Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Schmuggler kombinieren verbotene HBM mit schwachen Server-Chips, um Speicher nach China zu bringen

Ein Speicher-Schmuggler hat beschrieben, wie exportkontrollierte HBM von Samsung und SK hynix in Servern nach China gelangt, die um billige, nicht sanktionierte Prozessoren herum gebaut werden. Das berichtet The Information, Tom's Hardware veröffentlichte den Bericht über die Lücke am 3. November.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20266 Min. LesezeitQuellen 14
Schmuggler kombinieren verbotene HBM mit schwachen Server-Chips, um Speicher nach China zu bringen

Der Trick ist strukturell, nicht technisch. Die Exportkontrollregeln betrachten die Leistung des Server-Prozessors, nicht die der übrigen Bauteile, die daran hängen. Ein langsamer Chip kann also schnellen Speicher über die Grenze tragen, berichtete Tom's Hardware am 3. November unter Berufung auf The Information.

Der Schmuggler betreibt eine Chipdesign-Firma, die leistungsschwache Prozessoren baut. Diese Chips fallen unter die US- und die südkoreanischen Kontrollen. Auf die Platinen kommen dann HBM von Samsung und SK hynix, Speicher, dessen Ausfuhr nach China für sich genommen verboten ist.

Sauber läuft die Route nicht. Die Baugruppen landen in Hongkong und werden im Gepäck von Pendlern, die die Strecke täglich fahren, nach Shenzhen gebracht, heißt es in demselben Bericht. In Werkstätten dort erhitzen Techniker die Platinen, um das Lot weich zu machen. Sie heben die Speicherchips ab und werfen den Rest weg. Die Ausfallquote ist hoch. Der Preis von HBM macht die Arbeit trotzdem lohnend.

Die Geschichte von Tom's Hardware erscheint am selben Tag wie ein zweiter Bericht über dieselbe Lücke in den Regeln, diesmal von der Käuferseite des Markts. Nvidia hat einigen Cloud-Kunden nahegelegt, weniger Geschäft mit chinesischen Firmen anzunehmen, meldete The Information unter Berufung auf drei mit der Sache vertraute Personen. Die Anweisung sei mündlich über Vertriebsmitarbeiter und regionale Teams weitergegeben worden, berichtet die Financial Times.

Eine Weisung ohne Papierspur

Laut dem Bericht von The Decoder vom 3. November ist die Vorgabe nicht verpflichtend. Sie gilt für künftige Verträge, nicht für bestehende Geschäfte. Cloud-Anbieter, darunter von Nvidia unterstützte Neoclouds, sollen außerdem offenlegen, wer die Endnutzer sind.

Warum das zählt: Die US-Exportkontrollen beschränken Chip-Lieferungen, erfassen aber im Allgemeinen keinen Fernzugriff über Cloud-Dienste. Ein chinesischer KI-Entwickler kann Rechenkapazität in einem Rechenzentrum im Ausland mieten und so moderne Nvidia-Hardware erreichen, ohne etwas zu importieren. The Decoder merkt an, die US-Behörden hätten untersucht, ob chinesische KI-Firmen über ausländische Rechenzentren an solche Chips gelangen. Auslöser waren Vorwürfe gegen Moonshot AI, den Entwickler des Chatbots Kimi.

Am selben Tag meldete CnEVPost, Teslas China-Absatz auf Großhandelsbasis habe im Oktober 67.829 Fahrzeuge erreicht, nach vorläufigen Daten des chinesischen Pkw-Verbands CPCA, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Das sind 10,30 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 28,88 Prozent weniger als im September und der niedrigste Monatswert seit Februar, als die Zahl bei 58.599 lag. In den ersten 10 Monaten summierten sich die Großhandelsverkäufe auf 810.889, ein Plus von 21,42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die vorläufigen Daten trennten Inlandsverkäufe und Exporte nicht, die Aufteilung hinter der Oktober-Zahl ist also nicht öffentlich.

Der Abstand zum Gesamtmarkt fällt auf. Die CPCA schätzt die landesweiten Großhandelsverkäufe von Pkw mit alternativen Antrieben im Oktober auf 1.800.000 Einheiten, 12 Prozent mehr als im Vorjahr und 8 Prozent mehr als im September. Teslas Jahreswachstum blieb darunter, und die Monatsbewegung lief in die andere Richtung.

"Die Gesamtquote ist begrenzt, deshalb wird jedes Unternehmen keine große Exportzuteilung erhalten. Alle Hersteller arbeiten derzeit daran, sich ihren Anteil zu sichern", sagte eine mit der Sache vertraute Person der Cailian, wie CnEVPost zitiert.

Dieses Zitat steht im Zentrum der europäischen Geschichte. Mehrere chinesische Hersteller sind zuletzt für Gespräche mit den Regulierern nach Peking gereist, es ging um Quoten für den Export von Hybridfahrzeugen in die EU, meldete Cailian am Montag unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Personen. Die Gespräche fanden weniger als einen Monat statt, nachdem beide Seiten eine Verständigung über den Hybridhandel angekündigt hatten. CnEVPost, das den Bericht am 2. November brachte, schreibt, der Bericht nenne weder die beteiligten Hersteller noch die Mengen, die jeder anstrebte, noch die Kriterien für die Zuteilung.

Die Zahlen hinter den Gesprächen kommen von anderer Stelle. Chinas Handelsministerium erklärte am 12. Oktober, die Seiten hätten eine Regelung vereinbart, die Wachstum ausgehend von den 302.000 Hybridfahrzeugen erlaubt, die die EU im Jahr 2025 aus China importierte. Bloomberg berichtete am 11. Oktober unter Berufung auf ein eingesehenes Vorschlagsdokument, die Quote solle im ersten Jahr bei 350.000 Fahrzeugen liegen. Ab dem zweiten Jahr steige sie jährlich um 6 Prozent und gelte vier Jahre. Die Maßnahmen könnten laut diesem Bericht bereits am 1. Dezember in Kraft treten und sowohl HEVs als auch PHEVs erfassen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic sagte am 9. Oktober, die Verständigung sehe eine Halbierung der chinesischen HEV- und PHEV-Exporte in die EU vor, nannte aber keine Bezugsgröße. Damit lassen sich die beiden Darstellungen schwer zusammenbringen.

Die Angebotsseite in Zahlen

Die Chery Group, die am Sonntag ihre Zahlen vorlegte, zeigt, wie stark chinesische Hersteller inzwischen von Märkten außerhalb Chinas abhängen. Der Konzern verkaufte im Oktober 295.934 Fahrzeuge, 5,25 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 140.893 mit alternativen Antrieben, ein Rekord und der siebte Monat in Folge über 100.000. Die Exporte erreichten 200.618, ein Plus von 58,67 Prozent und rund 68 Prozent des Monatsabsatzes, das dritte Mal in diesem Jahr, dass die Auslandsverkäufe 200.000 überschritten, meldete CnEVPost am 1. November. In den ersten 10 Monaten summierten sich die Exporte auf 1.751.766, ein Plus von 64,8 Prozent.

Elektrische Schwerlastwagen erzählen eine ähnliche Geschichte von einem Markt, der schneller ist als die Politik. Im September waren 50,3 Prozent aller in China verkauften schweren Lkw elektrisch, 33.100 Einheiten, 37 Prozent mehr als im Vorjahr, während der Gesamtmarkt für schwere Lkw um 21 Prozent schrumpfte, meldete Electrek am 2. November. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 verkaufte China 226.400 elektrische Schwerlastwagen, ein Plus von 64 Prozent und ein Anteil von 38,1 Prozent. Elf Regierungsstellen hatten sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 einen Anteil von 40 Prozent neuer Energien bei schweren Lkw zu erreichen. Der Monatswert lag vier Jahre früher darüber. Chinas Diesel-Nachfrage sinkt in diesem Jahr laut Electrek um rund 230.000 Barrel pro Tag, wobei batterie- und erdgasantriebene Lkw den größten Teil der Arbeit leisten.

Toyotas China-Problem ist das Spiegelbild. Lexus baut seinen nächsten elektrischen SUV in Jinshan in Shanghai, für den Verkauf im Jahr 2027, das erste in China gefertigte Fahrzeug der Marke seit mehr als zwei Jahrzehnten, berichtete Electrek am 2. November. Die Kapazität liegt 2027 bei rund 1.000 Einheiten pro Monat und soll 2028 auf Zehntausende steigen. Toyota verkaufte in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 knapp über 1.050.000 Fahrzeuge in China, 18,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im vergangenen Monat fielen die Verkäufe um fast 20 Prozent, der achte Rückgang in Folge.

Auf den Kapitalmärkten ist die Stimmung gekippt. Reuters meldete, der STAR50-Index chinesischer KI- und Halbleiterfirmen sei binnen vier Monaten um 40 Prozent gefallen und habe damit 480.000.000.000 US-Dollar an Börsenwert vernichtet. CleanTechnica gab die Zahl am 1. November weiter, zusammen mit einem Zitat des Pekinger Fondsmanagers Dong Baozhen: "Aus dem Aktienmarkt wurde später ein spekulativer, verrückter Bullenmarkt. Und jetzt sehen wir die Blase platzen." CleanTechnica merkt außerdem an, dass die Aktien des Robotikunternehmens Unitree seit dem Börsengang im August ihren Wert halbiert haben und der Chiphersteller CXMT binnen eines Monats mehr als ein Viertel seines Werts verloren hat. Die Kausalaussagen in diesem Stück sind als Kommentar zu behandeln; die Bewegung des Index ist die Zahl, an der man sich festhalten sollte.

Keiner dieser Stränge läuft in eine Richtung. Am 3. November dokumentierte Tom's Hardware ein Kontrollregime, das auf der Ebene einer einzelnen Platine umgangen wird. The Decoder dokumentierte ein Unternehmen, das seine Kunden bittet, eine Lücke selbst zu schließen, die die Regeln nicht schließen. Peking wiederum arbeitet an eigenen Exportbeschränkungen für KI und andere Technologien, ein Vorschlag, der seit Ende Oktober durch Reuters und die Fachpresse läuft. Das Muster ist nicht Kontrollen gegen Freihandel. Es sind Kontrollen überall, so locker formuliert, dass die Last bei dem landet, der sie zuerst auslegt.

Kommentare 0

Quellen

14
  1. 01AI chip smugglers exploit trade control loophole to bring banned HBM from South Korea into ChinaEN
  2. 02Nvidia pushes cloud customers to cut back on China businessEN
  3. 03Tesla China October wholesale sales total 67,829, lowest since FebruaryEN
  4. 04Chinese automakers reportedly head to Beijing for talks on EU hybrid export quotasEN
  5. 05Chery October sales rise 5.3% as NEVs hit record and exports top 200,000 againEN
  6. 06Electric trucks hit 50% of China's heavy truck sales, diesel demand fallsEN
  7. 07Lexus is taking a page from China for its next electric SUV launching in 2027EN
  8. 08AI Balloon in China Deflates by Half a Trillion DollarsEN
  9. 09China's 'Lipstick King' hawks tokens as AI gets mass-market Singles' Day pushEN
  10. 10China's EDA champion buys start-up to address weak link, support Huawei's Tau Scaling LawEN
  11. 11China's CXMT defends bet on risky new DRAM architecture to circumvent US chip curbsEN
  12. 12Technologie: Wie chinesische Chiphersteller ins deutsche Autogeschäft drängenEN
  13. 13China Finally Debuts Fourth Exascale System, Sugon 8000EN
  14. 14Apple Intelligence to roll out on iPhones in China in December with Alibaba backingEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.