Archäologen rekonstruieren in Pompeji einen seit 79 n. Chr. verschlossenen Schrank
Archäologen in Pompeji haben einen hölzernen Schrank rekonstruiert, der seit dem Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. verschlossen war. Darin fanden sich 38 Bronzemünzen und eine Kette mit mindestens 24 Anhängern, teilte der Park Ende Oktober mit.

Der Schrank stand nach Angaben des Archäologischen Parks von Pompeji in einem Raum des Hauses IX 11, 7 an der Via dell'Abbondanza, einer der belebtesten Straßen der antiken Stadt. Die Forscher rekonstruierten das Möbelstück anhand der Funde aus der Grabung. Seit der Vesuv Pompeji unter sich begrub, war der Schrank geschlossen, fast 2.000 Jahre lang.
Im Inneren zählte das Team 38 Bronzemünzen in einem kleinen geflochtenen Behälter aus Pflanzenfasern. Ringsum standen Gefäße und Kochtöpfe aus Bronze, Glas und Keramik, darunter ein verzierter Krug. Bleigewichte in einer Holzkiste legten nahe, dass jemand im Haus am Handel beteiligt war.
Die Kette eines Kindes und Werkzeug zur Körperpflege
Zu den Fundstücken gehörte eine Kette mit mindestens 24 Miniaturanhängern aus Knochen, Glaspaste, Irdenware und Bergkristall. Die Anhänger zeigen die Götter Bes und Merkur sowie Hände, Füße, Tannenzapfen und Weintrauben. Diese Art Kette, Crepundia genannt, bekamen römische Kinder traditionell als Schutzamulett und als Rassel. Ihr Klang half Erwachsenen, die Kinder im Blick zu behalten. Manche Römer bewahrten die Ketten bis ins Erwachsenenalter als Erinnerung an die Kindheit auf.
Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Parks, sagte, eine Crepundia erinnere an Eltern, die vielleicht weit weg lebten. Viele Menschen seien im Mittelmeerraum unterwegs gewesen und hätten persönliche Dinge mit sich geführt.
Im Schrank lagen außerdem eine Pinzette, ein Werkzeug zur Zubereitung von Kosmetikpigmenten, ein kleines Glasfläschchen für Parfüm oder Salbe, ein Räuchergefäß und eine Bronzelampe. Bei der Grabung kamen in einer Amphore auf einer erhöhten Ablage die Überreste von mindestens zwei jungen Mäusen zum Vorschein. Laboruntersuchungen bestimmten 117 Knochenfragmente, die wohl zur Waldmausart Apodemus sylvaticus gehören, berichtete Greek Reporter.
Das Haus und was offenbleibt
Das Haus liegt in einem zentralen Bereich Pompejis. Wegen dort entdeckter Inschriften wird es versuchsweise einem Mann namens Cornelius Maximus zugeordnet. Die Inschriften sind heute nicht mehr sichtbar. Die Fassade wurde erstmals 1912 ausgegraben. Erst jetzt untersuchten Archäologen einige der Räume dahinter, im Rahmen eines größeren Restaurierungsprojekts nahe dem Haus der keuschen Liebenden.
Aufwendige Wandmalereien im Vierten Stil lassen auf einen verhältnismäßig komfortablen Lebensstandard der Bewohner schließen. Funde zeigen, dass beim Ausbruch des Vesuvs Bauarbeiten im Gange waren. Ob die Eigentümer entkamen oder starben, können die Forscher nicht klären.
Zuchtriegel sagte, die Identität des Haushalts lasse sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Die Fragmente brächten die Forschung dem Alltag der Bewohner aber näher. Der Wert des Fundes liege darin, die verschiedenen Spuren eines Lebens zusammen zu lesen: persönliche Gewohnheiten, Arbeit und Erinnerungen. Dass Geld und offenbar emotional bedeutsame Gegenstände zurückblieben, spreche dafür, dass die Eigentümer nach dem Ausbruch des Vesuvs keine Zeit mehr hatten, sie zu holen, teilte der Park mit.
Quellen
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- 02Ancient Cabinet Found in Pompeii Reveals Personal Treasures Left Behind 2,000 Years AgoEN
- 03Perfume bottle and child's necklace among treasures found in Pompeii wardrobeEN
- 042,000-Year-Old Pompeii Wardrobe Preserves Personal Items and a Child's Protective CharmsEN
- 05A Sealed Cupboard in Pompeii Held Childhood Amulets and 38 Coins That Were Never CollectedEN
- 062,000-Year-Old Cupboard in Pompeii Reveals 24 Protective Amulets and 38 CoinsEN
- 07Pompeii: A Woman's Wardrobe, Lost in the Eruption of 79 A.D., ResurfacesEN
- 08Pompeii, life went on after Vesuvius: new discovery points to the RenaissanceEN
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