Humanoide Roboter erobern die Fabrikhallen, doch die Hände bleiben das Problem
Ein Gericht in Wuhan hat am 28. September entschieden, dass die Produktionskosten von KI als Faktor in die Berechnung des Schadensersatzes bei Urheberrechtsverletzungen einfließen. Laut The Decoder ist das ein Novum für die chinesischen Gerichte. In derselben Woche bezifferte die International Federation of Robotics den weltweiten Bestand an Industrierobotern auf den Rekordwert von 5 Millionen Einheiten. Die Hersteller humanoider Roboter kämpfen weiterhin damit, funktionierende Hände in Serie zu produzieren.

Die neueste Geschichte über humanoide Roboter am 28. September spielt gar nicht in einer Fabrik. Sie spielt in einem Gerichtssaal in Wuhan.
Ein Gericht dort hat erstmals Lizenzgebühren für KI-Werkzeuge und Token-Nutzung in die Berechnung des Schadensersatzes bei einer Urheberrechtsverletzung einbezogen, berichtete The Decoder am 28. September unter Berufung auf die National Law Review. In dem Fall ging es um ein einstündiges, KI-generiertes Kurzdrama, das am Tag nach der Veröffentlichung kopiert und unter neuem Titel mit Werbung erneut veröffentlicht wurde. Das Gericht sprach dem Kläger 20.000 RMB zu, umgerechnet etwa 2.900 Dollar. Es stufte das Drama als schutzfähiges audiovisuelles Werk ein, weil Mitarbeiter auf jeder Stufe kreative Entscheidungen trafen, vom Drehbuch über die Gestaltung der Prompts bis zum finalen Schnitt. Die KI sei nur ein Werkzeug gewesen, befand das Gericht. Diese Einordnung ist für alle wichtig, die Roboter mit Sprachmodellen im Inneren bauen: Die Menschen treffen die Entscheidungen.
Industrieroboter haben unterdessen bereits eine Schwelle überschritten, die humanoide Roboter noch nicht erreicht haben. Die International Federation of Robotics gab am 27. September bekannt, dass der weltweite Bestand an Industrierobotern im Jahr 2025 um 9 Prozent auf den Rekordwert von 5 Millionen Einheiten gestiegen ist, getrieben von einem Anstieg der Neuinstallationen um 11 Prozent. Die Fabriken installierten im vergangenen Jahr mehr als 600.000 neue Einheiten.
"Die industrielle Automatisierung schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran", sagte Jane Heffner, Präsidentin der IFR. "Die neue Marke von 5 Millionen in Fabriken weltweit betriebenen Robotern ist mehr als doppelt so hoch wie vor sieben Jahren."
Diese Zahl bezieht sich auf den installierten Bestand herkömmlicher Industrieroboter, nicht auf humanoide. China stellt 59 Prozent der weltweiten Installationen, mit 354.000 Einheiten im Jahr 2025, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Vereinigten Staaten überholten Japan und wurden mit fast 38.500 installierten Einheiten der zweitgrößte Markt, ein Anstieg um 12 Prozent. Japan fiel um 19 Prozent auf 36.219 Einheiten. Deutschland hielt weltweit den fünften Platz, verzeichnete aber einen Rückgang der Verkäufe um 8 Prozent auf weniger als 25.000 Einheiten.
Die Lücke zwischen Aufträgen und Umsatz
Die Hersteller humanoider Roboter versuchen den Sprung von der Demonstration zur Serienfertigung. Agility Robotics, Hersteller des humanoiden Digit, geht über eine SPAC mit Churchill Capital Corp. XI bei einer Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar an die Börse, meldete The Robot Report am 25. September. Der Deal soll mehr als 620 Millionen Dollar Bruttoerlös einbringen. Dieselbe Einreichung offenbarte das Problem mit dem Maßstab. Agility meldete für 2025 einen Umsatz von 1,8 Millionen Dollar und einen operativen Verlust von 140 Millionen Dollar. Das Unternehmen gab an, Aufträge über mehr als 300 Millionen Dollar für den Digit v5 über mehrere Jahre von einem einzigen Kunden zu haben, die in den kommenden Jahren erfüllt werden sollen. Das ist ein großer Auftragsbestand und gleichzeitig eine kleine Umsatzzeile.
Agility-CEO Jonathan Hurst sagte dem Robot Report, das Unternehmen prüfe radbasierte Roboter, nachdem ein radbasierter Humanoide im Startvideo des Digit 5 kurz zu sehen war. "Wir untersuchen eine Reihe von Roboterkonstruktionen und Bauformen, darunter auch Räder, um unterschiedliche Betriebsumgebungen und Kundenbedürfnisse abzudecken", sagte Hurst per E-Mail. Auf die Frage, ob das einen radbasierten Digit oder einen neuen Roboter bedeute, sagte er: "Zu früh, um das zu sagen!"
Die Frage Beine gegen Räder ist alt, der kommerzielle Druck ist neu. Räder sind auf flachen Böden einfacher und billiger. Beine bewältigen Treppen und menschenförmige Räume. Für ein Unternehmen mit 140 Millionen Dollar operativem Verlust und einer noch abzuschließenden SPAC ist die günstigere Bauform mindestens eine Folie in einem Startvideo wert.
Teslas Problem mit den Händen
Tesla hat das umgekehrte Problem: Das Unternehmen versucht, zuerst die schwierigste Version des Roboters zu bauen. Ars Technica berichtete am 26. September unter Berufung auf ausführliche Recherchen von The Information, dass Tesla die Optimus-Produktion auf Hunderte Roboter pro Woche gesteigert hat und bis Ende 2026 mehr als 1.000 pro Woche anpeilt. Das Werk in Fremont stellte ab Mai 2026 die Produktion von Model S und Model X ein, die Mitarbeiter der Linie und Ingenieure wechselten zu Optimus. Der Engpass ist teils manuell. Arbeiter montieren die Hände und Unterarme des Optimus von Hand, und die beiden Teile zusammen enthalten mehr als 100 kleine Komponenten wie Schrauben, so The Information. Frisch produzierte Roboter kommen an und brauchen sofort Nachbesserungen. Die Berührungssensoren waren so unzuverlässig, dass Tesla eine handschuhähnliche Sensorschicht entwickelte, die sich austauschen lässt, ohne die ganze Hand zu wechseln.
Die Trainingsdaten sind die andere Einschränkung. Tesla ließ Fabrikarbeiter in Texas und Kalifornien Anzüge tragen, die ihre körperlichen Bewegungen aufzeichneten, doch The Information beschrieb einige Arbeiter, die sich beschwerten, weil sie "wussten, dass die Roboter irgendwann sie ersetzen sollten". Tesla hat die Datenerfassung inzwischen auf eigene Teams verlagert und Trainingszentren eingerichtet. Das Unternehmen ist laut The Information bei verschiedenen Roboterkomponenten weiterhin auf chinesische Zulieferer angewiesen. Im Juli verbot die Federal Communications Commission neue im Ausland hergestellte Roboter, darunter humanoide und vierbeinige Roboterhunde sowie Saugroboter, als Teil des Bestrebens, die heimischen Lieferketten zu stärken.
Musk hat Optimus in der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026 als möglicherweise "das größte Produkt aller Zeiten" bezeichnet und gleichzeitig eingeräumt, dass ein universell einsetzbarer autonomer Humanoide "eines der am schwersten zu lösenden Dinge" sei. Eine von The Informations Quellen beschrieb die aktuellen Roboter als solche, die für bestimmte Aufgaben in sorgfältig kontrollierten Umgebungen programmiert werden müssen.
Toyota zählt erst die Arbeiter, dann die Roboter
Toyota nähert sich demselben Problem mit einer Zahl. Ars Technica berichtete am 23. September unter Berufung auf Nikkei Asia, dass die Toyota Motor Group ab 2028 jährlich 6,42 Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Werke investieren will, mit dem Ziel von 150.000 Robotern in den eigenen Fabriken und weiteren 250.000 in den Anlagen der Gruppe. Toyota hat bereits einige seiner humanoiden ELEY-Roboter in Montagelinien eingesetzt, wo Arbeiter ihnen präzise Handbewegungen beibringen, indem sie Vorrichtungen tragen, die auf den Fingern der Roboter basieren.
Executive Vice President Hiroki Nakajima sagte Nikkei Asia, das Unternehmen strebe "eine Welt an, in der Roboter mit Menschen koexistieren, statt sie zu ersetzen". Toyota hat 18.000 erfahrene Arbeiter in 60 Fabriken weltweit, darunter 11 Fertigungsanlagen in den USA. Unklar ist, wie viele Roboter Toyota bisher eingesetzt hat und wie viele der geplanten Einheiten humanoide sein werden.
Hyundai geht einen ähnlichen Weg über seine US-Tochter Boston Dynamics. Ars Technica berichtete, dass Hyundai in den nächsten Jahren bis zu 25.000 humanoide Atlas-Roboter einsetzen will, beginnend 2028, und dass Boston Dynamics am 21. September ein Trainingszentrum im Hyundai Motor Group Metaplant America in Georgia eröffnete.
Kleinere Wetten und ein Sprachmodell in der Küche
Unterhalb der Autohersteller setzen kleinere Unternehmen darauf, dass Modularität den Maßstab schlägt. O-ID, ein in Tokio ansässiges Start-up, das 2025 vom norwegischen CEO Stian Jakobsen und dem niederländischen CTO Simon Gormuzov gegründet wurde, sammelte 1,2 Millionen Dollar in einer Pre-Seed-Finanzierung unter Führung von TAWANI Ventures aus Chicago ein, mit Beteiligung von Hustle Fund, Techstars und Business Angels, meldete Tech.eu am 24. September. Das Unternehmen baut einen modularen Humanoiden für Fertigung und Logistik, mit Fabrikpiloten für 2027.
Jakobsen sagte Tech.eu, Japan habe bei der Kommerzialisierung humanoider Roboter einiges aufzuholen, doch seine Fertigungsbasis könne ein Vorteil sein. Das Verkaufsargument ist die Reparierbarkeit: Eine einzelne ausgefallene Komponente sollte nicht einen ganzen Roboter monatelang außer Betrieb setzen. General Robotics arbeitet dagegen an modularer Intelligenz statt modularer Hardware; CTO Sai Vemprala beschrieb die GRID-Architektur des Unternehmens am 25. September im Podcast von The Robot Report.
Auf der Softwareseite bauten Forscher der Stanford University und des Caltech das System HomeBody, mit dem ein Unitree G1 eine unbekannte Küche aufräumen kann, wobei GPT-6 Astra als Vision-Language-Modell dient, meldete The Decoder am 27. September. Das System überspringt die übliche trainierte Steuerungsschicht, lässt den Roboter einen digitalen Zwilling in Nvidias Isaac Sim erstellen und erlaubt dem Modell, direkt eine Skill-Bibliothek für Greifen, Navigieren und das Öffnen von Schubladen aufzurufen. Zu den berichteten Einschränkungen gehören die Latenz von Astra, überhitzende Fingerservos und hohe Rechenkosten.
Die Sicherheitsdebatte läuft parallel zur Technik. The Robot Report veröffentlichte am 27. September einen Beitrag, der argumentiert, Asimovs drei Gesetze reichten nicht aus, und darauf hinweist, dass Dario Amodei, CEO von Anthropic, in einem Beitrag vom 12. September mit dem Titel "We Must Pace the Frontier" dazu aufrief, die Entwicklung an der KI-Front zu verlangsamen. Sam Altman und Elon Musk stimmten Amodei laut dem Beitrag zu, während Nvidias CEO Jensen Huang die Sorgen vor KI-Gefahren als übertrieben bezeichnete.
Stellt man die Zahlen nebeneinander, ist das Bild nicht kompliziert. Industrieroboter sind ein installierter Bestand von 5 Millionen Einheiten mit einer Wachstumsprognose von 9 Prozent auf 655.000 neue Einheiten im Jahr 2026. Humanoide Roboter sind ein paar Hundert Einheiten pro Woche bei Tesla, eine Umsatzzeile von 1,8 Millionen Dollar bei Agility und eine Seed-Runde von 1,2 Millionen Dollar bei O-ID. Die Fabriken sind bereits voller Roboter. Die Humanoiden versuchen noch zu beweisen, dass ihre Hände funktionieren.
Quellen
10- 01A Wuhan court just made AI production costs a legal factor in copyright infringement casesEN
- 02Five Million Robots now Operate in Factories GloballyEN
- 035 million robots are now at work in factories worldwide, reports the IFREN
- 04Agility Robotics, maker of Digit humanoid, exploring wheeled robotsEN
- 05Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacementsEN
- 06Toyota orders workers to train humanoid robots but says humans won't be replacedEN
- 07Europeans in Japan raise $1.2M to put modular humanoid robots to workEN
- 08Researchers plug GPT-6 Astra directly into a robot and let it clean up an unfamiliar kitchenEN
- 09Asimov's laws are not enough to keep robotics and AI safeEN
- 10General Robotics is betting on modular intelligence, not one robot brainEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.