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Anhänger physischer Medien wehren sich gegen Streaming-Algorithmen, doch der härtere Kampf gilt der Regulierung

Am 2. Oktober veröffentlichte der Guardian Berichte von Hörerinnen und Zuschauern, die wieder CDs, DVDs und Vinyl kaufen, um algorithmisch kuratierten Katalogen zu entkommen. In derselben Woche wurde Australiens Kommunikationsministerin für das Social-Media-Verbot unter 16 Jahren vom Time-Magazin geehrt.

Medien & InternetNachrichtLena BrandtVeröffentlicht: 2. Oktober 20268 Min. LesezeitQuellen 8
Anhänger physischer Medien wehren sich gegen Streaming-Algorithmen, doch der härtere Kampf gilt der Regulierung

Am 2. Oktober veröffentlichte der Guardian eine Sammlung von Leserberichten. Die Menschen darin sagen, sie kehrten zu physischen Medien zurück, von Vinyl und Kassetten bis zu CDs und DVDs, um Empfehlungsalgorithmen zu entgehen und dem Risiko, dass Titel aus Streaming-Katalogen verschwinden. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: In derselben Woche hob das Time-Magazin Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige als Beispiel politischen Mutes hervor, die schärfste Plattformregulierung, die irgendwo erlassen wurde.

Die beiden Geschichten wirken unverbunden. Die eine handelt von Flohmärkten und Schränken mit 5.300 CDs. Die andere von einer Time100-Liste, auf der am 1. Oktober die australische Kommunikationsministerin Anika Wells unter den einflussreichsten Nachwuchskräften der Welt genannt wurde. Beide reagieren auf dasselbe Problem: Die Plattformen, die Kultur verbreiten, entscheiden auch darüber, was aus ihr verschwindet, und Nutzer haben wenig Handhabe, wenn es passiert.

Was die Leser zu physischen Medien tatsächlich sagten

Der Guardian-Artikel ist keine Umfrage. Er ist Zeugnis, und die Zahlen darin stammen von den zitierten Personen, nicht aus Forschung. Ash, 52, Dozent an einer Universität in Cornwall, sagte der Zeitung, er habe von 1990 bis 2009 mehr als 5.000 Platten und CDs angehäuft, nachdem er eine Zeit lang nur gestreamt habe. Seine Klage ist konkret: Algorithmen, sagte er, "machen großartige Vorschläge, aber es fühlt sich an, als fange man viele kleine Fische".

Ruth, 67, pensionierte Professorin aus Michigan, sagte dem Guardian, sie besitze 5.300 CDs in einem begehbaren Schrank und leihe physische Filmtitel per Post bei einem Laden in Seattle aus. Sie nannte unzuverlässiges Internet auf dem Land als praktischen Grund neben dem Besitz. "Kein Algorithmus ist so kreativ wie ein gut bestücktes menschliches Gehirn, das seine tatsächliche Umgebung wahrnimmt", sagte sie der Zeitung.

Das schärfste Argument kam von CJ, 55, Compliance-Managerin in Atlanta. Sie verknüpfte ihre Entscheidung mit einer konkreten Entfernung: HBO nahm 2022 rund 200 Folgen Sesamstraße aus seinem Angebot. "Wenn du es nicht halten kannst, besitzt du es nicht", sagte sie dem Guardian.

"Wenn der Zugang zu Medien so leicht abgeschnitten werden kann, ist es sinnvoll, zurückzukehren und zu besitzen, was man kann, damit es niemand einem wegnehmen kann."

Das ist eine Lizenzbeschwerde, keine Nostalgie. Streaming-Kataloge sind Bündel befristeter Rechte, und wenn diese Rechte auslaufen oder eine Plattform Inhalte aus Steuergründen abschreibt, ist der Titel weg. Die vom Guardian Befragten beschreiben ein Verhalten, das daraus logisch folgt: gebraucht kaufen, rippen, lagern und die physische Kopie als die haltbare Version behandeln.

Die Regulierungsschiene bewegt sich schneller als die der Verbraucher

Die folgenreichere Entwicklung dieser Woche liegt in Australien. Wells wurde am 1. Oktober für ihre Arbeit am Social-Media-Verbot unter 16 Jahren in die Time100-Liste aufgenommen, mit einem Beitrag der früheren Labour-Premierministerin Julia Gillard. Gillard schrieb, Wells habe "weltweit führende Reformen zum Schutz junger Menschen vor den Schäden sozialer Medien" vorangetrieben, und lobte sie dafür, dass sie angesichts "intensiven Widerstands einiger der größten Technologiekonzerne der Welt" "standhaft" geblieben sei.

Wells' Antwort an Guardian Australia war kurz: "In Brisbane wissen wir, dass Meisterschaften vom ganzen Team gewonnen werden, nicht von einem Spieler." Sie arbeitet nun an einem Rahmen für eine digitale Sorgfaltspflicht, der Kontoinhabern erlauben soll, algorithmische Feeds abzuwählen, die laut Guardian gefährliche und spaltende Inhalte verbreiten. Dieser Vorschlag trifft auf denselben Widerstand der Branche wie das Verbot.

Nicht alle feiern. Die Schatten-Kommunikationsministerin Sarah Henderson erklärte, "Australier beurteilen Minister nicht nach Hochglanz-Magazinlisten, sondern nach ihren Taten", und wiederholte ihre Behauptung, das Verbot sei gescheitert, zusammen mit Kritik an dem, was sie "drakonische Befugnisse zur Kontrolle dessen, was Australier online sagen und sehen" nannte. Der Guardian merkt an, dass Fragen zur Wirksamkeit und Durchsetzung des Verbots offen bleiben.

Die Durchsetzungsbilanz ist gemischt. In einem Gastbeitrag für IEEE Spectrum vom 25. September schrieb die Forscherin Danica Radovanović, innerhalb von Wochen nach dem australischen Verbot habe die eSafety-Beauftragte des Landes gemeldet, Plattformen hätten den Zugang zu 4,7 Millionen Konten von unter 16-Jährigen eingeschränkt. Zwei Monate später, schrieb sie, nutzte laut Daten von Kindersicherungs-Apps noch jeder fünfte australische Teenager unter 16 TikTok und Snapchat. Radovanović argumentiert, altersbasierte Verbote seien eine unvollständige Lösung, und zitiert einen 13-Jährigen namens Benjamin, der Le Monde vor der Zustimmung Frankreichs zu seinem eigenen Verbot unter 15 im vergangenen Januar sagte, wenn die Regeln durchkämen, "können wir keine Fußballspiele mehr organisieren".

Frankreichs Gesetz und das australische sind die beiden am häufigsten zitierten Modelle. Laut Guardian beobachten Regierungen in Europa, Asien und einigen US-Bundesstaaten beide, die ähnliche Maßnahmen erlassen oder vorgeschlagen haben.

Unterdessen schreiben US-Aufseher Regeln für Stablecoins

Die regulatorische Aufmerksamkeit richtet sich nicht nur auf soziale Plattformen. Am 24. September bat der Federal Reserve Board um öffentliche Stellungnahmen zu zwei Vorschlägen, die einen Rahmen für vom Board beaufsichtigte Emittenten von Zahlungs-Stablecoins nach dem GENIUS Act schaffen sollen. Der erste verlangt vollständige Deckung durch zulässige Reserveanlagen wie kurzfristige Treasury Bills und andere hochliquide Vermögenswerte, dazu standardisierte Kapitalanforderungen, Risikomanagementstandards und Regeln für Firmen, die die Deckungswerte verwahren. Der zweite schafft ein maßgeschneidertes Antragsverfahren für Banken, die Zahlungs-Stablecoins ausgeben wollen, mit Geschäftsplan und Finanzinformationen sowie einem Verfahren für Einsprüche und endgültige Entscheidungen. Die Stellungnahmefrist endet 60 Tage nach Veröffentlichung im Federal Register.

Das ist eine langsame, prozedurale Geschichte, aber es ist die Art von Regelsetzung, die bestimmt, was Plattformen tatsächlich tun können. Dasselbe gilt für die algorithmische Abwahl, die in Australien entworfen wird: Das Prinzip ist leicht zu benennen, das Compliance-Regime nicht.

Andernorts: Chips, Kapital und ein abgelehntes Gaskraftwerk

Zwei weitere datierte Punkte im Dossier zeigen, wie Regulierung Technologiemärkte aus verschiedenen Richtungen umformt. Bei AutoSens und InCabin Europe 2026 in Barcelona kamen mehr als 1.000 Ingenieure, Führungskräfte und Halbleiterexperten zusammen, um durchzuarbeiten, wie Europas Euro-NCAP-Protokolle für 2026 das Design automobiler Sensoren verändern, berichtet EE Times. Die Protokolle legen mehr Gewicht auf die Überwachung des Fahrerzustands und die Erkennung von Kindern im Fahrzeug und vergeben zusätzliche Punkte für Systeme, die Beeinträchtigungen erkennen oder reagieren, wenn ein Fahrer nicht mehr ansprechbar wird. Calterah nutzte die Messe, um seinen Dubhe CAL1106AQ SoC zu demonstrieren. Das Unternehmen bezeichnet ihn als erste Umsetzung von IEEE 802.15.4ab-Sensing in einem nach FiRa 4.0 zertifizierten 2T4R-UWB-Chip, mit einem Modul zur Unterdrückung von Radar-Leckagen, das kleine Bewegungen wie die Atmung eines Säuglings erkennen kann. Calterah behauptet, das Upgrade könne die Erkennung von Kindern im Fahrzeug unterstützen, indem es bestehende Hardware für schlüssellosen Zugang per Software aktualisiert, und so den Bedarf an eigenen 60-GHz-mmWave-Innenraumradaren verringern. Infineon, OmniVision und Aptiv zeigten ebenfalls Hardware und Software zur Innenraumerkennung. Aptiv erklärte, seine Software Advanced Occupancy Classification mit einer einzigen Kamera habe in Tests nach Federal Motor Vehicle Safety Standard 208 eine Genauigkeit von 100 Prozent erreicht, eine Unternehmensangabe, über die EE Times berichtete.

In China bewegen sich Regulierung und Kapital in entgegengesetzte Richtungen. Die South China Morning Post meldete am 2. Oktober, Chinas quantitatives Investitionssegment habe in diesem Jahr 18 neue Mitglieder zu den Fonds hinzugewonnen, die mehr als 10 Milliarden Yuan (1,5 Milliarden US-Dollar) an Vermögen verwalten, unter Berufung auf die Finanznachrichtenagentur Cailian Press. Die Firmen gehörten zu 159 chinesischen Hedgefonds, die jeweils mehr als 10 Milliarden Yuan verwalten, so Cailian Press, und zu den jüngsten Zugängen zählten AXQ Capital, Hopeseek Fund und Huanian Fund, nach Daten des Anbieters Wind. Die SCMP führt den Schwung auf technologiegetriebene Gewinne am chinesischen Aktienmarkt und auf das Profil zurück, das DeepSeek dem Sektor gegeben hat.

Und in North Carolina taten Aufseher den seltenen Schritt, den Genehmigungsantrag eines Versorgers abzulehnen. Canary Media meldete am 21. September, die staatliche Utilities Commission habe Duke Energys Vorhaben abgelehnt, im Richmond County ein Gaskraftwerk mit 255 Megawatt zu bauen, eine Anlage mit geschätzten Kosten von 584 Millionen US-Dollar. Die 23-seitige Anordnung nannte die Genehmigung verfrüht, weil das Wachstum der Rechenzentren zu unsicher sei. Sie stellte fest, "jedes solche erwartete Lastwachstum ist für die Kommission derzeit nicht verlässlich genug, um zu handeln", und Duke müsse "nachweisen, wie der Zubau dieser neuen Erzeugungskapazität und ihre Kosten mit dem White House Ratepayer Protection Pledge vereinbar sind". Duke hatte diese Selbstverpflichtung im März unterzeichnet, zusammen mit mehr als 200 anderen Versorgern. Canary Media ordnet die Entscheidung in den Kontext einer überparteilichen Gegenbewegung gegen Rechenzentren ein, mit Moratorien der Gouverneure von New York und Texas und Exekutivmaßnahmen in Pennsylvania und Virginia.

Was das alles verbindet

Der rote Faden ist keine Technologie. Es ist die Frage, wer entscheidet, was verfügbar bleibt, und unter welchen Bedingungen. Die Käufer physischer Medien beim Guardian haben sie privat beantwortet, indem sie eigene Archive aufbauen. Australiens Regierung, der Federal Reserve Board, Euro NCAP und die Utilities Commission von North Carolina beantworten sie öffentlich, mit Regeln, die bestimmen, wie Plattformen, Banken, Autos und Kraftwerke arbeiten. Der Unterschied: Privates Archivieren reicht für einen Haushalt. Regulierung reicht für alle, und deshalb zählen die Durchsetzungszahlen mehr als das Gefühl.

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Quellen

8
  1. 01'If you can't hold it, you don't own it': why media fans want to escape algorithms with CDs, DVDs and vinylEN
  2. 02Anika Wells named on Time100 list as one of 'world's most influential rising stars' after social media banEN
  3. 03Social Media Bans Aren't Enough to Make Children SafeEN
  4. 04AutoSens 2026: Regulation Drives Automotive Sensing ArchitecturesEN
  5. 05DeepSeek effect? How China's quant funds thrive amid tight regulatory scrutinyEN
  6. 06Federal Reserve Board requests public comment on two proposals related to establishing a regulatory framework for Board-supervised payment stablecoin issuers unEN
  7. 07Duke Energy wants to build a new gas plant. Regulators said not so fast.EN
  8. 08US regulators back multi-cancer blood test – but Hong Kong doctors remain cautiousEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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