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Milliarden für KI: Wie Geld und Werkzeuge die Synthetische Biologie umbauen

Forscher und Investoren stecken Milliarden in die Synthetische Biologie. Neue KI-Werkzeuge und geopolitische Spannungen zwingen die Institute, Förderung und Absicherung ihrer Arbeit neu zu ordnen.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 9. Oktober 20266 Min. LesezeitQuellen 11
Milliarden für KI: Wie Geld und Werkzeuge die Synthetische Biologie umbauen

Am 8. Oktober kündigte Fujitsu eine Zusammenarbeit mit dem Bundesstaat New Mexico an, um ein Forschungszentrum für Quantencomputing aufzubauen. Die Partnerschaft steht für einen breiteren Vorstoß von Regierungen und Industrie, sich die nächste Generation von Rechenwerkzeugen zu sichern. Für die Modellierung komplexer biologischer Systeme werden diese Werkzeuge immer wichtiger. Der Schritt fällt in eine Zeit, in der die Einstiegskosten für die Forschung in der Synthetischen Biologie weiter steigen. Sie verlangt eine aufwendigere Infrastruktur als klassische Laborarbeit.

Geld und Modelle

Das finanzielle Ausmaß der jüngsten Zusagen lässt sich kaum übersehen. Laut einem Bericht von Unite.AI haben Biohub, das Energieministerium und die NIH 1.800.000.000 Dollar für eine Virtual Biology Initiative zugesagt. Das Geld soll offene Daten für KI-Modelle aufbauen, die Krankheiten vorhersagen und behandeln können. Die Initiative markiert einen Wechsel vom reinen Experiment im Nasslabor zu einem hybriden Modell. In diesem Modell spielen digitale Zwillinge und Simulationen eine zentrale Rolle bei der Wirkstoffsuche und beim Verständnis biologischer Vorgänge.

Der Kapitalfluss verläuft allerdings nicht reibungslos. In einer Podcast-Folge von STAT News ging es darum, wie die Unsicherheit bei der Förderung durch die National Institutes of Health US-Forscher trifft. Zu Gast war Heather Pierce, Senior Director of Science Policy bei der Association of American Medical Colleges. Die Folge zeigte die Verunsicherung von Wissenschaftlern, die auf Bundesmittel angewiesen sind. Die Zusage über 1.800.000.000 Dollar ist erheblich, beseitigt aber nicht die breitere Instabilität, die die Finanzierung der biomedizinischen Forschung in den letzten Jahren belastet hat. Forscher müssen ihre Geldquellen nun breiter aufstellen. Sie wenden sich an Partner aus der Wirtschaft und an internationale Kooperationen, um ihre Projekte am Leben zu halten.

Der KI-Beschleuniger

Künstliche Intelligenz ist für die Synthetische Biologie längst nicht mehr nur ein Werkzeug. Sie wird zum wichtigsten Antrieb des Feldes. Google DeepMind stellte am 4. Oktober SynthID Bio vor, ein Wasserzeichenverfahren für die Synthetische Biologie. Die Technik bettet eine unsichtbare Signatur in den biologischen Code von KI-erzeugten Proteinen ein. So lässt sich die Herkunft eines biologischen Entwurfs prüfen und belegen, welches Modell ihn erzeugt hat. Das Unternehmen erklärte, in Tests im Nasslabor hätten markierte Entwürfe dieselbe Trefferquote und Bindungsaffinität erreicht wie unmarkierte Fassungen. Für die Biosicherheit ist das ein wichtiger Schritt. Es entsteht eine konkrete Prüfebene, die sich direkt in den biologischen Entwurf einbauen lässt.

Microsoft Research wählte einen anderen Weg und stellte am 29. September Quine vor, ein multimodales Weltmodell der Biologie. Das System verbindet Modelle, wissenschaftliche Werkzeuge, Fachliteratur und Forscher in einer interaktiven Umgebung. Gemeinsam mit dem Broad Institute von Harvard und MIT nutzten Forscher Quine, um Verbindungen zu priorisieren, die den therapeutischen Zustand von Tumoren verändern sollen. Mehrere der am höchsten eingestuften Kandidaten wurden in mehreren Assays im Nasslabor bestätigt. Das zeigt, dass KI über die reine Vorhersage hinaus zur aktiven Experimentierphase vordringt. Diese Fähigkeit zieht erhebliche Investitionen der großen Technologiekonzerne an.

Sicherheit und Spionage

Der schnelle Fortschritt dieser Technologien ist staatlichen Akteuren nicht entgangen. Der MI5 warnte am 30. September, wie BBC News berichtete, dass mehr als 100 Akademiker mit Verbindungen zu britischen Einrichtungen unwissentlich Chinas Spionageoperationen unterstützt hätten. Der Warnhinweis nannte das China General Technology Research Institute (CGTRI) als Tarnfirma des Ministeriums für Staatssicherheit. Der MI5 erklärte, der Hauptzweck von CGTRI sei es, akademische Forschung zu finanzieren, die Chinas technische Fähigkeiten für Spionage unmittelbar verbessert. Zu den Forschungsfeldern gehörten KI, Cybersicherheit und verdeckte Kommunikationssysteme. Das zwingt Universitäten, ihre Kooperationen mit chinesischen Einrichtungen zu überprüfen. Für Forscher in der Synthetischen Biologie, die auf internationalen Datenaustausch angewiesen sind, entsteht eine neue bürokratische und rechtliche Belastung.

The Hacker News berichtete, der Warnhinweis halte fest, dass Einrichtungen, die weiter kooperieren, nach dem National Security Act 2023 strafrechtlich verfolgt werden könnten. Die chinesische Botschaft wies die Vorwürfe als "imaginär und rein erfunden" zurück. Dieser diplomatische Streit bringt eine weitere Variable in die Finanzierungsgleichung. Forscher, die auf grenzüberschreitende Kooperationen setzen, müssen mit Verzögerungen oder Absagen rechnen, während die Einrichtungen Sicherheitsprüfungen durchführen. Die Kosten der Regelkonformität steigen. Sie werden in Form von Verwaltungsaufwand und Unsicherheit an die Forscher selbst weitergegeben.

Open Source und Community

Nicht alle Entwicklungen gehen auf staatliche oder unternehmerische Interessen zurück. Auch die Open-Source-Community trägt erheblich bei. Nous Research sammelte am 7. Oktober 90.000.000 Dollar ein, um KI zu entwickeln, die den Menschen dient, wie die Ankündigung des Unternehmens mitteilt. Mit dem Geld soll Hermes for Businesses entstehen, ein Agent, mit dem Unternehmen ihre eigenen Intelligenz-Stacks verbessern und besitzen können. Nous Research betonte, die Grenzkosten für die Vervielfältigung von Software seien stark gefallen. Das Unternehmen will seine Werkzeuge verbreiten statt sie einzuschließen. Dieser Ansatz unterscheidet sich von den geschlossenen Ökosystemen der großen Tech-Konzerne. Er bietet eine Alternative für kleinere Forschungsgruppen, denen die Mittel für eine eigene KI-Infrastruktur fehlen.

Anthropic startete am 8. Oktober den OSS Scanner, einen freiwilligen Dienst zur Suche nach Schwachstellen in Open-Source-Software. Der Dienst nutzt Claude, um Schwachstellen in Open-Source-Code zu finden. Er ist in erster Linie ein Werkzeug für Cybersicherheit, doch die zugrunde liegende Technik ist auch für die Synthetische Biologie relevant. Je komplexer biologische Entwürfe werden und je stärker sie für Simulation und Datenverwaltung auf Software setzen, desto mehr wird die Sicherheit des Codes selbst zur Frage der biologischen Sicherheit. Anthropic hat in den vergangenen sechs Monaten über 29.000 mögliche Schwachstellen gefunden, was das Ausmaß des Problems zeigt. Für Open-Source-Projekte ist der Dienst kostenlos, und dazu gehören womöglich viele Werkzeuge, die in der Synthetischen Biologie zum Einsatz kommen.

Der Weg nach vorn

Die Förderlandschaft der Synthetischen Biologie verändert sich schnell. Die Zusage über 1.800.000.000 Dollar von Biohub und seinen Partnern schafft eine stabile Basis für datengetriebene Forschung. Zugleich sorgen staatliche Akteure für zusätzliche Komplexität, sowohl durch Spionage als auch durch Sicherheitsbedenken, und die müssen Forscher bewältigen. KI-Werkzeuge wie SynthID Bio und Quine beschleunigen Entdeckungen, werfen aber neue Fragen zu Sicherheit und Herkunft auf. Die Open-Source-Community springt ein und liefert Werkzeuge, die zugänglich und transparent sind. Für viele Einrichtungen bleiben die Einstiegskosten dennoch hoch.

Da das Geld aus mehreren Quellen fließt, müssen Forscher diese unterschiedlichen Elemente zu einer stimmigen Strategie zusammenführen. In den nächsten Jahren dürften sich die Anstrengungen bündeln, und einige Werkzeuge und Plattformen werden sich als Industriestandards durchsetzen. Entscheidend wird sein, die Offenheit und Zusammenarbeit zu erhalten, die das Feld vorangebracht haben, und zugleich die berechtigten Sicherheitsbedenken aufzugreifen. Es steht viel auf dem Spiel, und das Tempo ist hoch. Wer sich an dieses neue Umfeld anpasst, ist am besten aufgestellt, um die nächsten Durchbrüche in der Synthetischen Biologie zu erzielen.

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Quellen

11
  1. 01Fujitsu and New Mexico to Establish Quantum Computing Research CenterEN
  2. 02NIH funding uncertainty thwarts U.S. researchersEN
  3. 03SynthID Bio: Watermarking methods for synthetic biologyEN
  4. 04Introducing Quine: An AI research system designed for the complexity of biologyEN
  5. 05China funding UK research and sending it to Beijing's spies, MI5 warnsEN
  6. 06MI5 Says China’s MSS Funded Research Involving 100+ U.K.-Linked AcademicsEN
  7. 07Nous Research raises $90M in new fundingEN
  8. 08Launching an opt-in vulnerability-finding service for open-source softwareEN
  9. 09Weight-loss drugs show signs of slowing biological aging, say drugmakersEN
  10. 10EU cyber and science researchers are testing Chinese AI modelsEN
  11. 11Fired OpenAI safety researchers dispute misconduct claims, warn of chilling effectEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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