Putins 10-Prozent-Reserve treibt russische Rechenzentren in den Untergrund und ins Ausland
Wladimir Putin hat ein Dekret unterzeichnet, das nichtstaatliche russische Rechenzentren verpflichtet, 10 Prozent ihrer Kapazität für den Staat zu reservieren. Am 3. November meldete Data Center Dynamics, dass er russischen Firmen zudem erlaubt hat, ausländische Rechenzentren zu nutzen.

Putins 10-Prozent-Reserve
Wladimir Putin unterzeichnete das Dekret am 2. November. Es verpflichtet Betreiber von Rechenzentren, 10 Prozent der verfügbaren Fläche und Kapazität für staatliche Zwecke freizuhalten, wie Meduza berichtete. Für russische Cloud-Kunden bedeutet das weniger Gewissheit darüber, wo ihre Arbeitslasten laufen. Das Dekret verlagert zugleich Risiken auf die Betreiber. Kapazität, die dem Staat zugesagt ist, lässt sich nicht zweimal verkaufen. Wie das durchgesetzt wird, ist unklar. Weder der Kreml noch die Branche haben öffentlich gesagt, wie die Reserve geprüft werden soll. Auch nicht, was mit einem Betreiber geschieht, der den Platz nicht rechtzeitig freibekommt.
Tom's Hardware berichtete, dass die Reserve nichtstaatliche Rechenzentren betrifft. Betreiber müssen demnach die Kapazität innerhalb von 24 Stunden nach einer Anfrage bereitstellen. Ein Tag ist eine kurze Frist.
Racks werden üblicherweise Monate im Voraus vergeben. Ein Anbieter, der einem Kunden einen Block GPUs zugesagt hat, kann erleben, dass der Staat ein Zehntel seiner Fläche beansprucht, bevor dieser Vertrag ausläuft. Das Dekret begründet die Reserve mit Notlagen des Staates, nicht mit regulärer Beschaffung. Diese Begründung lässt Raum für Auslegung. Und Auslegung ist der Punkt, der Betreibern den Schlaf raubt. Eine Reserve, die einmal im Jahr abgerufen wird, ist eine Unannehmlichkeit. Eine Reserve, die monatlich abgerufen wird, ist eine Neuplanung.
Drohnenangriffe treffen Cloud-Anbieter
Das Dekret folgt einer Serie ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur. Ars Technica berichtete, dass die Angriffe Einrichtungen mit KI-Supercomputern beschädigten. Sie störten Cloud-Dienste für Millionen russischer Nutzer, so der Bericht.
Yandex, Sberbank, VKontakte und das russische Finanzministerium hatten laut Ars Technica beeinträchtigte oder ausgefallene Rechenzentren. Ars Technica berichtete, dass das russische Militär seit Ende September ukrainische Städte bombardiert und ukrainische Rechenzentren ins Visier genommen hat. Die Ukraine hat militärische Ziele und Infrastruktur innerhalb Russlands angegriffen. Beide Seiten behandeln Rechenkapazität inzwischen als Ziel.
Untergrund und Ausland
Russische Technologiefirmen bemühen sich, ihre Anlagen zu härten und zu verbergen. Der staatliche Telekomkonzern Rostelecom hat in Gesprächen mit dem Nickel- und Palladiumproduzenten Norilsk Nickel die Möglichkeit erwogen, einige russische Rechenzentren in den Untergrund zu verlegen, wie die russische Zeitung Vedomosti berichtete. Ein Regionalgouverneur schlug laut Data Center Dynamics vor, Rechenzentren in offenen Kohlegruben zu bauen und darüber öffentliche Grünflächen als Tarnung anzulegen. Eine Anlage, die man nicht sieht, ist schwerer zu treffen. Ob eine Grube die Stromanschlüsse und die Kühlung bietet, die ein moderner KI-Cluster braucht, ist eine andere Frage.
Am 3. November meldete Data Center Dynamics, dass Putin russischen Firmen die Nutzung ausländischer Rechenzentren erlaubt habe.
Der Weg ins Ausland hat Grenzen. Er hängt an grenzüberschreitenden Verbindungen, die derselbe Krieg unterbrechen kann. Er hängt auch an Jurisdiktionen, die das Geschäft womöglich nicht wollen. Das Dekret öffnet die Tür. Es garantiert nicht, dass jemand hindurchgeht.
Was das Dekret ändert
Die Reserve ist keine Verstaatlichung. Sie gilt für nichtstaatliche Rechenzentren und nimmt einen Teil der Kapazität, nicht die ganze Anlage.
Aber ein Teil bei 24 Stunden Vorlauf reicht, um zu ändern, wie Betreiber planen, verkaufen und Preise setzen. Es ändert auch, wie viel Redundanz sie für sich selbst behalten. Keine veröffentlichte Zahl beziffert die Ausfälle. Ars Technica beschrieb die Ausfälle als Millionen von Nutzern betreffend.
Jeder Vertrag, der im Inland unterschrieben wird, steht unter einer Regel, die der Staat binnen eines Tages geltend machen kann.
Der Staat gewinnt eine strategische Reserve privater Rechenkapazität zu Bedingungen, die er nicht veröffentlicht hat. Die Betreiber gewinnen einen Zwangsabnehmer für einen Teil ihrer Fläche.
Russlands Cloud-Markt wird sich anpassen, weil er muss. Das Dekret vom 2. November treibt die Betreiber in beide Richtungen zugleich.
Die Frage ist, wie er sich anpasst. Er kann kleinere, stärker verteilte Standorte bauen, die schwerer zu treffen sind. Oder er kann Last in freundlichere Jurisdiktionen verlagern und die Latenz und die rechtlichen Risiken in Kauf nehmen, die damit einhergehen.
Quellen
28- 01Ukraine's drone strikes spur hasty Russian plans for underground data centersEN
- 02Putin demands Russian data centers supply capacity to the state in wake of Ukraine drone attacksEN
- 03Putin gives Russian companies permission to use foreign data centers after Ukraine drone strikesEN
- 04Putin signs decree that non-state data centers will have to reserve 10 percent of capacity for government useEN
- 05Leonardo Cervera (EDPS): "Data protection must allow the needs of companies to be met" - DemócrataEN
- 06 OpenAI introduces program to reduce AI data center energy demand during peak hours EN
- 07OpenAI launches 'Grid Protectors Program' to reduce data center electricity demand when the US grid is under strainEN
- 08Stratos Data Center Will Emit Air Pollution That’s Linked to Premature Deaths and Health Economic Damages for Utah & States DownwindEN
- 09Data centers are turning to old jet engines as the wait for power growsEN
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- 14Cybersecurity compliance and personal data protection for businesses. - Vietnam.vnEN
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