK-1211, gegen Linux-Systeme bei Regierungsstellen und staatlich verbundenen Einrichtungen zwischen Oktober 2025 und April 2026. Die Kampagne nutzte PHP- und Shell-Skripte, die offenbar mit großen Sprachmodellen oder automatisierten Agenten erzeugt wurden. Dasselbe Medium berichtete einen Tag zuvor über NetamLoader, Malware, die auf Windows-10-Rechner von Behörden in Asien zielt.

Nichts davon steht auf der Agenda von Wuzhen. Aber es ist das Argument, das Tsais Publikum von der anderen Seite des Tisches hören wird: Offene Modelle verbreiten Fähigkeiten, und Fähigkeiten verbreiten sich auch zu Angreifern. Der Gipfel läuft die ganze Woche. Ob mehr dabei herauskommt als Erklärungen, ist die offene Frage.

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Quellen

9
  1. 01Alibaba's Joe Tsai champions open-source AI at Wuzhen Summit amid US pushbackEN
  2. 02Beijing pushes for UN-led governance of artificial intelligence at global forumEN
  3. 03Palantir reports booming U.S. commercial revenue growth, topping government for first timeEN
  4. 04OpenAI deepens Abu Dhabi foothold as Sam Altman inks deals spanning energy, government and investmentEN
  5. 05Violet Teaming in Practice: Lessons from a Pilot Expert Workshop on Governing Complex AI SystemsEN
  6. 06EU and Canada forge 'alliance for the future' at Montreal summitEN
  7. 07What Tokayev's Economic Agenda Means for Kazakhstan's International PartnershipsEN
  8. 08Government Linux Servers Targeted With SysGoRAT and Suspected AI-Generated ScriptsEN
  9. 09NetamLoader Malware Targets Government Windows 10 Systems in Asia via .NET InjectionEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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