Brasiliens Notenbank lässt Selic bei 13,75 Prozent und beendet die Zinssenkungsserie
Brasiliens Notenbank hat den Selic am Mittwoch einstimmig bei 13,75 Prozent belassen und damit die im März begonnene Zinssenkungsserie beendet. Die Inflation liegt weiter über dem Ziel, nachdem Lula am 25. Oktober die Stichwahl gegen Senator Flavio Bolsonaro gewonnen hat. In einer Reuters-Umfrage hatten 33 von 48 Befragten diese Entscheidung erwartet.

Copom hält bei 13,75 Prozent
Der Copom stimmte am Mittwoch einstimmig dafür, den Selic bei 13,75 Prozent zu belassen. Das ist der Stand der Sitzung vom 16. September, auf der die fünfte Senkung um einen Viertelpunkt in Folge beschlossen worden war.
Mit dem Verharren bei 13,75 Prozent zahlen brasilianische Anleihen weiterhin eine der höchsten Renditen der Welt. Das kommt Dollar-Anlegern zugute, die in Real verleihen. Stark verschuldete Einzelhändler und Wohnungsbauer bleiben dagegen länger unter Druck.
Die Notenbank war mit 15,00 Prozent ins Jahr gestartet und hatte auf jeder ihrer fünf Sitzungen von März bis September um einen Viertelpunkt gesenkt. In ihrer Erklärung versprach das Gremium, die Geldpolitik "angemessen restriktiv" zu halten, um die Inflation zurück auf das Ziel zu bringen. Die Währungshüter erklärten, die Inflationsrisiken seien eher nach oben gerichtet, und verwiesen zugleich auf eine "deutlichere Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität im Inland".
Warum die Entscheidung so ausfällt
Brasiliens Inflationsziel liegt bei 3 Prozent, mit einer Toleranzbandbreite von 1,5 Prozentpunkten in beide Richtungen. Der Selic liegt damit weit über dem, was das offizielle Ziel vorgibt. Die Jahresinflation von 4,6 Prozent bleibt über der Obergrenze dieses Bands. Die Märkte erwarten laut einem Bericht der Straits Times, dass sie bis spätestens 2029 über dem Ziel von 3 Prozent bleiben wird.
Vor der Abstimmung hatten Anleger auf weitere Lockerung gesetzt. Unmittelbar vor der Stichwahl am 25. Oktober rechneten sie weitgehend mit zwei aufeinanderfolgenden Senkungen um 25 Basispunkte, eine im November und eine im Folgemonat. Optionskontrakte, die am Mittwoch zuvor an der brasilianischen Börse gehandelt wurden, deuteten darauf hin, dass Anleger unveränderte Zinsen erwarteten. Die Erklärung gab kaum Hinweise auf die nächsten Schritte.
Die Entscheidung folgt auf einen starken Einbruch von Brasiliens Währung und Aktienmarkt nach Lulas überraschendem Sieg über Senator Flavio Bolsonaro in der Stichwahl am 25. Oktober. Die Währungshüter erklärten, der Ausblick verlange "Gelassenheit und Vorsicht".
Das Direktorium ist das nächste Schlachtfeld
Lula ärgern die hohen Zinsen, weil sie seiner Ansicht nach das Wachstum bremsen. Er hat begonnen, Berater und Ökonomen zu konsultieren, wie sich der Selic in seiner vierten Amtszeit senken lässt, berichtete Valor International.
Bis Ende 2027 kann er sechs der neun Mitglieder benennen, die über den Selic entscheiden. Zwei Sitze sind seit dem 1. Januar 2026 vakant, nachdem Diogo Guillen (Wirtschaftspolitik) und Renato Gomes (Organisation des Finanzsystems) zum Ende ihrer Amtszeiten ausgeschieden sind. Zwei weitere Amtszeiten enden am 28. Februar 2027, die von Währungspolitik-Direktor Nilton David und Aufsichtsdirektor Ailton Aquino Santos. Die letzten beiden enden am 31. Dezember 2027, wenn die Amtszeiten von Paulo Picchetti (internationale Angelegenheiten) und Rodrigo Teixeira (Verwaltung) auslaufen. Präsident Gabriel Galípolo und die Direktoren Gilneu Vivan und Izabela Correa amtieren bis zum 31. Dezember 2028. Eine vollständige Riege von Lula-Berufungen hätte damit ab 2028 eine Zweidrittelmehrheit.
Lula sucht laut einem Bericht von Valor vom 3. November eher heterodoxe Kandidaten. Ein diskutierter Name ist André Roncaglia, Brasiliens Exekutivdirektor beim IWF. Lula hat sich mit Senatspräsident Davi Alcolumbre darauf verständigt, noch in diesem Monat Nominierungen für zwei Sitze der Notenbank vorzulegen: für die Direktoren für Organisation und Beschluss des Finanzsystems sowie für Wirtschaftspolitik, die seit Januar vakant sind. Ob David und Santos erneut berufen werden, ist unklar, da Lula frische Perspektiven im Direktorium wünscht.
Ein dementiertes Gerücht und ein schwächerer Markt
Finanzminister Dario Durigan dementierte am 2. November, dass Beamte eine Obergrenze für Zinsen prüften. Er schloss auch aus, Devisenreserven einzusetzen, um den Real stabil zu halten. Zuvor hatte es tagelang Marktgerüchte über Ideen des Ökonomen André Lara Resende gegeben.
Eine Obergrenze würde bedeuten, dass gewählte Politiker und nicht die Notenbank darüber entscheiden, wo die Zinsen liegen. Anleger betrachten die Unabhängigkeit der Notenbank als Säule von Brasiliens Glaubwürdigkeit. Deshalb kann selbst ein dementiertes Gerücht die Händler bewegen.
Die Märkte wurden unruhig, nachdem der O Globo-Kolumnist Lauro Jardim am 1. November berichtet hatte, Lula könne Lara Resende treffen. Lara Resende ist ein Architekt des Real-Plans von 1994 und hat unkonventionelle Wege zur Senkung des Selic vorgeschlagen, darunter ein ausdrückliches Zinsziel. Durigan sagte, ein Treffen der beiden sei nicht angesetzt.
EWZ, der in den USA notierte Fonds, der brasilianische Aktien abbildet, fiel am Montag um 0,9 Prozent auf 32,16 US-Dollar, zwei Tage vor der Entscheidung. Seit dem Schlusskurs von 33,62 US-Dollar am 28. Oktober hat er rund 4 Prozent verloren. Der Dollar-Real-Kurs lag am Montagabend bei etwa 5,44 Real je Dollar und veränderte sich im Tagesverlauf kaum. Lula traf Galípolo am 28. Oktober im Palácio da Alvorada, um über die Verschuldung der Haushalte zu sprechen. Durigan hat die Höhe des Selic als Engpass für die Wirtschaft bezeichnet.
Wie es weitergeht
Jeder Nominierte braucht die Zustimmung des Senats, und der Wirtschaftsausschuss befragt die Kandidaten zuerst.
Seit 2021 macht ein Gesetz die Notenbank unabhängig, mit festen Amtszeiten für die Direktoriumsmitglieder. Ruhige, aus der Karriere kommende Kandidaten würden den Real stabilisieren, offen politische würden als Bedrohung für die Unabhängigkeit der Notenbank gelesen. Lula hat noch niemanden förmlich nominiert.
Quellen
22- 01Brazil's central bank ends run of rate cuts after Lula election winEN
- 02Lula seeks Central Bank shake-up to accelerate rate cutsEN
- 03Lula Can Fill Six Brazil Central Bank SeatsEN
- 04Brazil Denies Plan to Cap Interest RatesEN
- 05Brazil election: Five economic challenges facing Brazil’s re-elected President LulaEN
- 06OpenAI is already trying to shape the 2028 electionEN
- 07What’s next for US energy policy after the midterm elections?EN
- 08Elon Musk’s record election bet backfired. The backlash may reach beyond one billionaireEN
- 09Election Deniers Aren’t Contesting Their Massive LossesEN
- 10Sierra Club Response to Midterm Election ResultsEN
- 11Blood banks targeted in latest European fridge cyberattacksEN
- 12 AI data centers comprehensively defeated at US midterm elections — 45 measures put on the ballot as Americans overwhelmingly vote against developments EN
- 13 Upgrade to an OLED display for only $269 at Walmart — Acer's 27-inch Nitro gaming monitor has a superfast 240Hz refresh rate and crisp WQHD resolution EN
- 14The First AI Slop Election Is Over. The Slop Isn’t Going Anywhere.EN
- 15Hackers Hit Banks of the Cash and Blood Variety in FranceEN
- 16Researchers asked people to use AI chatbots for election info – results were mixedEN
- 17Schrödinger’s Election: AI Data Centers Were on the Ballot Even When They Weren’tEN
- 18 Tachyum, developer of heavily-delayed universal Prodigy processor, voluntarily files for bankruptcy EN
- 19Post-Hoc Live: What the US midterm elections mean for biopharmaEN
- 20Brightspeed swaps CEOs as it reportedly nears bankruptcyEN
- 21Federal Reserve Board announces approval of application by The Bank of Nova ScotiaEN
- 22Price hikes aren’t all that’s at stake in FirstEnergy Ohio’s rate caseEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.