Humanoide Roboter im Werk: Was Hyundai, Tesla und China tatsächlich tun
Bei Hyundai im Werk Ulsan legten die Beschäftigten vom 13. bis 15. Juli die Arbeit nieder. Das Wall Street Journal nannte es den ersten Fabrikstillstand der Autoindustrie wegen humanoider Roboter, wie Ars Technica berichtet. Der Überblick zeigt, wie weit humanoide Roboter in Fabriken wirklich sind.

Humanoide Roboter ziehen in Autowerke ein, aber nicht so schnell, wie es die Demo-Videos nahelegen. Am deutlichsten wurde der Widerstand im Hyundai-Komplex im südkoreanischen Ulsan. Die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten beendeten vom 13. bis 15. Juli die Tag- und Nachtschichten zwei Stunden früher. Für den 20. bis 22. Juli planten sie vierstündige Streiks, nachdem 15 Verhandlungsrunden gescheitert waren. Das meldete The Korea Times, zitiert von Ars Technica.
Der Streit dreht sich um Atlas, den zweibeinigen Humanoiden von Boston Dynamics. Er ist mehr als 6 Fuß groß und kann über 100 Pfund heben. Die Hyundai Motor Group zeigte die neueste Version zu Beginn dieses Jahres. Laut The Korea Herald will Hyundai mehr als 25.000 Atlas-Roboter in den Werken von Hyundai und Kia einsetzen, beginnend mit US-Werken im Jahr 2028. Für andere Länder wurde kein Zeitplan genannt.
Was die Roboter kosten und was sie ersetzen
Ein Atlas wird auf 130.000 Dollar geschätzt, könnte sich aber in etwa zwei Jahren bezahlt machen, sagte die Samsung-Securities-Analystin Esther Yim zu Bloomberg. James Hong von Macquarie Securities Korea Ltd. meinte, bei einem Preis von 100.000 Dollar könnten die Betriebskosten unter den US-Mindestlohn von 7,25 Dollar fallen und das Gehalt eines typischen Autowerkers unterbieten.
Die Hyundai-Gewerkschaft vertritt mehr als 39.000 südkoreanische Beschäftigte. Sie will den Stundenlohn der Produktionsarbeiter in ein Festgehalt umwandeln, um einen automatisierungsbedingten Rückgang der Arbeitsstunden abzufedern, und das Rentenalter von 60 auf 65 anheben, berichtet das Wall Street Journal. Außerdem fordert sie höhere Prämien.
Hyundai ist nicht allein. Tesla entwickelt Optimus für seine Elektroautowerke, und BMW hat in Spartanburg in South Carolina Testläufe mit Robotern von Figure AI gemacht. Auch chinesische Hersteller wie BYD testen Humanoide.
Industrieroboter sind nichts Neues: Mehr als 1.000.000 standen 2021 bereits in Autofabriken weltweit, ein Drittel aller Roboter über alle Branchen hinweg, so die International Federation of Robotics. Die USA hatten bis 2025 38.000 Industrieroboter im Einsatz, davon 13.500 in der Autoindustrie.
Die KI-Schicht kommt dazu
Der Unterschied liegt heute in der Software. Auf der CES im Januar 2026 kündigten Google DeepMind und Boston Dynamics an, dass Googles Gemini-Robotics-Modell auf Atlas und dem Roboterhund Spot laufen soll. Tests in Hyundai-Werken sind für die folgenden Monate geplant.
„Der eigentliche Wert liegt künftig darin, dass unsere Roboter ihre Umgebung im Kontext wahrnehmen und mit ihren Händen beliebige Objekte manipulieren können", sagte Boston Dynamics CEO Robert Playter zu WIRED. „Und wir glauben, dass Fertigungsumgebungen wie die Hyundai-Werke heute ein perfekter Ort dafür sind." Carolina Parada, Senior Director of Robotics bei Google DeepMind, sagte zu WIRED, die Autoindustrie sei ein guter Ausgangspunkt, das Ziel seien aber mehr Anwendungen.
Hyundais erstes US-Ziel ist Metaplant America, das Elektroautowerk bei Savannah in Georgia. Atlas soll dort 2028 mit dem Sortieren und Ordnen von Teilen beginnen. Jerald Roach, ein leitender Mitarbeiter der Endmontage vor Ort, sagte dem Atlanta Journal-Constitution, Humanoide würden die menschliche Belegschaft nicht gefährden. Für weiche Teile wie Schläuche, Kabel, Teppiche und Verkleidungen brauche man Hände mit Gefühl.
Das Werk ist laut IEEE Spectrum schon die am stärksten automatisierte Autofabrik der USA, mit mehr als 850 Robotern und 300 fahrerlosen Transportfahrzeugen. Ein Reporter des AJC sah im Juli 2026 den vierbeinigen Spot von Boston Dynamics Schweißnähte prüfen. Im Rahmen eines Förderpakets für Georgia von etwa 2.100.000.000 Dollar hat sich Hyundai verpflichtet, bis 2031 8.100 Vollzeitkräfte dort zu beschäftigen. Ende 2025 waren es mehr als 3.800.
Chinas Datenproblem
China geht das Problem von der anderen Seite an: mit Trainingsdaten. Lokale Regierungen haben mehr als 40 staatliche Zentren zur Sammlung von Roboterdaten angekündigt, etwa zwei Dutzend sind bereits in Betrieb, so Interact Analysis. In einem Pekinger Camp auf über 10.000 Quadratmetern gehören 16 Szenarien dazu, darunter eine nachgebaute Autofertigungslinie. In Hubei üben fast 100 von Menschen gesteuerte Humanoide hunderte Male am Tag, Kleidung zu falten und Tische zu wischen. Eine Trainerin, eine 20-jährige Studentin unter dem Pseudonym Kim, sagte zu Rest of World: „Wir nennen uns Cyber-Arbeiter."
Die Showseite ist laut. Bei den World Humanoid Robot Games in Peking vom 22. bis 26. August schlugen Roboter menschliche Rekorde im 100-Meter-Sprint und im Standhochsprung. Einige krachten jedoch in Absperrungen, brachen in der Taille oder fingen Feuer, berichtete Ars Technica. Der Purdue-Doktorand Dipam Patel sagte zu Ars, solche Roboter seien für eine einzige Aufgabe konstruiert, und viele Teilnehmer würden noch ferngesteuert.
Die praktischen Wettbewerbe erzählen eine nüchternere Geschichte: Bei einer Brandbekämpfungsaufgabe im Freien kamen nur drei von 12 Teams ins Ziel.
Quellen
6- 01Fear of humanoid robots spurs human workers to strike at Hyundai auto factory - Ars TechnicaEN
- 02Tesla plans 'thousands of Humanoid Robots within factories' - ElectrekEN
- 03Google Gemini Is Taking Control of Humanoid Robots on Auto Factory Floors - WIREDEN
- 04In Chinese data factories, workers teach humanoid robots boring tasks - Rest of WorldEN
- 05Beyond China's humanoid robots, a quieter machine revolution is unfolding - BBCEN
- 06World humanoid robot games show runners breaking records, bursting into flames - Ars TechnicaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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