Gotion-Aktionäre genehmigen 3,22 Milliarden Euro für Batterie-Joint-Ventures mit PowerCo
Die Aktionäre von Gotion High-Tech haben am 20. Oktober drei Batterie-Joint-Ventures mit Volkswagens PowerCo genehmigt. Das am 29. Oktober offengelegte Paket umfasst 3,22 Milliarden Euro und schließt eine Kathodenfabrik in Marokko ein, die Zellwerke in Spanien und der Slowakei versorgen soll.

Aktionäre genehmigen das Paket
Über die Abstimmung informierte Gotion am 29. Oktober im Quartalsbericht. Sie bringt die im September angekündigte Partnerschaft voran. Gotion und seine Tochtergesellschaften steuern rund 1,60 Milliarden Euro bei, PowerCo etwa 1,62 Milliarden Euro, berichtet ESS News.
Die drei Gemeinschaftsunternehmen umfassen die LFP-Zellproduktion in Valencia in Spanien und in Šurany in der Slowakei sowie Kathodenaktivmaterial in Kenitra in Marokko. Valencia ist das größte: 29,1 GWh jährliche Zellkapazität und 2,26 Milliarden Euro geplante Investition. PowerCo hält dort 51 Prozent, Gotion 49 Prozent, so ICEX-Invest in Spain. Šurany kommt mit 8,4 GWh für rund 480 Millionen Euro hinzu, mit Gotion bei 51 Prozent und PowerCo bei 49 Prozent, meldet ESS News. Russpain nennt für das slowakische Werk eine geplante Kapazität von 10 GWh. Gotion hatte das Werk 2023 als Joint Venture mit dem slowakischen Unternehmen InoBat angekündigt. PowerCo ist inzwischen in die Pläne eingebunden, berichtet Fastmarkets. Kenitra ist auf 100.000 Tonnen Kathodenaktivmaterial pro Jahr für rund 480 Millionen Euro angelegt, ebenfalls mit Gotion bei 51 Prozent. In der Börsenmitteilung von Gotion vom 28. September summierten sich die drei Werke auf 37,5 GWh und 100.000 Tonnen Kathodenmaterial pro Jahr. Gotion investiert rund 1,6 Milliarden Euro, Volkswagen einen ähnlichen Betrag, meldet SCMP.
Marokko versorgt die Zellwerke
Kenitra ist das Bindeglied in der Kette. Das Kathodenmaterial soll vor allem die beiden europäischen Zellwerke beliefern, berichtet ESS News. Die Phosphatgestein-Reserven Marokkos werden auf etwa 68 Prozent des weltweiten Gesamtvolumens geschätzt, so Russpain. Gotion unterzeichnete am 6. Juni 2024 eine Vereinbarung über ein Batteriewerk in Kenitra im Wert von etwa 12,8 Milliarden Dirham, meldet Russpain. Die Afrikanische Entwicklungsbank genehmigte im Juli einen Kredit über 100 Millionen Euro für die marokkanische Tochtergesellschaft, berichtet Fastmarkets.
Die 1,60 Milliarden Euro von Gotion decken alle drei Vorhaben ab. Allein die Beteiligung in Valencia wird mehr als 1,1 Milliarden Euro betragen, meldet ICEX-Invest in Spain. Gezahlt wird über eine Kapitalerhöhung bei PowerCo Spain. Russpain zufolge hat Volkswagen erklärt, Gotion werde im Rahmen des breiteren Industrieprogramms bis zu 1 Milliarde Euro beisteuern.
Das Werk in Valencia ist bereits im Bau. Es soll ein europäisches Produktionszentrum für Unified Cells auf LFP-Basis werden, meldet ICEX-Invest in Spain. PowerCo soll bis 2030 rund 470 Millionen Euro in die slowakischen und marokkanischen Projekte stecken, so Fastmarkets.
Warum LFP und warum jetzt
LFP nutzt Phosphat neben Lithium und Eisen. Es kommt ohne Nickel und Kobalt aus, auf die andere Chemien angewiesen sind. Volkswagen nennt Kosten, Haltbarkeit und thermische Stabilität als Gründe für die Technologie. In Europa fehlt derzeit eine nennenswerte Produktionskapazität für diesen Batterietyp, so ICEX-Invest in Spain.
Volkswagen schätzt, dass LFP bis 2030 einen Anteil von 40 bis 60 Prozent am europäischen Batteriemarkt erreichen könnte, meldet Russpain. Frank Blome, Vorstandsvorsitzender von PowerCo, sagte, die Zusammenarbeit "stärke die Widerstandsfähigkeit unserer Wertschöpfungskette" und verbinde die Fähigkeiten von PowerCo mit einem Partner, der auf eine lange Erfolgsbilanz zurückblicke.
Abhängigkeit von China verringern
Volkswagen will die Abhängigkeit von aus China importierten Materialien verringern und arbeitet dafür mit einem chinesischen Hersteller zusammen. Die Verlagerung der Kathodenproduktion nach Marokko dürfte helfen, künftige EU-Regeln zur lokalen Beschaffung zu erfüllen, sagte Fastmarkets-Analyst Connor Watts. Volkswagen kündigte außerdem an, einen Anteil von 5,3 Prozent an Gotion an Hefei Construction Investment zu verkaufen. Zugleich bleibt der Konzern strategischer Investor mit Sitz im Aufsichtsrat, berichtet Fastmarkets. Die Beziehung reicht bis 2020 zurück. Damals begann Gotion, Zellen an Volkswagen zu liefern und strategischer Partner für PowerCo zu werden.
Wie es weitergeht
Die Zustimmung der Aktionäre bringt die Projekte voran, schließt sie aber nicht ab. Die Vereinbarung vom September verlangte die Genehmigung durch die Gotion-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden beider Länder, meldet ICEX-Invest in Spain. ESS News berichtete, dass behördliche Freigaben und übliche Vollzugsbedingungen weiterhin ausstehen. Zellabnahmemengen, Liefergarantien und endgültige Handelsbedingungen bleiben späteren Vereinbarungen vorbehalten.
Das Werk in Valencia, in Sagunto, soll 2027 den Betrieb aufnehmen, mit einer Anfangskapazität von bis zu 30 GWh pro Jahr. Das sind 10 GWh mehr als die zuvor vorgesehenen 20 GWh, meldet Russpain. Diese Zahl weicht von den 29,1 GWh ab, die ICEX-Invest in Spain nennt. Ein festes Startdatum für die Lieferung aus dem Kathodenprojekt Kenitra ist nicht bestätigt.
Gotion Power Morocco erklärte im Oktober, in der Woche des 20. Oktober mit der Inbetriebnahme der Produktionsanlagen beginnen zu wollen, berichtet ESS News unter Berufung auf lokale Medien. Dieser Zeitplan betraf die Ausrüstung des Zellwerks, nicht den Produktionsstart des PowerCo-Kathodenprojekts.
Solange Mengen und Bedingungen nicht feststehen, sind die 3,22 Milliarden Euro eine Verpflichtung und kein Liefervertrag.
Quellen
31- 01Gotion shareholders approve €3.22 billion battery JV plans with PowerCo in Europe, MoroccoEN
- 02Volkswagen plans Moroccan battery materials plant for SaguntoEN
- 03Gotion Forms Volkswagen Joint Venture for Spanish Battery ManufactureEN
- 04Volkswagen deepens Gotion partnership with European battery manufacturing pushEN
- 05VW, Gotion ramp up battery production in Europe, Morocco amid rising EV demandEN
- 06Why batteries, not gas plants, should be data centers' first choiceEN
- 07GAC's battery unit Inpow starts production at Thailand plant, its first overseas pack facilityEN
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