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EU-Task-Force untersucht Hackerangriffe auf Supermarkt-Kühlanlagen, deutsche Polizei ermittelt

Die EU-Kommission hat am 3. November eine interinstitutionelle Task-Force mit ENISA und Europol einberufen. Zuvor hatten Cyberangriffe in Supermärkten in mindestens sechs EU-Ländern die Temperaturen von Kühlschränken und Gefriertruhen hochgetrieben. Die deutsche Polizei ermittelt separat in einem Edeka-Markt in Reisbach in Niederbayern, wo Kühlanlagen auf 50°C aufgeheizt wurden.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 4. November 20264 Min. LesezeitQuellen 20
EU-Task-Force untersucht Hackerangriffe auf Supermarkt-Kühlanlagen, deutsche Polizei ermittelt

Ahold Delhaize meldet einen Vorfall, der am Montag Kühlsysteme in Dutzenden Delhaize-Märkten in Belgien und Luxemburg traf. Lebensmittel mussten entsorgt werden. Die Filialen sind nach Angaben des Unternehmens wieder voll in Betrieb.

Für Kunden sind leere Regale das sichtbare Ergebnis, für den Handel abgeschriebene Ware. Für die Aufsichtsbehörden geht es jetzt um die Frage nach Notfallplänen. Öffentlich hat bislang niemand den Angreifer benannt.

Die Colruyt Group meldet, dass fünf ihrer Spar-Märkte in Belgien betroffen waren. Carrefour teilte der BBC mit, 15 belgische Filialen seien angegriffen worden. Intermarché nannte 15 seiner 153 belgischen Märkte. ICA, Schwedens größter Lebensmittelhändler, bestätigte einen Vorfall in einer begrenzten Zahl von Filialen, die an Netzen außerhalb der zentralen Systeme hängen. Auch Kesko in Finnland, Supervalu in Irland und One Selver in Estland meldeten Störungen ihrer Kühlsysteme. Coop-Märkte in Schweden waren laut Tom's Hardware ebenfalls betroffen.

IKEA teilte mit, ein Cybervorfall habe zwischen Sonntag und Montag Kühlschränke und Gefriertruhen im Monser Markt in Belgien beeinträchtigt. Der Markt blieb geöffnet, während das Unternehmen die betroffenen Geräte und Produkte prüfte und die Anlagen in seinen übrigen belgischen Filialen kontrollierte. Ein Sprecher sagte, die Auswirkungen auf das Restaurant und den Swedish Food Market seien begrenzt gewesen.

Heise berichtete am 3. November, in einem Edeka-Markt in Reisbach in Niederbayern seien die Kühlanlagen in der Nacht zum Montag auf 50°C aufgeheizt worden. Große Mengen an Lebensmitteln mussten weggeworfen werden.

Der Betreiber veröffentlichte auf Facebook ein Foto von Lebensmitteln in einem Abfallcontainer und schrieb, der Vorfall habe die Belegschaft wütend gemacht. Er verteidigte den Internetanschluss des Marktes: Die Fernüberwachung erkenne Stromausfälle und Kältemittelverlust in der Nacht. Heise meldete zudem erste deutsche Fälle in Nordrhein-Westfalen. Die Polizei Niederbayern will sich mit den Behörden der anderen betroffenen Länder abstimmen.

Das Muster hat schon einmal den Atlantik überquert. In den Kantinen von sechs US-Militärstützpunkten fielen Ende August Gefriergeräte aus. Das Pentagon behandelt die Fälle als mutmaßlichen Hack und stimmt sich mit den französischen Behörden ab. Das berichtete Reuters im Oktober unter Berufung auf vier mit der Sache vertraute Personen.

Die Aufsicht schaltet sich ein

CNBC berichtete am 3. November, die EU-Kommission stehe in direktem Kontakt mit den nationalen Behörden.

Politico meldete am 2. November, Landwirtschafts- und Lebensmittelkommissar Christophe Hansen werde die Angriffe auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Security College setzen. Das Treffen soll bewerten, wie es um die Notfallpläne des Handels und dessen Fähigkeit steht, auf Vorfälle zu reagieren. "Europas Lebensmittelkette muss auf neue und sich wandelnde Bedrohungen vorbereitet sein", sagte Hansen. Die wiederholten Cyberangriffe auf Supermärkte seien zutiefst besorgniserregend. Sie verursachten dem Handel wirtschaftliche Verluste und den Verbrauchern leere Regale.

Der französische Präzedenzfall und die Hardware

Es ist die zweite Welle binnen weniger Wochen. Im Oktober wurden Hunderte französische Supermärkte Opfer eines Cyberangriffs, der Brände auslöste, Kühltemperaturen in die Höhe trieb und Lebensmittel verdarb. Les Mousquetaires, Eigentümer von Intermarché, rechnete damals gegenüber CNBC mit Schäden in Millionenhöhe.

Heise berichtete am 3. November, die französischen Angriffe hätten Sicherheitslücken in älteren, internetfähigen Steuergeräten von Danfoss ausgenutzt. Die Angreifer schalteten die Kühlgeräte nicht einfach ab, sondern hoben die Temperaturen weit über sichere Werte an. Die Lebensmittel verdarben. Ob die neuen Fälle dieselbe Methode nutzten, ist nicht bestätigt.

Tom's Hardware meldete am 2. November, die belgische Nachrichtenagentur Belga datiere den Beginn der belgischen Welle auf etwa Mitternacht am Sonntag. Sabcobel, ein Kältetechniker aus der Region, schätzte, dass in ganz Belgien mindestens zwanzig Anlagen betroffen waren. Stephan Moelans, CEO des Unternehmens, sagte, die Geräte müssten physisch verändert werden. Eine sichere Internetverbindung sei die einfachste Übergangslösung. Die meisten Kunden von Sabcobel hätten das nach dem Angriff in Frankreich bereits getan, heißt es in dem Bericht.

Intermarché teilte mit, einige seiner Märkte hätten Warenverluste erlitten, allerdings nichts Vergleichbares zu dem Angriff Mitte Oktober. Der Großteil der Attacke habe andere Akteure der Branche getroffen, vor allem Carrefour und Delhaize, sagte ein Sprecher.

Was weiterhin unklar ist

Die bayerische Polizei hat nicht bestätigt, dass ein Cyberangriff den Vorfall in Reisbach verursacht hat. Ob die deutschen Fälle mit den übrigen zusammenhängen, ist offen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat wegen der neuen Fälle eine Warnung herausgegeben. Es verwies auf frühere Angriffe in Polen und bezeichnete diese als rein zerstörerische Sabotage, die leicht zu vermeiden gewesen wäre. Der Kern der Empfehlung: die Systeme vom Internet trennen und VPN-Tunnel, Mehrfaktorzugang, Blocklisten, Protokollfilter und Updates nutzen. Die Behörde erklärte, ihre Empfehlungen gälten unabhängig von einem konkreten Angriff.

Die Regulierung wird ohnehin strenger. Nach dem Cyber Resilience Act gelten für Hersteller vernetzter Geräte ab Dezember 2027 strengere Sorgfaltspflichten. Aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle müssen sie seit dem 11. September 2026 melden.

Wie hoch die Rechnung am Ende ausfällt und wer sie bezahlt, ist noch offen.

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Quellen

20
  1. 01Supermarket fridges hit with cyberattacks across Europe: here's what's happeningEN
  2. 02Cyberangriffe auf Kühlschränke: Erste deutsche Fälle in Bayern und NRWDE
  3. 03EU Commission to probe supermarket cyberattacksEN
  4. 04Supermarket freezers across Europe struck in second crippling cyberattackEN
  5. 05Importance of timely Cyberattack Reporting for Critical Infrastructure - Cybersecurity InsidersEN
  6. 06Nigeria’s Digital Infrastructure Exposed As Cyberattacks Hit 4,361 Weekly - LEADERSHIP NewspapersEN
  7. 07Moldova investigates massive cyberattack on national identity infrastructureEN
  8. 08Binance breach puts custody at center of crypto infrastructure tradeEN
  9. 09Moldova investigates possible foreign involvement in major government cyberattackEN
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  11. 11Belgium's Tax Portal Goes Dark After Cyberattack, Forcing Government to Push Back Filing DeadlineEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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