Geänderter IPO-Antrag von Anthropic: Compute-Kosten bei 58 Prozent des Umsatzes
Anthropic hat am Montag seinen geänderten IPO-Antrag eingereicht. Darin stehen für das dritte Quartal 17 Milliarden Dollar Umsatz und ein höherer Betriebsverlust, weil die Compute-Kosten von 48 auf 58 Prozent des Umsatzes gestiegen sind. Der Börsengang ist für November geplant.

Anthropic reichte die Änderung am Montag ein und verlängerte damit die Finanzangaben vom 30. Juni bis zum 30. September, wie TechCrunch berichtete. Der Umsatz erreichte in dem Quartal 17 Milliarden Dollar, nach 11,5 Milliarden Dollar im Vorquartal. Gleichzeitig wuchs der Betriebsverlust, vor allem wegen der steigenden Compute-Kosten.
Compute-Kosten steigen
Laut Antrag entfielen im Quartal 58 Prozent des Umsatzes auf Compute, nach 48 Prozent im Quartal davor. Die Compute-Rechnung stieg auf 10 Milliarden Dollar, darunter 5,0 Milliarden Dollar für Compute aus kurzfristigen Verpflichtungen. Diese kosteten, so heißt es in dem Dokument, „derzeit deutlich mehr als vergleichbare Compute-Leistungen, die wir über unsere mehrjährigen Verpflichtungen beschaffen“.
Eine Grafik im Antrag verfolgt den Umsatz pro ausgegebenem Dollar für Compute. Der Wert stieg seit Anfang 2025 stetig und erreichte im jüngsten Quartal knapp über das Doppelte, bevor er auf das 1,72-Fache zurückfiel.
Compute- und Infrastrukturausgaben werden laut Antrag in absoluten Dollarbeträgen steigen und auf absehbare Zeit der größte Betriebsaufwand bleiben. Der Grund: Mit den mehrjährigen Vereinbarungen kommen weitere fest gebuchte Kapazitäten hinzu.
Verpflichtungen hinter dem Antrag
Das geänderte Registrierungsdokument von Anthropic weist mindestens 582 Milliarden Dollar an nicht kündbaren Ausgabenverpflichtungen gegenüber fünf Unternehmen aus: Amazon, AMD, Broadcom, Google und Microsoft. Die gesamten vertraglichen Verpflichtungen erreichen 895 Milliarden Dollar und reichen laut einer von TechPolicy.press veröffentlichten Analyse von Matt Scherer überwiegend bis in die 2030er Jahre. Anthropic hat 96 Milliarden Dollar an Barmitteln.
Scherer schrieb, es sei unklar, welcher Teil der verbleibenden rund 300 Milliarden Dollar von den 895 Milliarden Dollar letztlich in der Bilanz von Anthropic landen werde. Da das Unternehmen noch über weitere Infrastruktur- und Compute-Verträge verhandle, könne es das Jahr mit Verpflichtungen von einer Billion Dollar oder mehr abschließen, schrieb er.
Risiko für Anleger
In dem Meinungsbeitrag für TechPolicy.press argumentierte Scherer, die SEC solle den Börsengang blockieren. Die Verpflichtungen seien faktisch Schulden, weil es Zahlungen seien, zu denen Anthropic vertraglich in der Zukunft verpflichtet ist, unabhängig davon, ob das Unternehmen sie sich leisten kann.
Scherer stellte auch die Nachfrage infrage und verwies auf Studien, denen zufolge große Sprachmodelle die Produktivität nicht beschleunigen und für die meisten Unternehmen keine positiven Erträge bringen. Eine Studie habe ergeben, dass der Anteil der Amerikaner, die KI bei der Arbeit nutzen, von 46 Prozent im Sommer 2025 auf 33 Prozent im Sommer 2026 gefallen sei, schrieb er.
Margen und Compute-Deals
Anthropic meldete für das erste Halbjahr 2026 eine Bruttomarge von 85,4 Prozent, verglichen mit 26,4 Prozent bei Z.ai und 17,9 Prozent bei MiniMax, wie die SCMP unter Berufung auf das S-1 von Anthropic und die jüngsten Finanzangaben der beiden in Hongkong notierten Unternehmen berichtete. Diese Marge gilt für das erste Halbjahr; der Compute-Anteil von 58 Prozent betrifft das dritte Quartal.
TechCrunch berichtete, Anthropic zahle SpaceX monatlich 1,25 Milliarden Dollar für Compute, dazu kämen Milliardenverträge mit Nscale, Akamai und Volta. Diese Anbieter zählen zu den Neoclouds, kleineren Anbietern, die flexiblere Verträge zu höheren Preisen anbieten als die Hyperscaler. Der Bericht nannte die sich verschlechternden Compute-Margen möglicherweise nur einen Ausreißer und kein langfristiges Problem, solange der Umsatz weiter um fast 50 Prozent pro Quartal wachse. Anthropic versuche, die Kosten mit einer eigenen Compute-Basis unter dem Projektnamen Anthropic Direct zu senken, doch die Nachfrage wachse zu schnell, als dass dieses Vorhaben Schritt halten könne.
Wie es weitergeht
Anthropic plant weiterhin einen Börsengang im November. Scherer schrieb, die Finanzergebnisse des Unternehmens für 2026 seien keiner förmlichen Prüfung unterzogen worden.
Sollten die laufenden Verhandlungen zum Abschluss kommen, könnten die Verpflichtungen bis zum Jahresende die Billion-Dollar-Marke überschreiten, schrieb er. TechCrunch schrieb, die Zukunft des Unternehmens bleibe von den Compute-Preisen abhängig.
Quellen
14- 01The SEC Should Block Anthropic's IPO to Protect the PublicEN
- 02Anthropic is still grappling with the economics of computeEN
- 03Why Chinese AI stars like Z.ai, MiniMax struggle to match Anthropic's profit marginEN
- 04Anthropic IPO warns its AI could blackmail people, become sentient, end humanityEN
- 05How China 'risk factors' loom over Anthropic's hotly anticipated IPO filingEN
- 06Anthropic's Claude AI blocks video game cloning and reverse-engineeringEN
- 07Anthropic's text watermark is easy to bypass on several older Claude modelsEN
- 08Anthropic's new prototype proves which model wrote an AI response without exposing its weightsEN
- 09Anthropic takes steps to block Claude from reverse-engineering video gamesEN
- 10Wer spricht da? Anthropic stellt Identitätsnachweis für KI-Modelle vorEN
- 11Anthropic VS code extension on Cursor backdoored for nearly 12 hoursEN
- 12New Claude Limits to Prevent Game Cloning and Reverse EngineeringEN
- 13DeepSeek unveils AI ‘super agent’ in coding race with OpenAI, AnthropicEN
- 14Astranis Upgrades Falcon 9 Launch Contract to Dedicated Mission for Entire Block 4 Production Run of SatellitesEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.