McGill-Studie: Angst lässt bei Mäusen die Grenze zwischen Gefahr und Sicherheit verschwimmen
Angst bringt bei Mäusen die Hirnkarten von sicheren und gefährlichen Orten dazu, sich zu überlappen statt sich zu trennen. Das berichtet eine Studie der McGill University, veröffentlicht in Nature Neuroscience und am 3. November von ScienceDaily beschrieben.
Die Arbeit unter Leitung von Forschern des Douglas Research Centre der McGill University und der University of Toronto-Scarborough nutzte erweiterte Realität und Bildgebung des Gehirns in Echtzeit, um zu beobachten, wie Mäuse Erinnerungen an bedrohliche und harmlose Umgebungen speicherten. ScienceDaily berichtete am 3. November über die Ergebnisse.
Die Tiere waren darauf trainiert, eine Umgebung mit Gefahr und eine andere mit Sicherheit zu verbinden. Dabei bildeten sie keine zunehmend getrennten neuronalen Muster für beides aus. Stattdessen begann sich ihre Aktivität im Hippocampus zu überlappen. Die Forscher halten diese Reaktion für nützlich: Informationen über eine Bedrohung lassen sich schneller abrufen, wenn die Umgebung unklar ist.
"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Angst die Grenze zwischen Gefahr und Sicherheit eher verwischt als schärft", sagte der leitende Autor Mark Brandon, außerordentlicher Professor in der Abteilung für Psychiatrie der McGill University und Forscher am Douglas, laut ScienceDaily. "Das könnte verändern, wie Wissenschaftler über Angststörungen und PTSD denken."
Mäuse, die zwischen Räumen teleportiert werden
Der Versuchsaufbau ist der Teil, der heraussticht. Das Team baute eine Arena, in der Bilder und Töne die Tiere zwischen virtuellen Umgebungen wechseln ließen, ohne sie körperlich zu bewegen. Miniaturmikroskope zeichneten dabei Hunderte Neuronen im Hippocampus auf, jener Region, die mit Lernen und Gedächtnis verbunden ist. Robert Rozeske, Assistenzprofessor in der Abteilung für Psychologie der University of Toronto und Erstautor, sagte, die Methode biete "einen Blick von Moment zu Moment darauf, wie das Gehirn zwischen konkurrierenden Karten gefährlicher und sicherer Erinnerungen umschaltet". Herkömmliche Experimente zur Furchtkonditionierung könnten das kaum leisten.
Die klinische Aussage ist die, die man vorsichtig behandeln sollte. Die Studie lief an Mäusen, und der Zusammenhang mit Angststörungen und PTSD beim Menschen ist eine Hypothese, die die Forscher aufstellen, kein Ergebnis, das sie zeigen. Der Bericht von ScienceDaily nennt keine Daten vom Menschen und keine klinische Studie.
Weitere Hirnforschung dieser Woche
Die Angststudie ist eines von mehreren neurowissenschaftlichen Ergebnissen der vergangenen Woche. Am 29. Oktober berichtete ScienceDaily über eine von McGill geleitete Studie in Science Advances, die die Beta-Band-Aktivität im Gehirn von 25 Menschen mit Schizophrenie und 25 gesunden Kontrollpersonen maß. Bei den Patienten waren die Signale schwächer und langsamer. Wer die größten Auffälligkeiten zeigte, hatte auch mehr Mühe, den zeitlichen Ablauf von Bildern und Tönen zu beurteilen, und sprach ungeordneter.
Ebenfalls am 29. Oktober behandelte ScienceDaily eine Studie in Neurology mit 12.772 Erwachsenen in Brasilien, die etwa acht Jahre lang begleitet wurden. Wer am meisten Süßstoffe mit niedrigem oder ohne Kaloriengehalt zu sich nahm, verzeichnete einen um 62% schnelleren Rückgang von Gedächtnis und Denken, was rund 1,6 zusätzlichen Jahren der Hirnalterung entspricht. Die Autoren, darunter Claudia Kimie Suemoto von der Universidade de São Paulo, betonten, das Ergebnis sei ein Zusammenhang und kein Beweis für eine Ursache. Am 27. Oktober veröffentlichten James McPartland von Yale und Kollegen in Nature Mental Health eine Arbeit über EEG-Reaktionen auf Gesichter bei etwa 400 autistischen Kindern, wobei alle 128 Elektroden genutzt wurden statt nur einiger weniger Positionen. Roger Abounader von der UVA beschrieb getrennt einen präklinischen Ansatz gegen Glioblastom, der fokussierten Ultraschall, Nanopartikel und microRNAs kombiniert, in einem ScienceDaily-Bericht vom 1. November.
Außerhalb des Labors sammelten Aspen Neuroscience und Bambusa Geld ein, wie Endpoints News am 30. Oktober berichtete. Google und der Stanford Accelerator for Learning starteten am 26. Oktober "Polar Peaks", eine KI-Lernquest für Schüler zwischen 11 und 14 Jahren rund um das Thema Konnektomik.
Live Science berichtete am 31. Oktober, dass ein Monat VR-Training zweimal pro Woche Studierenden der University of Trento zu Klarträumen verhalf. Die Studie erschien am 28. September in Frontiers in Psychology.
Das Ergebnis von McGill ändert noch keine Behandlung. Es ändert, wonach Forscher im Hippocampus suchen.
Quellen
9- 01The brain's hidden fear mechanism may explain anxiety and PTSDEN
- 02A single brain signal may explain schizophrenia's most puzzling symptomsEN
- 03Six popular sugar substitutes linked to faster brain agingEN
- 04The autistic brain processes faces differently than scientists thoughtEN
- 05Scientists use sound waves to deliver a new attack on deadly brain cancerEN
- 06Aspen Neuroscience lands $141M IPO, while Bambusa secures $169MEN
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