Frankreich und Deutschland wollen britische Autobauer in „Made in Europe“ aufnehmen, wenn London EU-Zölle auf China nachzieht
Frankreich und Deutschland schlagen vor, britische Hersteller am EU-Programm „Made in Europe“ teilhaben zu lassen, das Subventionen und öffentliche Aufträge an lokale Wertschöpfung bindet. Bedingung ist laut einem Entwurf, den die Financial Times einsehen konnte, dass London die China-Zölle des Blocks übernimmt.

Der Entwurf
Der Vorschlag steht in einem Entwurf für ein Abkommen, den die FT einsehen konnte. Danach sollen nicht nur die 27 EU-Mitgliedstaaten zugelassen werden, sondern auch „andere europäische Partner, die am 1. Januar 2020 Teil des EU-Binnenmarkts waren“. Damit fielen britische Hersteller unter Regeln, die den Zugang zu Subventionen und öffentlichen Aufträgen auf europäische Unternehmen begrenzen sollen. Sie gehören zum geplanten Industrial Accelerator Act. Japan, Südkorea und die Türkei, die ebenfalls Zugang für ihre Autobauer gefordert haben, blieben außen vor.
Die Bedingung ist ausdrücklich genannt: Großbritannien müsste „EU-Handelsschutzmaßnahmen“ übernehmen, darunter Zölle auf chinesische Elektroautos. Der Text ist noch nicht abgeschlossen. Vorausgegangen waren monatelange Gespräche zwischen Paris und Berlin über die Zukunft der europäischen Autoindustrie, darunter die Regeln für Verbrennungsmotoren und die bevorzugte Behandlung europäisch gefertigter Fahrzeuge und Batterien. Deutschland drängte darauf, das Vereinigte Königreich und andere Handelspartner einzubeziehen. Frankreich vertrat einen strengeren Ansatz nur für die EU.
Warum die Zollbedingung zählt
Großbritannien erhebt auf in China gebaute Autos seinen regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent, egal ob Verbrenner oder Elektroauto, ohne einen China-spezifischen Aufschlag. Die EU kommt je nach Hersteller auf einen Gesamtzoll von bis zu 45,3 Prozent. In diesem System zahlt BYD zusätzlich 17 Prozent, Geely 18,8 Prozent und SAIC 35,3 Prozent auf die regulären 10 Prozent, wie Fleet News berichtete. Die EU-Zölle gelten nur für in China gebaute Elektroautos. Fahrzeuge aus dem geplanten BYD-Werk in Ungarn wären davon nicht betroffen.
Chinesische Marken sind in Großbritannien schnell gewachsen, wo die zusätzlichen EU-Zölle nicht greifen. Im September kamen sie laut Bloomberg auf 23 Prozent der britischen Neuwagenverkäufe. Der Jaecoo 7 war in diesem Monat das meistverkaufte neue Modell des Landes, mit 10.814 Zulassungen vor dem Tesla Model 3 und dem Ford Puma, wie Fleet News berichtete.
Andernorts haben Zölle den Vormarsch nicht gestoppt. Zwischen Januar und Mai 2026 waren chinesische Modelle 14,2 Prozent der in Westeuropa verkauften Elektroautos, etwa eines von sieben, trotz der seit 2024 geltenden EU-Zölle. Das geht aus Daten von Schmidt Automotive Research hervor, die The Diplomat zitiert.
Die Reaktion in London
Ein britischer Regierungsvertreter sagte: „Das ist ein französisch-deutscher Vorschlag, und es läuft noch ein europäisches Verfahren. Sollte er bestätigt werden, begrüßen wir das Ziel, das Vereinigte Königreich in Made in Europe aufzunehmen.“ Er nannte es eine gute Nachricht für die britische Autoindustrie.
Handelsminister Anas Sarwar sagte, Großbritannien und die EU müssten „zusammenarbeiten und im Gleichschritt handeln“, um Chinas Dominanz im Autobau entgegenzutreten. Politico beschrieb die Äußerung als das bisher klarste Signal, dass London bereit ist, sich anzupassen. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds hat gesagt, höhere Zölle auf chinesische Elektroautos seien „in Prüfung“. Die Regierung erklärt, es seien keine neuen Zölle eingeführt und keine endgültige Entscheidung getroffen worden.
The Times berichtete am 4. Oktober, Großbritannien bereite Abgaben vor, um die Forderung der EU zu erfüllen. Beamte hätten chinesische Vergeltung gegen Jaguar Land Rover abgewogen, den Ausschluss aus Made in Europe aber als schädlicher eingeschätzt, schrieb die Zeitung.
Reaktion der Branche
SMMT-Chef Mike Hawes nannte Berichte über Handelsbeschränkungen unbestätigt und sagte, eine solche Erwägung müsse auf Beweisen beruhen und ordnungsgemäß ablaufen. Professor David Bailey von der University of Birmingham sagte dem Mirror, Zölle würden den chinesischen Vormarsch verlangsamen, nicht stoppen, und die Hersteller könnten einen großen Teil der Kosten schlucken, um Marktanteile zu halten.
Einige chinesische Marken erklären, ihre Investitionspläne blieben unverändert. „Zölle kommen und gehen, aber das ändert nichts an unseren Investitionen im Vereinigten Königreich“, sagte Victor Zhang, Großbritannien-Geschäftsführer von Jaecoo und Omoda, vor Journalisten. „Wir bleiben hier.“
Die Autoindustrien in Großbritannien und der EU haben argumentiert, ein Ausschluss britischer Hersteller würde stark integrierte Lieferketten stören. Britische Autobauer stehen schon jetzt unter stärkerem chinesischem Wettbewerb und höheren US-Zöllen, was zu erheblichen Produktionskürzungen beigetragen hat.
Quellen
24- 01UK car sector could join EU's 'Made in Europe' scheme under China conditionEN
- 02China's Green Exports to Europe Are a Bright Spot Amid Trade TensionsEN
- 03UK expected to follow EU with China EV tariffs, report saysEN
- 04Chinese electric cars could face 'end of easy ride' as UK 'reviews' tariffs under EU dealEN
- 05UK expected to follow EU with tariffs on Chinese EVs, Times saysEN
- 06UK expected to follow EU with tariffs on Chinese EVsEN
- 07UK is prepared to align with EU tariffs on Chinese EVs, minister indicatesEN
- 08UK weighs Chinese car tariffs as fleet demand for EVs surgesEN
- 09Can Britain really afford to diverge from EU tariffs on Chinese EVs?EN
- 10UK expected to follow EU with tariffs on Chinese EVs, Times saysEN
- 11Nvidia CEO Jensen Huang summoned by Congress over Chinese espionage concernsEN
- 12Chinese PV Industry Brief: JA, Longi, Tongwei report widening lossesEN
- 13Soluxtec resumes TOPCon solar module production in GermanyEN
- 14Chip Industry Week In ReviewEN
- 15Chinese regulators block SoftBank’s $5.4B acquisition of ABB RoboticsEN
- 16Inside the chip talent war: Trade secrets and rising Chinese rivalsEN
- 17Germany’s EV share hits record 37% as BEVs beat gas and diesel combinedEN
- 18Volkswagen’s affordable ID. Polo wins German Car of the Year 2027 as EVs dominateEN
- 19Tesla wins trade zone status for Texas Megapacks, but China tariffs stayEN
- 20Machine Learning for Live-Birth Prediction After IVF/ICSI From Structured Clinical Data: A Systematic Review, Meta-Analysis, and Critical AppraisalEN
- 21Germany’s Hydrogen Pipeline Reached Marl. Its Market Still Needs to Add Up.EN
- 22Chinese telcos take 45% stake in new $4.5B national data companyEN
- 23As AI cyber risks grow, Chinese chip expert urges shared ethics standards with US rivalsEN
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