Frischware treibt den Anstieg der Lebensmittelpreise in Europa, Italien plus 7,5 Prozent im Oktober
Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel in Italien lagen im Oktober 7,5 Prozent über dem Vorjahr, nach 5,5 Prozent im September. Das meldet Istat am 5. November auf Basis vorläufiger Daten. Den Ausschlag für den Anstieg gibt Frischware, nicht die Gesamtrate.

Im Euroraum stiegen die Preise für unverarbeitete Lebensmittel um 4,6 Prozent. Dieser Anstieg wiegt schwerer als die Gesamtrate von 1,6 Prozent für Lebensmittel, Alkohol und Tabak.
Frischware führt den Anstieg an
Offen ist, wie viel der Kosten für Energie und Düngemittel noch nicht in den Regalen angekommen ist. Nach Angaben der EZB dauert die Weitergabe mehrere Monate. In Frankreich lagen die Preise für Frischware im Oktober 8 Prozent über dem Vorjahr, nach 9,5 Prozent im Vormonat. Im Euroraum stiegen die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Oktober um 4,6 Prozent, nach 2,7 Prozent im August.
Die Gesamtrate fällt ruhiger aus. Verarbeitete Lebensmittel, Alkohol und Tabak kamen im Oktober auf nur 0,5 Prozent.
Warum Frischware zuerst reagiert
Energie legte dagegen im Oktober um 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. In Deutschland stiegen die Lebensmittelpreise insgesamt im Oktober um 0,4 Prozent, in Portugal die Preise für unverarbeitete Lebensmittel um 3,7 Prozent. Energiekosten erreichen die Supermarktregale mit mehreren Monaten Verzögerung. Sie kommen über Transport, Düngemittel, Verpackung und Verarbeitung an. Die Düngemittelpreise schnellten nach der Blockade der Straße von Hormus in die Höhe. Düngemittel können bis zu 16 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsmittel ausmachen. Die EU importiert rund 30 Prozent ihrer Stickstoffdünger und 70 Prozent ihrer Phosphatdünger. Frischware reagiert schneller als Produkte, die vor allem Energiekosten ausgesetzt sind. Lieferengpässe treffen diese Märkte direkt. Die EZB schätzt, dass die Dürre und Hitze dieses Jahres die Lebensmittelinflation im Euroraum im kommenden Jahr um 0,3 bis 0,8 Prozentpunkte erhöhen könnten. Ihre Ökonomen merkten an, die Inflation bei unverarbeiteten Lebensmitteln sei im September bereits auf 4 Prozent gesprungen.
Ein Kontinent, zweigeteilt
In Bulgarien, Rumänien und Estland sind die Lebensmittelpreise seit September 2021 um knapp über 50 Prozent gestiegen. Auch Ungarn liegt über 50 Prozent.
In der gesamten EU beträgt der Anstieg rund ein Drittel. In Frankreich, Schweden und Luxemburg sind es etwa 25 Prozent. Die EZB verortet die Lebensmittelpreise im Euroraum rund 30 Prozent über dem Stand von Ende 2021. Die Spanne reicht von 24 Prozent in Finnland bis 48 Prozent in Estland. Bulgarien verzeichnete im September zudem die stärksten Erzeugerpreissteigerungen in der EU: 4,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und 22,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im September hatte Zypern mit 4 Prozent die höchste Teuerung bei Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken. Es folgten Spanien mit 2,7 Prozent, Rumänien mit 2,6 Prozent, Malta mit 2,5 Prozent und Portugal mit 2,4 Prozent.
Supermarkets zeichnen um, aber weniger als 2022
Das Muster unterscheidet sich von 2022, als die Welle der Preisanpassungen immer weiter anschwoll.
Eine am 2. November veröffentlichte EZB-Auswertung ergab, dass die Häufigkeit von Preiserhöhungen im Supermarkt im März zunahm, danach aber stabil blieb. Die durchschnittliche Höhe einer Erhöhung änderte sich kaum. Die Auswertung stützt sich auf den Daily Price Dataset. Nach Angaben der BIS umfasst er Milliarden täglicher Beobachtungen zu 34.000.000 einzelnen Produkten. Die EZB-Projektionen vom September sehen die Lebensmittelinflation im dritten Quartal 2027 bei 3,4 Prozent, mit einem Jahresdurchschnitt von 2,8 Prozent. Ihre durchschnittlichen Prognosen für die Lebensmittelinflation 2026 und 2027 senkte die EZB gegenüber Juni um 0,7 Prozentpunkte.
Wie es weitergeht
Pantheon Macroeconomics erwartet, dass die Inflation im Euroraum im Januar 2027 mit 4,5 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Das Institut hält es für möglich, dass die EZB im Dezember die Zinsen anhebt.
Quellen
19- 01Rising food prices are adding to the cost of living for people in EuropeEN
- 02Bulgaria Among EU Countries Hit by 50% Food Price Surge in Five YearsEN
- 03ECB expects euro-area food inflation to rise to 3.4% in 2027EN
- 04Has food inflation lost its bite?EN
- 05ECB warns food prices set to rise faster again in 2027EN
- 06ECB Supermarket Tracker: Food Price Rises Milder Than in 2022EN
- 07Catching the repricing wave: insights from daily online supermarket prices - Zprávy Kurzy.czEN
- 08RaboResearch predicts food price surge in Europe through 2027 amid Middle East conflict - Food Ingredients FirstEN
- 09Mapped: Where Food Inflation Will Hit Hardest in 2026 - Visual CapitalistEN
- 10Four in five Britons worried Iran war will make food more expensive, poll finds | UK cost of living crisis - The GuardianEN
- 11EU Food Inflation Shifts Supermarket Strategy for 2026 - Grocery Trade NewsEN
- 12High rent and expensive food: Can the EU help citizens deal with inflation?EN
- 13Why these 5 everyday items fluctuate in price at the grocery storeEN
- 14Switch 2 sales fell by almost 40 percent after Nintendo increased pricesEN
- 15High gas prices are pumping up used EV sales: these are FLYING off the lotEN
- 16Food contains thousands of overlooked chemicals. This physicist is mapping themEN
- 17Kids who eat more ultra-processed foods show a troubling brain responseEN
- 18How Aldi is pushing down grocery pricesEN
- 19New Wave of Refrigeration Cyberattacks Hits Supermarkets Across Europe, Forcing Stores to Pull FoodEN
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