Britische Cyberbehörde: KI-Malware trifft kritische Infrastruktur wohl bis 2028
Das britische National Cyber Security Centre hält es für "sehr wahrscheinlich", dass KI-gestützte Malware bis 2028 bei einem Ransomware-Angriff auf kritische nationale Infrastruktur eingesetzt wird. Das geht aus dem Jahresbericht vom 3. November hervor. Der Chef der Behörde warnt für die kommenden Monate vor einem "beispiellosen Anstieg" von Cybervorfällen.

Das britische National Cyber Security Centre rechnet damit, dass KI-gestützte Malware bis 2028 bei einem Ransomware-Angriff auf die kritische nationale Infrastruktur des Landes zum Einsatz kommt. Das steht im Jahresbericht der NCSC, der am 3. November erschienen ist.
Der Bericht nennt es "sehr wahrscheinlich", dass zwischen jetzt und 2028 KI-gestützte Malware bei einem Ransomware-Angriff auf die britische CNI verwendet worden sein wird, berichtete The Guardian. Zur kritischen nationalen Infrastruktur zählen Energie, Verkehr, Verteidigung, Lebensmittel, Gesundheit und Finanzen. Die NCSC gehört zu GCHQ. Der Bericht hält außerdem fest, dass Russland und China KI "routinemäßig" in Cyberangriffen einsetzen werden. Genannt werden die Aufgaben, bei denen KI hilft: Ziele auskundschaften, Schwachstellen in Netzen finden und Schadcode schreiben.
Für Krankenhäuser, Flughäfen und Kraftwerke stellt sich nicht mehr die Frage, ob KI in einem Angriff auftaucht, sondern wie bald. Der Bericht nennt keinen engeren Zeitraum als 2028. Er sagt auch nicht, welche Modelle gemeint sind.
Richard Horne, Chef der NCSC, spricht am Dienstag. "In den kommenden Monaten steht uns die reale Aussicht auf einen beispiellosen Anstieg der Zahl der Cybervorfälle bevor", wird er sagen.
Horne wird Schwächen verantwortlich machen, die "viel zu lange toleriert" wurden. Der Bericht führt ein Beispiel aus dem vergangenen Monat an: KI half dabei, eine kritische Lücke in PHP zu finden, einer Sprache, die fast 70% der Websites weltweit nutzen. Alan Woodward, Professor für Cybersicherheit an der Universität Surrey, sagte dem Guardian, Verteidiger bräuchten Zugang zu den stärksten Modellen. "Wenn wir den Zugang nicht bekommen, sind die Bösen schneller", sagte er.
Angreifer nutzen bereits industrielle Geräte aus, die aus dem Internet erreichbar sind. Diese Geräte stehen in genau den Anlagen, um die sich der Bericht sorgt.
The Hacker News meldete am 3. November, dass Angreifer CVE-2026-58115 in Siemens SIMATIC IoT2050 Advanced ausnutzen, eine Lücke mit einem Score von 10.0. Die Siemens-Warnung von August beschreibt eine fehlende Authentifizierung in der Node-RED-HTTP-Schnittstelle. Dadurch kann ein nicht authentifizierter Angreifer Code mit höchsten Rechten ausführen. Version 4.3.4.1 oder später behebt das. VulnCheck erklärte, man habe bis zum 30. Oktober Versuche gegen die eigenen Honeypots gesehen. "Die Anfrage des Angreifers war ein vollständiger Exploit", sagte der VulnCheck-Forscher Patrick Garrity. Manche Anfragen hinterließen eine Hintertür, die einen Neustart übersteht.
Auch die Software, mit der KI-Systeme gebaut werden, ist ein Ziel. Die Lücken in Langflow brauchen überhaupt keine Zugangsdaten.
Das Bulletin von IBM, erstmals am 28. Oktober veröffentlicht, behandelt vier Langflow-Lücken. Zwei davon, eine Umgehung der Authentifizierung und ein Fehler, der beliebigen Code ausführt, sind beide mit 9.8 bewertet. Jede Version von 1.0.0 bis 1.12.8 enthält sie, und 1.13.0, erschienen am 22. Oktober, ist die einzige Korrektur, berichtete The Hacker News am 2. November. Die automatische Anmeldung ist in 1.12.8 standardmäßig aktiv, und die eigene Codebeschreibung warnt, sie "umgehe die Authentifizierung". Keine der beiden Lücken stand im Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen von CISA, Stand der Aktualisierung vom 30. Oktober.
Drupal meldet, dass eine "hochkritische" Umgehung der Autorisierung in Commerce Core, CVE-2026-118539, aktiv ausgenutzt wird. Betroffen sind die Versionen 0.0.0 bis 2.41 und 3.0.0 bis 3.3.13. Wiz bezifferte den Anteil der Organisationen, die von separaten PHP2Shell-Lücken deutlich getroffen wurden, auf 52.1%, Stand 25. Oktober.
Auf der politischen Seite bewegen sich Regierungen, allerdings nicht im gleichen Tempo. Zwei Fälle zeigen, wie weit die Antworten auseinanderliegen.
Der Parlamentsausschuss der Ukraine für digitale Transformation sprach bei einem Besuch in Spanien und Polen über KI-Regulierung und Cybersicherheit kritischer Infrastruktur, meldete SUD.UA am 26. Oktober. Die Delegation sah den Supercomputer MareNostrum 5 in Katalonien und führte in Warschau Gespräche über KI in der öffentlichen Verwaltung. Russlands Antwort war strafrechtlich. Ein Moskauer Gericht ordnete am 14. Oktober die Festnahme der RailGallery-Administratoren Denis Yeskov und Anatoly Nagornov an, wie aus Fallakten hervorgeht. Meduza veröffentlichte den Bericht am 19. Oktober; ihnen drohen fünf bis 10 Jahre.
Am 3. November unterzeichneten Bull und Schwarz Digits eine Absichtserklärung zu europäischer KI- und Cloud-Infrastruktur, meldete HPCwire. Beide beschreiben den Plan als unabhängigen, sicheren Stack unter europäischer Gerichtsbarkeit. Schwarz Digits bringt die Cloud STACKIT ein, Bull die KI-Plattform BullSequana und die Fertigung im Rack-Maßstab im Werk Angers. Keines der Unternehmen nannte einen Wert.
Betreiber von Rechenzentren kennen dieselbe Zuverlässigkeitsfrage in kleinerem Maßstab. James Arnold von Badger Meter schrieb in einem gesponserten Beitrag für Data Center Dynamics, die Leistungsdichte pro Rack überschreite inzwischen die praktischen Grenzen der Luftkühlung.
Was all das nicht klärt, ist das Tempo. Das Zeitfenster der NCSC reicht bis 2028. Siemens lieferte eine Korrektur, bevor die Angriffe kamen, und Langflows Patch erschien sechs Tage vor dem IBM-Bulletin. Ob die Betreiber eines von beiden installiert haben, ist nicht öffentlich.
Quellen
8- 01AI-powered malware 'highly likely' to be used to hack UK infrastructure by 2028EN
- 02Attackers Exploit Critical Siemens IoT2050 Flaw to Plant Remote Command BackdoorsEN
- 03Critical Langflow Flaws Could Let Unauthenticated Attackers Run Code on ServersEN
- 04Hackers Actively Exploit Highly Critical Drupal Commerce Core Authorization Bypass FlawEN
- 05Bull and Schwarz Digits Sign MOU to Develop European AI InfrastructureEN
- 06AI in Public Administration and Critical Infrastructure Protection: Ukraine Expands Cooperation with EuropeEN
- 07Russia arrests two men who ran a website for train enthusiastsEN
- 08Why flow measurement is emerging as a critical design consideration in liquid cooled data centersEN
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