VW prüft Ausstieg bei Moia, Robotaxi-Geld fließt nach London und Hessen
Volkswagen prüft Ausstiegsoptionen für seine Ridepooling-Tochter Moia. Das berichtet die Wirtschaftswoche, auf die sich heise online am 27. September beruft. Deutsche Anbieter ziehen sich aus dem autonomen Fahren zurück, Waymo und Uber expandieren im Ausland.

Das Strategiepapier, das heise online am 27. September beschreibt, hält fest: Moia spielt im Zielbild von VW für 2030 keine zentrale Rolle mehr. Der Konzern will die Ausstiegsoptionen bis Ende 2026 durcharbeiten, vom Verkauf an neue Investoren bis zur vollständigen Abwicklung.
Genannt werden zwei Probleme. In Hamburg testet Moia den autonomen Betrieb mit einem VW ID.Buzz und der Technik des Zulieferers Mobileye. Aus dem Unternehmen heißt es jedoch, Hardware und Software erfüllten die Erwartungen an fehlerfreies Fahren nicht. Autonomie der Stufe 4 sei damit nicht nachgewiesen. Zugleich will VW nicht die Milliarden ausgeben, die für die weitere Entwicklung nach Darstellung des Magazins nötig wären. Mögliche Investoren wie Uber und Lyft haben sich laut Bericht zurückgezogen.
Die Moia-Führung hatte zuletzt den Staat um Geld gebeten.
Das ist die jüngste datierbare Entwicklung in diesem Dossier. Sie fällt in dasselbe Wochenende, an dem das andere deutsche Projekt für autonomen öffentlichen Verkehr vorankam, betrieben von der Deutschen Bahn und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Am 27. September berichtete heise online, dass Holon-Shuttles ab dem kommenden Jahr Fahrgäste in Teilen Darmstadts und im Kreis Offenbach befördern. Zuerst laufen Testfahrten zur Kartierung des Gebiets, danach steigen Fahrgäste ein.
Die Holon-Kleinbusse sind barrierefrei. Der Hersteller nennt fünf Sitzplätze und einen Rollstuhlplatz, dazu drei Fahrgastsitze, wenn der Rollstuhlplatz genutzt wird, und Platz für bis zu 15 Personen insgesamt. Ein Sicherheitsfahrer überwacht das Fahrzeug als Operator. Die Shuttles erhielten Ende 2025 die Genehmigung für den Testbetrieb in Deutschland. Sie ersetzen das Projekt Kira, das seit Mai 2025 im Süden Hessens mit Fünfsitzern in Darmstadt, Langen und Engelsbach läuft. Bis Ende Mai waren rund 4.200 Testnutzer registriert, die per App Fahrzeuge an etwa 130 Haltestellen bestellten, so die Bahn. Kira endet zum Jahresende.
RMV-Chef Knut Ringat formulierte das Ziel nüchtern: "Das Ziel ist es, in naher Zukunft autonome Angebote in den regulären ÖPNV zu integrieren." Das Zitat stammt aus einer gemeinsamen Erklärung der Unternehmen, die heise online wiedergibt.
Es ist nicht der erste Versuch der DB. Bis Ende 2024 betrieb sie sieben Jahre lang EZ10-Busse von Easymile in Bad Birnbach in Bayern. Der Landkreis erklärt, das Projekt sei gut angenommen worden. Die Finanzierung scheiterte jedoch, und Easymile zog sich vollständig aus dem autonomen Personentransport zurück. Das Unternehmen sah nur im fahrerlosen Güterverkehr ein Geschäftsmodell. Der Betrieb endete im Januar 2025.
London ist der Test, Hessen die Subvention
Der zweite Beitrag von heise online vom 27. September verortet den eigentlichen Wettbewerb woanders. Londons mittelalterlicher Straßenplan macht die Stadt zum bevorzugten Prüfgelände für Waymo, Uber und Baidu. München, Berlin, Zagreb, Zürich und Madrid bereiten den Einstieg vor. heise schätzt, dass Waymo über mehr als 15 Jahre etwa 27 Milliarden Dollar investiert hat. Allein in den USA fahre das Unternehmen inzwischen mehr als eine halbe Million bezahlte Fahrten pro Woche und bereite die europäische Expansion vor, schreibt heise. BMW und Mercedes halten Boden bei Assistenz der Stufe 3, liegen aber bei der KI zurück, die Robotaxis brauchen, argumentiert der Artikel.
The Robot Report lieferte am 26. September das operative Gegenstück. Waymo hat mehr als 220 Millionen autonome Meilen zurückgelegt und meldet mehr als 94% weniger Unfälle mit schweren Verletzungen als menschliche Fahrer, bei rund einer halben Million bezahlter Fahrten pro Woche. Uber dagegen ist in über 15.000 Städten präsent und fuhr im vergangenen Quartal 3,9 Milliarden Fahrten. Das Unternehmen wickelt Waymos gesamtes wöchentliches Fahrtenvolumen alle 17 Minuten ab.
Dann kommt die Rechnung. Autor Dan Keene, dessen Firma Aseon Labs robotische Servicestationen baut, schreibt, jede Reinigung, Ladung und Inspektion koste rund zwei Stunden. Kalifornische Daten zeigten, dass nur 54% der 86 Millionen bis 2025 gemeldeten Waymo-Meilen einen Fahrgast an Bord hatten. Industrieflächen würden von Rechenzentrumsentwicklern überboten, schreibt er. Die kalifornische Aufsicht veranschlage allein sechs Monate, um einen Standard-Ladestandort ans Netz zu bringen. Ein neuer Stromkreis brauche 1,9 Jahre, ein Umspannwerk-Upgrade 2,8 und ein neues Umspannwerk 8,9. Keene legt sein wirtschaftliches Interesse an dem Problem offen.
Die Autonomie selbst ist noch nicht gelöst. DrivingBench, ein am 22. September veröffentlichtes öffentliches Benchmark, schickt Frontier-Modelle gegen einen echten Toyota Corolla, mit bis zu drei Versuchen in einem Chat. GPT-6 Astra erreichte die Zielzone einmal, in 5:22, im zweiten Versuch. Claude Fable 5.1 kam auf 45% der Mittellinie des Kurses, Grok 4.6 auf 11%, GPT-5.6 Sol auf 6%. Die eigene Definition der Seite zählt Fortschritt nur, solange das Auto innerhalb von vier Metern der Mittellinie bleibt. Eine Kollision konserviert den bis dahin erreichten Fortschritt.
Zusammengelesen beschreibt das Dossier einen Markt, der sich in zwei Teile spaltet. Waymo, Uber, Baidu und chinesische Robotaxi-Betreiber suchen Skalierung in Städten, in denen Regulierer und Kapital es zulassen. Deutsche Akteure, VW eingeschlossen, entscheiden, welche Teile des Stacks sie sich noch leisten können. Von heise zitierte Analystenschätzungen beziffern künftige Robotaxi-Kosten pro Kilometer auf rund 60 bis 80 Cent. Sicherheitsfahrer sind nach geltenden Regeln weiterhin Pflicht, obwohl Betreiber sie entfernen wollen. Für BMW und Mercedes besteht das im Bericht genannte Risiko in einem Verlust künftiger Wertschöpfung, nicht in einem technischen Versagen.
Quellen
5- 01Autonomes Fahren: Warum VW bei Moia die Reißleine ziehen könnteDE
- 02RMV baut autonomen Nahverkehr in Darmstadt und Offenbach ausDE
- 03From 14 cities to 15,000: What it will take to scale robotaxis?EN
- 04Show HN: DrivingBench – Frontier LLMs Driving a Real Toyota CorollaEN
- 05Mazda adds LiDAR to CX-6e, rolls out "self driving" tech in ChinaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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