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Wasserstoffprojekte entstehen weiter, die Käufer fehlen

ChinaCoal Pingshuo hat die Elektrolyseanlage für sein netzunabhängiges Wasserstoffprojekt mit 600.000 kW in Shanxi fertiggestellt, meldet ein Bericht vom 3. November 2026. Die Angebotsseite eines Kohle-zu-Olefinen-Komplexes steht, die Käufer fehlen.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 4. November 20265 Min. LesezeitQuellen 28
Wasserstoffprojekte entstehen weiter, die Käufer fehlen

Käufer in Stahl, Chemie und Raffinerien fragen, ob subventionierte Nachfrage und neue Leitungen grünen Wasserstoff bezahlbar machen. Für Steuerzahler und Regulierer liegt das Risiko in der anderen Richtung: Leitungen und Elektrolyseure werden zu Stranded Assets, wenn die Nachfrageprognosen weiter sinken.

Eine Anlage steht, die Kunden haben nicht unterschrieben

ChinaCoal Pingshuo hat die Elektrolyseanlage für sein netzunabhängiges Wasserstoffprojekt mit 600.000 kW in Shanxi fertiggestellt, heißt es in einem Bericht vom 3. November 2026. Das Unternehmen nennt die Einheit den ersten Schritt eines größeren Plans für kohlenstoffarme Olefine. Die Anlage steht auf abgesenktem Bergbauland in Shuozhou und folgt dem Weg Solarstrom, Elektrolyse, Ammoniaksynthese. Grüner Wasserstoff ersetzt grauen Wasserstoff aus Kohle oder Gas in der chemischen Kette. Den gesamten Kohle-zu-Olefinen-Komplex bezeichnet das Unternehmen als das nach Investitionssumme größte einzelne Kohlechemieprojekt in Shanxi. Die Auslegung sieht 2,2 Millionen Tonnen Methanol pro Jahr vor, umgewandelt in 1 Million Tonnen Olefine. Der Vollbetrieb soll die Kohlendioxid-Emissionen senken.

Die konventionelle Wasserstofferzeugung in der Kohlechemie setzt je Kilogramm Wasserstoff etwa 10 bis 12 kg CO2 frei. Grüner Wasserstoff liegt nahe null.

Das Projekt verzichtet auf große Speicher und lässt die Elektrolyseure die schwankende Solarleistung direkt aufnehmen.

Peking beginnt, die Nachfrage zu bezahlen

China hat vierjährige Wasserstoffprogramme für fünf regionale Städtecluster genehmigt, mit zentralen Anreizen von bis zu 8.000.000.000 Yuan, rund 1.100.000.000 US-Dollar. Die Behörden kündigten das Programm im Oktober an. Jeder Cluster kann über vier Jahre bis zu 1.600.000.000 Yuan erhalten. Die Zuschüsse verlangen, den Wasserstoffeinsatz in industriellen Prozessen, bei Brennstoffzellenfahrzeugen und in der zugehörigen Infrastruktur auszuweiten.

Die Ausgestaltung greift das Kernproblem der Branche auf: Die Produktionskapazität wächst schneller als die Kunden, die den Brennstoff zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen kaufen wollen.

Chinas Ausgangslage ist groß. Der Global Hydrogen Compass 2026 des Hydrogen Council nennt das Land den weltweit größten Markt für fest zugesagte Kapazität erneuerbaren Wasserstoffs, mehr als die Hälfte der globalen Gesamtsumme.

Die globale Lücke zwischen zugesagt und in Betrieb

Weltweit haben die fest zugesagten Investitionen in sauberen Wasserstoff 130.000.000.000 US-Dollar erreicht, verteilt auf mehr als 570 Projekte, was 6.900.000 Tonnen jährlicher Produktionskapazität entspricht. Das ist die Angebotsseite. Nur rund 1.700.000 Tonnen dieser Kapazität sind in Betrieb, und verbindliche Kaufverträge decken etwa 4.200.000 Tonnen pro Jahr ab. Die Differenz zwischen zugesagter Produktionskapazität und vertraglich gebundener Nachfrage zeigt die wirtschaftliche Unsicherheit, mit der Entwickler konfrontiert sind, besonders jene, die auf künftige Exportmärkte setzen.

Europas Leitungen kommen vor dem Geschäftsmodell

Deutschlands Wasserstoff-Kernnetz erreichte am 4. August 2026 einen Meilenstein. RWE und seine Partner teilten mit, dass bei der Inbetriebnahme in Lingen erzeugter erneuerbarer Wasserstoff den rund 120 Kilometer entfernten Chemiepark Marl erreicht habe.

Die Mitteilung nannte weder die in Marl angekommene Menge noch den Preis, den ein Industriekunde zahlte, noch welche bestehende Wasserstofferzeugung verdrängt wurde. Marl nutzt Wasserstoff seit Jahrzehnten in integrierten Prozessen, eine zweite Quelle schafft also für sich genommen keine neue Nachfrage nach einem teureren Einsatzstoff. Das genehmigte deutsche Wasserstoff-Kernnetz umfasst 9.040 Kilometer, mit erwarteten Investitionskosten von 18.900.000.000 Euro, zu einem großen Teil umgewidmete Gasleitungen. Das sind genehmigte Pläne, keine gebauten Rohre und keine gebundenen Kunden.

RWE hat einen 15-Jahres-Vertrag, um die Raffinerie Leuna von TotalEnergies ab 2030 mit etwa 30.000 Tonnen erneuerbarem Wasserstoff pro Jahr zu beliefern, zu einem nicht genannten Preis.

Die Planungsannahmen hinter solchen Verträgen schrumpfen. Der Entwurf von ENTSOG vom Oktober 2026 senkte die Annahme zur Wasserstoffnachfrage 2030 von 620 TWh auf 335 TWh, 46% unter seiner Bewertung von 2024. Die Zahl für 2040 fiel um 33%, von 1.929 TWh auf 1.296 TWh. Die modellierten Lieferkosten über das Lingen-System liegen nach angenommener Kapitalförderung bei etwa 9,06 Euro/kg, gegenüber einer konventionellen Benchmark von 3 Euro/kg. Die Europäische Investitionsbank forderte einen integrierten europäischen Markt für sauberen Wasserstoff und verwies auf Unterschiede bei Produktion, Nachfrage und Investitionen zwischen den Mitgliedstaaten.

Kapital fließt weiter in die Angebotsseite

Das Angebot zieht weiter Geld an. CMMZE Energy Namibia genehmigte Ende September 2026 die endgültige Investitionsentscheidung für ein grünes Wasserstoff- und Ammoniakprojekt in Henties Bay im Umfang von 17.000.000.000 N$. Die Anlage soll jährlich 35.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen, umgewandelt in 210.000 Tonnen grünen Ammoniak. Sie läuft unabhängig vom Hauptnetz, mit eigener Erneuerbaren-Anlage vor Ort. Der Küstenstandort dient als direkter Verladepunkt für Ammoniak, der in Ziele der Europäischen Union verschifft wird. Finanzierung und wirtschaftliche Tragfähigkeit sind noch ungeprüft.

Öffentliches Geld folgt. Der Green Climate Fund genehmigte bei seiner 46. Vorstandssitzung in Songdo, Südkorea, 140.000.000 US-Dollar. Davon gehen 56.000.000 US-Dollar an Namibias SDG Namibia One Fund und 84.000.000 US-Dollar an Südafrikas SA-H2 Fund. Es handelt sich um Mischfinanzierung, die privates Kapital anziehen soll.

Auch Ausrüstungsverträge werden geschlossen. Técnicas Reunidas gewann einen am 28. Oktober 2026 angekündigten Auftrag über zwei Wasserstoffreformer für Dangotes Gode-Düngemittelkomplex in Äthiopien. Die beiden Einheiten haben zusammen eine Kapazität von über 200.000 Normkubikmetern Wasserstoff pro Stunde. Der Komplex soll jährlich bis zu 3.000.000 Tonnen Harnstoff produzieren und nutzt Äthiopiens Erdgas, der Wasserstoff ist also nicht grün. Sein Zweck ist Importsubstitution, nicht Dekarbonisierung.

Mantle8 und Hydrogen Europe übergaben am 28. Oktober 2026 in Brüssel einen offenen Brief, in dem sie die EU auffordern, natürlichen Wasserstoff anzuerkennen. Der Brief schlägt einen Rahmen von 1.000.000.000 Euro für rund 50 Explorations- und Erkundungsbohrungen in mindestens 10 Mitgliedstaaten vor. Der Aufruf zur Beweiserhebung der Europäischen Kommission, am 26. Oktober gestartet, erwähnt natürlichen Wasserstoff ausdrücklich.

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Quellen

28
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  3. 03N$17b Henties green hydrogen project cements ambitionsEN
  4. 04European Investment Bank calls for a unified clean hydrogen marketEN
  5. 05Germany's Hydrogen Pipeline Reached Marl. Its Market Still Needs to Add Up.EN
  6. 06Green Climate Fund Approves US$140 Million For Green Hydrogen Projects In Namibia And South AfricaEN
  7. 07Mantle8 and Hydrogen Europe lead industry push for clearer EU natural hydrogen rulesEN
  8. 08Dangote's Mega Fertilizer Project in Ethiopia Advances as Spanish Firm Wins Hydrogen Equipment DealEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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