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Ofcoms Krisenregeln gelten jetzt für große Plattformen in Großbritannien

Die Krisenregeln von Ofcom gelten seit Montag, 2. November. Große Plattformen im Vereinigten Königreich müssen schriftliche Krisenprotokolle, Führungsteams für den Ernstfall und einen eigenen Kanal für Strafverfolgungsbehörden bereithalten. Das Regime betrifft Dienste mit 7.000.000 oder mehr monatlichen Nutzern in Großbritannien, die als mittleres Risiko eingestuft sind, sowie jeden Dienst, den Ofcom als hohes Risiko bewertet.

TechnologieAnalyseLena BrandtVeröffentlicht: 6. November 20264 Min. LesezeitQuellen 18
Ofcoms Krisenregeln gelten jetzt für große Plattformen in Großbritannien

Was am 2. November in Kraft trat

Die geänderten Codes für illegale Inhalte und der Code zum Schutz von Kindern wurden am 12. Oktober veröffentlicht, drei Wochen bevor sie in Kraft traten.

Betroffene Dienste müssen ein schriftliches Krisenprotokoll führen. Darin steht, wie sie Warnsignale beobachten und beurteilen, ob eine Krise im Gang ist. Sobald sie entscheiden, dass eine Krise eintritt oder wahrscheinlich eintritt, müssen sie nach Darstellung von Reclaim The Net ein Führungsteam für den Ernstfall „so bald wie vernünftigerweise möglich“ entsenden. Große Plattformen müssen zudem einen eigenen Kanal für Strafverfolgungsbehörden öffnen, für dessen Aktivierung keine gerichtliche Anordnung nötig ist. Nichts davon muss veröffentlicht werden, sodass das Entscheidungsverfahren für Nutzer und Außenstehende geschlossen bleibt, berichtet Gadget Review.

Reclaim The Net merkt an, dass eine Plattform das Protokoll vollständig befolgen kann, ohne jemandem davon zu erzählen.

Ofcom definiert eine Krise als außergewöhnliche Lage, die eine ernste Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Großbritannien darstellt und mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erheblichen Anstieg relevanter illegaler Inhalte verursacht hat oder daraus entstanden ist. Örtliche, regionale oder ausländische Ereignisse können darunterfallen. In ihrer Begründung verweist Ofcom auf die Morde von Southport 2.024 und stellt fest, dass Online-Inhalte anschließend gewalttätige Ausschreitungen angeheizt hätten, heißt es in der veröffentlichten Erklärung.

Die Zahl 7.000.000 ist die Grenze für die Stufe mittleres Risiko. Dienste darunter fallen nicht in diese Stufe, es sei denn, Ofcom stuft sie als hohes Risiko ein. Damit kommen kleinere Foren, Messaging-Apps, Dating-Apps, Spiele, Marktplätze und einige KI-Werkzeuge in den Geltungsbereich.

Ofcom schloss das Krisenprotokoll am 9. Juni ab, am selben Tag, an dem sich nach einer Messerattacke auf der Shankill Road Ausschreitungen in Belfast ausbreiteten, berichtet Reclaim The Net.

Warum der Auslösepunkt Kritiker beunruhigt

Plattformen können die Protokolle einschalten, bevor eine Krise bestätigt ist. Die Schwelle lautet „wahrscheinlich eintreten“, daher können Warnsignale statt eines beobachtbaren Ereignisses den Mechanismus in Gang setzen, berichtet Gadget Review. Ofcom akzeptiert, dass „ein höheres Risiko falscher Treffer wahrscheinlich verhältnismäßig ist“, so die Lesart von Reclaim The Net zu den Unterlagen der Aufsichtsbehörde. Rechtmäßige Meinungsäußerungen, korrekte Berichterstattung oder Augenzeugenaufnahmen könnten eingeschränkt werden, während ein Ereignis noch läuft. Ofcom entgegnet, Krisen seien selten, also werde auch ein Eingreifen selten sein.

Zum betroffenen Inhalt gehören Terrorismus, Hass, Belästigung, Stalking, Drohungen und Missbrauch, Material ausländischer Einflussnahme sowie Inhalte, die Kindern schaden.

Die Regierung hat erklärt, die Schritte seien für sich genommen nicht verpflichtend. Eine Plattform, die sie befolgt, gilt als rechtmäßig handelnd, sodass jeder, der einen anderen Weg wählt, Ofcom nachweisen muss, dass seine Methode ebenso wirksam ist. Ofcom betont außerdem, die Maßnahmen erlaubten es der Behörde nicht, eine Krise auszurufen, und führten keine Notstandsbefugnisse ein. Welche rechtlichen Grenzen genau für das gelten, was die Polizei über den neuen Kanal anfordern kann, ist in den öffentlichen Unterlagen von Ofcom nicht vollständig geklärt, berichtet Gadget Review.

Der Durchsetzungshintergrund

Die Krisenregeln kommen, während über die Reichweite der Befugnisse von Ofcom noch gestritten wird. Am 30. Oktober erlaubte der High Court Ofcom, Daten von Meta, WhatsApp und X zu verlangen. Das Urteil stärkt die Befugnisse zur Datenerhebung, ermächtigt aber nicht zu Notabschaltungen von Inhalten, berichtet Reclaim The Net. Meta, TikTok und X fechten getrennt voneinander im Februar erlassene Auskunftsanordnungen an, in einer dreitägigen Anhörung, die am 5. Oktober begann. Eine Zeugenaussage von X nannte die Anordnung „die belastendste Auskunftsanfrage, die X von einer Aufsichtsbehörde in irgendeiner Jurisdiktion erhalten hat“, berichtet Reuters.

Ofcom erklärt, man habe den Umfang der Anfragen vor der Umsetzung verengt, und das Parlament habe der Behörde die Aufgabe übertragen, eine über mehr als 20 Jahre nicht regulierte Branche zu regulieren.

Meta ficht zudem die Formel für Geldbußen vor dem High Court an und argumentiert, Strafen sollten auf dem Umsatz in Großbritannien beruhen, nicht auf dem weltweiten Ertrag. Metas Klage, eingereicht als claim AC-2025-LON-004500, richtet sich gegen die Verordnungen, die die Obergrenze umsetzen. Nach den geltenden Regeln kann Ofcom bis zu 10 Prozent des maßgeblichen weltweiten Umsatzes oder 18.000.000 Pfund verhängen, je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Gadget Review merkt an, dass Ofcom keine Befugnis erhält, eine Krise auszurufen oder die Entfernung von Inhalten anzuordnen; die operativen Entscheidungen treffen die Plattformen.

Ofcoms eigenes Urteil über den Fortschritt fiel deutlich aus. Oliver Griffiths, Konzerndirektor für Online-Sicherheit, sagte dem Kommunikationsausschuss des Oberhauses, Ofcom sei von der bisherigen Gesamtwirkung des Gesetzes „unterwältigt“. Ofcom erklärte, die Regelung werde erst Mitte 2.027 vollständig in Kraft sein. Er warnte zudem, das geplante Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige könne Ressourcen binden, wenn keine zusätzlichen Stellen und Mittel bereitstehen.

Wie es weitergeht

Ofcom will bis Ende des Jahres eine überarbeitete Roadmap veröffentlichen und spricht mit der Regierung über Finanzierung und Reihenfolge. Die endgültigen Pflichten für kategorisierte Dienste dürften erst etwa Mitte 2.027 vollständig gelten.

Andere Teile sind noch in Bewegung. Die Konsultation zu Maßnahmen gegen Betrugswerbung endet im Oktober, endgültige Entscheidungen werden erst im kommenden Jahr erwartet, berichtet The Guardian. Ofcoms Untersuchung, ob Meta vor dem Start von Instagram Instants die Risikobewertungen zu illegalen Inhalten und zu Kindern abgeschlossen hat, im Oktober gemeldet, läuft noch.

Wie oft Plattformen die Protokolle tatsächlich auslösen, ist unbekannt. Sie müssen sie nicht veröffentlichen, und Ofcom kann selbst keine Krise ausrufen.

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Quellen

18
  1. 01Britain's Online Censorship Law Now Comes With a Crisis Plan for Your PostsEN
  2. 02Big Tech Must Now Deploy Emergency Response Teams During UK Public Safety CrisesEN
  3. 03Big Tech Must Now Deploy Emergency Response Teams During UK Public Safety Crises - YahooEN
  4. 04Meta, TikTok and X Take Ofcom to Court Over Online Safety Data DemandsEN
  5. 05'Underwhelmed': Ofcom admits online safety impact falling short as full roll-out slips to 2027EN
  6. 06Big tech platforms will have to ban scam ads under UK plans to tackle fraudEN
  7. 07Meta Faces First Ofcom Probe Under Online Safety Act Over Instagram InstantsEN
  8. 08Ofcom's £15 Billion Online Safety Weapon Goes on Trial at London High CourtEN
  9. 09Online Safety Act Cannot Block Suicide Forum Linked to 164 UK Deaths, Ofcom AdmitsEN
  10. 10Meta faces UK probe over Instagram Instants, Ofcom questions safety checks before launchEN
  11. 11 Nintendo’s latest Zelda remake already circulating online as a Switch 2 ROM EN
  12. 12GitLab 19.5 Makes Agentic Development a Governed Part of the DevOps PlatformEN
  13. 13SAVeR$^2$: Reasoning-based Safety Alignment for Large Reasoning Models via Verifiable RewardsEN
  14. 14Meta-Frieren: Beyond Single Level Online LearningEN
  15. 15Compositional Unalignment: Auditing Safety in Large Vision-Language ModelsEN
  16. 16OpenAI’s GPT-6 Astra silently obstructed safety research tasksEN
  17. 17How digital membership platforms help sports NGBs leave the spreadsheets behindEN
  18. 18Community safety report and new protections for teensEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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