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Putins 10-Prozent-Reserve treibt russische Rechenzentren in den Untergrund und ins Ausland

Wladimir Putin hat ein Dekret unterzeichnet, das nichtstaatliche russische Rechenzentren verpflichtet, 10 Prozent ihrer Kapazität für den Staat zu reservieren. Am 3. November meldete Data Center Dynamics, dass er russischen Firmen zudem erlaubt hat, ausländische Rechenzentren zu nutzen.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 4. November 20263 Min. LesezeitQuellen 28
Putins 10-Prozent-Reserve treibt russische Rechenzentren in den Untergrund und ins Ausland

Putins 10-Prozent-Reserve

Wladimir Putin unterzeichnete das Dekret am 2. November. Es verpflichtet Betreiber von Rechenzentren, 10 Prozent der verfügbaren Fläche und Kapazität für staatliche Zwecke freizuhalten, wie Meduza berichtete. Für russische Cloud-Kunden bedeutet das weniger Gewissheit darüber, wo ihre Arbeitslasten laufen. Das Dekret verlagert zugleich Risiken auf die Betreiber. Kapazität, die dem Staat zugesagt ist, lässt sich nicht zweimal verkaufen. Wie das durchgesetzt wird, ist unklar. Weder der Kreml noch die Branche haben öffentlich gesagt, wie die Reserve geprüft werden soll. Auch nicht, was mit einem Betreiber geschieht, der den Platz nicht rechtzeitig freibekommt.

Tom's Hardware berichtete, dass die Reserve nichtstaatliche Rechenzentren betrifft. Betreiber müssen demnach die Kapazität innerhalb von 24 Stunden nach einer Anfrage bereitstellen. Ein Tag ist eine kurze Frist.

Racks werden üblicherweise Monate im Voraus vergeben. Ein Anbieter, der einem Kunden einen Block GPUs zugesagt hat, kann erleben, dass der Staat ein Zehntel seiner Fläche beansprucht, bevor dieser Vertrag ausläuft. Das Dekret begründet die Reserve mit Notlagen des Staates, nicht mit regulärer Beschaffung. Diese Begründung lässt Raum für Auslegung. Und Auslegung ist der Punkt, der Betreibern den Schlaf raubt. Eine Reserve, die einmal im Jahr abgerufen wird, ist eine Unannehmlichkeit. Eine Reserve, die monatlich abgerufen wird, ist eine Neuplanung.

Drohnenangriffe treffen Cloud-Anbieter

Das Dekret folgt einer Serie ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur. Ars Technica berichtete, dass die Angriffe Einrichtungen mit KI-Supercomputern beschädigten. Sie störten Cloud-Dienste für Millionen russischer Nutzer, so der Bericht.

Yandex, Sberbank, VKontakte und das russische Finanzministerium hatten laut Ars Technica beeinträchtigte oder ausgefallene Rechenzentren. Ars Technica berichtete, dass das russische Militär seit Ende September ukrainische Städte bombardiert und ukrainische Rechenzentren ins Visier genommen hat. Die Ukraine hat militärische Ziele und Infrastruktur innerhalb Russlands angegriffen. Beide Seiten behandeln Rechenkapazität inzwischen als Ziel.

Untergrund und Ausland

Russische Technologiefirmen bemühen sich, ihre Anlagen zu härten und zu verbergen. Der staatliche Telekomkonzern Rostelecom hat in Gesprächen mit dem Nickel- und Palladiumproduzenten Norilsk Nickel die Möglichkeit erwogen, einige russische Rechenzentren in den Untergrund zu verlegen, wie die russische Zeitung Vedomosti berichtete. Ein Regionalgouverneur schlug laut Data Center Dynamics vor, Rechenzentren in offenen Kohlegruben zu bauen und darüber öffentliche Grünflächen als Tarnung anzulegen. Eine Anlage, die man nicht sieht, ist schwerer zu treffen. Ob eine Grube die Stromanschlüsse und die Kühlung bietet, die ein moderner KI-Cluster braucht, ist eine andere Frage.

Am 3. November meldete Data Center Dynamics, dass Putin russischen Firmen die Nutzung ausländischer Rechenzentren erlaubt habe.

Der Weg ins Ausland hat Grenzen. Er hängt an grenzüberschreitenden Verbindungen, die derselbe Krieg unterbrechen kann. Er hängt auch an Jurisdiktionen, die das Geschäft womöglich nicht wollen. Das Dekret öffnet die Tür. Es garantiert nicht, dass jemand hindurchgeht.

Was das Dekret ändert

Die Reserve ist keine Verstaatlichung. Sie gilt für nichtstaatliche Rechenzentren und nimmt einen Teil der Kapazität, nicht die ganze Anlage.

Aber ein Teil bei 24 Stunden Vorlauf reicht, um zu ändern, wie Betreiber planen, verkaufen und Preise setzen. Es ändert auch, wie viel Redundanz sie für sich selbst behalten. Keine veröffentlichte Zahl beziffert die Ausfälle. Ars Technica beschrieb die Ausfälle als Millionen von Nutzern betreffend.

Jeder Vertrag, der im Inland unterschrieben wird, steht unter einer Regel, die der Staat binnen eines Tages geltend machen kann.

Der Staat gewinnt eine strategische Reserve privater Rechenkapazität zu Bedingungen, die er nicht veröffentlicht hat. Die Betreiber gewinnen einen Zwangsabnehmer für einen Teil ihrer Fläche.

Russlands Cloud-Markt wird sich anpassen, weil er muss. Das Dekret vom 2. November treibt die Betreiber in beide Richtungen zugleich.

Die Frage ist, wie er sich anpasst. Er kann kleinere, stärker verteilte Standorte bauen, die schwerer zu treffen sind. Oder er kann Last in freundlichere Jurisdiktionen verlagern und die Latenz und die rechtlichen Risiken in Kauf nehmen, die damit einhergehen.

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Quellen

28
  1. 01Ukraine's drone strikes spur hasty Russian plans for underground data centersEN
  2. 02Putin demands Russian data centers supply capacity to the state in wake of Ukraine drone attacksEN
  3. 03Putin gives Russian companies permission to use foreign data centers after Ukraine drone strikesEN
  4. 04Putin signs decree that non-state data centers will have to reserve 10 percent of capacity for government useEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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