Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

EU-ETS-Überprüfung lässt Investitionslücke bei E-Fuels, kritisiert Transport & Environment

Die Überprüfung des Emissionshandelssystems im Juli 2026 bietet noch keinen gangbaren Weg, mit den Erlösen aus Luftfahrt und Schifffahrt die Produktion von E-Fuels zu finanzieren. Das schreibt Transport & Environment in einem am 2. November veröffentlichten Policy Brief.

KonjunkturNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20264 Min. LesezeitQuellen 6
EU-ETS-Überprüfung lässt Investitionslücke bei E-Fuels, kritisiert Transport & Environment

Der Brief, den CleanTechnica am 2. November aufgriff, kommt zu dem Schluss, der Vorschlag zur Überprüfung sei „nicht geeignet, Investitionen in saubere Kraftstoffe angemessen zu fördern“. Das betrifft Luftfahrt und Seefahrt, die beiden Sektoren, aus denen das ETS den größten Teil seiner Einnahmen zieht. T&E will das Geld in ein eigenes Investitionsinstrument lenken und nicht in bestehenden Fonds belassen.

Die zentrale Forderung ist einfache Arithmetik. Nationale Regierungen sollen 50% ihrer ETS-Erlöse für die Dekarbonisierung in vorrangigen Sektoren zweckbinden, darunter Produktion und Abnahme von E-Fuels in Luftfahrt und Schifffahrt. Strengere Berichtspflichten sollen die Einhaltung kontrollieren.

Das ist eine große Zahl für eine Überprüfung, die als Innovationsmotor verkauft wird. Der im Juli 2026 veröffentlichte Vorschlag soll den wichtigsten CO2-Markt der EU mit den Klimazielen für 2040 in Einklang bringen. Nach Einschätzung von T&E ist die Investitionsarchitektur diesem Anspruch nicht gefolgt. Die Organisation will Luftfahrt und Schifffahrt in den ETS Investment Booster, die Industrial Decarbonisation Bank und den Modernisierungsfonds einbeziehen, damit schwer zu dekarbonisierende Sektoren gleich behandelt werden.

Zusätzlich schlägt die Gruppe einen eigenen Fördertopf für E-Fuels vor. Er soll ETS-Erlöse und andere Quellen bis 2028 über einen Marktintermediär bündeln. Daneben befürwortet T&E Marktbildungsinstrumente wie zweiseitige Auktionen. Sie seien nötig, um Hemmnisse abzubauen, die ausstehende endgültige Investitionsentscheidungen blockieren, und um Angebot und Abnahme zusammenzubringen. Zertifikate für nachhaltige Flugkraftstoffe und das schifffahrtsbezogene SMAP-Programm erhalten eingeschränkte Zustimmung: nützlich für die Abnahme, aber kein Ersatz für strukturelle Risikominderung. Der Brief bezeichnet erneuerbare Kraftstoffe nicht biologischen Ursprungs als die am besten skalierbare Option, um die Ziele von FuelEU Maritime und ReFuelEU Aviation zu erreichen.

Die Investitionsdaten weisen in eine Richtung

Der Zeitpunkt zählt, weil das europäische Finanzierungsumfeld insgesamt nicht großzügig ist. Tech.eu meldete am 2. November, in der Vorwoche mehr als 60 europäische Tech-Finanzierungsdeals im Wert von über 1.300.000.000 Euro erfasst zu haben. Auf KI entfielen 815.600.000 Euro, auf Healthtech 121.100.000 Euro und auf Fintech 104.100.000 Euro. Auf das Vereinigte Königreich entfielen 1.000.000.000 Euro dieser Summe, auf die Schweiz 74.400.000 Euro und auf Spanien 59.500.000 Euro.

Das sind Wagnis- und Schuldenzahlen, keine Zahlen für Energieinfrastruktur, und die beiden Märkte funktionieren unterschiedlich. Die Konzentration ist trotzdem der Punkt. Kapital sammelt sich in Software und Gesundheit, nicht in ersten Anlagen zur Kraftstoffproduktion. Solche Anlagen brauchen Jahre garantierter Abnahme, bevor ein Vorstand unterschreibt.

T&Es Antwort lautet, den CO2-Markt diese Aufgabe übernehmen zu lassen. Ob die Mitgliedstaaten eine Zweckbindung der Hälfte ihrer ETS-Einnahmen akzeptieren, ist eine andere Frage. Nationale Haushalte behandeln diese Erlöse derzeit als allgemeine Einnahmen.

Woran Europa gemessen wird

Der Vergleich, den T&E immer wieder zieht, gilt China. Ausführlich zog ihn die Organisation in einem früheren Beitrag, den CleanTechnica am 29. Oktober veröffentlichte. Der Artikel stützt sich auf eine Recherchereise und gibt zwei Drittel aller Neuwagen in China als elektrisch an, 40% der Lkw-Verkäufe als elektrisch. Batteriewechsel läuft dort als kommerzieller Dienst und nicht als Pilotprojekt.

Der Text nennt außerdem Ningde, das 300 GWh Batteriekapazität produziert, mehr als ganz Europa. Der Autor zitiert einen ungenannten Gesprächspartner mit dem Satz „ihr habt Politiker, wir haben Staatsmänner“. Er vermerkt, Frankreich und Deutschland hätten sich auf eine Neuordnung der europäischen Autoindustrie verständigt.

Diese Zahlen stammen aus einem einzigen von T&E verfassten Beitrag und sind nicht unabhängig geprüft. Sie sind die Darstellung der Gruppe, was sie gesehen hat, keine geprüften Statistiken.

Weiteres im Briefing-Paket

Zwei weitere Beiträge berühren Industriepolitik, ohne direkt Wasserstoff oder E-Fuels zu behandeln. The Diplomat meldete am 30. Oktober, Indien habe in der letzten Oktoberwoche mehr als 2.500 Sicherheitskräfte in Arunachal Pradesh stationiert. Proteste gegen das Wasserkraftprojekt Upper Siang mit 11.200 MW am Fluss Siang seien am 23. Oktober gewaltsam geworden, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. Peking baut am selben Fluss bei Medog ein Projekt mit 60.000 MW.

In Shanghai berichtete die South China Morning Post am 30. Oktober, Cambricon-Mitgründer Chen Yunji habe auf einem Wissenschaftsforum gesagt, KI-Modelle würden binnen 10 Jahren KI-Modelle verbessern und KI-Chips würden KI-Chips verbessern. Rekursive Selbstverbesserung nannte er die entscheidende Entwicklung. SpaceNews veröffentlichte am 29. Oktober eine Podcast-Folge mit Epsilon3-Chefin Laura Crabtree über schnellere Tests und Zertifizierung in Raumfahrtunternehmen.

Nichts davon ändert die Brüsseler Rechnung. Die ETS-Überprüfung ist das Instrument. T&E stellt die Frage, ob die Erlöse aus Flügen und Seereisen in Kraftstoffanlagen fließen oder anderswo verschwinden.

Kommentare 0

Quellen

6
  1. 01The ETS Investment Engine: Scaling Europe's Strategic E-fuel Market for Shipping & AviationEN
  2. 02European tech weekly recap: Over €1.3B invested across 60+ dealsEN
  3. 03What Europe Can Learn From China If It Wants To Save Its IndustryEN
  4. 04Amid India–China Border Tensions, Mega Hydel Project in Arunachal Pradesh Faces Local HeatEN
  5. 05AI, fuelled by advanced chips, set to power semiconductor manufacturing: industry veteranEN
  6. 06Advice for optimizing the space industry with Laura CrabtreeEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.