OpenAI holt Ex-Heeresstaatssekretär Dan Driscoll für Regierungsaufträge
OpenAI hat am Montag, 2. November, mitgeteilt, dass Dan Driscoll, der 26. Heeresstaatssekretär der USA, als Senior Counselor for National Security Modernization anheuert wurde, eine neu geschaffene Stelle. Mit der Personalie sitzt ein Pentagon-Insider im KI-Labor, während dieses neben seinen Verbraucherprodukten ein Geschäft mit Regierung und Verteidigung aufbaut.

Der Wechsel vom Pentagon zu OpenAI
Driscoll soll OpenAI beraten, wie fortgeschrittene KI die nationale und die Cybersicherheit stärken kann, teilte das Unternehmen mit. Er arbeitet mit der Führung von OpenAI und externen Partnern zusammen. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, wie US-Verbündete die Technologie verantwortungsvoll einführen können. Die Stelle ist neu geschaffen: Senior Counselor for National Security Modernization. "Die Anforderungen an die nationale Sicherheit verändern sich schneller als je zuvor in den vergangenen fünfzig Jahren", sagte Driscoll in einer Erklärung. KI könne Papierarbeit durchdringen, mehr Informationen verarbeiten und Antworten schneller zu den richtigen Leuten bringen.
Für Einkäufer und Regulierer heißt das: Die Beschaffung von KI für das Militär wird künftig häufiger über Anbieter laufen, die Beziehungen zur Regierung haben. Anthropic kämpft noch vor Gericht um seinen Fall mit dem Pentagon. Welche Aufträge Driscoll verfolgen soll und was sie wert sein könnten, hat OpenAI nicht gesagt.
Sam Altman rahmte die Einstellung diplomatisch. "Die USA haben eine außergewöhnliche Chance, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und die Verbreitung demokratischer KI voranzubringen", sagte der OpenAI-Chef. Die Personalie knüpfe an Daybreak an, das Programm des Unternehmens für Cyberresilienz mit Verbündeten und Partnern. OpenAI hat Daybreak für die Ukraine geöffnet und es US-Versorgungsunternehmen angeboten, berichtete The Next Web.
Ein Verteidigungsinsider mit Verbindungen zum Kapitol
Als Heeresstaatssekretär beaufsichtigte Driscoll nach Angaben von OpenAI fast eine Million Soldaten und mehr als 265.000 zivile Armeeangehörige. Er trieb zudem die KI-Modernisierung innerhalb der Teilstreitkraft voran, darunter Project ARIA, eine Initiative, die KI-Werkzeuge in Budgetierung, Logistik und den taktischen Einsatz von Modellen brachte, so the-decoder. Driscoll sagte, er sei auch geschäftsführender Direktor des ATF gewesen. Damit kennt er aus erster Hand, wie das Pentagon Technologie einkauft.
Sein politisches Netzwerk dürfte ebenso viel zählen wie sein Wissen über Beschaffung. Driscoll ist ein enger Verbündeter von Vizepräsident JD Vance und dessen Kommilitone aus dem Jurastudium. Er pflegt starke Beziehungen zu beiden Parteien im Kongress, berichtete AP, zitiert von the-decoder. CNBC ergänzt, er sei Irakkriegsveteran und habe den Verbündeten einen breiteren Zugang zu Drohnen- und Gegendrohnentechnik eröffnet. Im November 2025 traf er sich in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, um einen von den USA vorgeschlagenen Friedensplan zu besprechen.
Er verließ das Pentagon mit einem Makel. The Next Web schrieb, er sei im September nach Monaten der Spannung mit Verteidigungsminister Pete Hegseth gegangen. The-decoder berichtete dagegen, er habe Ende August 2026 seinen Rücktritt eingereicht. Die beiden Darstellungen weichen beim Zeitpunkt voneinander ab, nicht aber bei den Reibungen.
Die Lücke bei Anthropic und Daybreak
OpenAIs Vorstoß in die Verteidigung hat eine Wettbewerbskomponente. Im Februar 2026 vereinbarte das Unternehmen, seine Modelle im klassifizierten Netz des Pentagons einzusetzen. Zuvor war die Beziehung des Rivalen Anthropic zu dem Ministerium zerbrochen, meldete Bloomberg über The Next Web. The-decoder berichtete, das Pentagon habe Anthropic Ende Februar 2026 als Risiko für die Lieferkette eingestuft. Grund war, dass CEO Dario Amodei sich geweigert hatte, Beschränkungen für Massenüberwachung und autonome Waffen aus seinen Verträgen zu streichen.
Diese Abfolge ist wichtig für jeden, der die KI-Beschaffung beobachtet. Ob ein Anbieter Vertragsbedingungen akzeptiert, entscheidet inzwischen mit darüber, wer die klassifizierten Aufträge bekommt. Die Qualität seiner Modelle allein reicht dafür nicht mehr.
Daybreak ist die zivile Hälfte derselben Strategie. OpenAI beschreibt es als Programm für Cyberresilienz, das mit Verbündeten und Partnern läuft. Die Ukraine steht bereits auf der Liste. Auch US-Versorgungsunternehmen wurden angefragt, laut The Next Web.
Abu Dhabi und der nächste Auftrag
Das Regierungsgeschäft reicht über Washington hinaus. Am 2. November meldete CNBC, OpenAI habe in den Vereinigten Arabischen Emiraten Verträge in den Bereichen Energie, Investitionen und Regierung geschlossen. Das Labor wirbt dabei um Geld von regionalen Investoren als Teil einer Runde über 20.000.000.000 Dollar. ADNOC und G42 vereinbarten, die Spitzentechnologie von OpenAI einzusetzen. Mubadala, Inception42 und OpenAI unterzeichneten eine Vereinbarung, um fortgeschrittene KI für die Investitionsanalyse zu nutzen.
Die Regierung von Abu Dhabi kündigte eine eigene Initiative mit OpenAI an, um Richtlinien und Vorschriften in maschinenlesbare Form zu übersetzen. Inception42 und OpenAI unterzeichneten außerdem eine Vereinbarung über fünf Jahre, die Regierung, Unternehmen und Bildung abdeckt.
Geld und Politik bewegen sich hier gemeinsam. OpenAI sucht 20.000.000.000 Dollar in einer neuen Runde, die von Investoren aus den Emiraten mitgeführt wird, meldete CNBC am Samstag. MGX, eine Investmentfirma aus Abu Dhabi, führte im Februar die Runde von Anthropic über 30.000.000.000 Dollar mit an und im März die von OpenAI über 122.000.000.000 Dollar, so derselbe Bericht.
Was all das nicht offenlegt, sind Umsätze. OpenAI hat den Wert seiner Verteidigungs- oder Regierungsvereinbarungen nicht veröffentlicht, und zur Einstellung von Driscoll gab es keine Auftragsankündigung. Für Wettbewerber lautet die Lehre, dass Zugang das eigentliche Gut ist. Für Regulierer bleibt die offene Frage, wer die Schutzmechanismen prüft, wenn der Kunde ein Verteidigungsministerium ist.
Quellen
28- 01OpenAI hires former US Army Secretary Dan Driscoll for national securityEN
- 02OpenAI hires ex-Army Secretary, gaining bipartisan reach just as midterms loomEN
- 03OpenAI hires former U.S. Army Secretary Dan Driscoll for national security roleEN
- 04OpenAI deepens Abu Dhabi foothold as Sam Altman inks deals spanning energy, government and investmentEN
- 05Bug hunters can now earn up to $172,000 from OpenAI as company ramps up securityEN
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