Nature-Studie mit 101.243 Scans verbindet braunes Fett mit geringerem Diabetes- und Herzrisiko
Eine Nature-Studie mit 101.243 Patientenscans ergab: Wer nachweisbares braunes Fett hatte, hatte ein um 58 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und ein um 47 Prozent geringeres Risiko für chronische ischämische Herzkrankheit. Losartan gilt als Kandidat, das Gewebe zu aktivieren.

Was die Studie fand
Forscher der Rockefeller University werteten 18F-FDG-PET-CT-Scans von 101.243 Erwachsenen aus, die zwischen Juni 2009 und Juli 2024 aufgenommen worden waren. Ein KI-System spürte braunes Fett auf, wie aus dem Nature-Artikel hervorgeht [9].
Bei 8.709 Patienten war braunes Fett nachweisbar [9]. Diese Patienten hatten ein um 58 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und ein um 47 Prozent geringeres Risiko für chronische ischämische Herzkrankheit, außerdem traten Angstzustände und Depressionen bei ihnen seltener auf [9][7]. Je aktiver das braune Fett war, desto größer schien der Nutzen zu sein [1]. Der Datensatz ist etwa doppelt so groß wie die Analyse des Labors von 2021 mit rund 50.000 Patienten [10]. Die Anlage der Studie ist retrospektiv, deshalb zeigt sie einen Zusammenhang und keine Ursache [1][7].
Braunes Fett verbrennt Energie als Wärme, statt sie zu speichern. Deshalb wird es seit Jahren als metabolisches Ziel verfolgt [2][11]. Bis Mitte der 2000er Jahre ging man davon aus, dass Erwachsene das Gewebe nach der Säuglingszeit verlieren; drei Arbeiten im New England Journal of Medicine zeigten 2009, dass es bleibt und auf Kälte reagiert [2]. Das Team berichtete außerdem über bessere glykämische Parameter, Lipidprofile und echokardiografische Indizes in der Gruppe mit braunem Fett sowie über niedrigere Entzündungsmarker [10]. Höhere Aktivität in einem Depot, der Achselhöhle, ging mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck einher [10].
Das Signal bei Losartan
Patienten, die Angiotensin-Rezeptor-Blocker einnahmen, hatten auf ihren Scans häufiger nachweisbares braunes Fett [10][11].
Losartan, ein ARB mit bekanntem Sicherheitsprofil, steigerte anschließend die Stoffwechselaktivität in kultivierten braunen Fettzellen und bei Mäusen. Die Tiere verbrannten mehr Energie und verbrauchten mehr Sauerstoff [9][11]. Behandelte Mäuse produzierten zudem mehr Kohlendioxid, ohne signifikante Unterschiede bei Körpergewicht, Fettmasse oder körperlicher Aktivität [11]. Der Effekt lief über andere molekulare Pfade als die, die den Blutdruck senken [1][10]. "Dass seine verschiedenen Wirkungen über verschiedene molekulare Pfade vermittelt werden, ist von Vorteil, denn das bedeutet, dass wir sie in künftigen Therapien möglicherweise isolieren können", sagte Nicolás Gómez-Banoy, Endokrinologe an der Rockefeller University [1]. Eine Isolierung könnte es grundsätzlich erlauben, braunes Fett zu stimulieren, ohne den Blutdruck zu berühren [1].
Die Studie zeigte nicht, dass das Medikament beim Menschen den Stoffwechsel steigert oder Gewichtsverlust verursacht. Losartan bleibt ein verschreibungspflichtiges Medikament für zugelassene Anwendungen [11].
Wie die Daten entstanden
Die Arbeit stammt aus dem Laboratory of Molecular Metabolism der Rockefeller University unter Leitung von Paul Cohen, zusammen mit den Forschern Heiko Schöder und Daniel Lafontaine vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center [10]. Ein am Krebszentrum entwickeltes Machine-Learning-Werkzeug quantifizierte die Aktivität in sechs Depots: supraklavikulär, zervikal, axillär, mediastinal, paraspinal und abdominal [9][10]. Patienten mit braunem Fett wurden über Propensity Scores mit Kontrollen ähnlichen Alters, Geschlechts, BMI und ähnlicher Außentemperatur abgeglichen [9]. Die neue Analyse prüfte mehr als 500 diagnostische Codes, während die Studie von 2021 nur eine Handvoll betrachtet hatte [10]. "Der Umfang dieser neuen Analyse ist weitaus größer", sagte Cohen [10].
Die Einschränkungen
Die Population ist eng gefasst, was die Reichweite der Ergebnisse begrenzt. Alle Teilnehmer hatten eine Krebsdiagnose, mehr als drei Viertel waren Frauen [1]. Mäuse sind zudem weit stärker auf braunes Fett angewiesen als Menschen. Bei kleinen Säugetieren kann das Gewebe 10 Prozent des Körpergewichts erreichen, während menschliche Depots mit dem Alter schrumpfen und oft ruhen [1][2]. Das Ergebnis zur psychischen Gesundheit ist unter allen am wenigsten erklärt. Ein Co-Autor vermutete, dass Menschen mit braunem Fett ein gesünderes Stoffwechselprofil haben und deshalb weniger psychiatrische Probleme, doch der Mechanismus wird noch untersucht [7][17].
"Es braucht mehr Arbeit, um zu beweisen, dass braunes Fett tatsächlich all diese Vorteile verursacht", sagte Irfan Lodhi [7][8]. Er ist Molekularbiologe an der Washington University in St. Louis.
Wie es weitergeht
Auch praktische Wege, die Aktivität braunen Fetts zu steigern, sind ungelöst: Kälteexposition ist nicht immer praktikabel, und vorhandene aktivierende Medikamente haben Nebenwirkungen [7]. Das pharmakologische Profil der Studie identifizierte Losartan als Kandidaten für weitere Untersuchungen, doch seine Wirkung auf menschliches braunes Fett wurde nicht in klinischen Studien getestet [9]. Cohen beschrieb den Datensatz als Screening-Plattform. "Der Traum ist, dass wir solche Daten als Plattform nutzen können, nicht nur um neue Biologie zu lernen, sondern vielleicht auch, um bereits zugelassene Medikamente umzuwidmen und braunes Fett beim Menschen zu aktivieren", sagte er [7][8].
Quellen
23- 01Brown Fat Activation Burns White Fat and Is Linked to Lower Type 2 Diabetes Risk, Study FindsEN
- 02AI study of 101,000 patients links brown fat to heart and mental healthEN
- 03Researchers Discover a Commonly Prescribed Blood-Pressure Drug May Stimulate Healthy Brown FatEN
- 04Blood pressure drug may boost metabolism by activating brown fat, study findsEN
- 05Brown Fat Can Be Beneficial For The Body – And a Blood Pressure Drug Could Turn It OnEN
- 06The body fat linked to better mental and physical health – according to expertsEN
- 07The body fat linked to better mental and physical health – according to expertsEN
- 08The surprising truth about your body's brown fat, according to Harvard professorsEN
- 09Natural hormone unlocks a hidden fat burning switch - Science DailyEN
- 10Scientists discover a hidden switch that burns fat and blocks new fat cells - Science DailyEN
- 11What to know about berberine, the so-called "nature's Ozempic" - UCLA HealthEN
- 12Is peanut butter healthy? Here's what the evidence actually says - BBCEN
- 13Stratos Data Center Will Emit Air Pollution That’s Linked to Premature Deaths and Health Economic Damages for Utah & States DownwindEN
- 14STAT+: CVS Health to split, reversing years of deal-making to combine pharmacies and insuranceEN
- 15Top health takeaways from the midterm electionsEN
- 16STAT+: Democrats win power to push back on Trump’s health care movesEN
- 17Less than 42 minutes of bright daylight linked to higher dementia riskEN
- 18STAT+: FDA, CMS look to collaborate with states on health AIEN
- 19Six popular sugar substitutes linked to faster brain agingEN
- 20Common pesticide linked to 2.5 times the risk of Parkinson’s diseaseEN
- 21The biggest conversations in health techEN
- 22LinkedIn Uses OpenTelemetry to Trace the Member Journey from Tap to BackendEN
- 23How Spiders Spin ‘Silk Dope’ Into Nature’s Toughest MaterialEN
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