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Bodenpeptid Manikomycin bindet eine Ribosomenstelle, die noch kein anderes Antibiotikum angriff

Wissenschaftler der University of Illinois Chicago berichten in Nature, dass Manikomycin, ein Peptid aus einem Bodenbakterium, E. coli und arzneimittelresistente Klebsiella pneumoniae abtötet. Es bindet an eine Ribosomenstelle, die noch kein anderes Molekül zum Ziel hatte. Im Blutkreislauf bleibt es allerdings noch nicht lange genug.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 5. November 20263 Min. LesezeitQuellen 14
Bodenpeptid Manikomycin bindet eine Ribosomenstelle, die noch kein anderes Antibiotikum angriff

Dmitrii Travin, Assistenzprofessor für Pharmazeutische Wissenschaften an der University of Illinois Chicago und Erstautor der Nature-Arbeit, sagte in einer Mitteilung der UIC: „Dieses neue Antibiotikum ist erstaunlich, weil es eine Stelle der Ribosomen angreift, die zuvor noch kein anderes Molekül zum Ziel hatte.“ Etwa ein Drittel aller derzeit verschriebenen Antibiotika wirkt laut Travin auf die Ribosomen.

Das ist wichtig, weil Bakterien bereits Abwehrmechanismen gegen die Ribosomenstellen besitzen, die heutige Medikamente nutzen. Indem Manikomycin an eine neue Stelle bindet, umgeht es diese Abwehr. Alexander Mankin, Distinguished Professor am Retzky College of Pharmacy der UIC und Mitautor, sagte: „Bakterien müssen große Anstrengungen unternehmen, um Resistenzen zu finden.“

Nach dem Andocken blockiert Manikomycin den Austritt eines wichtigen Moleküls aus dem Ribosom. Die Proteinsynthese kommt dadurch vollständig zum Erliegen. Ohne Proteine kann das Bakterium weder wachsen noch überleben.

Wie die Verbindung gefunden wurde

Manikomycin ist ein Peptid, das Streptomyces rimosus auf natürliche Weise produziert. Das Bodenbakterium ist seit Jahrzehnten als Quelle von Oxytetracyclin bekannt, einem Antibiotikum, das seit den 1950er Jahren in Gebrauch ist. Viele Forscher nahmen an, dass diese Art kaum noch etwas zu bieten habe.

Der Weg zurück zu ihr führte über das Antibiotika-Entdeckungszentrum der McMaster University in Kanada. Dort durchmusterten Partner Material aus 255 Bakterienstämmen der Wright Actinomycetes Collection. Statt Rohmischungen zu analysieren, trennten sie die chemischen Produkte des Bakteriums in kleinere Fraktionen auf. So konnten sie auch Verbindungen nachweisen, die nur in geringer Menge gebildet werden.

Mankin verglich den Fund mit einem Abendessen, bei dem alle dem Steak nachjagen und den schwarzen Kaviar im kleinen Schälchen übersehen.

Laborergebnisse und die Einschränkungen

Gegen E. coli überlebten von zehn Milliarden exponierten Bakterien etwa drei oder vier und konnten genetische Resistenz weitergeben. Bei den arzneimittelresistenten Klebsiella pneumoniae überlebten mehr: etwa eines von hundert Millionen. Das sind Zahlen aus dem Labor, keine Vorhersage für Patienten.

Manikomycin gelangt außerdem über mehrere Transportwege in die Bakterienzellen. Nach Einschätzung der Forscher könnte das die Entwicklung von Resistenzen erschweren.

Derek Lowe, ein Medizinalchemiker, der unabhängige Kommentare für die Zeitschrift Science schreibt, nannte Manikomycin ein „wirklich gutes Beispiel“ für eine übersehene Verbindung. Er schrieb jedoch, es wirke gegen „ausgewählte Arten“ von Bakterien, nicht gegen alle, und versage bei den meisten Gram-positiven Bakterien, zu denen auch Staphylokokken-Infektionen gehören. Es „wird kein Wundermittel“, schrieb er.

Was zwischen Labor und Klinik steht

Mankin sagte, Manikomycin halte sich im Blutkreislauf nicht lange genug, um Bakterien in Tieren oder Menschen wirksam abzutöten. „Es gibt mehrere Punkte an diesem Antibiotikum, die verbessert werden müssen, bevor es ein klinisch eingesetztes Medikament werden kann“, sagte er.

Das Team kennt die chemische Struktur und weiß genau, wie die Verbindung an das Ribosom bindet. Partner an der Universität Hamburg gewannen eine hochauflösende Struktur der an das Ribosom gebundenen Verbindung. Die Forscher klärten zudem, wie sich das produzierende Bakterium selbst schützt. Dieser Mechanismus könnte nach ihrer Einschätzung Anpassungen anleiten, die ähnliche Resistenzstrategien überwinden.

„Wenn man eine Waffe herstellt, muss man sich gegen sie schützen“, sagte Travin.

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Quellen

14
  1. 01New antibiotic from soil bacteria targets drug-resistant superbugsEN
  2. 02New Antibiotic Found in Dirt Targets Superbugs in a Way 'Never Been Seen Before'EN
  3. 03New antibiotic manikomycin could help fight drug resistant superbugsEN
  4. 04How to fight back against superbugs, according to an antibiotic expertEN
  5. 05The Jumbophage Cocktail: Fighting Superbugs and Shrimp Disease | Newswise - NewswiseEN
  6. 06McMaster University uncovers natural antibiotic cocktail that suppresses multidrug-resistant superbugsEN
  7. 07New antibiotic manikomycin could help fight drug resistant superbugsEN
  8. 08Scientists revive a powerful antibiotic that superbugs had defeatedEN
  9. 09Alternative therapies may offer a new way to fight antibiotic resistanceEN
  10. 10The Jumbophage Cocktail_Fighting Superbugs and Shrimp DiseaseEN
  11. 11CrowdStrike launches AI kill switch that it says can stop internal agents that go rogueEN
  12. 1275,000-year-old Neanderthal may have been killed by a spear aimed at the heartEN
  13. 13Scientists discover a bacterial defense so strange they thought it was brokenEN
  14. 14Scientists reveal a hidden snakebite crisis killing up to 513,000 people a yearEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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